Alt-Bundespräsident Joachim Gauck trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein Es waren wegen der Corona-Beschränkungen zwar nur wenige Gäste im Friedenssaal zugelassen, dennoch fühlte sich Altbundespräsident Joachim Gauck am Mittwoch, 2. Juni "sehr geehrt" sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen zu dürfen. Ein wenig gerührt war er schon, als ihm Oberbürgermeister Wolfgang Griesert seinen Namenszug zeigte, den er bereits im Goldenen Buch hinterlassen hat: Bevor er zum Bundespräsidenten gewählt wurde, hatte er die Friedensstadt vor gut 20 Jahren schon einmal besucht, um einen Vortrag zu halten, und sich zu dieser Gelegenheit bereits in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Am Mittwoch ist es wieder ein Vortrag gewesen, der ihn veranlasste, die Stadt zu besuchen. Bei dem kleinen Empfang sagt Griesert: "Meines Wissens haben es – wenn überhaupt – nur ganz wenige Menschen geschafft, ihren Namen zum Namen einer Behörde zu machen. Sie haben das geschafft: Die Gauck-Behörde ist legendär. Aber auch aus Ihrer täglichen Arbeit als Bundespräsident waren Sie Repräsentant unseres Landes in der Welt und in Europa, waren aber auch Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger. Das forderte diplomatisches Geschick, gerade weil Sie die "Freiheit" zu Ihrem Thema gemacht haben." Nach einem kurzen Rückblick auf den Westfälischen Frieden von 1648 blickte der Oberbürgermeister auch voraus: "Hier im Friedenssaal ist es gelungen, zu diplomatischen, zu verträglichen Lösungen zu kommen. Dafür steht der Westfälische Frieden von 1648, ein Friede nach einem Krieg, der keine Sieger und keine Besiegten kennt. Dieses vertragliche Ende erforderte fünf Jahre lang Verhandlungen, die nicht einfach waren, schließlich waren im 17. Jahrhundert 150 Abgeordnete mit 150 Meinungen in Osnabrück und dem benachbarten Münster vertreten. Im Jahre 2023, also 375 Jahre später, werden wir mit einem umfangreichen Programm an dieses bedeutende Datum in der europäischen Geschichte erinnern, an dem sich Europa gewissermaßen neu erfunden hat, was das umfangreiche Vertragswerk nachdrücklich verdeutlicht." Sehr interessiert reagierte Gauck auf die Ausführungen des Oberbürgermeisters über Hans Callmeyer, der in Israel, in Yad Vashem, als "Gerechter unter den Völkern" geehrt wird. Seine Heimatstadt Osnabrück erinnerte an ihn 1995 mit der höchsten Auszeichnung, der Justus-Möser-Medaille. Er hatte tausenden Juden während des Zweiten Weltkrieges im besetzten Holland das Leben gerettet und sie – die sogenannten "Calmeyer-Juden" – vor Auschwitz bewahrt. "Mit einer Ausstellung in einem Gebäude direkt neben dem Nussbaum-Haus wollen wir an sein Menschen-Werk, wenn ich das so sagen darf, erinnern", sagte der Oberbürgermeister im aktuellen Pressegespräch!



Berlin Der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, hat die Türkei zur Achtung der Pressefreiheit aufgefordert. Hintergrund ist die Haltung des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu zur Pressefreiheit im Zusammenhang mit den Abdruck von Mohammed-Karikaturen.
Roth sagte dazu dem Handelsblatt (Online-Ausgabe): „Ich habe dazu eine klare Position: Wer frei leben möchte, muss die Freiheit des Anderen aushalten können – auch wenn sie manchmal schwer erträglich erscheint.“ Zugleich begrüßte der SPD-Politiker, „dass die furchtbaren Ereignisse in Paris eine bislang mit großem Ernst geführte Debatte über die Presse- und Meinungsfreiheit nicht nur in Europa, sondern weltweit ausgelöst haben“.

Kritik äußerte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken. Die Presse- und Meinungsfreiheit sei ein „universelles Grundrecht“, das in allen Ländern der Erde gelten müsse. „Auch wenn gläubige Moslems ein Problem mit der Darstellung ihres Propheten in Karikaturen haben, gibt das keiner Regierung das Recht, die Pressefreiheit einzuschränken“, sagte Konken dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Das gilt auch für die Türkei.“

Nach der Veröffentlichung des „Charlie Hebdo“-Titelbilds in der Türkei hatte Davutoglu den Abdruck von Mohammed-Karikaturen verurteilt und erklärt: „Pressefreiheit bedeutet nicht die Freiheit zur Beleidigung.“ Insbesondere wenn es den Propheten betreffe, könne man das nicht als Pressefreiheit betrachten. „In diesem Land erlauben wir keine Beleidigung des heiligen Propheten. Das ist eine sehr klare und grundsätzliche Haltung.“                                                                                          QUELLE: PM: 2020

 

„Je suis Charlie“: Graffities in Paris erinnern an den Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015.                                                                                                                          FOTO: AFP