Programm EMAF 2018 Mehr als 150 Kurz- und Langfilme, 15 Installationen, Arbeiten von 80 studierenden Künstlern, drei Performances, acht Talks, zwei Partys und drei Preise – das ist – in Zahlen gefasst – das Programm des diesjährigen European Media Art Festivals, das die Kuratoren heute in Osnabrück vorgestellt haben. Dabei beschäftigt sich das Festival in seinen verschiedenen Sektionen vorrangig mit einem Thema: der Verbindung von Medienkunst und Journalismus – unter dem Titel „Report – Notizen aus der Wirklichkeit.“ Die Rede ist von Datenklau bei facebook, Wahlbeeinflussung durch Geheimdienste, drohenden Wirtschaftskriegen und zweifelhaften Rüstungsexporten. „Eine gesellschaftliche Krise bedeutet auch immer eine Krise des Bildes“, sagt Katrin Mundt, Mitglied der Auswahlkommission für den Bereich Film, die von Ralf Sausmikat geleitet wurde. Diese Krise des Bildes führe dazu, dass Künstler und Filmemacher verstärkt eigene, andere Bilder von Wirklichkeit produzieren und damit auch in politische Verhältnisse intervenieren, sagt Katrin Mundt, die das zusätzliche Themen-Filmprogramm des Festivals kuratiert hat. Das Programm zeigt unter anderem die Arbeit Shadow World von Johan Grimonprez. Der Film enthüllt die dunkle Welt des internationalen Waffenhandels. In der Diskussion um deutsche Rüstungsexporte ist er so aktuell wie nie. Ebenfalls politisch ist die Arbeit Das Kongo Tribunal TRANSMEDIA, die das EMAF in der von Franz Reimer und Hermann Nöring kuratierten Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück zeigt. Im Kongokrieg kamen mehr als sechs Millionen Menschen ums Leben. Er gilt als einer der entscheidenden wirtschaftlichen Verteilungskämpfe um die Vorkommnisse von High-Tech-Rohstoffen. Theaterstar Milo Rau versammelt in seinem transmedialen Projekt Opfer, Täter, Zeugen und Analysten des Kongokrieges zu einem zivilen Volkstribunal. Die Konferenz des EMAF ist in diesem Jahr in die Kunsthalle Osnabrück umgezogen. Nicht nur räumlich ergibt sich so eine engere Verzahnung der einzelnen Sparten, auch inhaltlich rücken sie näher zusammen. So wird beispielsweise Johan Grimonprez, der Regisseur von Shadow World bei der Konferenz sprechen, genauso wie Eva Maria Bertschy, die Dramaturgin von Das Kongo Tribunal. „So ergibt sich für Besucher die Möglichkeit, ausgewählte Künstler, deren Arbeiten in der Ausstellung oder im Filmprogramm zu sehen sind, persönlich zu erleben“, sagt Alfred Rotert, der die Konferenz gemeinsam mit Sabine Maria Schmidt geplant hat. Mehr als 80 studierende Künstler prägen in diesem Jahr den Media Campus INIT. Sie kommen unter anderem von der HBK Braunschweig, der HfK Bremen, der KHM Köln und der Uni Osnabrück. Sie bespielen in diesem Jahr neben drei anderen Orten zum ersten und einzigen Mal die leerstehende Theaterpassage im Herzen der Osnabrücker Innenstadt. Außerdem zeigt der Media Campus INIT insgesamt fünf Filmprogramme. Im Bereich der Performances ist in diesem Jahr unter anderem Johannes Kreidler zu erleben. Der junge Wilde unter den zeitgenössischen Komponisten führt mit Instruments neun Sound-Video-Elemente auf, die sich mit komponiertem Klang und seinen Beziehungen zu Gesellschaft, Philosophie und Technik auseinandersetzt. Zwei Jurys werden am Samstagabend drei Preise verleihen: den EMAF-Medienkunstpreis der Deutschen Filmkritik, den Dialog-Preis des Auswärtigen Amtes und den EMAF-Award. Das EMAF gilt seit seiner Gründung in den Achtziger Jahren als richtungsweisendes Forum der internationalen Medienkunst.

European Media Art Festival Osnabrück Festival: 18. - 22. April 2018 Exhibition: 18. April - 21. May 2018 Cinema / Exhibition / Performances / Conference / Media Campus INIT English version below Preisverleihung EMAF 2018 Videostill: „Shouting at the Ground“ von Graeme Arnfield EMAF Newsletter 9: die Preisträger Liebe Freunde des EMAF, wir sind froh, stolz und dankbar für die schöne Zeit mit Euch! Gestern ist das 31. European Media Art Festival zu Ende gegangen. Unzählige Künstler, Filmemacher und Experten sind nach Osnabrück gekommen, um sich und ihre Arbeiten vorzustellen – in den Ausstellungen, den Filmprogrammen, Performances und der Konferenz. Der Media Campus INIT war beliebte Anlaufstelle für Studierende verschiedener Hochschulen. Am vierten Abend des Festivals sind beim EMAF am Samstag drei Preise verliehen worden: der EMAF Award, der Dialog-Preis des Auswärtigen Amtes und der EMAF Medienkunstpreis der Deutschen Filmkritik (VDFK). Der mit 3.000 Euro dotierte EMAF Award für eine richtungsweisende Arbeit in der Medienkunst ging an Graeme Arnfield. Er wurde für seine Arbeit „Shouting at the Ground“ ausgezeichnet. Fairuz Ghammam erhielt für ihre Arbeit „Oumoun“ den mit 2.000 Euro dotierten Dialog-Preis, den das Auswärtige Amt zur Förderung des interkulturellen Austausches vergibt. Den EMAF Medienkunstpreis der Deutschen Filmkritik (VDFK) bekam in diesem Jahr Lukas Marxt für seine Arbeit „Imperial Valley (cultivated run-off)“. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert. Die Internationale Jury, die den EMAF Award und den Dialog-Preis des Auswärtigen Amtes vergibt, bestand in diesem Jahr aus Chloé Galibert-Laîne, Yasmijn Jarram und Philip Widmann, dem Gewinner des EMAF Medienkunstpreises der Deutschen Filmkritik 2017. Graeme Arnfields Arbeit „Shouting at the Ground“ überzeugte die Jury durch seine ganz eigenen Methoden der Ausgrabung von Filmmaterial und Erzählungen. Sie verbinden latente und tödliche Elemente einer jahrhundertelangen Geschichte menschlicher und ökologischer Katastrophen, so die Jury. „Es gibt Leichtigkeit und sogar Humor in der Art und Weise, wie scheinbar weit hergeholte Assoziationen zwischen den verschiedenen Materialien, aus denen dieses Video-Triptychon besteht, hergestellt werden. Während sich der Film entfaltet, werden wir unter den verschiedenen Schichten der Tiefe, die er offenbart, untergetaucht und fast erstickt, da jedes einzelne Stück dieses sehr sorgfältig hergestellten Puzzles direkte physische, soziale und ökologische Konsequenzen hat.“ Für diese Arbeit überreichte die Jury dem 26-jährigen Briten Graeme Arnfield in Osnabrück den mit 3.000 Euro dotierten EMAF Award. Videostill: „Oumoun“ von Fairuz Ghammam Videostill: „Imperial Valley (cultivated run-off)“ von Lukas Marxt Den Dialog-Preis des Auswärtigen Amtes erhielt die Belgierin Fairuz Ghammam für „Oumoun“ – ein liebevolles Porträt über ihre Großmutter in Tunesien, mit der sie für das Projekt zum ersten Mal auf Arabisch kommuniziert hat. „Oumoun“ ist nach Ansicht der Jury ein bescheidenes, intimes Porträt zweier Generationen, das den Wunsch erforscht, sich mit der eigenen Herkunft zu verbinden: sowohl mit den Vorfahren als auch mit der Sprache, die sie sprechen. Dieser Drang zur Kommunikation habe keine unmittelbare Wirkung. Während die eine Generation von der anderen lernen wolle, werde die Erwartung eines Dialogs nicht direkt erfüllt. Dennoch finde Kommunikation statt – diese allerdings eher nebenher als durch Sprache. „Es ist die respektvolle Akzeptanz einer Koexistenz von Distanz und Nähe, die diese Arbeit auszeichnet“, heißt es in der Begründung der Jury. Die Jury, die den EMAF Medienkunstpreis der Deutschen Filmkritik vergibt, bestand in diesem Jahr aus Yun-Hua Chen, Günter Minas und Conny E. Voester. Sie entschied sich für„Imperial Valley (cultivated run-off)“ von Lukas Marxt,, der dem Publikum via skype aus Utah zugeschaltet war, wo er gerade für sein neues Projekt recherchiert. „Imperial Valley (cultivated run-off)“ nimmt den Zuschauer mit in die Schwebe über Wüstenlandschaften in Kalifornien, in denen durch ein riesiges Bewässerungssystem landwirtschaftliche Superproduktion möglich geworden ist. Die visuelle Strategie des Filmemachers ist klar und bestechend, urteilt die Jury. Lukas Marxt nutze eine Aufnahmetechnik, die für militärische Aufklärungsflüge entwickelt wurde zur Aufklärung über dramatische Sachverhalte. Er führe unser Staunen heran an die konkrete Gestalt industrieller Nahrungsmittelproduktion, mit der natürliche Ressourcen systematisch vernichtet werden. „Damit gelingt ihm etwas, was für viele, die mit visuellen Medien arbeiten, ein hohes Ziel ist: das Unsichtbare sichtbar zu machen“, so die Jurymitglieder des Verbands der Deutschen Filmkritik. Wir gratulieren allen Gewinnern und sagen herzlichen Dank für den Besuch und die tolle Zeit mit Euch! Das EMAF ist damit zu Ende – die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück ist aber noch bis zum 21. Mai zu sehen. Wir bieten weiterhin Führungen an – bei Interesse bitte eine kurze Nachricht an presse@emaf.de.