Weg saniert zum Reiterhof im Hartmannsdorfer Forst

Einweihung der Zuwegung – DBU Naturerbe und Gemeinde teilen sich die Kosten
Einweihung der sanierten Zuwegung © Moritz Räbel/Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge
Gaben die sanierte Zuwegung für die Öffentlichkeit frei (v.l): Waldwegebauer Ulf Passauer, Pferdehofbesitzer Stephan Weiser, Frieder Flechsig, Gemeinderatsmitglied von Hartmannsdorf, Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus und Ingo Seifert, Bürgermeister von Schneeberg. 
Sanierte Zuwegung Hartmannsdorfer Forst © Moritz Räbel/Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge
Wenige Wochen nach Planungsbekanntgabe ist die Wegesanierung auf der DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst abgeschlossen. 

Hartmannsdorf. Es ist keine vier Wochen her, dass Gemeinde und Flächeneigentümerin bekannt gegeben hatten, die Zuwegung zum Pferdehof von Stephan Weiser inmitten der DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst zu sanieren und sich die Kosten zu teilen. Inzwischen sind das Profil der Fahrbahn erneuert, Gräben zur Entwässerung der Wege ausgehoben und abgesackte Wegeränder saniert. „Wir freuen uns, dass mithilfe des Bundesforstbetriebes Thüringen-Erzgebirge die notwendigen Arbeiten so schnell umgesetzt werden konnten“, erklärte Alexander Bonde, Geschäftsführer des gemeinnützigen Tochterunternehmens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), des DBU Naturerbes. In einem feierlichen Akt durchschnitt Bürgermeisterin Kerstin Nicolausheute (Mittwoch) im Beisein unter anderem von Weiser und Bundesforstrevierleiter Moritz Räbel ein Band und gab die sanierte Strecke wieder der Öffentlichkeit frei.

Gemeinsame Finanzierungslösung für die Zufahrt zum Reiterhof

„Neben der Vielzahl an möglichen Aktivitäten im Hartmannsdorfer Forst ist ein Ausflug zum Reiterhof eine tolle Abwechslung. Mit der Instandsetzung wird dieses Angebot für Gäste in der Region noch attraktiver“, freute sich Nicolaus über die Lösung. Die Gemeinde hatte zugestimmt, gemeinsam mit dem DBU Naturerbe die Gesamtkosten in Höhe von rund 30.000 Euro für die Erneuerung der nördlichen und südlichen Zufahrtswege auf einer Gesamtlänge von rund 900 Metern zur Hälfte zu übernehmen. 

Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Moritz Räbel, Tel. 03772/382187

Mit Gummibärchen zu mehr Nachhaltigkeit

Hochschulen Mannheim und Karlsruhe entwickeln innovatives Unterrichtswerkzeug – DBU fördert
Projektstart © David Manherz / Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Ab morgen geben die Gummibärchen das Kommando. Es freuen sich auf ein interessantes DBU-Projekt die Koordinatoren (v.l.) Dr.-Ing. Isabell Sommer, Prof. Dr. Christian Wiesmüller und Maaike Katzarow.

Karlsruhe/Mannheim. Gummibärchen sind nicht nur bunt und süß. Schülerinnen und Schüler können aus den Fruchtgummis auch umweltfreundliche Etiketten herstellen und so aktiv an das Thema Nachhaltigkeit herangeführt werden. Ein fächerübergreifendes Unterrichtswerkzeug entwickeln jetzt Hochschule Mannheimund Pädagogische Hochschule Karlsruhe im Rahmen des Kooperationsprojekts „DenkNach“. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert es fachlich und finanziell mit rund 80.000 Euro. Start ist am morgigen 1. August.

Konkrete nachhaltige Handlungsmöglichkeiten aufzeigen 

Schülern das Thema Nachhaltigkeit näher zu bringen, ist das Ziel. Gemeinsam wollen die beiden Hochschulen ein fächerübergreifendes innovatives Unterrichtswerkzeug entwickeln, mit dem Lehrpersonen Schülern konkrete nachhaltige Handlungsmöglichkeiten aufzeigen können. Im Rahmen einer Projektwoche lernen die Schüler, wie sie mit einfachen Mitteln aus Gummibärchen umweltfreundliche Etiketten herstellen können. Denn Rohstoff für die Gummibärchen-Herstellung ist Gelatine, die aus dem tierischen Nebenprodukt Kollagen gewonnen wird. Und daraus lassen sich wiederum vollständig biologisch abbaubare Folien fertigen, erläutert Projektinitiatorin Dr.-Ing. Isabell Sommer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Thermische Verfahrenstechnik der Hochschule Mannheim.

Etiketten mit warmem Wasser einfach wieder abspülen

An deren Entwicklung arbeitet die Hochschule Mannheim seit 2009. „Gelatine hat eine gute Wasserlöslichkeit. Diese Eigenschaft wollen wir uns für die Herstellung umweltfreundlicher Etiketten inklusive eines biobasierten Klebstoffes zunutze machen“, erläutert Sommer. Denn die Etiketten, die sie im Rahmen von „DenkNach“ entwickelt, sollen sich – im Gegensatz zu den weit verbreiteten Etiketten auf Mehrwegflaschen und -gläsern – mit warmem Wasser einfach und umweltfreundlich wieder abspülen lassen. Außerdem will die Wissenschaftlerin testen, wie die Etiketten mit biologisch abbaubaren Tinten bedruckt werden können.

Fächerübergreifende Projektwoche in der 8. und 9. Klasse

Durchgeführt wird die fächerübergreifende Projektwoche in der 8. und 9. Klasse eines Gymnasiums und einer Gesamtschule in Baden-Württemberg. Die Schulen erhalten die an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe von Maaike Katzarow entwickelten Unterrichtsmodule sowie eine Handreichung zur Durchführung der Projektwoche samt Einkaufsliste. Während der Projektwoche besuchen die Schüler dann beispielsweise einen Metzger, ermitteln den ökologischen Fußabdruck von Gummibärchen und bearbeiten historische Texte zur nachhaltigen Landwirtschaft. Schließlich schmelzen sie Gummibärchen im Backofen auf, gießen sie zu Etiketten und bedrucken die Etiketten mit Biotinte – um sie beispielsweise auf Gläser mit selbsthergestellten Lebensmittelprodukten zu kleben. Wie das Unterrichtstool über die Projektwoche hinaus nutzbar gemacht werden kann, sollen ein oder zwei Schülerfirmen herausfinden, die an den Schulen im Anschluss an die Projektwoche gegründet werden.

Nachhaltigkeitswissen anderen weitergeben

„Mit unserem Vorhaben erreichen wir, dass sich junge Menschen aktiv mit Natur und unseren technischen Manipulationen beschäftigen“, sagt Prof. Dr. Wiesmüller, Leiter des Instituts für Physik und Technische Bildung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. „In der Projektwoche lernen die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Aspekte technischen Handelns kennen und erfahren Selbstwirksamkeit“, so Wiesmüller. Technische Eingriffe in die Natur könnten dabei als gut oder schlecht eingestuft werden, seien einer Bewertung zu unterziehen. Schließlich seien sie individuell oder gesellschaftlich zu verantworten. Die Etiketten können die Schüler auch zu Hause immer wieder herstellen und ihr Nachhaltigkeitswissen anderen weitergeben.

Küstenheiden-Eigentümerin stellt Managementplan vor

DBU Naturerbe erläutert geplante Maßnahmen der kommenden zehn Jahre
Naturerbe-Entwicklungsplan Cuxhavener Küstenheiden © Buterus/DBU
DBU-Projektleiterin PD Dr. Heike Culmsee und DBU-Feuchtgebietsmanager Dr. Uwe Fuellhaas begutachten die Karten im 165-seitigen Naturerbe-Entwicklungsplan für die Cuxhavener Küstenheiden.
Wisente © Tillmann/DBU
In mehreren Großgattern weiden das ganze Jahr über Wisente, Konik-Pferde und Heckrinder in ihren Herden. Dadurch pflegen sie die Heidelandschaft als Lebensraum für seltene Arten.

Cuxhaven. Wer die DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheiden besucht, spaziert vorbei an insgesamt rund 500 Hektar (ha) Weidefläche für Schafe, Konik-Pferde und Heckrinder, die die Besenheide und den wertvollen, weil seltenen Borstgrasrasen kurz halten. Im Norden der insgesamt rund 1.450 ha großen Fläche fressen Wisente Rinde und Blätter der störenden fremdländischen Spätblühenden Traubenkirsche. Was aber nicht direkt auffällt: Um den Wald zu durchmischen, hat das Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, im vergangenen Jahr 114.500 junge Buchen gepflanzt. Warum diese Maßnahme wichtig war, und was die Eigentümerin naturschutzfachlich mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz vorhat – das lässt sich ab sofort im Naturerbe-Entwicklungsplan für die DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheiden nachlesen. „Damit steht der Fahrplan für die Maßnahmenumsetzungen der kommenden zehn Jahre“, freut sich die Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, Susanne Belting.

Auf 275 Hektar junge Buchen untergepflanzt

Im Wald stehen die Zeichen auf Veränderung: „Es gibt hier Bestände, da findet man keinen einzigen heimischen Baum – nur Schwarzkiefern, Japanlärchen oder die Traubenkirsche“, weiß PD Dr. Heike Culmsee. Die DBU Naturerbe-Projektleiterin hat in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihrem Team und dem Bundesforstbetrieb Niedersachsen den 165-seitigen Plan entwickelt. Ziel sei es, einen naturnahen Laubmischwald mit standortheimischen Bäumen zu entwickeln, um diesen dann sich selbst zu überlassen. Doch wo kein Samenspender, da kein Laubbaum. „Mit Mitteln der Stiftung ‚Wald in Not‘ konnten wir anders als sonst bei uns üblich auf rund 275 ha junge Buchen unterpflanzen, die den Waldumwandlungsprozess deutlich verkürzen können. Und so wie es aussieht haben sie die Trockenheit im vergangenen Jahr ganz gut überstanden“, erklärt Culmsee und schaut auf die Waldentwicklungskarte im Plan. Bislang seien nur rund 74 ha schon so weit, dass sie dauerhaft aus der Nutzung gehen könnten.

Eichenkrattwälder erhalten und stufige Waldränder schaffen

Dauerhaft erhalten und pflegen will die Eigentümerin hingegen die seltenen Eichenkrattwälder. Die korkenzieherartig gewachsenen Bäume gehörten zu einer ehemaligen Waldweide. „Wir planen auch breit angelegte stufige Übergänge vom Wald zum Offenland, die wir dauerhaft pflegen wollen. Solche Waldränder sind in den heutigen Wirtschaftswäldern so selten geworden wie die Vögel, die diesen Lebensraum lieben“, so Culmsee. Neben der flächendeckenden Biotoptypenkartierung hatte die Eigentümerin auch eine Brutvogelzählung als Grundlage für die Planung in Auftrag gegeben. Gerade in den offenen Bereichen, in denen aber Büsche und Sträucher wachsen, sei die Artenvielfalt hoch. Seltene Vögel wie der Neuntöter, der Baumpieper oder der Ziegenmelker hatten die Experten nachgewiesen. „Im Offenland ist es uns in den kommenden Jahren wichtig, ein ausgewogenes Flächenverhältnis von Heide- und Borstgrasrasen sicherzustellen“, erklärt die Botanikerin. Die höchste Artenvielfalt von Rote-Liste-Pflanzenarten kommt in den Cuxhavener Küstenheiden aber in den Feuchtgebieten vor, speziell im Holtersteertmoor. Seltene Gewächse wie Lungenenzian, Sumpfbärlapp und Sonnentau wachsen dort. „Um den für die Pflanzen wichtigen Rohboden zu erhalten, werden wir regelmäßig mit einem Bagger Erde abschieben und so offenlegen. Zudem planen wir, auch auf den Weideflächen zahlreiche zusätzliche Tümpel anzulegen, die etwa für den Urzeitkrebs oder die Große Mossjungfer als Libellenart wichtig sind“, erläuterte Culmsee.

Dokument dient auch als Natura 2000-Managementplan

Für Revierleiter Henning Wehebrink vom Bundesforstbetrieb Niedersachsen beschreibt der Plan nun den Handlungsrahmen der nächsten zehn Jahre. Er dient zugleich aber auch als „Natura 2000-Managementplan“ für die Lebensraumtypen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Für seine Erstellung haben Experten flächendeckend ökologische und forstliche Daten erhoben und naturschutzfachlich bewertet. „Allen Beteiligten vom Land Niedersachsen, der Unteren Naturschutzbehörde Cuxhaven, dem Niederländischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und dem Landesumweltministerium möchte ich für den konstruktiven Abstimmungsprozess danken“, sagte Culmsee.

Mahd gegen giftige Pflanze am Fliegerberg

Auf der DBU-Naturerbefläche Borken wird wieder Jakobskreuzkraut entfernt
Jakobskreuzkraut © DBU/Jerrentrup
Das für Weidetiere giftige Jakobskreuzkraut wird seit gestern auf der DBU-Naturerbefläche Borken entfernt, um eine Beweidung vor der kommenden Brut- und Setzzeit zu ermöglichen.
Mahd gegen giftige Pflanze © Bundesforst/Böke
Mitarbeiter des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser mähen im Auftrag der gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, Teilbereiche am Fliegerberg.
Umrisskarte Borken © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die DBU-Naturerbefläche Borken umfasst rund 202 Hektar.

Borken. Auf der traditionellen Sandlandschaft der DBU-Naturerbefläche Borken zeigen sich derzeit zahlreiche goldgelbe Blütenkörbchen: das Jakobskreuzkraut. Mitarbeiter des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser gehen im Auftrag der gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, dem Kraut in den offenen Bereichen am Fliegerberg „an den Kragen“. Die für Weidetiere giftige Pflanze wird seit gestern (Montag) entfernt, um eine Beweidung vor der kommenden Brut- und Setzzeit zu ermöglichen. „Die Pflanzen haben sich stark ausgebreitet. Deshalb wurde schon vergangenes Jahr mit der Maßnahme begonnen. Die Bundesforstkollegen haben einzelne Pflanzen ausgestochen und mähen jetzt stärker betroffene Teilbereiche“, erklärt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe. Die Maßnahme würde die nötigen Voraussetzungen für eine Beweidung auf der Fläche schaffen, damit wertvolle Offenbereiche für angepasste Arten als Lebensräume erhalten bleiben.

Starker Bewuchs erfordere mechanisches Vorgehen

Das Jakobskreuzkraut bevorzugt lückig bewachsene, eher sandige Wiesen und Weiden. Obwohl Mitarbeiter des Bundesforstbetriebes die Pflanzen im vergangenen Jahr bereits entfernt hatten, tritt der Bewuchs in den offenen Bereichen am Fliegerberg wieder auf. Insbesondere für Weidetiere ist das Kraut giftig und kann zu tödlich verlaufenden Leberschäden führen. Die Maßnahme soll aber nicht dazu führen, dass die heimische Pflanze auf der Naturerbefläche komplett verschwindet. „Dort, wo in der Nähe keine Tiere weiden, kann das Jakobskreuzkraut weiter gedeihen“, erläutert Bundesforst-Revierleiter Horst Böke.

DBU-Projekt untersucht Problematik rund um das Jakobskreuzkraut

Bisher ist nicht bekannt, welche Mengen der Giftpflanzen für die Tiere gefährlich sind und inwieweit sie diese wirklich fressen. Mit finanzieller Unterstützung der DBU läuft zurzeit und unabhängig von dem Bewuchs auf der DBU-Naturerbefläche Borken ein Forschungsvorhaben der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover und der Universität Leipzig, um diese Wissenslücke zu schließen. „Mit dem Wissen wollen wir helfen, Besitzern von Grünland im Umgang mit den Giftpflanzen mehr Sicherheit zu geben und so mehr dieser wichtigen Lebensräume zu schützen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Wenn die Projektergebnisse vorliegen, könnte auch das DBU Naturerbe mit den Weidetierhaltern auf den Flächen von den Erkenntnissen profitieren.


Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Christian Techtmann, Tel. 0251|6749-16


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Zum Hintergrund DBU Naturerbe:

Das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Auf den größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Die DBU-Tochter möchte auch Menschen für die heimische Natur begeistern sowie Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die Natur fördern. (679 Zeichen m. Leerzeichen)

Sauber Platz schaffen für mehr Strom aus Windkraft

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und DBU-Chef Alexander Bonde besuchen junges Startup-Unternehmen in Südbrandenburg
Schulze und Bonde bei WP Systems © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Gemeinsamer Sommerreise-Termin von Bundesumweltministerin Schulze (Mitte) und DBU-Chef Bonde (r.) beim jungen Startup-Unternehmen WP Systems in Südbrandenburg. Links: Firmen-Geschäftsführer Ole Renner.
Wartungskabine an WEA © WP Systems
Windenergieanlagen mit einem Alter von 25 Jahren und mehr werden in der Regel zurückgebaut, da sie sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen oder durch leistungsfähigere ersetzt werden.
[Download]
Maschine WP Systems © WP Systems
Ein Prototyp der Maschine zum Rückbau von Spannbetontürmen soll Ende des Jahres fertig werden. "Bei erfolgreicher Entwicklung der Maschine können Spannbetontürme sicherer, emissionsärmer, effizienter und schneller zurückgebaut werden", so Bonde.

Ruhland. „Sie setzen als junges und innovatives Startup-Unternehmen Maßstäbe, weil Sie zeigen, dass mit klugen Ideen Umweltschutz betrieben und gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen werden können“, sagte Bundesumweltministerin SvenjaSchulze anlässlich ihres Besuchs heute bei der Firma WP Systems im südbrandenburgischen Ruhland. Die Mitarbeiter warten Windenergieanlagen und bauen sie zurück, um Platz für leistungsfähigere zu schaffen. „Die Stromversorgung der Zukunft ist nur mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien klimafreundlich und nachhaltig. Wichtig ist aber, dass wir dabei auch die Rohstoffe schonen“, so Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das Unternehmen entwickelt mit fachlicher und finanzieller Unterstützung der DBU eine Maschine, die günstig und schnell Spannbetontürme von alten Anlagen abbauen soll. Sie bestehen aus Stahl und Beton, die anschließend getrennt recycelt werden.

Mehr Strom, aber weniger Fläche

„Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer unbemannten Maschine zum umweltschonenden und kosteneffizienten Rückbau der Spannbetontürme von Windenergieanlagen“, sagte Ole Renner, Geschäftsführer des 2015 gegründeten Startups. Von den derzeit rund 30.000 Windenergieanlagen in Deutschland seien bei etwa 8.000 Anlagen Spannbetontürme verbaut worden. Renner: „Anlagen mit einem Alter von 25 Jahren und mehr werden in der Regel zurückgebaut, da sie sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen oder durch leistungsfähigere ersetzt werden.“ Alte durch neue zu ersetzen, zahle sich einerseits wegen des gesteigerten Stromertrags aus und andererseits, weil keine zusätzlichen Flächen verbaut werden. Bisher erfordere der Rückbau jedoch sechs bis acht Wochen Zeit sowie das Errichten einer Bauplattform, die mehrmals versetzt werden müsse.

Vollständiger und sauberer Rückbau in weniger als einer Woche

Mit der neu zu entwickelnden Maschine soll sich das ändern: „Nachdem Rotoren und Gondel entfernt wurden, soll die Maschine am Kran hängend am oberen Turmende angesetzt werden“, so Renner. Mit Kreissägen soll von außen ein Turmsegment abgetrennt werden. Die angestrebte saubere und umweltschonende Trennung der Turmsegmente könne mit diesem Konzept problemlos verwirklicht werden, weil entstehender Sägestaub mit dem Kühlwasser der Sägen gebunden werde. Das Wasser fließe an der Turmaußenwand hinab und könne dort problemlos aufgefangen und für die Wiederverwendung aufbereitet werden. Maschine und abgetrenntes Turmsegment sollen dann per Kran nach unten befördert und voneinander getrennt werden. Anschließend soll der Kran die Maschine erneut zum Turmende heben, und ein weiteres Segment wird abgesägt. Renner: „Auf diese Weise ist es nach heutigen Berechnungen möglich, Spannbetontürme von 100 Metern Höhe und einem Durchmesser zwischen zwei und sieben Metern in weniger als einer Woche vollständig und sauber zurückzubauen.“

Sicherer, emissionsärmer, effizienter und schneller

Die Turmsegmente werden in ihre Materialien Stahl und Beton getrennt und wiederverwertet. Bonde: „Bei erfolgreicher Entwicklung der Maschine können Spannbetontürme sicherer, emissionsärmer, effizienter und schneller zurückgebaut werden.“ Ein Prototyp der Maschine soll Ende des Jahres fertig werden. Solche innovativen Projekte von grünen Startup-Unternehmen fördert die DBU seit April auch im Rahmen eines eineinhalb Millionen Euro Sonderprogramms mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Der junge Mittelstand soll im Interesse des Umweltschutzes in seiner dynamischen Entwicklung unterstützt werden.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 34491): Ole Renner, Telefon 035752|940912


DBU Naturerbe dankt Feuerwehren für Einsatz

Nach Waldbrand auf DBU-Naturerbefläche Peenemünde werden Auswirkungen reflektiert
DBU-Naturerbefläche Peenemünde, Waldbrand © Wobser/Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz
Beim Waldbrand auf der DBU-Naturerbefläche Peenemünde brannte vor allem der trockene Bodenbewuchs aus Heidelbeere und der Spätblühenden Traubenkirsche ab. Durch den tatkräftigen Einsatz der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf Baumkronen verhindert werden. 
Liegenschaftskarte Naturerbefläche Peenemünde © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Auf der rund 2.000 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Peenemünde brannte vergangene Woche ein rund vier Hektar großes Kiefernwaldstück.

Peenemünde. „Nach Bränden zeigen sich zunächst deutliche Auswirkungen in der Natur. Doch der Kiefernforst auf der DBU-Naturerbefläche Peenemünde wird sich schnell erholen“, erklärt Josef Feldmann, Prokurist des DBU Naturerbes, der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), nach dem Brand vergangenen Mittwoch. Ein rund vier Hektar großes Kiefernwaldstück hatte in Flammen gestanden. Rund 130 Rettungskräfte waren zeitnah auf der munitionsbelasteten Fläche im Einsatz gewesen. „In Abstimmung mit dem Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern konnte die Kampfmittelsituation der Fläche geklärt werden, konnten die Feuerwehren tatkräftig eingreifen. Wir möchten uns bei der Feuerwehr und allen für ihren tatkräftigen Einsatz bedanken, die ein Übergreifen der Flammen auf Baumkronen verhindert und den Brand schnell unter Kontrolle gebracht haben“, betont Feldmann. Noch bis Dienstagmorgen hatte der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz vereinzelte Glutnester  beseitigt. Durch die anhaltene Hitze und Trockenheit ruft das DBU Naturerbe zur besonderen Vorsicht wegen der weiterhin bestehenden Waldbrandgefahr auf.

Schnelle Reaktion in Krisensituation

Am vergangenen Mittwochnachmittag hatte sich ein Feuer auf der DBU-Naturerbefläche Peenemünde aus noch ungeklärter Ursache ausgebreitet. Aufgrund der bestehenden Munitionsbelastung der Fläche musste die Freiwillige Feuerwehr, die aus dem weiten Umfeld der Insel Usedom zur Hilfe kam, zunächst einen Sicherheitsabstand von 1.000 Metern zum Feuer halten. Nach Aufhebung der Vorgabe durch den Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern konnte die Feuerwehr den Brand aus nächster Nähe bekämpfen. „Vor dem Hintergrund der jetzt gesammelten Erfahrungen  möchten wir  die Zusammenarbeit zwischen Entscheidungsträgern und Einsatzkräften weiter vereinfachen“, betont Feldmann. Dafür ist das DBU Naturerbe über den Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz in der „Arbeitsgemeinschaft Waldbrandschutz“ des Landkreises Vorpommern-Greifswald vertreten. Das DBU Natuererbe beabsichtigt, die Feuerwehr vor Ort als Geste des Dankes zu einem gemütlichen Abend einzuladen und auch die Frage nach gegebenenfalls bleibenden Kosten der Feuerwehr für die Verpflegung anlässlich des Einsatzes anzusprechen.

Verändertes Landschaftsbild schafft neuen Lebensraum

Auf der mit Kiefern bewachsenen Fläche brannte vor allem der trockene Bodenbewuchs aus Heidelbeere und der Spätblühenden Traubenkirsche ab. „Zurück bleiben teilweise angekohlte Baumstämme und eine schwarze Bodendecke. Doch die Natur erobert sich den Lebensraum schnell zurück“, beschreibt Uwe Wobser, Revierleiter vom Bundesforstbetrieb Vorpommer-Strelitz das veränderte Landschaftsbild. So würden junge Kiefernsetzlinge mit ausreichend Licht und Nährstoffen neuen Platz zum Keimen finden. Vögel könnten auf den offenen Bodenstellen leicht Insekten erbeuten.

Umsichtiges Verhalten kann Waldbrände verhindern

Durch die anhaltende Hitze und Trockenheit bestehe weiterhin erhöhte Waldbrandgefahr. „Wir bitten alle Personen entlang der DBU-Naturerbefläche um umsichtiges Verhalten: Offenes Feuer und Rauchen sind im Wald verboten“, gibt Feldmann zu bedenken. Falls Besucher einen Brand entdecken, bittet das DBU Naturerbe umgehend um Verständigung des örtlichen Rettungsdienstes unter der Rufnummer 112.

Kontakt Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz: Wolf Ulrich Menzel, Telefon 03971|5296140

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Zum Hintergrund DBU Naturerbe:

Das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Auf den größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Die DBU-Tochter möchte auch Menschen für die heimische Natur begeistern sowie Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die Natur fördern.

Klimaschutz erfordert mehr Photovoltaik-Anlagen mit wirksamen Speichersystemen

Stromspeicher-Inspektion 2019: Mehrzahl der 16 Speicher überzeugt - HTW Berlin: neue Untersuchung 
Solarstromspeicher © HTW Berlin
Die Auswahl von Produkten zum Speichern von Solarstrom in Wohngebäuden ist groß. Die Stromspeicher-Inspektion 2019 gibt Hinweise, worauf man bei der Suche nach einem wirkungsvollen Photovoltaik-Speichersystem achten sollte.
Solarstrom vom Dach für Batteriesysteme © HTW Berlin
Wie wirkungsvoll lässt sich Solarstrom vom Dach in Batteriesystemen speichern? Die Stromspeicher-Inspektion 2019 der HTW Berlin ist dieser Frage mit Unterstützung der DBU nachgegangen und hat 16 Photovoltaik-Speichersysteme verglichen.

Berlin. Die Ergänzung von Photovoltaik-Anlagen um Batteriesysteme zur Stromversorgung von Wohngebäuden ist sinnvoll; wichtig ist allerdings, dass die Speicherverluste gering sind. Überhaupt hängt es maßgeblich von der Energieeffizienz eines Batteriesystems ab, ob die Kohlendioxid-Emissionen (CO2) durch das Speichern des Solarstroms verringert werden. - Zu diesem Ergebnis kommt die Stromspeicher-Inspektion 2019, eine neue Untersuchung der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin), gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Dafür hat die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin zum zweiten Mal die Effizienz von Hausbatteriesystemen für Solarstromanlagen verglichen. Die erste Stromspeicher-Inspektion war 2018 durchgeführt worden.

Wirkungsgrad von über 95 Prozent beim Laden und Entladen wichtig

Der Vergleich der 16 untersuchten Systeme zeigt, dass ein hoher Batteriewirkungsgrad kein Garant für eine hohe Systemeffizienz ist. Entscheidend sind vielmehr geringe Umwandlungs- und Standby-Verluste des gesamten Speichersystems. Die Empfehlung der Forscher an alle, die ein hocheffizientes Photovoltaik-Speichersystem suchen: „Wichtig ist ein mittlerer Wirkungsgrad über 95 Prozent - sowohl beim Laden als auch beim Entladen der Batteriespeicher“, erklärt Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin und einer der Autoren der Untersuchung.

Standby-Verbrauch der Speichersysteme oft unterschätzt

Des Weiteren weisen die Forscher auf den Standby-Verbrauch der Speichersysteme hin, dessen Bedeutung oft unterschätzt werde. Da Batteriespeicher in Wohngebäuden üblicherweise 2000 bis 4000 Stunden pro Jahr im entladenen Zustand verweilen, sollte die Leistungsaufnahme im Standby-Modus unter fünf Watt liegen.

„Wer beim Speicherkauf auf hohe Effizienz achtet, tut auch Klima etwas Gutes“

In der Untersuchung wurde zudem die Gesamteffizienz mit dem System Performance Index (SPI) bewertet. Die gute Nachricht: Fast alle getesteten Systeme schneiden mit einem System Performance Index (SPI) über 88 Prozent sehr gut ab. Drei Geräte von BYD, KOSTAL und RCT Power konnten sich mit einem System Performance Index (SPI) zwischen 90,3 und 91,4 Prozent als Spitzenreiter durchsetzen. Darüber hinaus sind die Forscher einer weiteren Frage nachgegangen: Verringert der Betrieb von Batteriesystemen in Wohngebäuden mit Photovoltaik-Anlagen die CO2-Emissionen? Hierzu haben sie die CO2-Bilanz der Stromversorgung von Wohngebäuden mit sehr effizienten und mit weniger effizienten Photovoltaik-Speichersystemen analysiert. Berücksichtigt wurde dabei, dass die CO2-Emissionen der Stromerzeugung in Deutschland im Tages- und Jahresverlauf variieren. Das Ergebnis: Ob ein Batteriesystem die CO2-Emissionen verringert und einen Beitrag zum Klimaschutz leistet, hängt von der Höhe der Systemverluste ab. „Wer beim Speicherkauf auf eine hohe Effizienz achtet, spart später nicht nur bares Geld, sondern tut auch dem Klima etwas Gutes“, resümiert Quaschning.

Systemanbieter bis Ende 2019 zu neuem Vergleich anmelden

Die Stromspeicher-Inspektion 2019 wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Acht Systemanbieter haben die Untersuchung mit Messdaten von unabhängigen Prüflaboren unterstützt; darunter Unternehmen wie LG ChemSiemenssonnen und SMA Solar Technology. Bis Ende 2019 können sich Systemanbieter an der nächsten Ausgabe des Speichervergleichs beteiligen. Hier geht es zur Untersuchung: www.stromspeicher-inspektion.de

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 34198): Johannes Weniger, Telefon 030 5019-3648 

Fischzucht: Spezialfutter soll Larven länger leben lassen

Nährstoffreiche Algen sollen Jungtiere stärken – Ressourcen schonen ‒ DBU gibt 477.000 Euro
Fischkutter © Paulus, Hans-Gerd/piclease
Die wachsende Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten gefährdet die weltweiten Bestände, viele Meere sind überfischt. Um die Weltbevölkerung dennoch mit den gesunden Meerestieren zu versorgen, wird die Aquakultur immer wichtiger.

Büsum. Fisch und Meeresfrüchte sind gesund und für immer mehr Menschen auf der Welt ein zentraler Bestandteil ihrer Ernährung. Doch die wachsende Nachfrage gefährdet die weltweiten Bestände, viele Meere sind überfischt. Um die Weltbevölkerung dennoch mit den gesunden Meerestieren zu versorgen, wird die Aquakultur immer wichtiger. Der kritischste Punkt bei der kontrollierten Aufzucht von Fischen ist das Larvenstadium ‒ 60 bis 90 Prozent der Jungtiere sterben. Die Büsumer Firma BlueBioTech will gemeinsam mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (Bremen) und der Gesellschaft für Marine Aquakultur (Büsum) in einem nun begonnenen Projekt ein spezielles, nährstoffreiches Futter entwickeln, sodass mehr Larven überleben. Unterstützt werden die Projektpartner fachlich und finanziell mit rund 477.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Spezielles Futter mit Zooplankton soll Larven stark und gesund machen

„Nicht nur aus der Perspektive des Tierschutzes wäre es gut, wenn weniger Larven in Aquakulturen sterben. Ausbrüten und Aufzucht der Larven kosten viel Energie und Rohstoffe. Wenn mehr Tiere überleben, können hier wichtige Ressourcen gespart werden“, erläutert DBU-Referent Dr. Holger Wurl. Bisher sei es zudem üblich, dass auch wilde Larven für die Aufzucht gefangen würden. Überleben künftig mehr Tiere in der Aquakultur, wären weniger Wildfänge nötig ‒ die Bestände könnten sich erholen. Wie das gelingen soll, erklärt BlueBioTech-Geschäftsführer und Projektleiter Dr. Sebastian Lippemeier: „In den kommenden drei Jahren wollen wir spezielles Larvenfutter auf der Basis nährstoffreichen Zooplanktons, also kleinster Meerestiere, entwickeln, das zusätzlich mit Algen angereichert wird. Dadurch sollen die Jungtiere alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge erhalten, sodass sie stark und gesund heranwachsen und weniger von ihnen frühzeitig sterben.“ Wenn dies erfolgreich gelingt, soll das Herstellungsverfahren für die Larvennahrung im Anschluss an das Projekt an Fischzuchtbetriebe weitergegeben werden.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 34533): Dr. Sebastian Lippemeier, Telefon 04833|425391


Die Energiewende interaktiv begreifbar machen

Pädagogische Hochschule Heidelberg entwickelt digitales Lernspiel – DBU fördert mit 119.000 Euro
Bewilligungsübergabe AZ 34730 © Pädagogische Hochschule Heidelberg
Wollen Landschafts-Simulationen für Schüler möglich machen, um die Energiewende zu fördern: Alexander Bonde (DBU), Prof. Dr. Alexander Siegmund (Pädagogische Hochschule Heidelberg), Dr.-Ing. Ulrich Gehrlein (IfLS) und Dr. Aleyandra Siegmund (SIEGMUND Space & Education gGmbH).

Heidelberg. Im dicht besiedelten Deutschland ist freie Fläche knapp: Siedlungen, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft verursachen einen hohen „Flächenverbrauch“. Der Ausbau erneuerbarer Energien wirkt sich zusätzlich auf die Landschaft aus. Wie lassen sich solche Nutzungskonflikte überblicken? Mit einer interaktiven Lernspielanwendung sollen Schüler, Studierende und junge Erwachsene zukünftig in die Lage versetzt werden, solche Zielkonflikte interaktiv zu simulieren. „In der Umweltbildung kann die im Projekt geplante Simulations-Anwendung eine Chance bieten, flächenbezogene Zielkonflikte am Beispiel der erneuerbaren Energien erfahrbar zu machen. Denn für eine nachhaltige Entwicklung brauchen wir die Energiewende“, sagte Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), anlässlich eines neuen Projektes an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Die DBU fördert das Vorhaben fachlich und finanziell mit 119.000 Euro.

Anwendung zum individuellen Lernen und virtuelles Klassenzimmer

„Eine nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn jedem die Endlichkeit des zur Verfügung stehenden Raumes bewusst ist. Wir wollen solche Zielkonflikte den Nutzern auf spielerische Art und Weise vermitteln“, sagte Prof. Dr. Alexander Siegmund, Projektleiter und Leiter der Abteilung Geographie und des dortigen UNESCO-Lehrstuhls für Erdbeobachtung und Geokommunikation an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, anlässlich der Bewilligungsübergabe zum Projektstart. Geplant sei die Entwicklung sowohl einer Anwendung zum „elektronischen Lernen“ für die individuelle Nutzung als auch einer computergestützten kooperativen Lern-Methode, einer Art virtuellem Klassenzimmer, das interaktive Simulationen erlaube.

Landschaftliche Auswirkungen sichtbar machen

Neben den unterschiedlichen Raumforderungen für das Umsetzen der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen(englisch: Sustainable Development Goals, kurz SDGs), sollen räumlich bedeutsame Einflussgrößen hinsichtlich erneuerbarer Energien in die Simulation Eingang finden. Zum Beispiel werden Biogasanlagen mit unterschiedlichen Rohmaterialien wie Maispflanzen, Grünschnitt oder Mist betrieben. Das hat Einfluss auf die umgebende Landnutzung. Solche landschaftlichen Auswirkungen und sich die daraus ergebenden Zielkonflikte zu anderen Nachhaltigkeitszielen und Flächennutzungsansprüchen sollen die Anwendungen sichtbar machen. Zudem soll im Rahmen des Projekts herausgefunden werden, inwieweit sich die Lernspielanwendung auf weitere Inhalte und Zielgruppen übertragen lässt. Das Vorhaben wird gemeinsam mit dem Institut für Ländliche Strukturforschung (IfLS), angegliedert an der Goethe-Universität Frankfurt, und der gemeinnützigen GmbH Siegmund Space & Education im Rahmen des Projekts „SDG:LaNuKon“ durchgeführt.

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 34730): Prof. Dr. Alexander Siegmund, Tel. 06221|477-771

Pädagogische Hochschule Heidelberg

Achtung: Sperrfrist, heute, 17 Uhr „Sie wollten Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands leisten“

DBU-Gründungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde mit sächsischem Verdienstorden ausgezeichnet
Orgelsanierung in der Ostritzer Pfarrkirche © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
DBU-Gründungsgeneralsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde (l.) immer am Puls der Sachsen, am Puls der Ostritzer: Hier überreicht er 2012 ein Bewilligungsschreiben zur Orgelsanierung in der Ostritzer Pfarrkirche. Pfarradministrator Bernhard Wagner und Regina Risy, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, die die Sanierung ebenfalls unterstützte, freuten sich über die Förderzusage der DBU. Aktuelles Bild folgt.

Dresden. Der langjährige Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, ist heute im Dresdner Residenzschloss mit dem sächsischen Verdienstorden ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Michael Kretschmer würdigte die besondere Verbundenheit Brickweddes mit dem Freistaat und sein engagiertes Eintreten für den Umweltschutz in Ostdeutschland, wo die DDR immense Schäden an Umwelt und Natur hinterlassen habe. Brickwedde habe so die Schäden rasch zu beseitigen helfen und zugleich ein hohes Niveau beim Umweltschutz etablieren wollen, so Kretschmer.

Auch privat hohes Engagement für Ostdeutschland und speziell Sachsen

Brickweddes besondere Verbundenheit mit dem Freistaat habe 1991 mit der Gründung der DBU begonnen, erinnerte Kretschmer bei der Übergabe der höchsten Auszeichnung des Bundeslandes. Die Tagebaue, der Uranbergbau der Wismut, die Standorte der Chemieindustrie und militärische Altlasten hätten Brickwedde beruflich gefordert. Dabei sei er oft persönlich vor Ort gewesen. Das habe zu weiterem Engagement geführt, etwa in Ostritz als Mitglied im Stiftungsrat des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal, in Bad Muskau als Vorsitzender des Stiftungsrates beim Fürst-Pückler-Park oder in Bad Schandau beim Nationalpark-Haus Sächsische Schweiz. Kretschmer: „Sie wollten gerne einen Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands leisten.“ Das habe er auch privat als Vorsitzender des Osnabrücker Fördervereins für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche getan, der über eine halbe Million Euro gesammelt habe.

16 weitere Persönlichkeiten mit Verdienstorden geehrt

Der amtierende DBU-Generalsekretär Alexander Bonde gratulierte Brickwedde zu der hohen Landesauszeichnung. Er habe „die DBU maßgeblich geprägt und aus einer honorigen Idee eine handfeste Institution geformt, die in der Förderung von Umwelttechnik, -forschung und -bildung einen Spitzenplatz in Deutschland einnimmt.“ Dabei sei ihm gerade die Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern „immer Herzensanliegen“ gewesen. Brickwedde erhielt den Orden mit 16 weiteren Persönlichkeiten, darunter der Direktor des Leipziger Zoos, Jörg Junhold, und der ehemalige tschechische Generalkonsul Tomáš Jan Podivínský.


„Zukünftigen Generationen intakten Planeten hinterlassen“

Stiftungen fordern Bundesregierung zu beschleunigtem Handeln beim Klimaschutz auf
Symbolbild zum Klimaappell © Christof Martin/piclease
Das Ziel, zukünftigen Generationen einen intakten Planeten zu hinterlassen, muss wieder Prinzip des politischen Handelns werden, fordert auch die DBU heute in einem Klimaappell. Die Bundesregierung wird von großen deutschen Stiftungen aufgerufen, beschleunigt beim Klimaschutz zu handeln und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umzusetzen.

Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gehört zu den Unterzeichnerinnen eines Appells, mit dem Vertreter von Stiftungen in Deutschland wenige Tage nach der Europa-Wahl und einen Tag vor Beginn des Jahrestreffens des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen vom 5. bis 7. Juni in Mannheim die Bundesregierung zu beschleunigtem Handeln beim Klimaschutz und der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auffordern. Die Stiftungen rufen dazu auf, „der Klimakrise mit konsequentem Handeln zu begegnen“ und fordern, „das Grundprinzip, zukünftigen Generationen einen intakten Planeten zu hinterlassen, (wieder) zum Prinzip des politischen Handelns zu machen“. Neben der DBU gehören die Dietmar Hopp-Stiftung, die European Climate Foundation, die Umweltstiftung Michael Otto, die Stiftung Zukunftsfähigkeit und Chair Foundations 20, die Robert Bosch Stiftung und die BMW Foundation Herbert Quandt zu den Initiatoren.


Ehemaliger Lünsberg jetzt im Eigentum der DBU

Übertragung der DBU-Naturerbefläche Borken abgeschlossen
DBU-Naturerbefläche Borken © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Das DBU Naturerbe erarbeitete Konzepte für die DBU-Naturerbefläche Borken, die einerseits Naturerleben zulassen, andererseits aber auch besonders sensible Zonen sichern.

Borken. Der Übertragungsprozess ist abgeschlossen: Die rund 202 Hektar (ha) große Naturschutzfläche Borken gehört jetzt dem DBU Naturerbe: Mit der notariellen Beurkundung des Schenkungsvertrages ist der letzte Schritt getan, um das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, als Eigentümerin ins Grundbuch einzutragen. Ursprünglich gehörte die ehemals militärisch genutzte Fläche der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). „Als neue Eigentümerin steht für uns der Naturschutz an erster Stelle“, betonte Josef Feldmann, Prokurist des DBU Naturerbes, und ergänzte: „Wir haben uns vertraglich dazu verpflichtet, zum einen das Offenland etwa am Fliegerberg zu bewahren und möglichst zu optimieren und zum anderen einen naturnahen Wald zu entwickeln.“

Fläche Teil des Nationalen Naturerbes

Erst Start- und Landeplatz für Segelflugzeuge, dann militärischer Standortübungsplatz und jetzt Nationales Naturerbe: Nach dem Abzug der Bundeswehr in 2007 entschied die Bundesregierung, den Lünsberg nicht zu privatisieren, sondern das Gebiet langfristig zu schützen. Die DBU-Naturerbefläche Borken gehört zu den bundesweit insgesamt 156.000 ha, die der Bund als Nationales Naturerbe ausgewiesen hat. Als ein Mosaikstein wird die Fläche dazu beitragen, dass Deutschland seine etwa in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfaltfestgeschriebenen Naturschutzziele erreicht. Zum Nationalen Naturerbe zählen ehemals militärisch genutzte Gebiete, Flächen entlang der innerdeutschen Grenze, Treuhandflächen aus dem Volksvermögen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland.

Naturerlebnisse ermöglichen und gleichzeitig Natur schützen

Auf zahlreichen Wegen lässt sich die Fläche erkunden. „Uns ist es wichtig, Naturerlebnisse für die Bürger möglich zu machen“, so Feldmann. So erarbeite das DBU-Naturerbe-Team Konzepte, die einerseits Naturerleben zulassen, andererseits aber auch besonders sensible Zonen sichern. Die Maßnahmen für die kommenden zehn Jahre sowie das Besucherlenkungskonzept wird die DBU-Tochter in einem Managementplan, dem Naturerbe-Entwicklungsplan, festlegen und mit den Behörden abstimmen. Ansprechpartner vor Ort bleibt der Bundesforstbetrieb Rhein-Weser.

Zum Hintergrund DBU Naturerbe:

Die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Auf den größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Die DBU-Tochter möchte auch Menschen für die heimische Natur begeistern sowie Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die Natur fördern.

Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Christian Techtmann, Tel. 0251|6749-16

Nationale Naturerbeflächen als „Denkmäler des Friedens“

Zitat zur Wahl des EU-Parlaments 
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde © DBU
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zählt das Nationale Naturerbe zu den positiven Errungenschaften der Europäischen Union. 

„Gerade in Zeiten, in denen die Europäische Union stärker denn je in Frage gestellt wird, dürfen wir nicht müde werden, von den positiven Effekten der Staatengemeinschaft zu sprechen. So hat der Bund in den vergangenen zehn Jahren insgesamt rund 156.000 Hektar vor allem ehemals von den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich, Russland, Belgien und Deutschland militärisch genutzte Übungsplätze als Nationales Naturerbe ausgewiesen. Rund 70.000 Hektar hat das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, erhalten. Dass DBU-Naturerbeflächen wie die Wahner Heide in Nordrhein-Westfalen, der Stegskopf in Rheinland-Pfalz, die Cuxhavener Küstenheiden in Niedersachsen, Tennenlohe in Bayern oder Prora in Mecklenburg-Vorpommern heute nicht mehr militärisch genutzt werden müssen, sondern dauerhaft für den Naturschutz gesichert und als Orte der biologischen Vielfalt erhalten werden, ist maßgeblich dem Friedensprozess der letzten Jahrzehnte zu verdanken. Ohne die Bildung einer stabilen und die Staaten Europas vereinigenden Europäischen Union wäre der nun schon über 70 Jahre währende Frieden nicht realisierbar gewesen. Die Naturerbeflächen sind also auch "Denkmäler des Friedens" – und Zeugnis dafür, dass sich der Einsatz für ein stabiles Europa lohnt.“

Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), zu den positiven Errungenschaften der Europäischen Union


Lübberstedt jetzt im Eigentum der DBU

Niedersachsen: Übertragung der Naturerbefläche notariell beurkundet
DBU-Naturerbefläche Lübberstedt, Wald © Bundesforstbetrieb Niedersachsen
Die DBU-Naturerbefläche Lübberstedt ist Bestandteil eines ehemals großflächig zusammenhängenden Waldgebietes. 
Umrisskarte Lübberstedt © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die DBU-Naturerbefläche Lübberstedt umfasst rund 407 Hektar.

Axstedt. Der Übertragungsprozess ist abgeschlossen: Die Naturschutzfläche Lübberstedt gehört jetzt dem DBU Naturerbe. Mit der notariellen Beurkundung des Schenkungsvertrages ist der letzte Schritt getan, um das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, als Eigentümerin ins Grundbuch einzutragen. Ursprünglich gehörte die ehemals militärisch genutzte Fläche der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben(BImA). „Als neue Eigentümerin steht für uns der Naturschutz an erster Stelle“, betonte Josef Feldmann, Prokurist des DBU-Naturerbes. „Unser Ziel ist es, die Fläche im Nationalen Naturerbe in einem möglichst optimierten Zustand für nachfolgende Generationen zu erhalten.“

Fläche Teil des Nationalen Naturerbes

Seit 1939 wurde die Fläche militärisch genutzt. 2010 räumte letztlich die Bundeswehr die ehemalige Luftwaffenhauptmunitionsanstalt. Geblieben ist schützenswerte Natur, die nun Teil des Nationalen Naturerbes ist. Dabei hat der Bund rund 156.000 Hektar (ha) wertvolle Naturflächen nicht privatisiert, sondern in die Hände des Naturschutzes gegeben. Zum Nationalen Naturerbe zählen ehemals militärisch genutzte Gebiete, Flächen entlang der innerdeutschen Grenze, Treuhandflächen aus dem Volksvermögen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland.

Waldgebiet mit Vielfalt an feuchten Lebensräumen

Das zusammenhängende Waldgebiet der insgesamt 407 ha großen DBU-Naturerbefläche Lübberstedt zeichnet sich in der ansonsten waldarmen küstennahen Wesermünder Geest mit vielen Kiefern und Fichten auch durch eine Vielfalt an feuchten Lebensräumen wie Seen, Quellbächen und Sümpfen aus. Neben heimischen Säugetierarten leben im Wald unter anderem zahlreiche Vogelarten wie Mittelspecht und Waldkauz sowie Fledermäuse wie der Große Abendsegler und die Bartfledermaus. „Obwohl wir mit dem notariellen Übertragungsakt und der folgenden Grundbucheintragung erst jetzt Eigentümerin dieser DBU-Naturerbefläche sind, haben wir seit 2017 die Verantwortung für die Liegenschaft und auch notwendige Schritte im Sinne der Natur eingeleitet“, erläuterte Feldmann. Ziel ist es, den naturnahen Laubmischwald weiter aufzubauen und zu erhalten. Weitere Maßnahmen für die kommenden zehn Jahre sowie das Besucherlenkungskonzept wird das DBU Naturerbe in einem Managementplan, dem Naturerbe-Entwicklungsplan, erarbeiten. Obwohl das Gelände aus Gründen der Verkehrssicherung nicht öffentlich zugänglich ist, sind geleitete Führungen, wie derzeit vom Arbeitskreis MUNA Lübberstedt e.V. angeboten, möglich. Ansprechpartner vor Ort bleibt der Bundesforstbetrieb Niedersachsen.

Zum Hintergrund DBU Naturerbe:

Das gemeinnützige Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Auf den größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Die DBU-Tochter möchte auch Menschen für die heimische Natur begeistern sowie Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die Natur fördern.

Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Wolfgang Löwe, Tel. 05163|98868-12


Fakten zur Energiewende besser sichtbar machen

Energy-Charts des Fraunhofer ISE in DBU-Projekt weiterentwickelt
Grafik Energy-Charts (Temperaturstreifen) © Fraunhofer ISE
Bei den Energy-Charts gibt es interaktive Temperaturstreifen (warming stripes) für Deutschland und alle Bundesländer.
Grafik Energy-Charts © Fraunhofer ISE
Die Kohlendioxidemissionen (CO2) von Braunkohlekraftwerken in Deutschland werden bei den Energy-Charts interaktiv dargestellt.

Freiburg im Breisgau. Mit den Energy-Charts stellt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Freiburg) seit 2011 Deutschlands umfassendste Plattform für zeitaufgelöste Stromdaten der Öffentlichkeit zur Verfügung. In dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt „EnJour- Aufbereitete Energiedaten für Journalisten“ wurde die kostenlose Datenbank nun überarbeitet, um die Fakten zur Energiewende noch verständlicher und besser nutzbar zu machen. Zudem erweitern neue Grafiken das Informationsangebot. „Die mediengerecht aufbereiteten Fakten zu zentralen Fragestellungen der Energiewende sind ein Gegengewicht zu Fake-News und Totschlagargumenten in Bezug auf erneuerbare Energien“, sagt Felix Gruber, DBU-Abteilungsleiter Umwelttechnik. Das könne zur Versachlichung der Debatten beitragen und biete die Chance, den Treibhausgasausstoß zu mindern und den Klimaschutz voranzubringen.

Datenplattform an Bedürfnisse der Journalisten angepasst

In den Energy-Charts werden aktuelle Daten von mehr als zehn verschiedenen unabhängigen Daten-Anbietern wie dem Statistischen Bundesamt mathematisch verarbeitet und als Diagramme veranschaulicht. Die Bandbreite reicht von der installierten Leistung und Stromerzeugung verschiedener Energiequellen über Marktdaten bis hin zum Ausstoß von Schadstoffen aus Kraftwerken. In dem anderthalbjährigen Projekt „EnJour“ wurden Vorschläge der Energy-Charts-Nutzer erfasst und umgesetzt. „Dank der Unterstützung durch die DBU konnten wir unseren Service besser an die Bedürfnisse der Journalisten anpassen“, so Prof. Bruno Burger, der Initiator und Entwickler der Energy-Charts. „Seitdem haben sich die Zugriffszahlen auf die Webseite nochmals stark erhöht.“

Neue Funktionalitäten und Diagramme

Neu wurden Daten zu Wind, Solarstrahlung, Lufttemperatur und -feuchte von 500 Stationen des Deutschen Wetterdienstesintegriert. Das Fraunhofer ISE griff für die Temperaturdarstellung die Idee der „Warming stripes“ des Klimaforschers Ed Hawkinsauf, der die Jahresdurchschnittstemperaturen in farbige Strichcodes umgewandelt hatte. Auch der Schadstoffausstoß der Braun- und Steinkohlekraftwerke wird nun angezeigt: Sowohl Treibhausgase als auch Schwermetalle, zum Beispiel Arsen, Nickel und Quecksilber, und andere Stoffe wie Benzol, Feinstaub und Schwefeloxide können abgerufen werden. Begleitet wurde die Erweiterung der Datenplattform auch von Bildungsangeboten für Journalisten und andere Interessenten. Besonders im Kontext der Debatte um den Kohleausstieg und den Hitzesommer 2018 wurde, so Burger, die Datenplattform www.energy-charts.de von Journalisten genutzt, um aktuelle, transparente Zahlen zu recherchieren.

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 34331): Prof. Dr. Bruno Burger, Tel. 0761|4588-5237


Achtung: Sperrfrist, heute, 16:30 Uhr Stegskopf-Führung zeigt Naturschutz und Waldumbau

DBU Naturerbe und Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel führen 35 Besucher über Naturerbefläche
Hinweisschilder auf DBU-Naturerbefläche Stegskopf © Thomas Stephan
Die Hinweisschilder lassen keinen Zweifel: Die DBU-Naturerbefläche Stegskopf ist bislang nach wie vor gesperrt. Dennoch konnte das DBU Naturerbe am Mittwoch eine öffentliche Führung über ihre Fläche auf den Wegen durchführen. Aktuelles Bild folgt.  

Hof. Vorbei an der Schwarzen Nister, den alten Weiden der Gemarkung Backofen, durch das Naturwaldreservat zum ehemaligen militärischen Übungsort für den Häuserkampf – 35 Besucher nahmen am Mittwoch das Exkursions-Angebot des Tochterunternehmens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, wahr. „Wir möchten nicht nur diesen außergewöhnlichen Naturschatz zeigen, sondern auch von unserer Arbeit berichten“, erklärte DBU-Betriebsmanager Michael Diekamp. Er und Revierleiter Christof Hast vom Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel führten vom Schul- und Sportzentrum Hof aus rund drei Stunden über den Stegskopf. Letzterer kündigte an, dass Biolandwirt Michael Buhl deutlich mehr Offenlandflächen als im vergangenen Jahr mit extra gepanzerter Technik mähen soll. „Aufgrund der möglichen militärischen Altlasten können wir nicht von heute auf morgen die Pflegerückstände aufarbeiten, zumal die spezielle Technik auch sehr teuer ist. Wir müssen priorisieren und kontinuierlich dranbleiben“, machte Hast deutlich.

Kastenwäldchen gelichtet

Weitere Pflegemaßnahmen erklärte der Förster der Gruppe, als sie an einem der quadratischen Kastenwäldchen vorbeikamen. Diese hatte das Militär wie Bauklötze in die Landschaft pflanzen lassen. „Der rund vier Hektar große Fichtenwald hat den Soldaten bei Übungen Orientierung gegeben. Nach und nach werden wir in Abstimmung mit den Behörden die Flächen freistellen, damit sich hier wie früher auch wieder offene Flächen mit vielen Tier- und Pflanzenarten entwickeln können“, erklärte Hast.

Borkenkäfer im Visier

In den nächsten Wochen wollen die Förster mögliche Borkenkäferlarven in den Fichtenbeständen in den Fokus nehmen. Normalerweise greife der Besitzer auf seinen Naturschutzflächen bei einem üblichen Borkenkäferbefall nicht ein, solange ein Schutzabstand von 500 Metern zu Fichtenbeständen anderer Waldbesitzer bestehe. „Innerhalb der 500 Meter müssen wir jedoch befallenes Holz entnehmen, um unserer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen“, so Diekamp. Der Borkenkäfer sei für die Fichten zwar Totengräber, aber in Maßen auch Geburtshelfer: Gerade in Schutzgebieten wie den DBU-Flächen helfe er, Licht und Raum für stabilere Mischwälder mit einem höheren Laubbaumanteil zu schaffen. „Der Waldumbauprozess, der auf unseren Flächen sonst Jahrzehnte dauert, wird deutlich beschleunigt“, erläuterte Diekamp. Da die DBU-Tochter im Normalfall auch das Totholz nach einem überschaubaren Käferbefall in der Fläche lasse, schaffe der Borkenkäfer einen seltenen wie auch wichtigen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten.

Generelle Wegefreigabe verfolgt die DBU-Tochter mit Nachdruck weiter

Exkursions-Teilnehmer wollten wissen, wie es mit der generellen Wegefreigabe für ausgewählte Strecken am Stegskopf weiterginge. „Die Freigabe geeigneter Besucherwege auf einer Nord-Süd- und einer Ost-West-Achse verfolgen wir weiterhin mit Nachdruck“, erklärte Diekamp. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hatte als Genehmigungsbehörde einem Antrag der DBU Naturerbe auf Freigabe nach der erfolgten Beräumung nicht entsprochen. Nun hat die Flächenbesitzerin ein zusätzliches Maßnahmenpaket zusammengestellt und der ADD vorgeschlagen: Auf den ausgewählten Wegen will die DBU-Tochter weitere 40 stichprobenhafte Aufnahmen der Wege und Seitenstreifen, sogenannte Schürfungen, auf 60 Zentimeter Tiefe an repräsentativen Punkten in Auftrag geben. Eine tiefergehende Sondierung der kompletten Wegeränder sei aufgrund des ungewöhnlich stark verdichteten Bodens nur mit schwerem Gerät möglich und sehr kostenintensiv. Zudem will das DBU Naturerbe die Strecken mit Hinweisschildern versehen, die die Gefahrensituation erläutern und anmahnen, die Wege nicht zu verlassen. Ergänzend sollen problematische Bereiche eingezäunt werden, um die Sicherheit von Besuchern zu gewährleisten. Ob die Wegefreigabe mit diesem Konzept weiterverfolgt werden kann, entscheidet die ADD.

Bei Fragen zur Fläche: Christof Hast, Tel. 02661|950957


DBU geht dem Hainberg-Weiher auf den Grund

Weiher verliert Wasser – DBU Naturerbe untersucht Bodenbeschaffenheit
DBU-Naturerbefläche Hainberg. Weiher © Kolb GmbH
Schwankende Wasserstände im Weiher auf der DBU-Naturerbefläche Hainberg weisen auf undichte Stellen am Boden hin.
DBU-Naturerbefläche Hainberg, Weiher © Kolb GmbH
Eine Holzkonstruktion verhindert den Wasserzufluss, um den Weiher trocken zu legen und Schwachstellen am Grund zu erkennen. 

Fürth. Die umfassende Teichsanierung des Weihers auf der DBU-Naturerbefläche Hainberg schien zunächst abgeschlossen. Doch jetzt weisen schwankende Wasserstände auf undichte Stellen am Boden hin. „Wir vermuten eine Schwachstelle am Boden des Weihers. Für weitere Erkenntnisse sperren wir nun den Zufluss ab und legen kurzfristig den Weiher trocken“, erläutert Susanne Belting, Fachliche Leiterin des gemeinnützigen Tochterunternehmens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe. Eine Holzkonstruktion verhindert derzeit den Zufluss aus dem Asbach und leitet das Wasser über einen Umflutgraben um den See herum. Angefangen hatte die Teichsanierung 2016, da der Weiher insbesondere in den wasserarmen Sommermonaten immer wieder drohte, aufgrund des hohen Nährstoffgehalts und Algenwachstums sowie des dadurch verursachten Sauerstoffmangels zu kippen. Um diesen Prozess zu verhindern, entfernte das DBU Naturerbe 5.800 Tonnen des nährstoffreichen Schlamms und investierte rund 450.000 Euro.

Natürliche Schutzschicht bei Sanierung gestört

Trotz Zulauf aus dem Asbach, verliere der Weiher nach und nach Wasser. Falls nach dem Trockenlegen offensichtliche Leckstellen am Weihergrund zu erkennen sind, werden diese mit Steinen und lehmigem Material abgedichtet. Doch Dr. Uwe Fuellhaas, Experte für Gewässer- und Feuchtgebietslebensräume im DBU Naturerbe, geht von einem Problem der allgemeinen Bodenbeschaffenheit aus: „Sollte sich herausstellen, dass der gesamte Weihergrund durch die Entschlammung seine ursprüngliche Dichtigkeit verloren hat, müssen wir die natürlichen Kräfte der Selbstabdichtung abwarten. In diesem Fall würden wir wieder Wasser einlassen. Beim Versickern des Wassers lagern sich feine wasserundurchlässige Partikel am Weiherboden ab und dichten diesen dadurch allmählich wieder ab." Christian Stoewer, DBU-Koordinator beim Bundesforstbetrieb Reußenberg, verdeutlicht: „Da ein solcher Prozess nicht von heute auf morgen abgeschlossen sein kann, müssen alle Beteiligten Geduld haben.“ Bis dahin informiert ein Hinweisschild am Zulauf des Weihers interessierte Besucher über die Maßnahme und mahnt, die Konstruktion nicht zu beschädigen, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden.

Bei Fragen zur Fläche: Christian Stoewer, Tel. 09732|7831327


Tropenwald: Datenbasierte Vorhersage schont Boden, Klima und Geldbeutel

Landbesitzer in Mittelamerika von nachhaltiger Wiederaufforstung überzeugen
Brüllaffe © Stiftung FuturoVerde
Viele heimische Tier- und Pflanzenarten, wie der Brüllaffe, können den Mischwald als eine Art Verbindungskorridor nutzen. 
Finca San Rafael 2008 © Stiftung FuturoVerde
Erfolgreiche Wiederaufforstung: Die Finca San Rafael zu Beginn der Baumpflanzungen 2008...
Finca San Rafael 2016 © Stiftung FuturoVerde
...und acht Jahre später mit bereits geschlossenem Kronendach. Damit ansässige Landbesitzer überzeugt werden können, dass sich das Aufforsten nachhaltiger tropischer Mischwälder langfristig auch finanziell auszahlt, will die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen mit der Firma PuroVerde in Costa Rica ein datenbasiertes Entscheidungshilfesystem entwickeln.

Freiburg. Im tropischen Mittelamerika lassen große Investmentfirmen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Monokulturen mit nichtheimischen Baumarten wie Teak entstehen, die möglichst schnell wachsen, großflächig durch Kahlschläge abgeholzt und flott vermarktet werden: Mit ökologischen Folgen wie Bodenerosion, Verlust der Artenvielfalt, Schadstoffeintrag durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Eine Alternative stellen Mischwälder mit heimischen Baumarten dar, die umweltschonender bewirtschaftet werden können. Damit ein Umdenken erfolgt und ansässige Landbesitzer überzeugt werden können, dass sich das Aufforsten nachhaltiger tropischer Mischwälder langfristig auch finanziell auszahlt, will die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen mit der Firma PuroVerde in Costa Rica ein datenbasiertes Entscheidungshilfesystem entwickeln. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das neue Projekt fachlich und finanziell mit rund 400.000 Euro.

Nachhaltige Mischwälder mit heimischen Baumarten statt Monokulturen

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, ist der weltweite Schutz der Wälder als Kohlenstoffspeicher von zentraler Bedeutung.“ Die Wiederbewaldung sei eine einfache und wirkungsvolle Methode, das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu ziehen. Doch seien vor allem im tropischen Regenwald bereits viele Millionen Hektar unter anderem dem exportorientierten Ananas- oder Sojaanbau zum Opfer gefallen. Costa Rica habe darauf mit einem Abholzungsverbot reagiert: Nachdem der Baumbestand 1987 etwa 21 Prozent der Landesfläche ausgemacht habe, seien heute wieder 50 bis 60 Prozent bewaldet. „Problematisch ist aber, dass für die Forstwirtschaft hauptsächlich exotische Baumarten wie Teak in Monokulturen angebaut werden, die nach 16 bis 20 Jahren in großflächigen Kahlschlägen gefällt werden – mit großen umweltbelastenden Folgen“, sagt Prof. Dr. Marc Hanewinkelvon der Universität Freiburg. Dieser Trend soll durch Mischwaldkonzepte mit verschiedenen heimischen Baumarten, die sich zugunsten der Boden-, Wasser- und Lebensraumqualität auswirken, aufgehalten werden. Der Aufbau solcher Wälder erfordere umfangreiche Kenntnisse über das Bewirtschaften und das Bewerten von Märkten und Preisentwicklungen, um sie für Investoren interessant zu machen.

Klimasensitives Wachstumsmodell soll Waldentwicklung vorhersagen

Stefan Pröstler, Leiter des Projektverbunds FuturoVerde, zu dem auch die Firma PuroVerde gehört: „Für ein Umdenken muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn die Landbesitzer sind sehr skeptisch, ob das alles funktioniert und sich finanziell auch lohnt.“ Das noch zu entwickelnde prozessbasierte Entscheidungsinstrument soll dabei helfen. Konkret soll ein klimasensitives Wachstumsmodell für einheimische Baumarten ausgerichtet und für Vorhersagen der Waldentwicklung genutzt werden. Das Entscheidungshilfesystem soll übertragbar und damit auch in anderen tropischen Ländern nutzbar gemacht werden. Am Ende werden die Forschungsergebnisse in ein in der Praxis anwendbares Managementhandbuch überführt. Eine nachhaltige Wiederaufforstung in den Tropen stelle im doppelten Sinn einen Gewinn dar: Neben dem ökologischen Nutzen eines naturnahen Waldes mit einheimischen Baumarten wie Guapinol, Almendro und Cebo biete sich den Landbesitzern wieder eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive. Außerdem könne der Mischwald vielen Tier- und Pflanzenarten als eine Art Verbindungskorridor dienen, wenn ursprünglich gebliebene Regenwälder angrenzten.

„Lämmersalat“ im Authausener Wald

Stark gefährdetes Ackerwildkraut auf DBU-Naturerbefläche nachgewiesen
Lämmersalat © Frank Gottwald
Der gelbblühende Lämmersalat hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland, ist aber infolge der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung kaum mehr zu finden. 
Ackerbrache Authausener Wald © Holger Lienenweg
Die Ackerbrache auf der Naturerbefläche Authausener Wald wird extensiv genutzt und weder gedüngt, noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt oder gekalkt.

Friedrichshütte. Das Wildkraut, das seinen Namen der kulinarischen Vorliebe junger Lämmer für diese Pflanze verdankt, wurde auf einer knapp drei Hektar großen Ackerbrache der DBU-Naturerbefläche Authausener Wald nachgewiesen. Im Rahmen einer Untersuchung fand das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nun knapp 100 Lämmersalatpflanzen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. „Der Lämmersalat ist stark gefährdet und eine große Rarität“, erklärt Sabrina Jerrentrup, Offenlandmanagerin des DBU Naturerbes, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Wo die gelbblühende Pflanze früher auf von Schafen beweideten, brachliegenden Feldern typisch gewesen sei, seien die farbigen Blüten auf den heute zumeist eintönigen Getreidefeldern kaum mehr zu sehen: „Trotz der passenden Standortbedingungen ist die zierliche Pflanzenart aufgrund veränderter Landnutzung deutschlandweit nur noch selten zu finden.“  

Lämmersalat – eine Rarität in der heutigen Kulturlandschaft

Ungenutzt scheine die Landwirtschaftsfläche auf der DBU-Naturerbefläche, doch biete der nährstoffarme Sandboden mit offenen Bodenstellen dem Lämmersalat wertvollen Lebensraum. „Der Lämmersalat wächst bevorzugt auf Äckern, die landwirtschaftlich nicht intensiv genutzt, aber regelmäßig bearbeitet werden“, erklärt Jerrentrup. Die Brache im Authausener Wald werde weder gedüngt, noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt oder gekalkt, aber regelmäßig gepflügt. Infolge ertragsstarker, dichtwüchsiger Pflanzenbestände habe das konkurrenzschwache Ackerwildkraut im heute intensiv betriebenen Ackerbau kaum eine Chance. „Aufgrund verschiedener Standortbedingungen hat der Lämmersalat in Deutschland seinen Verbreitungsschwerpunkt. Die Erhaltung der Äcker mit solch gefährdeten Ackerwildkräutern liegt dem DBU Naturerbe daher besonders am Herzen“, betont Susanne Belting, Fachliche Leiterin des DBU Naturerbes.

 

 

Zum Hintergrund DBU Naturerbe:
Die gemeinnützige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Auf den größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Die DBU-Tochter möchte auch Menschen für die heimische Natur begeistern sowie Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die Natur fördern.


Als Freund und Helfer im Einsatz für den Naturschutz

Aktionstag der Bundespolizei auf DBU-Naturerbefläche Lauterberg
Sehen Sie selbst... © Jens-Eckhard Meyer, Bundesforstbetrieb Reußenberg
150 Polizeimeisteranwärter des Aus- und Fortbildungszentrums der Bundespolizei in Bamberg helfen auf der DBU-Naturerbefläche Lauterberg, den durch Borkenkäferbefall und Unwetter geschädigten Fichtenwald mit jungen Buchen zu durchmischen.
DBU-Naturerbefläche Lauterberg © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die rund 180 Hektar große DBU-Naturerbefläche wird vom DBU Naturerbe für den Naturschutz gesichert.

Oberlauter. Vollen Einsatz zeigen zurzeit 150 Polizeimeisteranwärter des Aus- und Fortbildungszentrums der Bundespolizei (BPOLAFZ) in Bamberg auf der DBU-Naturerbefläche Lauterberg. Im Rahmen ihrer Ausbildung helfen sie bei diesem Umwelttag unter fachkundiger Anleitung des Bundesforstbetriebes Reußenberg, den durch Borkenkäferbefall und Unwetter geschädigten Fichtenwald mit jungen Buchen zu durchmischen. Die rund 180 Hektar große, ehemals militärisch genutzte Fläche gehört zum Nationalen Naturerbe und wird von der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, für den Naturschutz gesichert. „Da in dem Waldgebiet keine Buche vorkommt, freuen wir uns, dass die Polizeischüler uns dabei unterstützen, hier heimischen Mischwald zu fördern“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin des DBU Naturerbes.

Harte Arbeit: Teilnehmer unterstützen Naturverjüngung

Heftige Stürme und der Borkenkäferbefall nach dem trockenen Sommer 2018 hatten zum Teil große Lücken im Fichtenwald hinterlassen. Die kahlen Flächen bepflanzen die Polizeischüler mit standortheimischen Buchen. Die verschiedenen Altersstufen, Größen und Baumarten schaffen in dem Waldabschnitt die gewünschte Naturnähe, so dass der Bestand mittelfristig sich selbst überlassen werden kann. Gemeinsam werden die polizeilichen Helfer dafür junge Buchen an ausgesuchten Plätzen zwischen Fichten einpflanzen und durch Abdeckungen vor Wildverbiss schützen. „Die Polizeischüler leisten hier harte Arbeit“, stellt Revierleiter Jens-Eckhard Meyer, Bundesforstbetrieb Reußenberg, fest. Arbeit, die sich lohne, so Belting: „So bleibt der Lebensraum beispielsweise für die Mopsfledermaus erhalten.“

Voller Körpereinsatz für den Naturschutz

„Der Umwelttag gibt unseren Polizeischülern die Möglichkeit, mit vollem Körpereinsatz wichtige Arbeit zu leisten. So profitieren beide Seiten: Unsere Anwärter werden sich ihrer verantwortungsvollen Rolle in der Gesellschaft bewusst, und der Naturschutz erfährt tatkräftige Unterstützung“, betont Marcus Büchner, Pressesprecher des BPOLAFZ Bamberg.

Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Jens-Eckhard Meyer, Tel. 09505|803855


Steinreiche Landschaft für Insekten, Lurche und Vögel

Universität Osnabrück plant Leitfaden für nachhaltiges Management von Steinbrüchen
Projektstart
Zum Start des Projektes "Biodiversität von Steinbrüchen" waren sich die Vertreter von Hochschule, UNESCO-Geopark, Industrieverband, Steinbruchunternehmen und DBU einig: Der Dialog ist ausschlaggebend für das Gelingen des Vorhabens.
Schachbrett © Thomas Fartmann
„Schachbrett“ nennt sich dieser auf Kalkmagerrasen vorkommende Schmetterling, der in Kalksteinbrüchen Rückzugsorte findet.
Steinbruch © Thomas Fartmann
Die Nachfrage nach Baumaterial steigt, gleichzeitig sollte die Artenvielfalt in Steinbrüchen erhalten bleiben. Dieser Steinbruch bei Rheine (Nordrhein-Westfalen) liegt in einem der wichtigsten Steinabbaugebiete Europas.

Osnabrück. Westfalen und die östlich angrenzenden Regionen Niedersachsens und Hessens gehören zu den wichtigsten Steinabbaugebieten Europas. Durch ein neues von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell gefördertes Projekt der Universität Osnabrück soll ein Konzept für den Erhalt der Artenvielfalt in Steinbrüchen erstellt werden, das sowohl die Abbau- als auch die Nachnutzungsphase einbezieht. „Selten gewordene Insekten, Lurche und Vögel profitieren von diesen besonderen Lebensräumen“, sagte Dr. Reinhard Stock, DBU-Fachreferent für Naturschutz, bei der Auftaktveranstaltung. „Gleichzeitig steigt durch den weltweiten Bauboom aber die Nachfrage nach Baumaterial wie Zement oder Steine.“ Deshalb sei die Zusammenarbeit mit den Steinbruchbetreibern innerhalb des Vorhabens ausschlaggebend.

Leitfaden wird in enger Abstimmung mit Praxispartnern erarbeitet

Seit Ende der 90er Jahre ist durch wissenschaftliche Arbeiten bekannt, dass Steinbrüche für selten gewordene Pflanzen  und Tiere wichtige Rückzugsorte darstellen. Kalksteinbruchgewässer sind etwa für den Libellen- und Amphibienschutz bedeutsam. Im Zuge des weltweiten Artenschwunds setzt das Projekt hier an. Projektleiter Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück erläuterte das Vorhaben: „Ein wesentliches Ziel ist das Erstellen eines Leitfadens mit Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden nachhaltigen Management von Steinbrüchen.“ Dieser werde in enger Abstimmung mit den Praxispartnern erarbeitet. Außerdem soll ein projektbegleitender Beirat eingerichtet werden. Zu den eingebundenen Partnern zählen die nordrhein-westfälischen Firmen HeidelbergCement (Geseke), Lhoist Germany Rheinkalk (Brilon), der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie (Duisburg) sowie der UNESCO-Geopark TERRA.vita(Osnabrück), in dessen Räumlichkeiten die Veranstaltung zum Projektstart stattfand. Die im Untersuchungsgebiet abgebauten Steine seien, so Fartmann, auch für viele andere Regionen von Bedeutung, daher seien die gewonnenen Erkenntnisse auch auf zahlreiche andere Standorte übertragbar.

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 34381): Prof. Dr. Thomas Fartmann, Tel. 0541|969-3551

Universität Osnabrück

Als Freund und Helfer im Einsatz für den Naturschutz

Aktionstag der Bundespolizei auf DBU-Naturerbefläche Lauterberg
Sehen Sie selbst... © Jens-Eckhard Meyer, Bundesforstbetrieb Reußenberg
150 Polizeimeisteranwärter des Aus- und Fortbildungszentrums der Bundespolizei in Bamberg helfen auf der DBU-Naturerbefläche Lauterberg, den durch Borkenkäferbefall und Unwetter geschädigten Fichtenwald mit jungen Buchen zu durchmischen.
DBU-Naturerbefläche Lauterberg © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die rund 180 Hektar große DBU-Naturerbefläche wird vom DBU Naturerbe für den Naturschutz gesichert.

Oberlauter. Vollen Einsatz zeigen zurzeit 150 Polizeimeisteranwärter des Aus- und Fortbildungszentrums der Bundespolizei (BPOLAFZ) in Bamberg auf der DBU-Naturerbefläche Lauterberg. Im Rahmen ihrer Ausbildung helfen sie bei diesem Umwelttag unter fachkundiger Anleitung des Bundesforstbetriebes Reußenberg, den durch Borkenkäferbefall und Unwetter geschädigten Fichtenwald mit jungen Buchen zu durchmischen. Die rund 180 Hektar große, ehemals militärisch genutzte Fläche gehört zum Nationalen Naturerbe und wird von der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, für den Naturschutz gesichert. „Da in dem Waldgebiet keine Buche vorkommt, freuen wir uns, dass die Polizeischüler uns dabei unterstützen, hier heimischen Mischwald zu fördern“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin des DBU Naturerbes.

Harte Arbeit: Teilnehmer unterstützen Naturverjüngung

Heftige Stürme und der Borkenkäferbefall nach dem trockenen Sommer 2018 hatten zum Teil große Lücken im Fichtenwald hinterlassen. Die kahlen Flächen bepflanzen die Polizeischüler mit standortheimischen Buchen. Die verschiedenen Altersstufen, Größen und Baumarten schaffen in dem Waldabschnitt die gewünschte Naturnähe, so dass der Bestand mittelfristig sich selbst überlassen werden kann. Gemeinsam werden die polizeilichen Helfer dafür junge Buchen an ausgesuchten Plätzen zwischen Fichten einpflanzen und durch Abdeckungen vor Wildverbiss schützen. „Die Polizeischüler leisten hier harte Arbeit“, stellt Revierleiter Jens-Eckhard Meyer, Bundesforstbetrieb Reußenberg, fest. Arbeit, die sich lohne, so Belting: „So bleibt der Lebensraum beispielsweise für die Mopsfledermaus erhalten.“

Voller Körpereinsatz für den Naturschutz

„Der Umwelttag gibt unseren Polizeischülern die Möglichkeit, mit vollem Körpereinsatz wichtige Arbeit zu leisten. So profitieren beide Seiten: Unsere Anwärter werden sich ihrer verantwortungsvollen Rolle in der Gesellschaft bewusst, und der Naturschutz erfährt tatkräftige Unterstützung“, betont Marcus Büchner, Pressesprecher des BPOLAFZ Bamberg.

Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Jens-Eckhard Meyer, Tel. 09505|803855


Steinreiche Landschaft für Insekten, Lurche und Vögel

Universität Osnabrück plant Leitfaden für nachhaltiges Management von Steinbrüchen
Projektstart
Zum Start des Projektes "Biodiversität von Steinbrüchen" waren sich die Vertreter von Hochschule, UNESCO-Geopark, Industrieverband, Steinbruchunternehmen und DBU einig: Der Dialog ist ausschlaggebend für das Gelingen des Vorhabens.
Schachbrett © Thomas Fartmann
„Schachbrett“ nennt sich dieser auf Kalkmagerrasen vorkommende Schmetterling, der in Kalksteinbrüchen Rückzugsorte findet.
Steinbruch © Thomas Fartmann
Die Nachfrage nach Baumaterial steigt, gleichzeitig sollte die Artenvielfalt in Steinbrüchen erhalten bleiben. Dieser Steinbruch bei Rheine (Nordrhein-Westfalen) liegt in einem der wichtigsten Steinabbaugebiete Europas.

Osnabrück. Westfalen und die östlich angrenzenden Regionen Niedersachsens und Hessens gehören zu den wichtigsten Steinabbaugebieten Europas. Durch ein neues von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell gefördertes Projekt der Universität Osnabrück soll ein Konzept für den Erhalt der Artenvielfalt in Steinbrüchen erstellt werden, das sowohl die Abbau- als auch die Nachnutzungsphase einbezieht. „Selten gewordene Insekten, Lurche und Vögel profitieren von diesen besonderen Lebensräumen“, sagte Dr. Reinhard Stock, DBU-Fachreferent für Naturschutz, bei der Auftaktveranstaltung. „Gleichzeitig steigt durch den weltweiten Bauboom aber die Nachfrage nach Baumaterial wie Zement oder Steine.“ Deshalb sei die Zusammenarbeit mit den Steinbruchbetreibern innerhalb des Vorhabens ausschlaggebend.

Leitfaden wird in enger Abstimmung mit Praxispartnern erarbeitet

Seit Ende der 90er Jahre ist durch wissenschaftliche Arbeiten bekannt, dass Steinbrüche für selten gewordene Pflanzen  und Tiere wichtige Rückzugsorte darstellen. Kalksteinbruchgewässer sind etwa für den Libellen- und Amphibienschutz bedeutsam. Im Zuge des weltweiten Artenschwunds setzt das Projekt hier an. Projektleiter Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück erläuterte das Vorhaben: „Ein wesentliches Ziel ist das Erstellen eines Leitfadens mit Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden nachhaltigen Management von Steinbrüchen.“ Dieser werde in enger Abstimmung mit den Praxispartnern erarbeitet. Außerdem soll ein projektbegleitender Beirat eingerichtet werden. Zu den eingebundenen Partnern zählen die nordrhein-westfälischen Firmen HeidelbergCement (Geseke), Lhoist Germany Rheinkalk (Brilon), der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie (Duisburg) sowie der UNESCO-Geopark TERRA.vita(Osnabrück), in dessen Räumlichkeiten die Veranstaltung zum Projektstart stattfand. Die im Untersuchungsgebiet abgebauten Steine seien, so Fartmann, auch für viele andere Regionen von Bedeutung, daher seien die gewonnenen Erkenntnisse auch auf zahlreiche andere Standorte übertragbar.


Achtung: Sperrfrist, 1.4., 14.30 Uhr! Mehr Widerstandskraft für den Hartmannsdorfer Forst

Pflanzaktion der Oberschule der Bergstadt Schneeberg auf DBU-Naturerbefläche
Hartmannsdorfer Forst © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Auf der DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst findet heute eine Pflanzaktion von Schülern der Oberschule der Bergstadt Schneeberg statt. Ein aktuelles Bild folgt hier am Nachmittag.

Hartmannsdorf. 28 Schüler der achten Klasse der Oberschule der Bergstadt Schneeberg packten heute an und pflanzten rund 500 standortheimische Buchen und Weißtannen auf der DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst. „Die Schüler unterstützen uns, den monotonen Fichtenwald nicht nur zu verjüngen, sondern mit den gepflanzten Laub- und Nadelbäumen auch die biologische Vielfalt zu erhöhen“, freute sich Susanne Belting, Fachliche Leiterin des gemeinnützigen Tochterunternehmens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), des DBU Naturerbes. Langfristig sollten die Wälder aus der Nutzung genommen und sich selbst überlassen werden. Heftige Stürme und der Borkenkäferbefall durch den trockenen Sommer 2018 hatten den Wald geschwächt und große Lücken hinterlassen.  

Neue Kraft für den Wald

„Der Pflanzeinsatz  macht den Wald widerstandsfähiger. Denn ein nach Alter und Arten dichtbewachsener Mischwald ist stabiler und anpassungsfähiger gegenüber extremen Witterungsbedingungen“, erklärte Revierleiterin Sabine Haas vom Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge, die die Aktion begleitete. Gerade nach starken Unwettern wie dem Sturmtief „Fabienne“ im Herbst 2018 seien betroffene Wälder geschwächt. „Das Sturmtief mit Windgeschwindigkeiten von teilweise über 100 Stundenkilometern entwurzelte Bäume, und zahlreiche Stämme brachen ab“, so Haas. „Dies schaffte günstige Bedingungen für den Borkenkäfer, der sich in abgebrochenen Fichten-Ästen oder unter der Rinde einnistete und stark vermehren konnte. Durch die geschädigten Bäume entstanden vielerorts  große Lücken im Bestand.“ Haas freut sich über den Einsatz der Schüler und unterstützt derartige Projekte gerne: „Es ist schön zu sehen, dass Umwelt- und Naturschutz nicht nur im Klassenraum diskutiert, sondern an Aktionstagen aktiv umgesetzt wird.“


Wenn Naturschutz unter die Räder kommt

Rückbau illegaler Radstrecke auf DBU-Naturerbefläche Tennenlohe für den Naturschutz
Naturerbefläche Tennenlohe © DBU Naturerbe GmbH / Norbert Rosing
Die DBU-Naturerbefläche Tennenlohe bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten vielfältige Strukturen und Lebensräume, die Naturbegeisterte von einem ausgedehnten Wegenetz erleben können. 
Mountainbike im Wald © pixelfreund - stock.adobe.com
Was in einigen Wäldern erlaubt ist, ist auf der munitionsbelasteten DBU-Naturerbefläche Tennenlohe verboten und gefährlich: Das Radfahren im Wald zerstört wertvollen Naturraum.

Tennenlohe. Eine schmale Fahrbahn führt mitten im Wald entlang von Steilkurven und tiefen Ausgrabungen im Boden hin zu einer mit Baumstämmen gestützten Sprungschanze – ein Abenteuerspielplatz für Mountainbiker mitten auf der DBU-Naturerbefläche Tennenlohe. Ein Besucher hatte die illegale Downhill-Strecke entdeckt und gemeldet. Die Polizei reagierte prompt und konnte einen Fahrer stellen. „Wer diese munitionsbelastete Piste runterfährt, hat die Gefahr für sich selbst nicht im Blick und lässt wertvolle Natur unter die Räder kommen“, erklärt Josef Feldmann, Prokurist des Tochterunternehmens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), des DBU Naturerbes. Mithilfe des Bundesforstbetriebes Reußenberg wird die Eigentümerin die illegale Strecke nun zurückbauen. Materieller Schaden: rund 12.000 Euro.

Verbotene Radstrecke im Naturschutzgebiet

„Eine solche munitionsbelastete Fläche ist nicht der richtige Ort für Mensch und Sport, denn diese stören etwa die seltenen Bodenbrüter, die wir schützen“, erklärt Feldmann. Die DBU-Tochter hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Dem Tatverdächtigen drohen aufgrund zahlreicher Rechtsvergehen nun Bußgelder. Der ehemalige Truppenübungsplatz ist munitionsbelastet und darf nach geltendem Recht nur auf gekennzeichneten Wegen betreten werden. Sprungschanze und befestigte Fahrbahn, das Fällen von Bäumen sowie Anlegen tiefer Ausbuchtungen im Boden sind Ordnungswidrigkeiten, die wertvollen Naturraum zerstören. „Wir werden die Natur zwischen der Straßenecke Turmweg und Heuweg nun wiederherstellen. Das wird aber nicht ganz einfach“, weiß Christian Stoewer, DBU-Koordinator beim Bundesforstbetrieb Reußenberg. Zunächst müsse die Strecke auf Kampfmittel sondiert und gegebenenfalls beräumt werden. Erst dann könnten Forstwirte sicher zurückbauen. Mit den entstandenen Naturschäden durch gefällte Bäume und beschädigte Wurzeln rechnet die DBU-Tochter mit Kosten von rund 12.000 Euro.

Sichere Besucherlenkung durch gezielte Wegeführung

Nach einer forstwirtschaftlichen Nutzung wurde die rund 440 Hektar große heutige DBU-Naturerbefläche Tennenlohe bis 1994 von amerikanischen Truppen als Übungsplatz genutzt. Da weiterhin scharfe Munition im Boden vermutet wird, bedarf es einer Besucherlenkung, die Interessierte gefahrlos und gezielt durch das Gelände führt. Nach aufwändiger Sondierung der Wege habe die DBU-Tochter die Besucherlenkung im Rahmen des Naturerbe-Entwicklungsplanes festgelegt und dabei örtliche Interessen ebenso berücksichtigt wie eigene Naturschutzziele.

Ausgedehntes Wegenetz eröffnet Blick in verschiedene Lebensräume

Als Teilfläche im größten Naturschutzgebiet Bayerns bietet die DBU-Naturerbefläche Tennenlohe vielfältige Strukturen und Lebensräume für mehr als 1.800 Tier- und Pflanzenarten, darunter 350 seltene und streng geschützte. Von zahlreichen Wegen, die das Gebiet durchqueren, können Besucher einen Blick in die Fläche werfen: das rund 100 Hektar große Offenland ist umzäunt, da Pferde und Ziegen die wertvollen Sandmagerrasen und Heiden mit Beweidung pflegen. Die überwiegend lichten kieferndominierten Wälder bieten einen Lebensraum für den Ziegenmelker. Im Gründlacher Moor findet die gefährdete Gelbbauchunke geeignete Rückzugsorte. „Unsere Naturerbeflächen sind offen für Naturbegeisterte, doch aktive Extremsportler, die rücksichtlos die Lebensräume von hier heimischen Tier- und Pflanzenarten missachten, sind unerwünscht“, verdeutlicht Feldmann.

Kontrollen auf DBU-Fläche vorgesehen

Der Besucherdruck auf den Wald werde größer, so Stoewer. Zunehmend kämen Wanderer, Radfahrer, aber auch Mountainbiker, BMX-Fahrer oder Geocacher. „Leider kommen wir um die Kontrollen zurzeit nicht herum. Wir freuen uns über die Unterstützung der Behörden“, betont Feldmann. Die Fläche werde regelmäßig von der Ordnungsbehörde des Landratsamtes und der Unteren Naturschutzbehörde Erlangen-Höchstadt, dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken, dem Bundesforstbetrieb Reußenberg sowie der Polizeiinspektion Erlangen-Land kontrolliert.


Eisblockwette: Wird Energie gespart, gewinnt das Klima

Bei Energiemesse gab „Modernisierungsbündnis Region Osnabrück“ Gewinner bekannt
Bekanntgabe Preisträger
Reiner Möhle (l.), Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, und Andreas Skrypietz, der das DBU-Projekt „Modernisierungsbündnisse“ leitet, gaben heute das Ergebnis der DBU-Eisblockwette bekannt.

Osnabrück. Im gedämmten Holzhaus noch 125 Kilogramm Eis, im ungedämmten nur noch 17: Elias John Poole aus Cloppenburg war bei der Eisblockwette der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am konkreten Ergebnis am dichtesten dran und erhält als Hauptpreis ein nachhaltig hergestelltes Bambus-Fahrrad, gesponsert von „die 2radprofis“ (Osnabrück). Der zweite Preis, eine professionelle Energieberatung, geht an Jorge Marques. Über den dritten Preis, eine Funksteuerung für die Heizung, kann sich Klaus Maßmann aus Lotte freuen. „Zu den Gewinnern zählt aber auch das Klima“, sagte heute Reiner Möhle, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, „wenn wir durch energiesparende Gebäudedämmung weniger Treibhausgase in die Atmosphäre abgeben.“ Denn jede Energieeinheit, die nicht verbraucht werde, müsse vorher auch gar nicht erst erzeugt werden. Über 100 Teilnehmer hatten darum gewettet, wie viel der ursprünglich jeweils 200 Kilogramm Eis nach drei Wochen noch übrig sein würden.

Einsparen von Energie ist klimafreundlich und schont den Geldbeutel

Wie gut die Energieeffizienz bei richtiger Dämmung ist, sollte die Eisblockwette zeigen. „Die isolierende Wirkung der fachgerechten Dämmung ist eindeutig. Sie verringert die erforderliche Heizenergie und schont Umwelt und Geldbeutel“, sagte Andreas Skrypietz, der das DBU-Projekt „Modernisierungsbündnisse“ leitet. In 23 Kommunen, Städten und Landkreisen in Deutschland – darunter auch die Region Osnabrück – unterstützt es derzeit Modernisierungsakteure in lokalen Netzwerken. Nur mit umfassenden Maßnahmen in Gebäuden könne der globale Temperaturanstieg auf unter zwei Grad begrenzt werden. Rund 50 Aussteller hatten bei der Energiemesse auf dem DBU-Gelände über Neuheiten und Lösungsansätze zu den Themen Energieerzeugung und -effizienz informiert. Weitere Informationen unter: www.modernisierungsbuendnisse.de.

Ansprechpartner bei Fragen: Andreas Skrypietz, Tel. 0541|9633-925


„Glücksfall für die DBU“ geht in den Ruhestand

Verabschiedung von Werner Wahmhoff als Rückblick auf die Stiftungsgeschichte der DBU
Farbradierung von Reinhard Klink © Münch/DBU
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) überreichte Werner Wahmhoff als Abschiedsgeschenk eine Farbradierung von Reinhard Klink. Sie stellt den DBU-Gebäudekomplex als „Netzwerk der Zukunft“ dar.
Verabschiedungsfeier Werner Wahmhoff © Münch/DBU
Eva-Maria Wahmhoff, Ehefrau von Werner Wahmhoff (M.), wurde vielfach in den Danksagungen der Redner berücksichtigt. Gelobt wurden nicht nur die beständige Unterstützung für einen überaus engagierten Stiftungsmitarbeiter, sondern auch die Gastfreundschaft im Haus Wahmhoff anlässlich zahlreicher Mitarbeiterausflüge.
DBU-Generalsekretäre und ihre Stellvertreter © Münch/DBU
Generalsekretäre und ihre Stellvertreter (v.l.): Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde und Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Stellvertreter bis März 2019, Alexander Bonde mit Michael Dittrich, Stellvertreter ab 1. April.
Dr. Reinhard Stock, stellvertretender Abteilungsleiter Umweltforschung und Naturschutz © Münch/DBU
Dr. Reinhard Stock, stellvertretender Abteilungsleiter Umweltforschung und Naturschutz, unterstrich das große Vertrauen, das Wahmhoff stets in seine Mitarbeiter steckte.

Osnabrück. „Mit Werner Wahmhoff geht ein fachlich und persönlich hoch geschätzter Stiftungsmitarbeiter der ersten Stunde in den Ruhestand.“ – Mit diesen Worten würdigte Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in einer Feierstunde die Leistung von Prof. Dr. Werner Wahmhoff, DBU-Abteilungsleiter seit rund 28 Jahren, Fachlicher Leiter des DBU Naturerbes seit fast zwölf Jahren und stellvertretender Generalsekretär. Als Agrarwissenschaftler sei er durch sein akademisches Vorleben geradezu prädestiniert gewesen, für das Spannungsfeld Landwirtschaft und Umwelt auf fachlich fundierter Basis Brücken zu bauen und Lösungen zu finden. Er sei „ein Stück weit der Vater des DBU Naturerbes“, einer Tochtergesellschaft der Stiftung, und habe „maßgeblich und mit Herzblut“ dessen Erfolgsgeschichte mitentwickelt.

Tatendrang: Kuratoriumssitzung vor erstem offiziellem Arbeitstag besucht

Seinen ungebrochenen Tatendrang beschrieb auch Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU von 1991 bis 2013 und langer Wegbegleiter Wahmhoffs, der ihn als einen „Glücksfall für die DBU“ bezeichnete. Nur drei Monate nach Stiftungsbeginn habe Wahmhoff, Sohn eines Landwirtes aus Wallenhorst, seine Arbeit schon vor seinem ersten offiziellen Arbeitstag als Leiter der Abteilung Umweltforschung aufgenommen.

Mehrmals im beruflichen Leben Organisation aufgebaut

Die Reden der Verabschiedung glichen einem Rückblick auf die Stiftungsgeschichte. Wahmhoff selbst beschrieb es als „Glück“, dass er mehrmals im beruflichen Leben die Möglichkeit gehabt habe, eine Organisation aufzubauen. Neben der Stiftung und dem DBU Naturerbe habe dazu auch das Stipendienprogramm der DBU gehört, das bis zu sechzig Promotionsstipendien pro Jahr fördert. Brickwedde: „Das ist eine fantastische Sache, die Werner Wahmhoff mit Bravour vorangebracht hat.“ Auch sein außerordentliches Engagement als stellvertretender Generalsekretär wurde besonders gewürdigt. Er habe nach dem Ausscheiden des damaligen Generalsekretärs Dr. Heinrich Bottermann nach einer „generalsekretärfreien Zeit“ ein voll funktionsfähiges und gut geführtes Haus übergeben, so Bonde, der seit Februar 2018 im Amt ist.

Förderbereich Naturschutz und DBU Naturerbe kamen hinzu

Im Jahr 2000 nahm die Stiftung den Naturschutz in die Satzung auf und sprach ihn Wahmhoffs Abteilung zu. Dr. Reinhard Stock, stellvertretender Abteilungsleiter Umweltforschung und Naturschutz, stellte dementsprechend auch die Breite von Wahmhoffs Sachverstand und seine Fähigkeit heraus, Theorie in Praxis zu überführen. „Es ging Ihnen nie nur um die Mehrung umweltrelevanten Wissens durch Umweltforschung, sondern auch immer um dessen Verankerung in der Praxis“, so Stock. Er habe seinen Mitarbeitern bei der Bearbeitung von Projekten und Förderschwerpunkten stets größtmögliche Freiheit gewährt, was Stock als großen Vertrauensbeweis wertete. Wahmhoff sei außerdem das „Gesicht des DBU Naturerbes“. Auch Brickwedde brachte seine Bewunderung zum Ausdruck angesichts der bundesweit mittlerweile 71 Naturerbeflächen und insgesamt 70.000 Hektar, deren Bereisungen viel Kraft erfordert habe. Als Wahmhoff die heute noch gültige Strategie entworfen habe, auf den Flächen des Nationalen Naturerbes wilden Wald von morgen und die Pflege von Offenlandflächen zu fördern, habe das entscheidend dazu beigetragen, dass die Große Koalition im Koalitionsvertrag vom 11. November 2005 vorzugsweise die DBU als Flächeneigentümerin in Betracht gezogen habe.

Dittrich, Hempel und Belting treten Nachfolge an

Die Nachfolge von Wahmhoff ist geregelt: Stellvertretender Generalsekretär wird zum 1. April Michael Dittrich, Abteilungsleiter Finanzen und Verwaltung. Am selben Tag wird Dr. Maximilian Hempel seine Arbeit als Abteilungsleiter Umweltforschung und Naturschutz aufnehmen und gleichzeitig für das deutsche Promotions-Stipendienprogramm verantwortlich sein. Die Fachliche Leitung im DBU Naturerbe übernimmt Susanne Belting.


Wasserrucksack als Lebensretter

Mobile Filteranlage hilft in Notsituationen ‒ Erfinder Prof. Frechen hält am 4. April Vortrag in der DBU
PAUL Wasserrucksack © Paulig Tischweberei
Filtern Bakterien und Verunreinigungen aus dem Wasser: Wie hier in Nepal sind mittlerweile weltweit knapp 3.000 PAULs im Einsatz. 

Osnabrück. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Doch vielen Menschen – vor allem in Not- oder Katastrophensituationen – bleibt dieses Menschenrecht verwehrt. Wie hier ein tragbarer Wasserrucksack schnell Abhilfe schaffen kann, berichtet Prof. Dr.-Ing. Franz-Bernd Frechen von der Universität Kassel in seinem Vortrag bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Er findet statt am 4. April um 18.30 Uhr unter dem Titel „Wie der Wasserrucksack PAUL Leben rettet“. PAUL (Portable Aqua Unit for Lifesaving) ist eine tragbare Wasserfilteranlage, die Menschen mit sauberem Wasser versorgt. Ihre Entwicklung wurde fachlich und finanziell von der DBU gefördert. Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Er ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die die DBU-Ausstellung „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“ begleitet.

In Kassel entwickelt – nun weltweit im Einsatz

Vor etwa neun Jahren kam PAUL, der unter der Leitung von Frechen an der Universität Kassel entwickelt wurde, zum ersten Mal in Pakistan zum Einsatz. „Mittlerweile leisten knapp 3.000 Stück in 75 Ländern der Erde wichtige Hilfe. Gerade nach Überschwemmungen, Wirbelstürmen oder Erdbeben ist es schwer, die örtliche Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen“, sagt Frechen. Das sei aber überlebenswichtig, denn über verschmutztes Wasser breiten sich schnell Krankheiten aus. PAUL benötigt weder Strom noch Chemikalien. Bis zu 2.500 Liter Wasser kann ein einzelner Rucksack pro Tag von Bakterien und Verunreinigungen befreien. Wie das genau funktioniert und was Frechen bei den Einsätzen von PAUL erlebt hat, darüber berichtet er in seinem Vortrag.

Führung durch die Ausstellung „MenschenWelt“

Vor dem Vortrag besteht um 17.45 Uhr die Möglichkeit, die aktuelle Ausstellung „MenschenWelt“ im Rahmen einer öffentlichen Führung zu erleben. Sie ist bis Ende 2019 in der DBU zu sehen (montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr sowie nach Absprache). Für Schulklassen gibt es zielgruppengerechte pädagogische Programme. Weitere Informationen zur Ausstellung, zum pädagogischen Programm und zu den folgenden Vortragsveranstaltungen finden sich unter www.ausstellung-menschenwelt.de

Naturschützerin Inge Sielmann mit 88 Jahren verstorben 

2017 mit Deutschem Umweltpreis der DBU ausgezeichnet – Bildung am „Grünen Band“ gefördert
Inge Sielmann © Iris Blank
Kurz vor ihrem 89. Geburtstag in München verstorben: DBU-Umweltpreisträgerin Inge Sielmann.

München. Inge Sielmann ist tot. Die engagierte Naturschützerin verstarb am Montag in München im Alter von 88 Jahren. Gemeinsam mit Dr. Kai Frobel und Prof. Dr. Hubert Weiger hatten die Protagonisten des „Grünen Bandes“ als erstem und größtem gesamtdeutschen Naturschutzprojekt 2017 aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Braunschweig den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Empfang genommen. „Inge Sielmann hat ein unübersehbares Ausrufezeichen für den Bildungsauftrag am und mit dem Grünen Band gesetzt. Nur durch den großen Einsatz engagierter Naturfreunde konnte die rund 1.400 Kilometer lange ehemalige innerdeutsche Grenze für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden, die einen Zufluchtsort innerhalb des ehemaligen ‚Todesstreifens‘ gefunden hatten“, betonte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde anlässlich ihres Todes.

Die Stifterin: Inge Sielmann

Das Engagement von Inge Sielmann sei untrennbar mit den Initiativen ihres Mannes – DBU-Ehrenpreisträger Heinz Sielmann (2005) – verbunden. Bonde: „Nach dessen Tod war es ihr zu verdanken, dass das Begonnene konsequent weiterverfolgt und Neues, vor allem in der Umweltbildung, initiiert wurde.“ Besondere Verdienste zum Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze habe sie als Vorsitzende des Stiftungsrates der Heinz Sielmann Stiftung erworben, wie zum Beispiel durch die Sicherung weiterer Flächen. Das Vorhaben „Biotopverbund Harz-Eichsfeld-Werratal“ sei beispielgebend für die Pflege und Entwicklung der Lebensräume im Grünen Band.

Schutz der biologischen Vielfalt am Grünen Band im Blick

Darüber hinaus habe Inge Sielmann große Verdienste in der Umweltbildung erworben. Mit dem Film „Tiere im Schatten der Grenze“ habe das Ehepaar bereits 1988 auf den herausragenden naturschutzfachlichen Stellenwert des Grenzgebietes zwischen Bundesrepublik und ehemaliger DDR aufmerksam gemacht. Mit der Standortentscheidung der Sielmann Stiftung für Gut Herbigshagen bei Duderstadt – nur einen Kilometer entfernt von der damaligen innerdeutschen Grenze – habe Inge Sielmann bis zuletzt ein Bekenntnis zum Grünen Band abgelegt. Die verschiedenen Initiativen vom Kindergarten über die Grundschulen bis hin zum „Forscher für Morgen“ stellten ihre Leistung zum Schutz der biologischen Vielfalt am Grünen Band heraus. So habe sie unter anderem die Patenschaft übernommen für den „Inge Sielmann Kindergarten“ in Fuhrbach bei Duderstadt und die Inge-Sielmann-Grundschule Milow. Neben den drei Naturschützern waren 2017 die Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald (Miltenberg) mit dem Deutschen Umweltpreis der DBU ausgezeichnet worden. Der Ehrenpreis war posthum an den früheren Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum, gegangen.

Grün ist gut: Jedes vierte Startup leistet Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften

Borderstep-Institut, BVDS und DBU veröffentlichen Green Startup Monitor
Green Startup Monitor © Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gGmbH
Der jetzt veröffentlichte „Green Startup Monitor“ zeigt: Im Jahr 2018 wirtschafteten 26 Prozent der jungen innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland mit Produkten und Dienstleistungen, die zu einer „Green Economy“ beitragen.

Berlin/Osnabrück. „Ökologische Herausforderungen wie der Klimaschutz bieten wettbewerbsfähige Marktchancen für Unternehmen – grüne Startups haben das verstanden“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Der jetzt veröffentlichte „Green Startup Monitor“ zeige, dass nachhaltige Startups die Nische verlassen haben: Im Jahr 2018 wirtschafteten demnach 26 Prozent der jungen innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland mit Produkten und Dienstleistungen, die zu einer „Green Economy“ beitragen – einer international wettbewerbsfähigen, ökologisch und sozial verträglichen Wirtschaft, unter dem Begriff „grüne Startups“ zusammengefasst. Die Studie wurde vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Kooperation mit dem Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) veröffentlicht. Die DBU förderte das Projekt fachlich und finanziell mit rund 360.000 Euro.

Wachstum, Internationalisierung und Mitarbeiterfindung

Ein weiteres zentrales Ergebnis des „Green Startup Monitor“ sei, dass grüne Startups zwar ein ähnliches Umsatz- und Mitarbeiterwachstum wie nicht-grüne Startups planen. Sie würden das aber deutlich seltener (36 Prozent) als Herausforderung ansehen als nicht-grüne (46 Prozent). Außerdem würden grüne Startups ein deutlich höheres Interesse an einer Internationalisierung haben. Vor allem die besonders wachstumsorientierten Startups würden die Internationalisierung ihrer Geschäftstätigkeit häufiger als aktuell wichtiges Unternehmensziel benennen (86 Prozent gegenüber 66 Prozent). Darüber hinaus würden grüne Startups leichter Mitarbeiter finden. Vor allem im Bereich Informations-Technologie sei es für grüne Startups leichter, Stellen zu besetzen. 91 Prozent der grünen Startups planen, in den kommenden zwölf Monaten im Durchschnitt sieben neue Mitarbeiter einzustellen. Der „Green Startup Monitor“ kann kostenfrei auf dieser Seite heruntergeladen werden.

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 33405): Maya Kristin Schönfelder, Tel. 030|30645100-8


DBU Naturerbe pflanzt klimarobuste Traubeneiche

Neues Leben für historische Stätte direkt an der 1000-jährigen Eiche
Junge Eiche Wahner Heide
Direkt an der umgestürzten 1000-jährigen Eiche wird nun ein junger Baum wachsen und helfen, die Geschichte um das Wahrzeichen Altenraths weiterzuschreiben. Am Samstag pflanzten sie Michael Diekamp vom DBU Naturerbe, Bundesforstmitarbeiter Klaus Oehlmann, Ortsvorsteher Achim Tüttenberg und Bundesforstmitarbeiter Achim Urmes (v.l.).
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Liegenschaftskarte Wahner Heide © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die DBU-Naturerbefläche Wahner Heide umfasst insgesamt eine Größe von ca. 1.814 Hektar. 

Troisdorf-Altenrath. Vergangenheit und Zukunft stehen auf der DBU-Naturerbefläche Wahner Heide nah beieinander: Direkt an der umgestürzten 1000-jährigen Eichewird nun ein zurzeit etwa drei Meter hoher, junger Baum die Geschichte rund um das Altenrather Wahrzeichen weiterschreiben. „Wir haben uns für eine kräftige Traubeneiche entschieden, die etwas besser als eine Stieleiche mit Trockenheit und höheren Temperaturen umgehen kann. Schließlich soll der Baum noch viele Jahrhunderte wachsen, auch wenn sich das Klima verändert“, erklärte Michael Diekamp vom gemeinnützigen Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe. Gemeinsam mit Achim Urmes und Klaus Oehlmann vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, Vertretern des Ortsrings Altenrath sowie dem Ortsvorsteher Achim Tüttenberg pflanzte er am Samstag den Baum ein. „Normalerweise müsste die junge Eiche hier sehr gute Chancen haben, alt zu werden. Wir wünschen ihr, dass sie widrigen Zeiten, Stürmen und Gewittern trotzt“, meinte Urmes.

Kultur trifft auf Natur – Vereinsvertreter wollen Standort erhalten

Für die Altenrather Vereinsvertreter war das Treffen mit gemischten Gefühlen verbunden. „Wir sind sicherlich etwas traurig, dass unser altes Wahrzeichen das Zeitliche gesegnet hat. Aber wir hauchen dieser historischen Stätte heute neues Leben ein“, erklärte Tüttenberg. Theoretisch hätten sich die Altenrather auch einfach eine andere alte Eiche auf der DBU-Naturerbefläche aussuchen können. „Aber diese Stelle ist seit vielen Jahrzehnten Anlaufstelle für Wanderer. Hier trifft Kultur auf Natur. Das soll auch in Zukunft so bleiben“, so der Ortsvorsteher. Da der abgeknickte Stamm als Totholz noch einige Jahre Lebensraum für spezialisierte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten darstelle, kämen jetzt „Alt und Jung“ zusammen. „Das ist doch ganz nett“, so Tüttenberg. Über die 1000-jährige Eiche in Altenrath lassen sich viele Geschichten erzählen. Etwa, dass in ihrer Betonplombe aus den 30er Jahren ein Gleis der ehemaligen Schmalspurbahn ragt. „Die Gleise verliefen über den Truppenübungsplatz hier in der Wahner Heide. Mit der Schmalspurbahn wurden beispielsweise die Zielscheiben für die Schießübungen raus gefahren“, wusste Urmes. Und dass die Eiche nicht nur das Altenrather Ortswappen prägt, sondern 2014 auch den Sessionsorden der Karnevalsgesellschaft Altenrather Sandhasen, das rief Urmes am Samstag noch einmal in Erinnerung: Er hatte den Orden damals verliehen bekommen und ihn anlässlich der Neupflanzung mitgebracht.

Bäume stehen symbolisch für Ziele der DBU-Tochter

Wie wertvoll die heimische Natur für die Bürger ist und wie wichtig ihr Schutz – das zeigt auch das Engagement um den Standort der beiden Eichen. In den vergangenen Jahren hielt eine Absperrung Passanten etwas auf Abstand, damit sie etwa vor herunterfallenden Ästen geschützt waren. Wegen der Verkehrssicherungspflicht hatten die Beteiligten um die Stadt Troisdorf, den Bundesforstbetrieb und das DBU Naturerbe den Wanderweg entlang der alten Eichen in sichere Entfernung umgelenkt und durch ein Holzgeländer markiert. „Das Engagement um diesen Standort steht symbolisch auch für unsere Ziele als Eigentümer“, erläutert Diekamp: Die DBU-Tochter wolle auf ihren Flächen unter anderem Menschen für die Natur begeistern, aber auch strukturreiche, naturnahe Wälder sich selbst überlassen.

Vielfältige Lebensräume bewahren, entwickeln und erleben

Die Stiftungstochter ist im Rahmen des Nationalen Naturerbes verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Auf den größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden.

Ansprechpartner bei Fragen zur Fläche: Achim Urmes, Tel. 02246|9154820


imPULS II. Easter Transformations – eine alternative Passion mit Arvo Pärt im Felix-Nussbaum-Haus

Arvo Pärt – Stabat Mater (1985) für Streichtrio und Vokaltrio  / mit dem Flex Ensemble, Mitgliedern des Ensemble der Staatsoper Hannover und Nora Gomringer (in einer Video-Lesung)

 

20.03.2019. Eine Aufführung von Arvo Pärts „Stabat Mater“ (1985) findet am Samstag, 30. März, 19 Uhr, im Felix-Nussbaum-Haus statt. Das Werk für Streichtrio und Vokaltrio wird aufgeführt vom Flex Ensemble, Mitgliedern des Ensemble der Staatsoper Hannover und Nora Gomringer (in einer Video-Lesung) statt. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Karten sind im Vorverkauf und an der Abendkasse für 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, an der Museumskasse und in der Tourist-Information erhältlich.

 

Die Musik des estländischen Komponisten Arvo Pärt berührt mit der Kraft des Einfachen, sie ist geprägt von Schlichtheit und Intensität. Sein selten gespieltes Stabat Mater ist eine Vertonung eines Gedichts aus dem 13. Jahrhundert über Mariens Leiden nach der Kreuzigung Jesu Christi. Pärt nutzt für seine Botschaft eine eigene, moderne musikalische Sprache.

 

Das Flex Ensemble lädt auf die Suche nach einer zeitgenössischen Oster-Erfahrung ein. Nicht nur die musikalische Sprache verändert sich, sondern auch die österliche Erzählung kann auf vielfältige Weise neu interpretiert werden und interessante Denkanstöße geben – zu Meditation, Wandel und der Frage der Entstehung neuen Lebens. Das Felix-Nussbaum-Haus eignet sich hierbei mit seiner besonderen und beeindruckenden Atmosphäre besonders für eine neue Form der inneren Einkehr und Transformation.

 

„Museen als Austragungsorte unserer Konzerte sind uns ein besonderes Anliegen. Das Felix-Nussbaum-Haus mit seiner besonderen Architektur und der Geschichte der Werke Felix Nussbaums inspirieren uns besonders in unserer Arbeit und werden die Zuhörer auf eine besonders intensive musikalische Reise in die eigene Welt mitnehmen“, sagt Martha Bijlsma.

 

Das Ensemble regt eine Auseinandersetzung außerhalb eines religiösen Rahmens an. Dazu spielen sie mit der ihnen eigenen Intimität und Spielfreude Pärts Stabat Mater in Verbindung mit einer experimentellen Video-Lesung der Lyrikerin Nora Gomringer. In Interaktion mit Pärts Musik und dem Ensemble untersucht die Autorin in einer Art alternativen Predigt mit ihren Worten die alten und mögliche neue „Botschaften“.

 

Das Projekt ist Teil der niedersächsischen Konzertreihe imPULS 2018/19. Mit dem Programm Traditionen Reloaded möchten die Musiker und Musikerinnen Erfahrungen möglich machen, die dazu beitragen, Traditionen – wie nicht zuletzt: Kammermusik – aus dem „hier und heute“ heraus zu interpretieren und weiterzuverfolgen.

 

Streichtrio des Flex Ensemble: Kana Sugimura (Violine), Anna Szulc-Kapala (Bratsche), Martha Bijlsma (Cello);

 

Mitglieder des Ensemble der Staatsoper Hannover: Ania Vegry (Sopran), Marlene Gaßner (Alt) und Uwe Gottswinter (Tenor);

Nora Gomringer (Autorin) (per Video)

 

Förderer sind die Stiiftung Niedersachsen und die NDR Musikförderung in Niedersachsen.

 

DBU Naturerbe: Für mehr Naturwälder von morgen

Tag des Waldes: DBU Naturerbe unterstützt nationale Biodiversitätsstrategie
Westliche Hainleite, Hangbuchenwald, DBU Naturerbe © DBU Naturerbe/Leikauf
Viele spezialisierte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind auf Totholz im Wald angewiesen, wie sie es auf der DBU-Naturerbefläche Westliche Hainleite finden können.
Kiefernwald, Rüthnicker Heide © DBU Naturerbe GmbH
Monotone, großflächige Wirtschaftswälder mit hohem Nadelholzanteil dienen weniger dem Naturschutz als heimische Mischwälder mit Bäumen unterschiedlichen Alters.
Karte Deutschland DBU Naturerbe GmbH © DBU Naturerbe GmbH
15.800 Hektar Wald entwickeln sich auf den 71 DBU-Naturerbeflächen bereits ohne menschliche Eingriffe.

Osnabrück. Als unverzichtbarer Rohstoff, wertvoller Lebensraum und Erholungsort ist er von Bedeutung: Der Wald bedeckt rund 30 Prozent der Landesfläche Deutschlands und prägt damit unser Landschaftsbild. Monotone, großflächige Wirtschaftswälder mit hohem Nadelholzanteil dienen aber weniger dem Naturschutz als heimische Mischwälder mit Bäumen unterschiedlichen Alters. „Wir möchten die Bestände auf unseren Naturerbeflächen wieder in einen naturnahen Zustand bringen und sie dauerhaft sich selbst überlassen. 15.800 Hektar Wald entwickeln sich auf den ersten 71 DBU-Naturerbeflächen bereits ohne menschliche Eingriffe", betont Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter des DBU Naturerbes, der gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zum Tag des Waldes am 21. März. Damit flankiert die Stiftungstochter ein Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt: Mindestens fünf Prozent der Wälder in Deutschland sollen sich zukünftig natürlich entfalten.

Naturnahe Wälder – ein Idyll vieler seltener Arten

Bäumen in Wirtschaftswäldern fehle ein für den Naturschutz wichtiger Abschnitt im Lebenszyklus: der Absterbeprozess. Viele spezialisierte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten seien aber auf Totholz, das im Wald verbleibt, als Lebensraum angewiesen, so Wahmhoff. Unberührte Natur gebe es in Deutschland wenig. Besonders in unzerschnittenen, nutzungsfreien Gebieten ab 1.000 Quadratmetern würden besondere Prozesse ablaufen, die beispielsweise für die Anpassung an klimabedingte Veränderungen von Bedeutung seien. „Je höher die Artenvielfalt, desto höher die Chance, dass zumindest einige Tiere und Pflanzen mit sich verändernden Umweltbedingungen, wie etwa durch den Klimawandel, umgehen können. Naturnahe Wälder werden daher bei einem fortschreitenden Klimawandel immer wichtiger“, so Wahmhoff.

Große naturnahe Waldflächen in Thüringen

Insgesamt hat die DBU-Tochter in den vergangenen zehn Jahren rund 70.000 Hektar (ha) Nationales Naturerbe vom Bund übernommen. Rund 53.800 ha sind Wälder. Ende 2018 entwickelten sich davon bereits 30 Prozent ohne menschliche Einflüsse. Einen natürlichen Charakter könnten Besucher etwa auf der DBU-Naturerbefläche Westliche Hainleite im Landkreis Kyffhäuserkreis (Thüringen) beobachten. „Hier entwickelt sich bereits ein Waldgebiet von 936 ha ungestört“, sagt Wahmhoff.

Naturnaher Buchenwald: Typischer Lebensraum für den Schwarzspecht

Auf der 450 ha großen DBU-Naturerbefläche Östliche Hainleite im nördlichen Landkreis Kyffhäuserkreis (Thüringen) hat die DBU-Tochter bereits rund 430 ha Waldfläche sich selbst überlassen. Die wertvollen naturnahen Buchenwälder würden dem Schwarzspecht einen wertvollen Lebensraum bieten. Von der 228 ha großen Waldfläche der DBU-Naturerbefläche Hohe Schrecke im Landkreis Burglandkreis (Sachsen-Anhalt) entwickelten sich bislang 220 ha ohne menschliche Einflüsse. Aufgrund der ehemaligen militärischen Nutzung entstand auf einem großen Teil der Fläche ein strukturreicher Laubmischwald.

Totholz für lebendige Vielfalt

Anders als in vielen „aufgeräumten“ Wirtschaftswäldern würden Bundesforstmitarbeiter auf den DBU-Naturerbeflächen Totholz liegen lassen, da es nicht nur Insekten, Pilzen, Moosen und Flechten wertvolle Lebensgrundlagen biete. Auch seltene Fledermausarten wie Großes Mausohr, Mops- und Bechsteinfledermaus würden von Baumhöhlen und abgeplatzter Rinde profitieren, die sie tagsüber als Versteckmöglichkeiten nutzen.

Waldumbau mit Ziel der Nutzungsaufgabe

Der Weg vom Wirtschaftswald zum naturnahen Idyll sei auf anderen DBU-Flächen lang und könne mehrere Jahrzehnte dauern. Mitunter hilft die DBU-Tochter der Natur dafür auch ein wenig auf die Sprünge. „Wir überführen die vorherrschenden, artenarmen Nadelholzbestände durch Waldpflege- und Waldumbaumaßnahmen schrittweise in naturnahe Wälder“, erläutert Michael Diekamp vom DBU-Betriebsmanagement das Vorgehen. Lichtbedürftige Eichen würden teilweise großzügig von konkurrierenden Kiefern freigestellt. In den daraus entstehenden offenen Bereichen würden junge Laubbäume nachwachsen. So entstehe eine Strukturvielfalt von unterschiedlicher Art, Größe und Alter. Naturnahe Laubmischwälder sowie die alten, lichten, über 100-jährigen Kiefernbestände würden unmittelbar einer freien Entwicklung überlassen.



Von flexiblen „Beton-Köpfen“ und Umwelt-Initialzündungen: Würzburg weist wieder Weg

Neubau der Umweltstation mit innovativen Baumaterialien – Deutscher Umweltpreis der DBU „Wachmacher“
Mettke Baustelle Umweltzentrum Würzburg © Umweltstation Würzburg
Vor Ort alles fest im Blick: Prof. Dr. Angelika Mettke auf der Baustelle der Umweltstation Würzburg.
Mettke, Jacob, Knieper Baustelle Umweltstation Würzburg © Umweltstation Würzburg
Dr. Angelika Mettke (r.) auf der Baustelle der Umweltstation Würzburg mit ihrem ehemaligen Mitarbeiter Steffen Jacob und der Leiterin der Umweltstation der Stadt Würzburg, Anja Knieper.
Gauck/Mettke UWP Würzburg 2016 © Peter Himsel/DBU
Großer Moment: Dr. Angelika Mettke, Professorin für bauliches Recycling an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, erhält 2016 in Würzburg aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck den Deutschen Umweltpreis der DBU.
Mettke mit UWP-Stele 2016 © Peter Himsel/DBU
Würzburg damals: Dr. Angelika Mettke, Professorin für bauliches Recycling an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, wird 2016 mit dem höchstdotierten europäischen Umweltpreis ausgezeichnet, dem Deutschen Umweltpreis der DBU.

Würzburg. Stolz waren sie in Würzburg: Als 1990 zur Landesgartenschau ein Umweltinformationszentrum in einem Gebäude am Zeller Tor eingerichtet wurde, legten die Würzburger den Grundstein für ein landesweites Konzept von Umweltstationen – Muster für heute rund 60 anerkannte Umweltstationen in ganz Bayern. Stolz sind sie in Würzburg auch heute: Denn auch wenn die Umweltstation nach mehr als einem Vierteljahrhundert inzwischen in die Jahre gekommen ist und unter funktionalen Gesichtspunkten den Anforderungen einer modernen Umweltbildungseinrichtung nicht mehr gerecht wird, soll sie nun noch einmal „Vorreiter“ werden: Für das Nutzen zukunftsweisender Energietechnik wie etwa einer Eisspeicherheizung, für das Nutzen innovativer Baumaterialien wie etwa Recycling-Beton. Ein rund viereinhalb Millionen Euro teurer Gebäudekomplex wird im Mai offiziell eingeweiht, komplett barrierefrei sein und sich perfekt in das bestehende Gelände an der Bastion einfügen. Freiflächen und der Zugang zur Bastion eröffnen der Umweltbildungseinrichtung innen wie außen großartige Möglichkeiten für Veranstaltungen, Ausstellungen und die tägliche Beratungsarbeit.

Prof. Dr. Angelika Mettke: Wiederverwertung von Baustoffen im Blick

Stolz kann eigentlich auch sie sein: Dr. Angelika Mettke, Professorin für bauliches Recycling an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Vor allem aber ist sie fachlich versiert, quirlig, zupackend und hartnäckig. Ihr ganzes Leben hat die Bauingenieurin der Wiederverwertung gerade auch von Baustoffen wie Beton gewidmet. Wie oft haben ihr Kritiker in den Zement-, Beton und Baubranchen in den vergangenen 30 Jahren attestiert, sie „spinne“? Sie schweigt beredt. Hätte sie jedes Mal fünf Euro kassiert, sie hätten den Neubau der Umweltstation Würzburg wohl aus eigener Tasche finanzieren können…

„Schönes Umsetzungsbeispiel für den Einsatz von Recyclingbeton“

Mettke steht für das Recyclingbeton-Konzept des Hauses, das von der Bodenplatte bis zur Decke über dem Obergeschoss in Ortbeton mit recyklierten Zuschlägen ausgeführt ist, zum Teil in Sichtbeton. Der Einsatz dieses Materials in unterschiedlichen Rezepturen wurde von Mettke in der gesamten Kette mit großem Engagement und intensiver Beratung der beteiligten Unternehmen begleitet und überwacht, von der Aufbereitung der Recyclingmaterialien, über die Qualitätssicherung bis hin zur Betonierung selbst. „Decken, Wände, Böden sind von hervorragender Qualität. Mit dem Gebäude liegt ein schönes Umsetzungsbeispiel für den Einsatz von Recyclingbeton vor, das in der Informations- und Bildungsarbeit der Umweltstation hervorragend genutzt werden kann“, ist Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), begeistert.

„Beton-Pioniere“ mit Deutschem Umweltpreis der DBU ausgezeichnet

Auch „seine“ Stiftung kann ein klein wenig stolz sein, ist vor allem aber „Schuld“ an dem Würzburger „Beton-Deal“. Nicht nur, weil sie in ihrem eigenen Verwaltungsgebäude schon Ende des vorigen Jahrtausends Recycling-Beton in tragenden Wänden erstmals in einem Verwaltungsgebäude einsetzte – nach reichlich Kämpfen und am Ende einer Sondergenehmigung  des zuständigen Ministeriums in Niedersachsen als oberster Bauaufsichtsbehörde. Denn als die DBU in Würzburg 2016 ihren Deutschen Umweltpreis verlieh – mit 500.000 Euro höchstdotierter Umweltpreis Europas –, stand neben dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck eine Frau auf der Bühne und nahm den Preis in Empfang: Angelika Mettke.

Mehraufwand für ressourcenschonenden Neubau von DBU finanziell abgefedert

An ihrer Seite damals ein zweiter „Beton-Pionier“: Dr. Walter Feeß. Der Unternehmer und gelernte Bautechniker aus Kirchheim unter Teck hatte bereits früh den Grundstein für ein innovatives Verfahren gelegt, bei dem Altbeton geschreddert und zu kleinteiligem Material – der sogenannten recyklierten Gesteinskörnung – verarbeitet wird. Sie wird im Austausch gegen neu abgebauten Kies oder anderes mineralisches Material anteilig in Frischbeton eingearbeitet. So kam die Idee, Recycling-Beton für ein kommunales Gebäude zu nutzen, in das Bewusstsein der Würzburger Stadtmütter und -väter. Und dass diese Idee dann schließlich auch noch mit weiteren Ansätzen zum klima- und ressourcenschonenden Bauen umgesetzt werden konnte, geht auch mit auf die DBU zurück, die der Stadt Würzburg den Mehraufwand für diese Arbeiten mit rund 336.000 Euro finanziell abfederte.

Akzeptanz von Recyclingmaterial im Hochbau deutlich verbessern

„Im Hinblick auf die Schonung der Sand- und Kiesressourcen muss die Akzeptanz von Recyclingmaterial im Hochbau noch deutlich verbessert werden“, begründet Bonde das Engagement der Stiftung. Die Welt erlebe momentan einen beispiellosen Bauboom. Allein in China sei von 2008 bis 2010 mehr Zement verbaut worden als in den Vereinigten Staaten von Amerika im gesamten 20. Jahrhundert. Hierzulande würden in manchen Regionen Sand und Kies knapp, auch weil viele Flächen überbaut seien oder die Bodenpreise zu hoch. Versorgungsschwierigkeiten wiederum könnten Baurohstoffe und damit das Bauen an sich noch teurer machen – und in Teilen Deutschlands sei das ja heute schon nicht mehr zu finanzieren. Deshalb sei es auch nur folgerichtig, wenn das bisherige Informationsspektrum der Umweltstation durch Darstellung des zugrundeliegenden ökologischen Baukonzeptes ergänzt und die Erfahrungen für ein breites Publikum in der Umweltstation, aber auch für Fachpublikum didaktisch aufbereitet werde. Einfließen sollen auch Lebenszyklus-Analysen der umgesetzten Bauausführung und Energieversorgung sowie Stoffstrom- und Kostenanalysen zum Einsatz von Recycling-Beton. Hinzu komme ein Monitoring zur Betriebsoptimierung und zur Visualisierung energetischer Daten.

Baden-Württemberg: 85 Prozent der Landesfläche bereits verplant    

Ein Großteil der Sand-, Kies- und Natursteinvorkommen Deutschlands ist durch konkurrierende Nutzungen wie nationale und europäische Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie überbaute Flächen nicht abbaubar, schreibt auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in einer Studie vom Frühjahr 2018 zur Versorgung mit Baurohstoffen. In Baden-Württemberg zum Beispiel seien 85 Prozent der Landesfläche durch diese vorrangigen Nutzungen bereits verplant und stünden für eine potenzielle Rohstoffgewinnung nicht zur Verfügung. Ein weiteres Hindernis für eine ausreichende Versorgung mit Baurohstoffen resultiere aus der aktuellen Entwicklung auf dem Grundstücksmarkt. Immer mehr Landwirte würden ihre Flächen nicht für einen Rohstoffabbau zur Verfügung stellen. In Zeiten niedriger Zinsen und gleichzeitig steigender Preise für Ackerland lohne es sich für sie nicht, ihre Flächen zu verkaufen oder zu verpachten. „So mussten bereits in einigen Gebieten Deutschlands Kieswerke aufgrund fehlender Erweiterungsflächen geschlossen werden“, betonte Dr. Harald Elsner von der BGR damals. Zusätzlich erschwert werde die Versorgungssituation mit Baurohstoffen durch langwierige Genehmigungsverfahren für neue Gewinnungsvorhaben sowie nicht ausreichende Verarbeitungskapazitäten der Baustoffindustrie.

„Flächenverbrauch ist immens und hinterlässt karge Landschaften“

2017 seien erstmals im Ruhrgebiet Versorgungsengpässe mit Baurohstoffen für den Straßenbau aufgetreten. Für 2018 rechneten die Industrieverbände mit weiteren Lieferengpässen, die auch andere Regionen Deutschlands betreffen könnten. Bonde: „Für konventionellen Beton werden Schotter und Kies in großen Gruben abgebaut und über lange Wege zwischen Abbaugebiet und Baustelle transportiert. Der Flächenverbrauch ist immens und hinterlässt karge Landschaften, die aufwändig für die Natur wieder hergestellt werden müssen. Betonrecycling kann hier ein möglicher Ausweg sein und den ungebremsten Flächenfraß ein wenig abbremsen. Weil für den Abbau von Sand und Kies weniger Druck entsteht, weil aber auch der ohnehin knappe Deponieraum in Deutschland geschont wird.“

Altbeton aus Hausabbrüchen kein minderwertiger „Abfall“

Aufbereitetes Material aus dem Abbruch von Häusern werde heute aufgrund stringenter gesetzlicher Vorgaben in Deutschland – im Gegensatz etwa zu den Niederlanden und der Schweiz – häufig wie Abfall behandelt und lediglich als Gesteinsschüttung im Straßenbau wieder eingesetzt, so Bonde weiter. Das widerspreche dem deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetz, das Stoffe eigentlich in den ursprünglichen Kreislauf zurückführen will. Schließlich handele es sich bei diesem „Abfall“ um hochwertiges Material, in dem bis zu 15 Prozent Zement als Komponente enthalten sei. Der werde bei Temperaturen von 1450 Grad in großen Öfen energieaufwändig gebrannt und sei – je nach Schätzung – mit fünf bis acht Prozent am globalen Kohlendioxidausstoß maßgeblich mitbeteiligt, so Bonde. Klar, die Würzburger Umweltstation ist inzwischen nur noch eine von mehr als 60 im Freistaat Bayern. Bonde: „Aber sie steht wie schon 1990 für einen Umdenkprozess, der mehr als überfällig ist, wenn wir zukünftigen Generationen einen intakten Erdball hinterlassen wollen."      Franz-Georg Elpers, DBU


Die Lernenden in den Mittelpunkt stellen

Tagung bringt Bildungscommunities und transformative Methoden zusammen
Tagung „Reallabore, Citizen Science, Service Learning & Co.“ © Phil Dera/Wuppertal Institut
Gruppenbild während der Tagung „Reallabore, Citizen Science, Service Learning & Co.“ am 22. Januar in Berlin (v.l.): Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut), Ulrike Peters (Deutsche Bundesstiftung Umwelt), Prof. Dr. Matthias Barth (Leuphana Universität Lüneburg) und Prof. Dr. Gerhard de Haan (Freie Universität Berlin – Institut Futur).
Resonanzraums
Werner Rybarsk von der Stabstelle Agenda Lernende Stadt Gelsenkirchen war Gastgeber des Resonanzraums "Integrierte Lernorte in einer lernenden Gesellschaft". Während der Tagung diskutierten die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bildungscommunities wie Universitäten und Schulen gemeinsam neue Bildungsmethoden. 

Berlin. Wie sieht transformative Bildung für eine nachhaltige Entwicklung aus? Was lernen die Beteiligten in Prozessen, die den gesellschaftlichen Wandel voranbringen? Welche Methoden sind dafür besonders vielversprechend? Diese Fragen standen erstmals in dieser Konstellation am 22. Januar 2019 im Fokus der ausgebuchten Tagung „Reallabore, Citizen Science, Service Learning & Co. – Transformative Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung“. Rund 160 Teilnehmende aus den unterschiedlichen Communities aus Bildung und Forschung trafen sich in Berlin und diskutierten neue Bildungsformate. Mit ihren nachhaltigen Entwicklungszielen – auch Sustainable Development Goals (SDGs) genannt – formuliert die Agenda 2030 internationale Entwicklungsziele, die weltweit bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Eine Schlüsselrolle zum Erreic hen der Ziele kommt in diesen Prozessen der Bildung zu. Bisher ist „transformative Bildung“ jedoch ein theoretisch und methodisch noch nicht klar definiertes Konzept. Transformative Methoden werden bislang eher als Forschungsmethoden verstanden. Sie erfüllen dann Anforderungen der Nachhaltigkeitsbildung, wenn die Lernenden im Mittelpunkt stehen. Die Erprobungsräume für Nachhaltigkeitstransformation sind daher auch zugleich Lernorte und die dort initiierten Prozesse sind gleichermaßen Bildungs- und Kommunikationsprozesse. So gelinge es bei einem Projekt zum Service-Learning etwa, dass Schülerinnen und Schüler unter wissenschaftlicher Begleitung Bodenproben nehmen und mit den anschließenden Ergebnissen Landwirte in Sachen Düngung beraten können. Auf diese Weise steht in diesem Beispiel die Schülerin und der Schüler im Mittelpunkt, das Gelernte verfestigt sich durch die Beratung und in der Folge wird im Idealfall ein Wandel bei der Düngung erreicht. Um solche Lern- und Bildungsangebote wirkungsvoller und anwendungsorientierter zu gestalten, kamen am 22. Januar erstmals die unterschiedlichen Bildungscommunities zusammen und diskutierten neue Formate. In Teams erörterten sie während der ausgebuchten Tagung „Reallabore, Citizen Science, Science Service & Co.“ neue Methoden. Dabei beschäftigten sie sich etwa mit gesellschaftlich engagiertem Lernen (Service Learning), Forschungsprojekten von und mit Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern (Citizen Science), Schulprojekten, die sich an echten Unternehmen orientieren (Schülerfirmen) sowie gesellschaftlichen Erprobungsräumen (Reallabor-Konzepte).

Reallabor-Tagung zu Nachhaltigkeitsbildung

Ausgerichtet wurde die Tagung „Reallabore, Citizen Science, Service Learning & Co.“ vom Wuppertal Institut, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der Leuphana Universität und dem Institut Futur der Freien Universität Berlin. Die vier Partner gehören zu den einflussreichen Institutionen im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung. In einem Einführungsvortrag betonte Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts, die Bedeutung von institutionellen und gesellschaftlichen Infrastrukturen für die Nachhaltigkeitstransformation: „Vordenkerinnen und Vordenker brauchen langfristig angelegte Räume und Möglichkeiten für gemeinsames Lernen und Ausprobieren.“ Die daf&uum l;r erforderlichen Kompetenzen lassen sich erlernen: Neben Universitäten finden sich über den gesamten Bildungs-, Aus- und Weiterbildungsbereich hinweg Lernorte und -formate und damit Gelegenheiten sogenannte „Change Agents für Nachhaltigkeit“ auszubilden. Für eine Verbindung von Zukunftsforschung und Bildung für nachhaltige Entwicklung plädierte Prof. Dr. Gerhard de Haan von der Freien Universität Berlin und unterstrich, dass gute Bildungskonzepte es ermöglichten, sich verschiedene Zukünfte vorzustellen, Vor- und Nachteile abzuwägen und Komplexität zu integrieren. In der Podiumsdiskussion ging Prof. Dr. Matthias Barth von der Leuphana Universität Lüneburg auf die Notwendigkeit ein, transformative Methoden auch schon in der universitären Ausbildung von Lehrkräften theoretisch und praktisch zu vermitteln: „Wichtig ist es, Lernprozesse erst umfassend zu verste hen und dann praktisch zu gestalten. In dieser Reihenfolge werden transformative Potenziale von Bildung viel stärker gehoben.“ Zahlreiche praktische Projekte mit unterschiedlichen Zielgruppen und Methoden wie beispielweise Schülerfirmen zu nachhaltiger Kleidungsproduktion oder gemeinsamer Reflexion der Kultur des Reparierens wurden vorgestellt und diskutiert. Abschließend betonte Ulrike Peters, Leiterin des Referats Umweltinformationsvermittlung bei der DBU: „Bildung für nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeitstransformation sind seit vielen Jahren wichtige Themen der DBU. Auch mit den gerade aktualisierten Förderleitlinien unterstützen wir fachlich und finanziell explizit transformative Methoden, um nachhaltiges Handeln und Beteiligen zu stärken.“ Aus den präsentierten Projekten ergaben sich neue Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten für weitere Partnerschaften.

Idee der Tagung aus Projekt entstanden

Bereits 2017 fand eine gemeinsame Veranstaltung des Wuppertal Instituts mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zum Thema „Reallabore als transformative Methode in der Nachhaltigkeitsbildung“ statt. Dort wurde gezielt der Austausch zwischen Akteurinnen und Akteuren der Bildung für nachhaltige Entwicklung und Reallaboren vorangebracht. Innerhalb des von der DBU fachlich und finanziell geförderten Projekts „EEVA – Entwicklung, Erprobung und Verbreitung neuer Qualifizierungsangebote für ‚Change Agents’ zu transformativem Lernen am Beispiel Reallabore“ ergab sich 2018 erneut die Möglichkeit, transformative Methoden in einem größeren Kontext zu diskutieren und weitere Communities einzuladen. Die dafür benötigten Kompetenzen lassen sich erlernen und trainieren. Beispielgebend für die verschiedenen Ansätze transformativer Bildung bauen Studierende der Freien Universität Berlin und der Leuphana Universität Lüneburg innerhalb des EEVA-Projekts für ihre Masterarbeiten kleine eigene transdisziplinäre sogenannte „Transformative Innovation Labs“ auf. Dafür eignen sich die Studierenden methodisches und praktisches Wissen an, damit sie sich mit den Werkzeugen der Wissenschaft aktiv an einer Gestaltung der Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung beteiligen können.

DBU: „Den heute üblichen Umgang mit Düngern grundsätzlich überdenken“

DBU unterstützt praxisnahe Lösungen
Gülleaustrag © Karl-Heinz Altmann/piclease
Die DBU fördert seit Jahren Dünge-, Tierhaltungs- und Fütterungsmethoden, mit denen deutlich weniger Stickstoffverbindungen in die Umwelt gelangen. 

Osnabrück. „Die nationalen Emissionen von Stickstoffoxiden und Ammoniak müssen dringend gesenkt werden. Der heute übliche Umgang mit organischen Düngern muss grundsätzlich überdacht werden. Ziel muss sein, die unerwünschten Stickstoffverluste auf ein Minimum zu verringern und die angebauten Pflanzen für Nahrungs- und Futtermittel dennoch optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Dabei hat die ausreichende Lebensmittelversorgung der Bevölkerung hohe Priorität.“ Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), reagiert mit diesen Worten auf einen Bericht im ARD-Magazin „Monitor“ von gestern Abend, in dem nach einer Studie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie auf die hohe Verantwortung der Landwirtschaft für die Emission von Ammoniak als einer Vorstufe für die Entstehung von Feinstaub in Deutschland hingewiesen worden war.

Nur etwa 60 Prozent der gedüngten Stickstoffmengen finden sich in Deutschland später auch in geernteten Produkten

„Stickstoff ist für Menschen, Tiere und Pflanzen überlebenswichtig und als zentraler Baustein von Eiweiß ein wichtiger Wachstumsmotor und Bestandteil von Pflanzendünger. Doch seit Jahren gelangt besonders beim Düngen und aus der Tierhaltung bedenklich viel Stickstoff in Wasser, Luft und Böden. Laut Umweltbundesamt stammen zwei Drittel der Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft. Dies ist zu einem der zentralen Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts geworden“, warnt Bonde. Die in der Europäischen Union vorgegebenen Grenzwerte würden in Deutschland noch längst nicht eingehalten. Bonde: „Die DBU sieht hier seit Jahren dringenden Handlungsbedarf und fördert Dünge-, Tierhaltungs- und Fütterungsmethoden und -technologien, durch deutlich weniger Stickstoffverbindungen in die Umwelt gelangen. Nur etwa 60 Prozent der gedüngten Stickstoffmengen finden sich in Deutschland später auch in den geernteten Produkten wieder, weltweit sind es noch weniger. Deshalb ist die Effizienz der Stickstoffdüngung aus Umweltschutzgründen noch deutlich zu steigern“, sagt Bonde. 

DBU verfolgt seit Jahren verschiedene Lösungsansätze

Um die Emissionswerte von Stickstoff zu verringern, verfolge die DBU seit Jahren verschiedene Lösungsansätze, die einerseits auf verbesserte Düngetechnik und Lagerung von Dünger, andererseits auf eine emissionsärmere Tierhaltung abzielen, erklärt Bonde. Unter anderem soll bundesweit ein modellbasiertes Beratungssystem für die Stickstoffdüngung von Winterweizen etabliert werden, das an der Christian-Albrechts-Universität Kiel erarbeitet wurde. Die Technische Universität München optimiere das Stickstoffmanagement im Rapsanbau mit einem Düngesystem, bei dem die Ökoeffizienz erhöht werden könne. Dabei erfassen Sensoren an den Landmaschinen berührungslos den Versorgungszustand der Pflanzen mit Stickstoff. Auch das an der Martin-Luther-Universit ät Halle-Wittenberg weiterentwickelte Gülle-Strip-Till-Verfahren für den Einsatz organischer und mineralischer Düngung sei sehr erfolgversprechend. Die Georg-August-Universität Göttingen und die Firma Kotte Landtechnik (Rieste) haben ein System zur sogenannten Unterfußinjektion entwickelt, mit dem bei der organischen Düngung von Mais bis zu 90 Prozent weniger Ammoniak in die Atmosphäre gelange. Wegweisend seien auch Konzepte zum sogenannten güllelosen Stall, dem „Stall der Zukunft“, wie Bonde erläutert: „Wir wollen Stallbaukonzepte zum Verringern von Ammoniak-Emissionen unterstützen, bei denen von Vornherein Kot und Harn getrennt werden, Gülle und folglich die damit verbundenen Stickstoffemissionen also gar nicht erst entstehen.“

Hohen Konsum tierischer Produkte senken

Schließlich gebe es aber auch Handlungsmöglichkeiten für die Verbraucher. Stickstoffüberschüsse könnten nur dann ausreichend verringert werden, wenn höhere Umweltanforderungen an die Landwirtschaft in Deutschland mit veränderten Konsummustern einhergingen. Bonde: „Der gegenwärtig hohe Konsum tierischer Produkte wie Fleisch, Eier und Milch könnte gesenkt und Lebensmittelabfälle sollten verringert werden.“ Verbraucherinformation sei wichtig.


Viel Neuschnee im Hartmannsdorfer Forst

Aufgrund von Schneebruchgefahr wird DBU-Naturerbefläche gesperrt
Die DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst umfasst insgesamt eine Größe von ca. 1930 Hektar.

Hartmannsdorf. Die DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst wird für Waldbesucher ab sofort bis auf weiteres gesperrt. Aufgrund von enormen Neuschneemengen der vergangenen Tage besteht akute Gefahr, dass Bäume oder Teile von Baumkronen unter der Schneelast zusammenbrechen. Wege und Zufahrten der Fläche werden dadurch blockiert oder Personen können durch herabstürzende Äste und Baumteile zu Schaden kommen. Der ehemals militärisch genutzte Übungsplatz wird seit 2013 von der gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, treuhänderisch für nachfolgende Generationen verwaltet und unter naturschutzfachlichen Aspekten gesichert.


Antibiotika in Gülle: Biogasanlage keine Barriere

Wirkstoffe trotz veränderter Gärprozesse stabil – Gefahr von resistenten Keimen verringern
Durch das Düngen gelangen Antibiotika in die Böden © August Falkner/piclease
Antibiotika sollen Tiere gesund halten, doch ein Großteil gelangt über das Düngen landwirtschaftlicher Flächen mit Gülle ungefiltert in die Böden. Dort können sich Bakterien entwickeln, auf die die Arzneien keine Wirkung mehr haben – sogenannte resistente Keime.
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Biogasanlage © Dirk Grasse/piclease
Da Gülle auch in Biogasanlagen verwendet wird, wurde geprüft, ob Antibiotika dort beseitigt werden können, um den Eintrag in die Umwelt zu verringern. Dieser Weg ist nach Darstellung der Projektbeteiligten für wichtige antibiotische Verbindungen nicht möglich.

Gießen. Viele in der Tiermedizin verwendete Antibiotika, die über Urin und Kot in die Gülle gelangen, lassen sich in Biogasanlagen nicht beseitigen. Das ist das Ergebnis eines Projektes der Justus-Liebig-Universität Gießen, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 343.800 Euro gefördert hat. In Deutschland werden in der Tierhaltung tonnenweise Antibiotika eingesetzt. Ein Großteil davon gelangt über das Düngen landwirtschaftlicher Flächen mit Gülle ungefiltert in die Böden. Dort können sich Bakterien entwickeln, auf die die Arzneien keine Wirkung mehr haben – sogenannte resistente Keime. Da Gülle auch in Biogasanlagen verwendet wird, wurde geprüft, ob Antibiotika dort beseitigt werden können, um den Eintrag in die Umwelt zu verringern. Dieser Weg sei nach Darstellung der Projekt beteiligten für wichtige Verbindungen nicht möglich. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Antibiotika müssen schon bei der Vergabe im Stall verringert werden, um Mensch, Tier und Umwelt zu schützen.“

Entwicklung von Antibiotika-resistenten Bakterien weltweites Problem

2017 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Deutschland 733 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben, der Großteil davon werde in Nutztierställen eingesetzt. Da nicht alles von den Tieren aufgenommen wird, gelangen Rückstände der Antibiotika und ihrer Stoffwechselprodukte in die Gülle. Diese wird entweder direkt oder nach der Vergärung in Biogasanlagen auf den Äckern verteilt. „Weltweit finden sich Antibiotika in Gülleproben und in Gärresten von Biogasanlagen wieder“, stellt Projektleiterin Dr. Astrid Spielmeyer vom Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie an der Universität Gießen das globale Problem dar. In Deutschland seien Biogasanlagen vor allem i n Gebieten mit intensiver Landwirtschaft weit verbreitet. Gleichzeitig seien dies die Regionen mit hohen Antibiotikaabgaben an die Tierärzte. „Es gibt verschiedene Studien, die einen Rückgang der Arzneimittel-Konzentration durch das Vergären von Gülle in den Biogasanlagen beschreiben“, erläutert Spielmeyer. Jedoch seien die genauen Vorgänge bisher nicht eindeutig bekannt gewesen. Ziel des Projektes war es deswegen zu prüfen, ob der Prozess in Biogasanlagen einen Beitrag zum Verringern des Antibiotikaeintrages in die Umwelt leisten könne.

Breitbandantibiotika wie Tetrazyklin wirken bei einer Vielzahl von Bakterien

Spielmeyer: „Rund ein Drittel der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika gehören zu den antibakteriell wirkenden Sulfonamiden und Tetrazyklinen, die wir untersucht haben.“ Der Wirkstoff Tetrazyklin wird bei Menschen und Tieren als Breitbandantibiotikum verwendet. Das heißt, er wirkt gegen eine Vielzahl von Bakterien und kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn der Krankheitserreger nicht genau bestimmt werden kann. Für die beiden genannten Antibiotika-Gruppen sind bereits resistente Keime nachgewiesen worden. Der Rückgang von Antibiotika in Güllebehandlungsverfahren, wie das Lagern oder das Kompostieren, war in mehreren Studien bereits beschrieben worden – allerdings mit ganz verschiedenen Ergebnissen.

Stabilisierung durch Bindung – Erneutes Freisetzen durch Auswaschen

Im Projekt stellte sich in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (Bad Hersfeld) heraus, dass unterschiedliche Temperaturen, Säure- und Salzgehalte kaum Einfluss auf die Wirkstoffe hatten. Bei Zusatz von einem Feststoff wie Maissilage, der auch in Biogasanlagen erfolgt, sei es allerdings zu einem Rückgang der Antibiotika-Konzentration gekommen. „Ein derartiger Rückgang, wie er auch in vorherigen Studien festgestellt wurde, heißt nicht unbedingt, dass die chemischen Strukturen zerstört und unwirksam werden“, erklärt Spielmeyer die Zusammenhänge. Wenn sich zum Beispiel Bestandteile der Gülle mit den Wirkstoffen verbinden, könnten die einzelnen Antibiotika zwar nicht mehr nachgewiesen werden, befinden sich aber noch – stabilisiert durch die Bindung – in der Gülle oder den Gärresten. Spielmeyer: „Wenn Wirkstoffe gebunden werden, können sie sich später auch wieder lösen, sodass es zu einem erneuten Freisetzen der Antibiotika in der Gülle oder auch im Boden kommen kann.“ Das hätten die nun veröffentlichten Projektergebnisse gezeigt. Zwar werde oftmals nur ein geringer Teil wieder freigesetzt, dies könne jedoch stetig über einen langen Zeitraum erfolgen.

Ansprechpartner bei fachlichen Fragen zum Projekt (AZ 31812/01): Dr. habil. Astrid Spielmeyer, Tel. 0641|99-34953

Förderinitiative Nachhaltige Pharmazie 2: Eliminierung von Tierarzneimitteln durch effektive Güllebehandlung

Suche nach Träger des Deutschen Umweltpreises 2019 startet

Nominierungen für höchstdotierten, unabhängigen Umweltpreis Europas bis 15. Februar möglich
Suche nach Träger des Deutschen Umweltpreises 2019 startet © Peter Himsel/DBU
Noch bis zum 15. Februar 2019 können Personen für den unabhängigen und mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis vorgeschlagen werden. 

Osnabrück/Mannheim. Potentielle Preisträger gesucht: Die Kandidatensuche für den unabhängigen, mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis 2019 hat begonnen. Bis zum 15. Februar haben rund 200 Personen und Institutionen – darunter Forschungs- und Naturschutzeinrichtungen, Arbeitgeber- und Branchenverbände sowie Gewerkschaften, Kirchen und Medien – die Möglichkeit, ihre Favoriten für die Auszeichnung vorzuschlagen. Mit dem höchstdotierten Umweltpreis Europas würdigt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Leistungen von Persönlichkeiten, die vorbildlich zum Schutz der Umwelt beitragen oder beigetragen haben. Die festliche Verleihung findet am 27. Oktober im Mannheimer Congress Center Rosengarten statt.

16-köpfige Experten-Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft

Jedes Jahr erreichen die DBU-Geschäftsstelle in Osnabrück viele Kandidatenvorschläge. Welche Institutionen Vorschläge machen können, ist auf der Homepage des Deutschen Umweltpreises zu lesen (www.dbu.de/umweltpreis). Die Empfehlungen werden einer unabhängigen und hochkarätigen 16-köpfigen Experten-Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vorgelegt. Anschließend trifft das DBU-Kuratorium auf Basis des Jury-Votums die endgültige Wahl und benennt den oder die Umweltpreisträger. „Ob mittelständische Unternehmer oder Wissenschaftler – mit dem Preis zeichnen wir Persönlichkeiten aus, die sich mit ihren innovativen Projekten, Maßnahmen oder Lebensleistungen vorbildlich für den Schutz der Umwelt eingesetzt haben od er einsetzen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Ihre Leistungen sollten modellhaft und praktisch umsetzbar sein, um einen möglichst großen Nachahmungseffekt zu erzielen.

Umweltprobleme mit geeigneten Strategien entschärfen

Seit 1993 verleiht die DBU ihren Deutschen Umweltpreis an herausragende Pioniere des Umweltschutzes. Mit der Auszeichnung will sie Personen, Unternehmen und Organisationen dazu „anstiften“, Umweltprobleme rechtzeitig zu erkennen und mit Hilfe geeigneter Strategien bereits im Vorfeld zu entschärfen. Unter anderem wurden schon der Ozonforscher und spätere Nobelpreisträger für Chemie, Professor Dr. Paul J. Crutzen (1994), und der ehemalige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Prof. Dr. Klaus Töpfer (2002), mit dem Preis ausgezeichnet.

Im Meer und an Land: 2018 ganz im Zeichen von Wasser

2018 ging der zum 26. Mal verliehene Deutsche Umweltpreis an die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (Bremerhaven) und ein interdisziplinäres Abwasser-Expertenteam um Prof. Dr. Roland A. Müller, Dr. Manfred van Afferden, Dr. Mi-Yong Lee und Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld (alle Leipzig). Das Team wurde für das Schaffen einer dezentralen Lösung für die Abwasserentsorgung in Jordanien ausgezeichnet. Boetius erhielt den Preis für ihre Leistung in der Meeres- und Polarforschung sowie ihre Fähigkeit, die gewonnenen Erkenntnisse einem breiten Publikum zu vermitteln. Die DBU betonte damit die Bedeutung der Meere für Klima, Leben svielfalt und Nahrungsversorgung und warnte vor Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überfischung. Zudem sollte der weiteren Forderung der Vereinten Nationen Nachdruck verliehen werden, bis 2030 für die Weltbevölkerung sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen und eine angemessene Sanitärversorgung für alle und damit deutlich bessere Lebensbedingungen zu gewährleisten, sagte Bonde. Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier hatte den Preisträgern die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas am 28. Oktober in Erfurt überreicht.

 


Die großen Auswirkungen kleiner Entscheidungen

Abendvortrag mit Dr. Holger Hoff – 6. Dezember, 18.30 Uhr, in der DBU
Flugzeuge haben große Auswirkungen auf die Umwelt © Wolfgang Wendefeuer/piclease
Ob zum Shoppen nach New York, zum Baden in die Karibik oder zur Hochzeit ans andere Ende Deutschlands ‒ Fliegen ist schnell und praktisch, die Entscheidung für das Flugzeug als Transportmittel hat aber auch große Auswirkungen auf die Umwelt.  

Osnabrück. Erdbeeren im Winter, ein verlängerter Wochenendausflug nach New York oder jede Woche ein neues Kleidungsstück sind für viele Menschen selbstverständlich. Die Umweltauswirkungen solcher Alltags-Entscheidungen – wie dem Bedarf an Rohstoffen, der Ausstoß von Treibhausgasen oder energieintensive Herstellungsverfahren – werden dabei häufig außer Acht gelassen. In seinem Vortrag „Was hält unsere Erde aus?“ rückt Dr. Holger Hoff vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Donnerstag, 6. Dezember, diese Auswirkungen in den Fokus. Dazu stellt er die Belastbarkeitsgrenzen der Erde vor, die in dem wissenschaftlichen Konzept der „planetaren Leitplanken“ zusammengefasst wurden. Los geht es um 18.30 Uhr im Zentrum für Umweltkommunikation (An der Bornau 2, Osnabrück) der D eutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Der Vortrag findet im Rahmen der DBU-Ausstellung „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“ statt. Der Eintritt ist frei.

Neun Umweltprozesse, die die Intaktheit des Erdsystems beschreiben

Damit auch künftig das Erdsystem nicht überlastet wird und alle gut leben können, müssen die Menschen innerhalb der „planetaren Leitplanken“ handeln und wirtschaften, so die Grundidee des wissenschaftlichen Konzeptes. Entwickelt wurde es von Forschern um den Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU und Ko-Direktor des PIK, Prof. Dr. Johan Rockström. Es benennt neun Umweltprozesse wie Klimawandel, Biodiversität oder Ozeanversauerung, die die Intaktheit des Erdsystems beschreiben, und definiert Grenzbereiche, die nicht überschritten werden dürfen. Ein Beispiel dafür ist das internationale Klimaziel, die globale Erwärmung auf maximal eineinhalb bis zwei Grad zu begrenzen.

Führung durch die Ausstellung „MenschenWelt“

Vor dem Abendvortrag besteht um 17.45 Uhr die Möglichkeit, die aktuelle DBU-Ausstellung „MenschenWelt“ im Rahmen einer öffentlichen Führung zu erleben. Sie ist noch bis Ende 2019 in der DBU zu sehen (montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr). Anschließend beginnt ihre Wanderschaft durch ganz Deutschland. Für Schülerinnen und Schüler ab der Klasse 7 gibt es zielgruppengerechte pädagogische Programme. Weitere Informationen zur Ausstellung und zum pädagogischen Programm finden sich unter www.ausstellung-menschenwelt.de.


Am Berg gemeinsam Grenzen überwinden

In den Alpen bringt Naturschutz Einheimische und Geflüchtete zusammen – DBU-Projekt abgeschlossen
Reparatur von Wanderwegen © Leonhard Geißler/A.L.M.
Gemeinsam anpacken: Das Reparieren von Wanderwegen in den Bergen baut gleichzeitig Brücken zu Bewohnern der neuen Umgebung. 
Einheimische und Geflüchtete bauten Fledermaus-Nistkästen © Evi Blum/A.L.M.
Mit Hilfestellung des Nationalparks Berchtesgaden bauten Einheimische und Geflüchtete gemeinsam Nistkästen für Fledermäuse und lernten dabei nicht nur viel über die meist nachtaktiven Tiere.
Wanderung in den Bergen © Anna Heinisch/A.L.M.
Bei einer ausgedehnten Wanderung in den Bergen und den nötigen Pausen gibt es vieles zu entdecken, sodass Emanuel Brhane (r.) und andere Geflüchtete ihre Alltagssorgen schnell vergessen konnt

München. Natur gemeinsam kennenlernen, erleben und schützen: Das war das Ziel eines nun abgeschlossenen Projektes des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Alpenvereins (DAV, beide München) in den vergangenen zwei Jahren. Unter dem Motto „Alpen.Leben.Menschen“ richteten sie sich mit ihrem Projekt gleichermaßen an Einheimische und Geflüchtete, die in den vergangenen Jahren in die Alpenregion gekommen waren. Unterstützt wurden die beiden Vereine dabei fachlich und finanziell mit rund 125.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Rahmen ihres Sonderprogramms „Flüchtlinge und Umwelt“. „Die besondere Natur des Alpenraumes zu erleben und gemeinsam zu schützen, bringt die Menschen ins Gespräch, ganz unabhängi g von ihrer Herkunft. So kann der Einzelne mehr über den anderen erfahren, Verständnis entwickeln und gemeinsam lernen“, sagt Erik Waalkes vom Malteser Hilfsdienst. Insgesamt nahmen an 150 Projekt-Veranstaltungen über 1.000 Personen teil, 300 davon mehrfach.

Wissen draußen in der Praxis anstatt drinnen im Seminarraum vermitteln

„Das Projekt und sein positives Ergebnis zeigen genau das, was wir 2016 mit unserem Sonderprogramm erreichen wollten: mithilfe von Umweltengagement einen wichtigen Beitrag zur Integration von Geflüchteten leisten“, betont DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Integration könne nur erfolgreich sein, wenn Geflüchtete und Einheimische daran teilhaben – „ein zentraler Aspekt bei diesem Projekt“, so Bonde. Ausgehend von den vier Projektstandorten im Raum Garmisch-Patenkirchen, Allgäu, Berchtesgadener Land und Rosenheim wurden verschiedene Veranstaltungen organisiert, die sich an beide Gruppen wendeten. „Unser Ziel war es, das Wissen über die einzigartige Natur in den Alpen so häufig wie möglich bei Exkursionen oder dem Bergsport draußen in der Praxis zu vermitteln anstatt in theoretischen Seminaren“, erläutert Stefan Winter vom DAV. So wurden die Berge beim Wand ern erkundet, Bergbauern auf ihren Almen bei der Arbeit unterstützt oder – gemeinsam mit dem Nationalpark Berchtesgaden – Nistkästen für Fledermäuse gebaut.

„Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das nicht möglich gewesen“

Niedrigschwellige, regelmäßige Angebote, die Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher sowie der Mehrwert für Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen – für diese Mischung gab es nicht nur den Hauptpreis im Wettbewerb „Soziale Natur – Natur für alle 2017“ der Dekade Biologische Vielfalt der Vereinten Nationen sondern auch den internationalen ARGE ALP-Preis 2017 der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer aus unseren beiden Vereinen und darüber hinaus wäre das nicht möglich gewesen“, so Waalkes. Viele von ihnen wurden zu „A.L.M.-Lotsen“ weitergebildet, bevor sie sich im Projekt engagierten. I n Rahmen von verschiedenen Schulungen erfuhren sie Wissenswertes über interkulturelle Differenzen, Umweltbildung oder mögliche Gestaltung von Touren.

Künftig wollen die Vereine das Projekt mit neuen Akzenten fortführen

„Auch die gute Zusammenarbeit zwischen dem Malteser Hilfsdienst als karitativer Einrichtung und uns als Akteur im Umwelt- und Naturschutz hat großen Anteil am Erfolg des Projektes“, betont DAV-Mitarbeiter Winter. Künftig wollen die beiden Vereine das Projekt – mit neuen Akzenten – fortführen. Dass sich das lohnt, zeigen die Reaktionen von Teilnehmern an bisherigen Veranstaltungen. Der 19-jährige Emanuel Brhane aus Eritrea sagt: „Auf Berge gehen ist schön. Dort kann ich mich mit den Deutschen unterhalten und viel Neues lernen. In meiner Unterkunft spreche ich meistens in meiner Landessprache und komme nicht wirklich raus.“

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 91015/84 - 4): Erik Waalkes, Tel. 089|43608-165

„Wilder Wald von morgen“ auf einem Drittel der Naturerbefläche Weißhaus

DBU-Tochter legt für zehn Jahre Naturschutz-Maßnahmen für Wildnisentwicklung und Artenschutz fest – Forstschutz in Randgebieten
Kiefernwald auf der DBU-Naturerbefläche Weißhaus © Heike Culmsee/DBU Naturerbe
Optimaler Lebensraum für das Auerhuhn: ein sehr lichter Kiefernwald mit mehreren Altersklassen der Kiefer und mit Preiselbeere, Heidelbeere und/oder Heidekraut in der Bodenvegetag.
Auerhuhn © Herwig Winter/piclease
Sehr scheu und wählerisch: Auerhühner fressen im Sommerhalbjahr hauptsächlich Preisel- und Heidelbeeren, aber auch die Blüten des Heidekrauts. Im Winter ernähren sie sich zum Beispiel von Kiefernnadeln und Knospen.
Löschteich auf der Naturerbefläche Weißhaus © Heike Culmsee/DBU Naturerbe
Der ehemalige Löschteich bietet speziell angepassten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Den naturschutzfachlichen Wert langfristig zu erhalten bedeutet: ganzjährig hohe Wasserstände, einen naturnahen Wasserhaushalt und eine natürliche Gewässerdynamik zu gewährleisten.
Naturerbefläche Weißhaus © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Liegenschaftskarte der DBU-Naturerbefläche Weißhaus mit einer Größe von 1.106 ha

Doberlug-Kirchhain. In der Niederlausitz im Süden Brandenburgs lässt sich ein Naturschatz der besonderen Art entdecken: die DBU-Naturerbefläche Weißhaus. Rund 150 Jahre alte Buchen, Niedermoorgebiete sowie Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten wie das Auerhuhn sollen hier dauerhaft geschützt werden. Verantwortlich dafür ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), deren Tochtergesellschaft, das DBU Naturerbe, jetzt einen Naturerbe-Entwicklungsplan für die rund 1.106 Hektar (ha) große Fläche erstellt hat. Für die nächsten zehn Jahre wird darin das Management festgelegt. „Auf 32 Prozent der Waldfläche lassen wir Natur Natur sein – da entwickelt sich schon heute der wilde Wald von morgen“, sagt Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter der Stiftungstochter. Lediglich Ma& szlig;nahmen zur Wiederherstellung eines natürlichen Gewässerhaushalts, des Forstschutzes oder zur Gefahrenabwehr würden dort durchgeführt.

Lichte Kiefernwälder: Typischer Lebensraum für seltene Auerhühner

Die DBU-Naturerbefläche Weißhaus ist ein großes unzerschnittenes Waldgebiet im Norden des Naturparks „Niederlausitzer Heidelandschaft“, einer waldreichen, historisch gewachsenen Kulturlandschaft. Sowohl alte Buchenwälder wie zum Beispiel im Naturschutzgebiet „Hohe Warte“ als auch bereits naturnahe Kiefernwälder sollen zukünftig sich selbst überlassen werden. Insgesamt ist die Fläche durch beerenkrautreiche Kiefernwälder geprägt. „Das ist ein typischer Lebensraum für gefährdete Vogelarten wie zum Beispiel das Auerhuhn“, erläutert Wahmhoff. Spätestens seit Ende der 90er Jahre habe es in Brandenburg als verschollen gegolten. Ein Wiederansiedlungsprojekt der Naturparkverwaltung habe dazu geführt, dass auch auf der Naturerbefläche wieder einzelne Exemplare gesichtet wurden. Nicht zuletzt für die Balz bräuchten die faszinierenden, aber sehr scheuen Tiere lichte, strukturreiche Kiefernwälder oder Kiefern-Eichen-Mischwälder mit niedrigem Unterwuchs aus Heidekraut, Preisel- oder Heidelbeeren. „In einem Waldgebiet von rund 100 ha sollen geeignete Waldlebensräume für das Auerhuhn durch naturschonende Maßnahmen hergestellt und dauerhaft erhalten werden“, so Wahmhoff.

Alt- und Totholzentwicklung wird gefördert

Von strukturreichen Wäldern und einer naturnahen Entwicklung würden auch seltene Fledermausarten profitieren, die im Wald Quartiere nutzen und nachts nach Insekten jagen. Großes Mausohr, Mops- und Bechsteinfledermaus sind streng geschützt; ihr Vorkommen auf der Naturerbefläche Weißhaus sei von europaweiter Bedeutung. „Die Tiere verstecken sich tagsüber gerne zum Beispiel hinter abgeplatzter Rinde oder in Baumhöhlen. Wegen der vielen Tier- und Pflanzenarten mit spezieller Anpassung fördern wir die Alt- und Totholzentwicklung. Außerdem verzichten wir bewusst auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln“, erklärt Privatdozentin Dr. Heike Culmsee, Leiterin der Naturerbe-Entwicklungsplanung auf DBU-Naturerbeflächen. Die Maßnahmen zur Erhaltung solcher streng geschützter Tierarten wurden eng mit dem Landesamt für Umwelt und der Naturparkverwaltung abgestimmt, denn die Naturerbefläche ist auch Teil des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets „Hohe Warte“. Das Land Brandenburg wolle den Naturerbe-Entwicklungsplan in den Managementplan für das Natura 2000-Gebiet, der derzeit bearbeitet wird, übernehmen, so Culmsee. 

Forstschutzmaßnahmen an den Außengrenzen

Insbesondere im Jahr 2016 hat sich die Kiefernbuschhornblattwespe im Gebiet stark vermehrt. Dadurch beschleunigte sich die Auflichtung der Kiefernbestände. Auch der Alt- und Totholzanteil stieg schneller an. „Aus Naturschutzsicht ist das gut, denn dadurch konnten einzelne Teilflächen schneller als ursprünglich gedacht als naturnah eingestuft werden. Waldumbau ist jetzt auf rund 332 ha nicht mehr erforderlich“, erklärt Andreas Petzel, DBU-Koordinator. Er ist Mitarbeiter des Bundesforsts, einer Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), mit dem die Stiftungstochter bereits seit vielen Jahren auf den bundesweit 71 DBU-Naturerbeflächen zusammenarbeitet. Um eine Ausbreitung von Pracht- und Borkenkäferarten von der DBU-Naturerbefläche auf angrenzende Waldstücke zu verhindern, führe das DBU Naturerbe in Randbereichen F orstschutzmaßnahmen durch. Petzel: „An den Außengrenzen werden wir in einem circa 500 Meter breiten Gürtel befallene Bäume entnehmen und entfernen, um die Ausbreitung von nachfolgenden Schädlingen in die Nachbarflächen Dritter zu verhindern.“ Solche Eingriffe erfolgten in Abstimmung mit der zuständigen Forstbehörde.

Besonderheiten: Buchen, Fichten, Moore und Heiden

„Besonderheiten der Naturerbefläche Weißhaus sind die pflanzengeographisch wertvolle Buchenwaldinsel im Naturschutzgebiet ‚Hohe Warte‘ und Restvorkommen der heimischen Niederlausitzer Tieflandfichte“, erklärt Culmsee. In Beckenlagen und Niederungen kommen naturnahe Niedermoore wie die Kleine und Große Vehne im Norden des Gebietes und Feuchtwälder im Osten vor. Nur vergleichsweise kleine Flächen sind waldfrei und von Heiden bewachsen, die auf die ehemalige militärische Nutzung des Gebietes zurückgehen. So wurde etwa die heutige 40 ha große Heidefläche im östlichen Teil der Naturerbefläche in den 90er Jahren als Schießplatz für Laserwaffenübungen ohne scharfe Munition geschaffen. Mitte 2007 wurde die militärische Nutzung des Standortes, bis auf drei Einrichtungen außerhalb der Naturerbefläche, aufgegeben. Im Jahr 2008 wurde die Übergabe der zum Nationalen Naturerbe gehörenden Fläche zur dauerhaften Sicherung von Naturschutzzielen an die Stiftungstochter mit der BImA vertraglich vereinbart.

Naturschutz auf rund 70.000 Hektar ehemaliger Militärfläche

Die Stiftungstochter ist im Rahmen des Nationalen Naturerbes verantwortlich für bundesweit 71 DBU-Naturerbeflächen. Auf den insgesamt rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern – größtenteils ehemalige Militärflächen – sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden.


Welt-Klimakonferenz Polen: Expertin zeigt Lösungen auf 

Abendvortrag mit Dr. Christiane Averbeck – 22. November, 18.30 Uhr, in der DBU
Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland © Greg McNevin/Klima-Allianz
Dr. Christiane Averbeck ist Geschäftsführerin bei der Klima-Allianz Deutschland, einem Bündnis aus mehr als 120 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden. Es umfasst sowohl Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Umweltverbände, Gewerkschaften, Verbraucherschutzorganisationen als auch Jugendverbände

Osnabrück. „Lösungen für die Jahrhundert-Herausforderung Klimaschutz gibt es bereits – es mangelt nur am politischen Umsetzungswillen“, sagt Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland. Ein zentraler Ort dafür wird bald das polnische Katowice sein: Vom 3. bis zum 14. Dezember findet dort die 24. Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Aus diesem Anlass berichtet Averbeck bei ihrem Vortrag „Auf dem Weg nach Katowice – Weltklimakonferenz in Polen“ am Donnerstag, 22. November, im DBU Zentrum für Umweltkommunikation (An der Bornau 2, Osnabrück) vom nationalen sowie internationalen Ist- und Soll-Zustand der Klimaschutzbemühungen. Sie zeigt die kleinen und groß en Herausforderungen auf, die zu meistern sind, um den Klimawandel weltweit zu begrenzen. Der Vortrag beginnt um 18.30 Uhr und findet im Rahmen der DBU-Ausstellung „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“ statt. Der Eintritt ist frei.

„Es muss Regeln geben, nach denen die Ziele umgesetzt werden.“

Dürre, Hitzerekorde – dieser Sommer war von Extremen geprägt. Das Klima wandelt sich offensichtlich. 195 Staaten haben das Pariser Klimaschutzabkommenunterzeichnet, um dem Einhalt zu gebieten. Ziel des Abkommens ist es, den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, ihn auf 1,5 Grad zu begrenzen. Damit haben sie sich verpflichtet, die Ursachen der Klimaerwärmung zu bekämpfen und ihren Treibhausgasausstoß deutlich zu senken. In Katowice gehe es nun darum, verbindliche Leitlinien aufzustellen, um die nationalen Klimapläne für alle Staaten vergleichen und transparent machen zu können: „Es muss verbindliche Regeln geben, nach denen die Ziele umgesetzt werden“, macht Averbeck d eutlich. 

Positionspapier an die Bundesregierung

Die Klima-Allianz Deutschland ist ein Bündnis aus mehr als 120 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden. Es umfasst sowohl Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Umweltverbände, Gewerkschaften, Verbraucherschutzorganisationen als auch Jugendverbände. Gemeinsam mit dem Verband Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe hat sie einen Katalog mit Forderungen an die Bundesregierung für die Klimakonferenz aufgestellt: Ein sozial verträglicher Kohleausstieg, eine ökologische Verkehrswende und der deutsche Beitrag zur internationalen öffentlichen Klimafinanzierung sind nur einige der darin behandelten Themen. In ihrem Vortrag wird Averbeck das Positionspapier vorstellen und aufzeigen, welche Lücken zwischen Wunsch und Realität bei der Klimapolitik – nicht nur in Deutschland – bestehen. Zudem will sie Lösungsvorschläge präsentieren. Ergänzt wird der Vortrag von einem Bericht der Klima-Allianz Osnabrück, die über ihre lokalen Aktivitäten zum Klimaschutz informiert. 

Führung durch die Ausstellung „MenschenWelt“

Vor dem Abendvortrag besteht um 17.45 Uhr die Möglichkeit, die aktuelle DBU-Ausstellung „MenschenWelt“ im Rahmen einer öffentlichen Führung zu erleben. Sie ist noch bis Ende 2019 in der DBU zu sehen (montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr). Anschließend beginnt ihre Wanderschaft durch ganz Deutschland. Für Schülerinnen und Schüler ab der Klasse 7 gibt es zielgruppengerechte pädagogische Programme. Weitere Informationen zur Ausstellung und zum pädagogischen Programm finden sich unter www.ausstellung-menschenwelt.de


Borkenkäferplage auch auf DBU-Naturerbefläche

DBU-Tochter holt befallenen Fichtenbestand bis Dezember aus dem Pöllwitzer Wald
Luftaufnahme der DBU-Naturerbefläche Pöllwitzer Wald © Detlef Stremke
Die rund 1.900 Hektar große DBU-Naturerbefläche Pöllwitzer Wald ist heute eines der größten zusammenhängenden Wald¬gebiete der Region.
DBU-Naturerbefläche Pöllwitzer Wald © Piclease/Burkard Kaiser
Auf der DBU-Naturerbefläche Pöllwitzer Wald stapeln sich die Baumstämme am Wegesrand. Nach dem Borkenkäferbefall müssen sie möglichst schnell abtransportiert werden. 

Zeulenroda. Sie kommen in Scharen und können ganze Fichtenwälder zerstören. Die Borkenkäfer haben sich wie an vielen anderen Orten in Mitteldeutschland auch auf der rund 1.900 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Pöllwitzer Wald eingenistet. „Der Befall hat sich seit August so dramatisch erhöht, dass wir anders als sonst eingreifen, befallene Bäume fällen und schnellst möglich abtransportieren, um eine weitere Vermehrung zu unterbinden“, erklärt Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter des gemeinnützigen Tochterunternehmens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe. Normalerweise greife der Eigentümer auf seinen Naturschutzflächen bei einem üblichen Borkenkäferbefall nicht ein, solange ein Schutzabstand von 500 Metern zu fremden Fichtenbeständen bestehe. Im Pöllwitzer Wald sind jetzt aber große Holzerntemaschinen wie sogenannte Harvester und Forwarder wahrscheinlich bis Dezember im Einsatz. „Wir sind gesetzlich verpflichtet und tun wie andere Waldbesitzer unser möglichstes, um die Plage einzudämmen“, so Wahmhoff.

Käferlarven lassen Fichten sterben

Wenn der Borkenkäfer eine geschwächte Fichte befällt, ist die Folge absehbar: Der Baum stirbt ab. Die Larven der Käfer ernähren sich von den saftführenden Schichten des Baumes in der Rinde, dem Bastgewebe. Diese Schicht stellt die Lebensader des Baumes dar. „Zudem trägt der Altkäfer einen Pilz ein, der den Absterbeprozess beschleunigt“, erklärt Revierleiter Robert Zimmermann-Safar vom Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge. Der Förster rechnet vor: Ausgehend von rund 60 Nachkommen pro Weibchen können ihre Nachkommen bei jährlich drei Generationen und mehreren Geschwisterbruten mehr als 100.000 Käfer pro Jahr betragen.

Eine Frage der Zeit: Schneller Abtransport wichtig

Die Zahl zeige: „Wenn wir den Borkenkäferbefall stoppen wollen, müssen wir schnell sein“, so Zimmermann-Safar. Sind die Käfer erst einmal ausgeflogen, seien weitere Fichten in Gefahr. Doch der Abtransport sei derzeit schwierig, da die Sägewerke ausgelastet seien. Die Stämme müssten aufwendig zwischengelagert oder die Rinde vor Ort abgeschält werden.

Beste Voraussetzungen für massenhafte Vermehrung

„Wir haben das Geschäft mit dem Borkenkäfer jedes Jahr. Doch die Wetterereignisse 2018 schufen beste Voraussetzungen für die massenhafte Vermehrung vor allem auch vom Buchdrucker – einer etwa Reiskorn großen Art des Käfers“, erläutert der Revierleiter. Erst der milde Winter und der Januarsturm Friederike, der bereits viel Holz hinterlassen habe. Dann kamen auch noch die monatelange Hitze und Trockenheit, die förmlich das Wasser aus den Bäumen gesogen hätten. Dadurch könnten die Fichten nicht mehr so gut Harz bilden, was ihre Widerstandskraft weiter schwäche. „Gesunde Bäume wehren sich gegen den Borkenkäfer, indem sie seine Larvengänge unter der Rinde verharzen“, so Zimmermann-Safar.

Revierleiter auf Spurensuche

Mit drei Waldarbeitern kontrolliert Zimmermann-Safar daher gewissenhaft die Fichtenbestände auf der DBU-Fläche. Viele hundert Stämme sind befallen. Die vier Männer suchen nach Spuren vom Borkenkäfer, genauer gesagt seiner Larven, die unter der Rinde sitzen: Mal ist es Bohrmehl, das am Stamm abrieselt und auf seine Larven unter der Fichtenrinde hindeutet. Oder es ist ein Specht, der den Käfernachwuchs in den betroffenen Bäumen identifiziert und Rinde entfernt. Manchmal enttarnen Harzspuren an den Stämmen, dass die Fichte versucht hat, die Larvengänge zu verkleben.

Borkenkäfer: Totengräber und Geburtshelfer zugleich

Der Borkenkäfer ist zwar Totengräber, aber in Maßen auch Geburtshelfer: Gerade in Schutzgebieten wie den DBU-Flächen würden sie helfen, Licht und Raum für stabilere Mischwälder mit einem höheren Laubbaumanteil zu schaffen. „Der Waldumbauprozess, der auf unseren Flächen sonst Jahrzehnte dauert, wird deutlich beschleunigt“, erklärt Wahmhoff. Da die DBU-Tochter im Normalfall auch das Totholz nach einem überschaubaren Käferbefall in der Fläche lasse, schafft der Borkenkäfer einen seltenen wie auch wichtigen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten.

DBU-Tochter auf rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern aktiv

Die Stiftungstochter ist im Rahmen des Nationalen Naturerbes verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Die größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahren, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umwandeln und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufwerten oder erhalten.


Lösungen im Klimaschutz schnell und aktiv angehen

DBU und Klimaforscher stellten Fachinformation „Klimaschutz“ bei parlamentarischem Abend zur UN-Klimakonferenz COP 24 vor
Parlamentarischer Abend © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Im Rahmen eines parlamentarischen Abends gestern in Berlin stellten Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif (r.) und DBU-Generalsekretär Alexander Bonde die DBU-Fachinfo "Klimaschutz" vor. An der Gesprächsrunde zum Thema Klimaschutz beteiligten sich unter anderem Christiane Wodtke (2.v.r.), Geschäftsführerin der Wodtke GmbH und Mitglied der Jury des Deutschen Umweltpreises, und DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter.
Titelblatt Fachinfo Klimaschutz © DBU
In der DBU-Fachinfo "Klimaschutz" werden beispielhafte Lösungen aus der Fördertätigkeit vorgestellt.

Berlin/Osnabrück. Der in Europa extrem trockene und heiße Sommer 2018 war ein weiteres Mosaiksteinchen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Das macht Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif, Leiter der Forschungseinheit Maritime Meteorologie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in einer neuen DBU-Fachinformation „Klimaschutz“ deutlich. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde stellte das Positionspapier bei einem parlamentarischen Abend gestern im Beisein von Latif in Berlin vor: „Der Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren. Gesellschaft, Politik und Wirtschaft müssen jetzt handeln, um die Klimaziele zu erreichen. Die gute Nachricht: Es gibt eine Vielzahl von Lösungen. Wir müssen sie nun schnell und aktiv angehen.“ Die DBU sieht ihre Rolle darin, insbesondere die mittelständische Wirtschaft bei der Entwicklung von Innovationen für den Klimaschutz fachlich und finanziell zu fördern.

Radikale Veränderungen notwendig, um Klimaschutzziele zu erreichen

„Wir benötigen radikale Veränderungen, um das Ziel von Paris noch zu erreichen: hauptsächlich im Energiebereich, aber auch im Verkehrs- und Agrarsektor“, stellte Latif im Fachinfo-Interview mit Blick auf die Klimaschutz-Vereinbarungen der Vereinten Nationen (UN) aus dem Jahr 2015 in Paris heraus. Eine von der DBU fachlich und finanziell geförderte Studie von Ludwig-Bölkow-Stiftung (Ottobrunn) und Energy Watch Group (Berlin) bestätigt, dass eine globale Wende hin zu 100 Prozent erneuerbarem Strom machbar ist. Sogar zu jeder Stunde und zudem kostengünstiger, als das beim bestehenden System basierend auf zum Großteil fossilen Brennstoffen und Kernenergie der Fall sei, könne das gewährleistet werden. Bonde e rgänzt: „Eine sichere Energieversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien ist möglich, wenn die Sektoren Wärme, Strom und Mobilität sinnvoll miteinander vernetzt werden.“ Die Digitalisierung sei der Schlüssel, um solche neuen intelligenten Netze zu betreiben. Ob Erneuerbare Energien, Quartiersentwicklung, Bauen, Mobilität oder Klimaanpassung – in all diesen Bereichen setzt die Förderung der DBU Impulse über innovative und modellhafte Projekte mit Blick auf Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschonung.

Mittelstand als Impulsgeber für Klimaschutz

Der Industriesektor ist neben der Energiewirtschaft der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland, erinnert Bonde. Ein besonderes Augenmerk richtet die DBU-Förderung auf die mittelständische Wirtschaft und hier insbesondere auf das Erzeugen und Verarbeiten energieintensiver Materialien. Ein Beispiel ist die Wärmerückgewinnung bei der Stahlherstellung. In der herkömmlichen Fertigung wird der Stahl in quaderförmige Blöcke vergossen, die nach dem Zuschneiden noch eine Temperatur von rund 1000 Grad Celsius haben und dann auf 100 Grad Celsius abkühlen. In einem von der DBU fachlich und finanziell geförderten Projekt des Unternehmens „Metallurgie und Umwelttechnik SMS group“ wurde eine Pilotanlage entwickelt, die die Strahlungswärme der Stahlblöcke möglichst optimal aufnehmen und die W&aum l;rmemenge in das Werksnetz des Produktionsbetriebes einspeisen kann. „Der Mittelstand ist nicht nur Impulsgeber für Innovationen, sondern auch für den Klimaschutz“, so Bonde.

Spielerische Vermittlung von Wissen zu Klimawandel und Klimapolitik

Neben Forschungsprojekten und technischen Entwicklungen seien aber auch Bildung und Kommunikation wichtige Ansatzpunkte für den Klimaschutz. Mit Blick auf die kommende UN-Klimakonferenz COP 24 sagte Bonde beim parlamentarischen Abend: „Der notwendige gesellschaftliche Wandel zu einer klimaneutralen Lebens- und Wirtschaftsweise, die sogenannte ‚große Transformation‘, wird erhebliche Anstrengungen erfordern.“ Daher brauche es nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche und soziale Innovationen. So spielt die Bildung für nachhaltige Entwicklung quer durch alle Förderbereiche der DBU eine zentrale Rolle. Dass sich Wissen zu Klimawandel und Klimapolitik zum Beispiel auch spielerisch vermitteln lässt, zeigt das Brettspiel KEEP Cool. In einem DBU-Projekt der Humboldt-Universität zu Berlin wurde das Sp iel 2016 digital angepasst. Auf Smartphones, Tablets und am PC übernehmen Jugendliche die Führung von Metropolen und werden zu Akteuren der globalen Klimapolitik. Die Jugendlichen werden ausgebildet und motiviert, um sich für Klimaschutz, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Ziele der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung einzusetzen. Mit solchen innovativen Modellen verhelfe die Digitalisierung dazu, den Wandel anzukurbeln. Latif: „Die Vergangenheit zeigt, dass Technologiewandel innerhalb weniger Jahrzehnte erfolgen kann. Die Lösungen sind da, wir müssen sie nur nutzen.“

 


Lösungen zum Anfassen für die Probleme unserer Zeit

„Tage des Passivhauses“: Kostenlose Führungen durch DBU-Naturerbe-Gebäude und neue DBU-Ausstellung
DBU Naturerbe GmbH © DBU/Jana Nitsch
Gelungenes Holzbauwerk: das Verwaltungsgebäude der DBU-Tochter Naturerbe GmbH

Osnabrück. Eine Führung durch ihr preisgekröntes Naturerbe-Gebäude (An der Bornau 2, Osnabrück) bietet die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) anlässlich der „Tage des Passivhauses“ am Freitag, 9. November, an. Der Rundgang beginnt um 14 Uhr. Um 15 Uhr wird es zudem eine Führung durch die neue DBU-Ausstellung „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“geben. Beides ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten (ausstellungen-dbu@dbu.de, Telefon: 0541/9633-921). Das moderne DBU-Naturerbe-Gebäude in Holzbauweise setzt bauökologisch Zeichen und ist mit Blick auf die Aufgabenstellung der DBU unter energetischen Gesichtspunkten im Passivhausstandard errichtet. 2016 wurde das Gebäude mit dem Niedersächsischen Holzbaupreis ausgezeichnet.

Neue Ausstellung macht „planetare Leitplanken“ für den Einzelnen greifbar

Mit dem Gebäude trägt die Stiftung vor Ort einen Teil dazu bei, dass die Lebensgrundlagen nachhaltiger genutzt werden. Ein Aspekt, der auch in der neuen Ausstellung der DBU eine zentrale Rolle spielt. Ziel der interaktiven „MenschenWelt“ ist es, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und das Konzept der „planetaren Leitplanken“ für den Einzelnen greifbar zu machen. Dieses wurde von Forschern um den Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU, Prof. Dr. Johan Rockström, entwickelt. Es benennt neun Umweltprozesse wie Klimawandel, Biodiversität oder Ozeanversauerung, die die Intaktheit des Erdsystems beschreiben, und definiert Grenzbereiche, die nicht überschritten werden dürfen. Damit auch künftig das Erdsy stem nicht überlastet wird und alle gut leben können, müssen die Menschen innerhalb der „planetaren Leitplanken“ handeln und wirtschaften, so die DBU. In der Ausstellung werden vielfältige Lösungen präsentiert, die es bereits heute für die Probleme unserer Zeit gibt.


Salzunger Vorderrhön jetzt im Eigentum der DBU

Thüringen: Übertragung der Naturerbefläche notariell beurkundet
DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön © DBU/Fuellhaas
Mit der notariellen Beurkundung des Schenkungsvertrages ist das DBU Naturerbe neuer Eigentümer der DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrheim
DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön © DBU/Denstorf
Auf der DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön kommen neben großflächigen Nadelholzbeständen auch naturnahe Laubmischwälder vor.
DBU Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön, Liegenschaftskarte © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön umfasst rund 1460 Hektar. 

Bad Salzungen. Der Übertragungsprozess ist abgeschlossen: Die Naturschutzfläche Salzunger Vorderrhön gehört jetzt dem DBU Naturerbe: Mit der notariellen Beurkundung des Schenkungsvertrages ist der letzte Schritt getan, um die gemeinnützige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) als Eigentümerin ins Grundbuch einzutragen. Ursprünglich gehörte die ehemals militärisch genutzte Fläche der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). „Als neue Eigentümerin steht für uns der Naturschutz an erster Stelle“, betonte Josef Feldmann, Prokurist des DBU-Naturerbes. „Unser Ziel ist es, die Fläche im Nationalen Naturerbe in einem möglichst optimierten Zustand für nachfolgende Generationen zu erhalten.“

Abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Bachläufen und Auen

Entlang der Bachtäler gibt es auf der knapp 1.500 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön eine Vielzahl von Feuchtbiotopen wie feuchte Hochstaudenflure und Auenwaldrelikte. Diese zu erhalten, sei ein wesentliches Ziel für die Fläche, betonte Feldmann. Die Nadelwälder würden hingegen schrittweise zu Laubwäldern umgebaut, die mehr dem natürlichen Vorkommen in dieser Region entsprächen. Waldgebundene Brutvögel und Fledermäuse finden hier einen Lebensraum. Darüber hinaus sei die Fläche mit ihren abwechslungsreichen Lebensräumen, den Wäldern, Auen und Bachläufen ein attraktives Erholungsgebiet.

Gemeinsam Sorge tragen: Naturerlebnisse ermöglichen und gleichzeitig Natur schützen

Auf zahlreichen Wegen lässt sich die Fläche erkunden. „Diesen Naturschatz vor der Haustür von Bad Salzungen wollen wir bewahren. Gleichzeitig wollen wir Naturerlebnisse für die Bürger möglich machen“, so Feldmann. Gemeinsam mit dem Bundesforst erarbeitet das DBU Naturerbe dafür Konzepte, die einerseits Naturerleben zulassen, andererseits aber auch besonders sensible Zonen sichern. „Obwohl wir mit dem notariellen Übertragungsakt und der folgenden Grundbucheintragung erst jetzt Eigentümerin dieser DBU-Naturerbefläche sind, haben wir schon vorher notwendige Schritte im Sinne der Natur eingeleitet“, erläuterte Feldmann. So schlugen beauftragte Unternehmen und eigene Mitarbeiter des Bundesforstes in den Nadelwäldern Holz ein, um Licht und Raum für junge Laubbäume zu schaffen. Weitere Maßnahmen für die kommende n zehn Jahre sowie das Besucherlenkungskonzept wird das DBU Naturerbe in einem Managementplan, dem Naturerbe-Entwicklungsplan, erarbeiten. Ansprechpartner vor Ort bleibt der Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge.

DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön eine von neun Flächen in Thüringen

Die Stiftungstochter ist im Rahmen des Nationalen Naturerbes verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit 70.000 ha in zehn Bundesländern. Die größtenteils ehemaligen Militärflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahren, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umwandeln und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufwerten oder erhalten.


DBU betont Bedeutung der Meere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung 

Deutscher Umweltpreis heute in Erfurt an Meeresbiologin Boetius und Abwasser-Experten aus Leipzig verliehen
Preisträger 2018/Schwarzelühr-Sutter/Bonde, © DBU/Peter Himsel
Die neuen DBU-Umweltpreisträger (v.l.): Dr. Manfred van Afferden, Prof. Dr. Roland A. Müller, Dr. Mi-Yong Lee, Wolf-Michael Hirschfeld und Prof. Dr. Antje Boetius (r.) mit der DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Rita Schwarzelühr-Sutter und DBU-Generalsekretär Alexander Bon

Erfurt. Der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist zum 26. Mal vergeben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die DBU-Kuratoriumsvorsitzende und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, überreichten heute in Erfurt der Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (51, Bremerhaven) und einem interdisziplinären Abwasser-Expertenteam aus Leipzig um Prof. Dr. Roland A. Müller(55), Dr. Manfred van Afferden (57), Dr. Mi-Yong Lee (47) und Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld (70) den mit 500.000 Euro dotierten größten, unabhängigen Umweltpreis Europas. Die DBU betont damit die Bedeutung der Meere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung und warnt vor Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überfischung. Gleichzeitig soll auch der weiteren Forderung der Vereinten NationenNachdruck verliehen werden, bis 2030 für die Weltbevölkerung sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen und eine angemessene Sanitärversorgung für alle und damit deutlich bessere Lebensbeding ungen zu gewährleisten.

Ozeane bedeutsamste Wärmespeicher auf der Erde

Die DBU betonte, die Ozeane seien ein wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten und der bedeutsamste Wärmespeicher auf der Erde, deren Klima sie regulierten. Sie pufferten die Auswirkungen der Industrialisierung ab und nähmen große Mengen Kohlendioxid und Wärme auf. Sie seien die Wetterküche der Erde, weil häufig über ihnen Wind, Stürme und Niederschläge entstünden. Tatsächlich seien die Ozeane allerdings in einem bedenklichen Zustand. Das Schmelzen der Polkappen, die Erwärmung sowie die Industrialisierung, Überfischung und Müllmengen ungeahnten Ausmaßes gefährdeten dieses Ökosystem immer mehr. Die Zahl der sogenannten Todeszonen in den Weltmeeren – Sauerstoffmangelgebiete, die den Bestand von Lebewesen gefährden, – sei seit 1995 um mehr als ein Drittel angewachsen auf aktuell über 400. Sie seien über 245.000 Quadratkilometer groß, was me hr als zwei Drittel der Fläche Deutschlands entspreche.

Bahnbrechend für bessere der Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort

Das sei auch darauf zurückzuführen, dass 80 bis 90 Prozent des Abwassers in den Entwicklungsländern direkt und unbehandelt in Flüsse, Seen und Meere eingeleitet würden. In diesen Ländern einen funktionierenden, handhabbaren, wartungsarmen, kosten- und energiesparenden Abwassersektor zu schaffen, sei bahnbrechend für eine Verbesserung der Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort und ihrer Kinder und Kindeskinder. Gleichzeitig gebe es im Ökosystem Meer noch immer Wissenslücken, die für das Verständnis der Zusammenhänge zwischen mikrobieller Vielfalt in der Tiefsee und globalen Veränderungen wie dem Klimawandel geschlossen werden müssten. Nur im Lichte dieser Prozesse könne man den globalen Klimakreislauf verstehen und auf der Basis dieser Erkenntnisse handeln, so die DBU.

Bedeutung von Tiefsee-Bakterien für das Weltklima belegt

Antje Boetius, die Tiefsee- und Polarforscherin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, sei eine herausragende Wissenschaftlerin mit einem außerordentlichen Talent für das fachübergreifende Verständnis systemischer Prozesse in den weltweiten Ozeanen und für das Vermitteln der Zusammenhänge. Durch ihre Forschung habe sie die Bedeutung von Tiefsee-Bakterien für das Weltklima belegt, die dafür sorgten, dass nur ein Teil des klimaschädigenden Methans aus den Ozeanen in die Atmosphäre entweiche und so ein schnelleres Aufheizen des Planeten verhindert werde. Die Meeresbiologin, Ökosystemforscherin und Wissenschaftskommunikatorin habe mehrfach aufgezeigt, dass menschliches Handeln in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar sei.

Kaum erforschte Welt vor destruktiven Tiefseebergbau-Verfahren schützen

Neben dem Klimawandel habe nach Boetius‘ Einschätzung bisher auch die Fischerei die Ozeane schon weltweit verändert. Ihr Ziel sei es, dazu beizutragen, dass die noch kaum erforschte Welt der Tiefsee nicht Opfer destruktiver Verfahren des Tiefseebergbaus werde wie es durch den Abbau von Rohstoffen wie Mangan, Eisen, Kobalt und seltenen Metallen möglich wäre. Die Ozeane sollten als Teil des Planeten und des gesellschaftlichen Handelns verstanden werden, für das die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auch gelten würden. Die Vielfalt des Lebens im Meer und in den Polarregionen sei ebenfalls eine wichtige Zukunftsressource, für deren Schutz gesorgt werden müsse.

In Jordanien Pionierarbeit und Hilfe zur Selbsthilfe geleistet

Das Team um die Forschergruppe des Departments „Umwelt und Biotechnologisches Zentrum“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (Müller, van Afferden, Lee) und den Initiator des Bildungs- und Demonstrationszentrums für dezentrale Abwasserbehandlung, Hirschfeld, habe als Anwalt für den Wasserressourcenschutz in Jordanien Pionierarbeit und Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Jordanien sei eines der drei Länder, die weltweit am stärksten von Wasserknappheit betroffen seien und dessen Bevölkerung auch durch Flüchtlinge aus Syrien von 5,6 Millionen 2006 um fast 70 Prozent auf 9,5 Millionen (2016) gewachsen sei. Das Team sei interdisziplinär in der Wissenschaft, beratend in der Wirtschaft, vermittelnd in der Politik, informierend in der Gesellschaft und zupackend in der praktische n Umsetzung aktiv geworden. 

Wassermangel eine zentrale Fluchtursache

Mit den dezentralen, flexiblen Abwassersystemen, die bestehende Systeme ergänzen würden, werde das Abwasser am Entstehungsort behandelt, das Grundwasser vor Abwasserverunreinigungen geschützt und als Trinkwasserressource gesichert. Das sei nur möglich geworden durch das Überwinden der Grenzen zwischen Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften, vor allem aber zwischen Forschung und Praxis. Das sei wesentlich, weil weltweit mindestens zwei Milliarden Menschen Trinkwasser nutzten, das mit Fäkalien verunreinigt sei. Neben Armut, wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und mangelnder politischer Teilhabe seien schwierige Lebensbedingungen einschließlich des Wassermangels eine zentrale Fluchtursache.

Bundespräsident Steinmeier übergibt Sonntag Deutschen Umweltpreis der DBU in Erfurt

Festakt um 11 Uhr für Meeresbiologin Boetius und interdisziplinäres Abwasser-Expertenteam aus Leipzig
Bundespräsident Steinmeier © DBU/Peter Himsel
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2017 in Braunschweig. Auch in diesem Jahr wird er den Preis überreichen. 
Preisträger Deutscher Umweltpreis 2018 © Kerstin Rolfes/Alfred-Wegener-Institut; Sebastian Wiedling/UFZ
Die Bremer Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (l.) und ein interdisziplinäres Abwasser-Expertenteam aus Leipzig (o.v.l.: Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld, Dr. Manfred van Afferden, Dr. Mi-Yong Lee, Prof. Dr. Roland A. Müller) teilen sich in diesem Jahr je zur Hälfte den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). 

Erfurt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht am Sonntag in Erfurt den 26. Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die mit 500.000 Euro höchstdotierte unabhängige Umweltauszeichnung Europas teilen sich 2018 die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (51, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven) und ein interdisziplinäres Abwasser-Expertenteam aus Leipzig. Die DBU betont damit die Bedeutung der Meere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung und warnt vor Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überfischung. „Gleichzeitig soll auch der weiteren Forderung der Vereinten Nationen Nachdruck verliehen we rden, bis 2030 für die Weltbevölkerung sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen und eine angemessene Sanitärversorgung für alle und damit deutlich bessere Lebensbedingungen zu gewährleisten“, betonte der Generalsekretär der DBU, Alexander Bonde.

Feierlicher Festakt mit 1.200 Gästen

Zu dem feierlichen Festakt am Sonntag in der Messe Erfurt, in deren Mittelpunkt die Preisverleihung durch den Bundespräsidenten und seine Rede stehen werden, werden rund 1.200 geladene Gäste erwartet. Darunter sind der Physik-Nobelpreisträger Prof. Dr. Georg Bednorz, der jordanische Botschafter Basheer Zoubi, der Parlamentarische Staatssekretär des jordanischen Wasserministeriums, Ali Subah, Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund und der frühere DBU-Umweltpreisträger und Bun desminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer. Durch die Veranstaltung führt TV-Moderatorin Judith Rakers (Norddeutscher Rundfunk). Musikalisch wird das Quartett GlasBlasSing die Preisverleihung begleiten. Ob aus Glas oder Plastik, klein oder groß, in jedem Fall ungewöhnlich: Die vier musizieren allein mithilfe von unterschiedlichen Flaschen, die mit Wasser gefüllt sind.

Vielfältige Bedeutung von Wasser als Lebensgrundlage unterstrichen

Die Leistungen der Umweltpreisträger spiegelten die vielfältige Bedeutung von Wasser als Lebensgrundlage wider, begründete Bonde die Kriterien für die Auswahl der Preisträger 2018. „Das Leipziger Experten-Team hat mit seiner Pionierarbeit in der Abwasserbehandlung in Jordanien – einem der drei wasserärmsten Länder der Erde – einen wichtigen Beitrag geleistet, dass mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen bekommen.“ Dafür werden Prof. Dr. Roland A. Müller (55), Dr. Manfred van Afferden (57), Dr. Mi-Yong Lee (47, alle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Department „Umwelt- und Biotechnologisches Zentrum“) und Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld (70), Initiator des Bildungs- und Demonstrationszentrums für dezentrale Abwasserbehandlung (BDZ), nun ausgezeichnet. 

Boetius: „Menschliches Handeln wirkt bis in die entferntesten Erdwinkel.“

Zur Auszeichnung von Meeresbiologin Boetius betonte Bonde: „Ihre wissenschaftlichen Leistungen in der Tiefsee- und Polarforschung sind ganz entscheidend für das Verständnis des weltweiten Klimageschehens und der Lebensvielfalt. Auf Basis ihrer Forschungsergebnisse macht sie deutlich, dass sich menschliches Handeln wie Treibhausgasausstoß, Überfischung, Wasserverschmutzung bis in die unzugänglichsten Winkel der Erde auswirkt.“ Gleichzeitig habe sie eine außerordentliche Begabung, fachübergreifend zu denken und die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit verständlich darzustellen.

Zum Einstimmen: Preisträger-Portraits schon Freitagabend auf 3sat

Die gesamte Veranstaltung kann über einen Live-Stream zwischen 11 und 12.30 Uhr auf www.dbu.de/live oder www.nano.deverfolgt werden. Die DBU und die Preisträger werden zudem in einer „spezial“-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „nano“ bereits am Freitagabend um 18.30 Uhr auf 3sat porträtiert.

Symposium zu Klimaverhandlungen in Katowice am Vortag

Begleitend zum Festakt findet am Veranstaltungsort auch dieses Jahr wieder ein Symposium am Vortag der Umweltpreisverleihung statt. Zum Thema „Klimakonferenz in Katowice – Wie erreichen wir die Klimaziele?“ diskutieren die Umweltpreisträger des vergangenen Jahres, Johannes Oswald (Oswald Elektromotoren) und Prof. Dr. Hubert Weiger (Bund für Umwelt und Naturschutz), gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, wie das Klimaabkommen von Paris konkret umgesetzt werden könne. Geleitet wird das Symposium von „nano“-Moderator Gregor Steinbrenner. Es kann ebenfalls über einen Live-Stream zwischen 13.30 und 16 Uhr auf www.dbu.de/live verfolgt werden.

Höchstdotierter Umweltpreis Europas

Mit dem Deutschen Umweltpreis der DBU – dem unabhängigen, mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas – werden Leistungen von Personen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden. Es können Projekte, Maßnahmen oder Lebensleistungen prämiert werden. Kandidaten für den Deutschen Umweltpreis werden der DBU vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind Wirtschaftsverbände, Forschungseinrichtungen, Branchenverbände und Gewerkschaften, das Handwerk, Umwelt- und Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen, Medien und Kirchen. Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury, besetzt mit unabhängigen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen, empfiehlt dem DBU-Kuratorium die Pre isträger für das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die Entscheidung.

 

Alternativen für Antibiotika bei Nutztieren Vorzug geben

Sanfte Medizin für gesunde Tiere – Lösungsansätze für globales Problem bei DBU-Forum diskutiert
DBU-Forum
Forderte praxistaugliche Lösungsansätze in der Tiermedizin, die die Gesundheit von Mensch und Tier gewährleisten und negative Auswirkungen auf die Umwelt verringern: DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Osnabrück. Wenn Nutztiere medizinisch behandelt werden, können Medikamentenrückstände zum Beispiel über die Gülle in den Boden und die Gewässer gelangen. Der Einsatz von Antibiotika kann dazu führen, dass sich Krankheitserreger so verändern, dass dann Medikamente nicht mehr wirken: Es entstehen Antibiotikaresistenzen. „Wir brauchen praxistaugliche Lösungsansätze, die einerseits die Gesundheit von Mensch und Tier gewährleisten und andererseits negative Auswirkungen auf die Umwelt verringern“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Mit der Initiative „Nachhaltige Pharmazie“ werden praxisnahe Lösungsansätze dieses globalen Problems von der DBU fachlich und finanziell gefördert. Ergebnisse von erfolgversprechenden Projekten wurden jetzt bei einem DBU-Forum mit Experten aus Wissenschaft, Politik, Tiermedizin und Agrarbranche beleuchtet und diskutiert.

Antibiotikaresistenzen globale Bedrohung für Mensch und Tier

Seit einigen Jahren beobachteten Experten, dass sich weltweit bakterielle Krankheitserreger ausbreiteten, die gegen Antibiotika weniger empfindlich oder völlig resistent seien, betonte Bonde. Mit den verfügbaren medizinischen Mitteln seien sie kaum noch zu bekämpfen. Mittlerweile stelle die Antibiotikaresistenz eine globale Bedrohung in der Human- und Tiermedizin dar. Hinzu komme, dass das Übertragen resistenter Bakterien zwischen Mensch und Tier wechselseitig möglich sei. Dafür verantwortlich seien der unsachgemäße und übermäßige Gebrauch von Antibiotika sowie Hygienemängel in der Human- und Veterinärmedizin. In der Nutztierhaltung und Lebensmittelproduktion bereite das Ausbreiten von Antibiotika-Resistenzen ebenfalls Probleme. Sie erschwere nicht nur das Behandeln von Tieren, sondern habe auch nachteilige Folgen für den Tierschutz und führe zu wirtschaftlichen Einbußen für Tierha lter. Nicht zuletzt stelle auch die Kontamination von Lebensmitteln durch resistente Erreger für die Verbraucher ein Risiko dar. Die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen habe auch enorme wirtschaftliche Folgen. Das Weltwirtschaftsforum zähle die Antibiotika-Resistenz mittlerweile zu den größten Risiken für die Weltwirtschaft. Prognostiziert würden steigende Kosten durch die Behandlung resistenter Infektionserreger und erhöhte Morbiditäts- und Mortalitätsraten in den nächsten Jahren. Dass die Gesamtmenge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika zwischen 2011 und 2017 um 57 Prozent zurückgegangen sei, ändere am Grundproblem nur bedingt etwas, so Bonde.

Körpereigene Milchsäurebakterien als Antibiotikaersatz bei Milchkühen

„Bei der Milchviehhaltung werden ähnliche antibiotische Wirkstoffe wie beim Menschen eingesetzt“, erläuterte Prof. Dr. Volker Krömker, Fachtierarzt für Milchhygiene an der Hochschule Hannover beim DBU-Forum. Eine bakterielle Entzündung der Milchdrüse, die sogenannte Mastitis, sei bei Tieren, die Milch geben verbreitet. Um zu erforschen, wie eine antibiotische Behandlung vermieden werden kann, untersuchte der Wissenschaftler die natürliche Abwehr innerhalb der Milchdrüsen der Kühe. Diese Abwehr bestehe unter anderem aus „guten“ Milchsäurebakterien. Innerhalb des von der DBU fachlich und finanziell geförderten Projekts entwickelte er einen Mix dieser „guten“ Milchsäurebakterien, der das Eindringen und das Vermehren der „schlechten“ Entzündungsbakterien in der Milchdrüse b estmöglich verhindert. Tests hätten ergeben, dass an Mastitis erkrankte Kühe durch eine derartige innovative Milchsäurebakterien-Behandlung gleichermaßen gesund geworden seien wie durch die herkömmliche antibiotische Methode, aber keine Unverträglichkeiten festgestellt worden seien.

Bakteriophagen-Cocktail hilft gegen Infektionskrankheit bei Geflügel

Eine weitere praxistaugliche Alternative zu Antibiotika wurde durch ein von der DBU fachlich und finanziell gefördertes Projekt in der Geflügel-Haltung gefunden. Bei einer bakteriellen Infektionskrankheit bei Geflügel, der Colibacilose, kommt es in den Organen der Tiere zu einer übermäßigen Vermehrung des Bakteriums Escherichia coli. Bisher werde wegen der vergleichsweise hohen Sterberate eine schnelle antibiotische Behandlung der Tiere durchgeführt. Allerdings gebe es bereits Resistenzen. Innerhalb des Projekts habe das Unternehmen PTC Phage Technology Center aus Bönen (Nordrhein-Westfalen) die Wirkung von Bakteriophagen getestet, natürliche Widersacher von Bakterien, die Bakterien sehr spezifisch abtöten könnten. Für Zellen höherer Lebewesen sind die Phagen unschädlich. 

Medizinische Maßnahmen und Tierhaltung verbessern

Um auch zukünftigen Generationen Zugang zu sicheren und wirksamen Antibiotika zu ermöglichen, rät die DBU in ihrer Fachinformation „Arzneimittelrückstände in der Umwelt“, unnötige Antibiotikaverordnungen abzustellen sowie Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen zu verbessern. In der Tierhaltung müssten Stallmanagement, Abluftmanagement, Herdengröße sowie die Verabreichungspraxis der Arzneimittel über Futter beziehungsweise Tränkwasser überdacht und gegebenenfalls geändert werden. 



Ansprechpartner bei fachlichen Fragen zum AZ 31833; Hochschule Hannover: Prof. Dr. Volker Krömker, Telefon: 0511|92962205 

Ansprechpartner bei fachlichen Fragen zum AZ 32726; PTC Phage Technology Center GmbH: Dr. Hansjörg Lehnherr, Telefon: 02383|919174

Ein Mosaik lichter Waldstrukturen für den Schutz von Schmetterlingen

DBU und Hochschule Rottenburg bringen Licht in dunkle Wälder – Fördersumme: 211.000 Euro
Prof. Gottschalk und Alexander Bonde © Hochschule Rottenburg
Bringen Licht in dunkle Wälder: DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (r.) überreicht das Bewilligungsschreiben an Prof. Dr. Thomas Gottschalk von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.
Blauschwarzer Eisvogel © Prof. Dr. Thomas Gottschalk/Hochschule Rottenburg
Beispielhaft für viele Vögel, Reptilien, Säugetiere und Insekten, die auf lichte Lebensräume im Wald angewiesen sind: Der Blauschwarze Eisvogel ist stark zurückgegangen und in Deutschland akut vom Aussterben bedroht. Der Tagfalter kommt nur noch auf der Schwäbischen Alb vor. 
Raupe auf roter Heckenkirsche © Prof. Dr. Thomas Gottschalk/Hochschule Rottenburg
Die Raupen des bedrohten Blauschwarzen Eisvogels entwickeln sich ausschließlich an sonnig stehenden Roten Heckenkirschen.
[Download]
Lebensraum des Blauschwarzen Eisvogels © Prof. Dr. Thomas Gottschalk/Hochschule Rottenburg
Offene bis halboffene Waldlichtungen werden immer seltener und mit ihnen die sogenannten Lichtwaldarten. Im DBU-Projekt soll ein Mosaik solcher lichten Waldstrukturen geschaffen werden.

Rottenburg. Mit einem neu gestarteten Projekt will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Licht ins Dunkel bringen. „Es gibt Tier- und Pflanzenarten, die auf lichte Waldstrukturen angewiesen sind, aber bei der heutigen Waldbewirtschaftung kaum Chancen haben“, sagte Alexander Bonde, DBU-Generalsekretär, bei der Übergabe eines Bewilligungsschreibens an die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Ein Beispiel sei der Blauschwarze Eisvogel, eine Tagfalterart, die in Deutschland akut vom Aussterben bedroht ist und heute nur noch auf der Schwäbischen Alb vorkommt. Ihre Raupen entwickeln sich ausschließlich an sonnig stehenden Roten Heckenkirschen. Solche Bedingungen sind derzeit nur auf Kahlschlag- oder Sturmwurfflächen vorzufinden. Das Dilemma für Tagfalter wie dem Blauschwarzen Eisvogel: Kahlschläge werden seit den 80er Jahren kaum mehr durchgeführt und Sturmwurfflächen wachsen allmählich wieder zu. Im Projekt sollen übertragbare Handlungsstrategien zum Schutz der sogenannten Lichtwaldarten entwickelt werden, die auch mit den heutigen Zielen der Waldbewirtschaftung vereinbar sind.

Blauschwarzer Eisvogel beispielhaft für Rückgang von Lichtwaldarten

„Der Rückgang des Blauschwarzen Eisvogels steht beispielhaft für viele Vögel, Reptilien, Säugetiere und Insekten, die auf lichte Lebensräume im Wald angewiesen und mittlerweile extrem gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Thomas Gottschalk, Professor für Naturraum und Regionalentwicklung an der Hochschule Rottenburg. Ehemals existierten Vorkommen dieser Tagfalterart in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Bayern. Ursache ist der Rückgang des Lebensraumes: Historische Waldbewirtschaftungsformen in Deutschland wie Mittel-, Nieder- und Hudewälder sowie die Kahlschlagswirtschaft, die immer wieder für helle Lichtungen im Wald sorgten, wurden flächendeckend aufgegeben. Gottschalk: „Das Bewusstsein für die Bedeutung der Wald-Ökosystemleistungen ist in den letzten vier Jahrzehnten stärker g eworden und hat das Waldmanagement beeinflusst.“ Das führe dazu, dass es seitdem mehr Mischwälder mit unterschiedlichen Altersstrukturen und steigendem Totholzanteil gebe. Was sich positiv auf Wasserhaushalt und Bodenökologie auswirke sowie wirtschaftliche Vorteile habe, benachteilige jedoch die sogenannten Lichtwaldarten – denn die Wälder werden dichter und damit dunkler. Mit dem Projekt sollen nun unter wissenschaftlicher Begleitung praxisnahe Maßnahmen in verschiedenen Waldbesitzstrukturen untersucht werden. Hierfür konnten zahlreiche Projektpartner im Alb-Donau-Kreis gewonnen werden, ohne die das Projekt kaum durchführbar wäre.

Enge Kooperation von Wissenschaft, forstlicher Praxis und Waldbesitzern

Da die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) eine Lichtwaldkonzeption plant, konnte sie als Kooperationspartner gewonnen werden. Bonde: „Außerdem ist uns innerhalb des Projektes die Zusammenarbeit mit der staatlichen Forstverwaltung, mit Kommunen und Privatwaldbesitzern sowie die Modellhaftigkeit wichtig.“ Es sollen in enger Absprache mit den Betrieben Maßnahmen wie zum Beispiel das Auflichten von Waldrändern, das Aufweiten von Wegen, das Offenhalten vorhandener Sturmwurf- und Kahlflächen sowie in begrenztem Umfang Kleinkahlschläge zum Schutz von Lichtwaldarten umgesetzt und deren Erfolg über ein Monitoring evaluiert werden. Diese Maßnahmen werden in ein übertragbares forstwirtschaftliches Gesamtkonzept in Form eines Mosaiks lichter Waldstrukturen zusammengeführt, um den Erhalt der gefährdeten Arten zu unterstützen. F&uum l;r die Kommunal- und Privatwälder sollen die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten ausgearbeitet und mit den Fachleuten aus Verwaltung, Wissenschaft und Politik erörtert werden.

Projektziel: Entwicklung übertragbarer Handlungsstrategien

Bonde: „Die beschriebenen Maßnahmen erfordern eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.“ Unter anderem sind zwei Workshops geplant, mit dem Ziel, sich über Sinn, Zweck und Effizienz von Artenschutzmaßnahmen von Lichtwaldarten auszutauschen und übertragbare Handlungsstrategien zu deren Schutz zu diskutieren. Bei Vor-Ort Begehungen und über Informationstafeln an den Maßnahmenflächen werden Ziele und Vorgehensweise des Projekts erläutert. Zu den untersuchten Schmetterlingen gehören neben dem Blauschwarzen Eisvogel auch der Schwarze Apollofalter, der Silberfleck-Perlmutterfalter sowie das Bergkronwidderchen – allesamt deutschlandweit gefährdete Schmetterlingsarten, die auf gut besonnte Waldlichtungen sowie offengehaltene Waldrandzonen angewiesen sind. Gottschalk: „Erstmalig werden im Rahmen eines Projektes zum einen der Erfolg der Maßnahmen für Lichtwaldarten wissenschaftlich begleitend unte rsucht und zum anderen Erkenntnisse zur Lebensraumwahl und zur Ökologie gewonnen. Diese Erkenntnisse dienen dazu, übertragbare Artenschutzmaßnahmen effizient und gezielt durchführen zu können.“ Die DBU fördert das Projekt fachlich und finanziell mit 211.000 Euro.


Fliegerberg: Gutachten belegt Zauneidechsen-Population

Im Westen/Süden des Naturschutzgebietes viele Nachweise – Hundeauslauf auf diesen Teilflächen nicht möglich
Fliegerberg in Borken © Deutsche Bundesstiftung Umwelt/Wahmhoff
Im Westen des Gebietes schaut man zum genannten Fliegerberg auf ein großes sandiges, offenes Gelände. Dieser Trockenrasen ist ein Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.
Zauneidechse © Bundesforstbetrieb Lausitz/Egbert Brunn
Auf der DBU Naturerbefläche Borken wurde nun ein bemerkenswertes Vorkommen der stark gefährdeten Zauneidechse durch ein Gutachten der Biologischen Station Zwillbrock bestätigt. 

Borken. Josef Feldmann, Prokurist des DBU-Naturerbes, hatte es im April bei einem Infoabend zur Nutzung der Naturerbefläche Fliegerberg in Borken angesprochen, jetzt ist es Gewissheit: Ein Gutachten der Biologischen Station Zwillbrock im Auftrag des DBU-Naturerbes bestätigt ein für das Münsterland bemerkenswertes Vorkommen der Zauneidechse, einer stark gefährdeten Art, auf der 204 Hektar großen Fläche der gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Feldmann: „Gerade im Westen am Rand der ehemaligen Landebahn und im Süden auf der als Hundeauslauffläche angedachte Trockenrasenfläche gibt es sehr viele Nachweise.“ Es handele sich noch um einen Zwischenbericht der Gutachter. Nach Vorlage des Endberichtes müssten die weiteren Planungen in Zusammenarbeit mit den naturschutzfachlichen Gremien vorangetrieben werden. Ein freier Hundeauslauf mit erheblichen Beunruhigungen der Zauneidechsen in ihren Lebensräumen sei auf den beiden Teilflächen aber sicher eher fraglich.

Im Nutzungskonflikt Vorrang für Naturschutz

Der Natur auf großen Flächen die Chance zu geben, sich ohne das Zutun des Menschen nach eigenen Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln, pflegeabhängige Lebensräume zu bewahren und zu optimieren, die Naturerbeflächen treuhänderisch für zukünftige Generationen zu verwalten und unter naturschutzfachlichen Aspekten zu sichern – das sei die Aufgabe des gemeinnützigen DBU-Naturerbes, unterstrich Feldmann. „Wenn naturschutzfachlich keine Einwände bestehen, unterstützen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten aber auch immer unterschiedliche Nutzungsarten auf unseren Flächen“, so Feldmann weiter. Das DBU-Naturerbe arbeite gemeinsam mit umliegenden Kommunen und dem Bundesforst daran, Erholungs- und Freizeitwünsche der Bürger zu erfüllen und mit den Anforderungen des Naturschutzes zu vereinbaren. Aber das Gutachten weise nun doch darauf hin, dass hier im Nutzungskonflikt der Naturschutz Vorrang haben müsse. Die bisherigen Planungen wie Beweidung und Wegführung müssten überdacht werden, um wie vorgesehen die Natur für die Besucher der Fläche auch weiter erlebbar zu machen. Im Süden der Fläche sollte ursprünglich auf zweieinhalb Hektar eine speziell gekennzeichnete Hundefreilaufzone ausgewiesen werden, auf der Hunde in dem ansonsten geschützten Naturschutzgebiet unangeleint auslaufen können sollten, erinnert Feldmann.

Die meisten Zauneidechsen am Rande der ehemaligen Landebahn 

Zur Erfassung der Zauneidechsenpopulation waren acht unterschiedlich große Untersuchungsflächen festgelegt worden. Es handelte sich um vier größere Flächen und vier Waldwege mit ihren Randbereichen. Die Erfassung erfolgte nach einer speziellen Methode des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, mit der Populationen untereinander vergleichbar sind. Die meisten Zauneidechsen hätten am Rande der ehemaligen Landebahn registriert werden können. Auch auf der als Hundeauslauffläche im Süden angedachten Trockenrasenfläche seien Tiere festgestellt worden. Feldmann: „Unter Berücksichtigung der geringen Größe dieser Fläche sogar in bemerkenswertem Ausmaß.“

Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten

Als westlicher Ausläufer der Hohen Mark ist die Naturerbefläche Borken durch eine traditionelle Sandlandschaft geprägt. Auf den offenen Magerrasen und Binnendünen mit Heide und lichten Wäldern finden viele gefährdete und zum Teil hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten Rückzugsräume. Derartige Lebensräume sind in intensiv bewirtschafteten und vom Menschen überbauten Gebieten kaum noch zu finden und können nur durch naturschutzgerechte Pflege und Nutzung erhalten bleiben. Um dieser besonderen Bedeutung Rechnung zu tragen, wurde das Naturschutzgebiet (NSG) „Hombornquelle“ vom Landkreis Borkenbereits 2009 zum NSG „Lünsberg und Hombornquelle“ erweitert, das mit über 200 Hektar die gesamte Naturerbefläche Borken umfasst.

Naturschutz auf rund 70.000 Hektar ehemaliger Militärfläche

Die DBU-Naturerbefläche Borken ist eine von 70 Liegenschaften der Stiftungstochter der DBU aus Osnabrück, die die Flächen treuhänderisch für zukünftige Generationen verwaltet und unter naturschutzfachlichen Aspekten sichert. Zurzeit erarbeiten Mitarbeiter der DBU-Tochter in einem Managementplan, dem Naturerbe-Entwicklungsplan, die Maßnahmen für die kommenden zehn Jahre und stimmen sie vor Ort ab. Insgesamt hat sie rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern vor allem ehemals militärisch genutzte Flächen vom Bund übernommen. Auf den Flächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Arten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten bleiben.


Nachhaltige Schulbauten gemeinsam planen

DBU positioniert sich mit neuer Fachinfo für einen pädagogisch-nachhaltigen Schulbau
Lernlandschaft © Carolin Hirschfeld
Flexible Raumlösungen sorgen in Diedorf für ein gutes Raumklima und hohe Aufenthaltsqualität.
Innenhof Schmuttertal-Gymnasium © Carolin Hirschfeld
Der Innenhof des Schmuttertal-Gymnasiums in Diedorf.

Osnabrück. Viele Schulen in Deutschland sind sanierungsbedürftig. Außerdem werden angesichts steigender Schülerzahlen neue Schulen geplant. Zukunftsfähige Lösungsansätze für den „Schulbau der Zukunft“ bietet eine jetzt veröffentlichte Fachinformation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Von der Pädagogik bis zur Haustechnik werden darin ökologische, soziale und ökonomische Aspekte durch praxisnahe Modellprojekte dargestellt. „Wenn schon frühzeitig wichtige Zielgruppen wie Bauherren, Architekten, Fachplanende sowie vor allem die Nutzer qualifiziert in die Planung eines Bauvorhabens einbezogen werden, können bedarfsorientierte und nachhaltige Konzepte erarbeitet werden“, so Alexander Bonde, DBU-Generalsekretär. Schüler seien sowohl Entscheidungsträger von morgen, als auch Motoren eines zukunftsfähigen, gesellschaftlichen Wandels. Nachhaltigen Schulneu- und -umbauten komme daher eine besondere Bedeutung zu.

Ungleichheit zwischen Aufgaben und Architektur von Schulen

Schulen müssen sich heutzutage mit Herausforderungen wie Ganztagsbetreuung, Inklusion, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, energetischen Verbesserungen sowie dem demografischen und strukturellen Wandel auseinandersetzen. Jede Schule ist aufgefordert, sich durch ein eigenes pädagogisches Profil auf dem Bildungsmarkt zu platzieren. „Die Aufgaben von Schulen haben sich in den letzten Jahren aufgrund dieser Herausforderungen potenziert. Die Planungsverfahren und die Architektur der Schulgebäude sind dagegen auf einem gleichbleibenden Stand geblieben“, sagt Dipl.-Ing. Architektin Sabine Djahanschah, DBU-Expertin für klima- und ressourcenschonendes Bauen. Schulbauten und -umbauten entstünden auf der Basis von Raumlisten, die längst überholt seien. Pädagogische Konzepte und das frühzeitige Einbeziehen aller am Schulbetrieb beteiligten Gruppen würden in den meisten Fällen eine unbedeutende Rolle spielen.

Integrale Planung A und O von nutzerorientierten und nachhaltigen Bauten

Dabei sei letzteres, die sogenannte integrale Planung, A und O für ein effizientes, bedarfsgerechtes und zukunftsfähiges Bauvorhaben. Wenn Experten aus Pädagogik, Architektur, Umwelttechnik und Verwaltung sowie Nutzer schon vor der Entwurfsplanung an einem transparenten und gut strukturierten Prozess beteiligt und alle Interessen mitverhandelt werden, zahle sich diese Investition doppelt aus. Zum einen würden Schüler nicht nur vom Ergebnis, wie etwa offenen Lernlandschaften, Aktionsräumen und gutem Raumklima, profitieren, sondern auch ein demokratisches Verständnis aufgrund des Mitspracherechts entwickeln. Zum anderen seien die Lebenszykluskosten geringer, da durch eine gute Bedarfsplanung Umbauten zu einem späteren Zeitpunkt verringert und damit unabsehbare Folgekosten eingespart werden. Das lohne sich vor allem dann, wenn das Schulgebäude ganz im Sinne des Ressourcenschutzes nach Schulschluss durch die Gemeinde als Gemeindezentrum, Bibliothek oder anderweitig genutzt werde. Darüber hinaus seien in Bauprojekten die Anforderungen, die sich aus den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ergeben, häufig nur interdisziplinär lösbar. In der DBU-Fachinfo „Schulbau der Zukunft“ wird beispielhaft das Gymnasium Diedorf, ein moderner Holzbau, im bayerischen Schmuttertal vorgestellt – eines von vielen DBU-Förderprojekten, die eine integrale Planung und Begleitung von Neubauten und zukunftsweisenden Generalsanierungen zum Ziel hatten.

Fördermittel abrufen für pädagogisch-nachhaltige Sanierungskonzepte

In Deutschland sind viele Schulen sanierungsbedürftig. Nach aktuellen Angaben der KfW-Bank bestehe ein Investitionsrückstand von 48 Milliarden Euro. In 2017 haben sich Bund und Länder auf ein Sanierungsprogramm geeinigt, bei dem der Bund 3,5 Milliarden Euro für die Sanierung von Schulgebäuden zur Verfügung stellt. Auch die KfW-Bank stellt Finanzmittel bereit. Die Modellprojekte der DBU zeigten, dass sich nutzerkonforme und nachhaltige Lösungen, ob bei der Gebäudedämmung, Lüftungstechnik oder Wärmeversorgung, wegen der Energieeinsparungen und einer gesunden Lernumgebung rechnen. So habe die DBU Modellprojekte gefördert, bei denen ältere Schulgebäude mit enormen Energieverbräuchen ganzheitlich zu Passivhausschulen saniert wurden. Der Jahresenergiebedarf des Gymnasiums Sonthofen im bayerischen Allgäu zum Beispiel habe nach der Sanierung etwa nur noch ein Zehntel des Ausgangswertes betragen. Durch die Einsparungen könne damit gerechnet werden, dass sich die Investitionen für die Sanierung in rund zwölf Jahren gegenüber einer Standardlösung nach der Europäischen Energieeinsparverordnung amortisieren werden.

Die DBU-Fachinfo „Schulbau der Zukunft: Ökologisch, pädagogisch, ökonomisch“ mit den Themen integraler Planung, Energieeffizienz, Ressourceneffizienz, Monitoring und Mehrfachnutzung kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: https://www.dbu.de/doiLanding1513.html


Den Hainberg-Weiher zurück ins ökologische Gleichgewicht bringen 

DBU-Tochter entfernt belasteten Schlamm – Renaturierungsmaßnahmen werden fortgeführt 
DBU Naturerbefläche Hainberg Weiher © Christian Hahn / Bundesforstbetrieb Reußenberg
Auftakt einer umfassenden Renaturierung: Die zwischengelagerten Teichsedimente, die nach der Trockenlegung des Weihers abgetragen und zu Haufen aufgeschoben wurden, werden nun fachgerecht entsorgt.

Fürth. Für Nichtkenner ist der Hainberg-Weiher derzeit nur schwer auszumachen: Bei grünbewachsenen Sandbergen und einer trockenen, knapp 8.000 Quadratmeter großen Senke fällt die Vorstellung an ein Gewässer schwer. Lange wurden die ehemaligen Teichsedimente, die nach der Trockenlegung des Weihers abgetragen und zu Haufen aufgeschoben wurden, hier zwischengelagert. Nun haben der Abtransport und die Fortführung einer umfassenden Renaturierung begonnen. Aufgrund nachgewiesener Schwermetalle, dessen Ursprünge nicht bekannt sind, verzögerten sich die Maßnahmen auf der DBU-Naturerbefläche Hainberg. Auf Initiative des Landratsamtes in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Sparte Bundesforst, wird die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, für den Erhalt und die Wiederherstellung von artenreichen Lebensgemeinschaften im Hainberg-Weiher sorgen. Kosten: rund 300.000 Euro.

Teichsanierung mit schwerem Geschütz

„Dem fachgerechten Abtransport können im Winter weitere Maßnahmen folgen, die eine ausgewogene Teichvegetation und das ökologische Gleichgewicht im Hainberg-Weiher wiederherstellen“, erläutert Prof. Dr. Werner Wahmhoff, fachlicher Leiter des DBU Naturerbes. Bereits im Winter 2016 wurde das Wasser aus dem Weiher gelassen. Algen hatten sich in dem extrem nährstoffreichen Gewässer ausgebreitet, da der Teich vor allem in den Sommermonaten wenig Wasser führte. Ein geeignetes Milieu für das Wachstum von Wasserpflanzen und insbesondere Grünalgen, die sich stark vermehrten und zum sogenannten Verlandungsprozess beitrugen: Es bildete sich Faulschlamm. Ein wichtiger Schritt zur Renaturierung des Weihers ist daher die Entschlammung des Teiches. Nachdem die Schlammschicht abgetrocknet war, wurden die abgelagerten Sedimente zu Haufen zusammengeschoben. Der nährstoffreiche Schlamm sollte ursprünglich auf nahegelegene Felder verteilt werden, so die Überlegungen. „Bei der Beprobung der Sedimente wurden jedoch verschiedene Schwermetalle nachgewiesen, die eine fachgerechte Entsorgung notwendig machten. Dies verzögerte die gesamte Maßnahmenplanung“, sagt Christian Hahn, Funktionsbereich Naturschutz beim Bundesforstbetrieb Reußenberg. Mit Traktoren wird das Bodenmaterial zum Bauhof des Landkreises Fürth gefahren, um von dort aus mit Lastwagen zur Deponiefläche Wiesentheid abtransportiert zu werden. Über 300 Lastwagenladungen sind nun notwendig, um alsbald den Weiher auch als solchen wiederzuerkennen.

Entschlammung als Auftakt eines umfassenden Renaturierungskonzeptes

Die Entschlammung des Gewässers, welche neue Flach- wie auch Tiefwasserzonen entstehen ließ, ist nur der Auftakt einer umfassenden Renaturierung. Einher gehen weitere Maßnahmen: Ein- und Auslauf des Weihers werden optimiert und natürlich gestaltet, damit eine ausreichende Menge Frischwasser und damit Sauerstoff durch das Gewässer fließen kann. Betonrohre, Eisenfundamente sowie Uferverbauungen werden entfernt oder zurückgebaut, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und die Naturnähe zu fördern. Insgesamt wird der Hainberg-Weiher zu einem besonnten Stillgewässer mit einem naturnahen Uferverlauf. Die wassertechnischen Baumaßnahmen und einzelnen Rückbauarbeiten werden anschließend im kommenden Winterhalbjahr fortgeführt, da so Störungen in der Brut- und Setzzeit vermieden werden.

Amphibienschutz im Fokus der Maßnahmenplanung

Der Weiher biete einer Vielzahl teilweise hochspezialisierter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum. „Der Schutz von Amphibien steht besonders im Fokus, da diese oft durch schwindende Lebensräume bedroht sind. Der Hainberg-Weiher bietet ihnen einen perfekten Lebensraum, da er nach Wiedervernässung vollkommen fischfrei ist, was eine schnelle und erfolgreiche Wiederansiedlung beispielsweise vom Laubfrosch ermöglicht“, erklärt Dr. Uwe Fuellhaas, Experte für Gewässer- und Feuchtgebietslebensräume im DBU-Naturerbe.

Bundesweit auf 70.000 Hektar Fläche vielfältige Lebensräume bewahren

Die DBU-Tochter versteht sich als Treuhänderin des Nationalen Naturerbes für nachfolgende Generationen. Auf ihren insgesamt rund 70.000 Hektar – größtenteils ehemalige Militärflächen – sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden.


Weniger Medikamente für mehr Umweltschutz

DBU-Forum „Sanfte Medizin für gesunde Tiere“ findet am 16. Oktober in Osnabrück statt
Kühe Mecklenburg-Vorpommern © Mirko Dreßler/piclease
Am 16. Oktober geht es in der DBU um die Frage, wie Umweltbelastungen durch Tierarzneimittel in der Landwirtschaft verringert werden können.

Osnabrück. Welche Erfahrungen machen Tierärzte und Landwirte mit den Vorschriften und gestiegenen Dokumentationspflichten eingesetzter Antibiotikamengen? Gewährleistet das in der Landwirtschaft derzeitig vielfach praktizierte Verabreichen von Arzneimitteln über Futtermittel und Tränkewasser eine sichere Medikation? Lässt sich der Zielkonflikt zwischen Tierschutz und Antibiotikafreiheit auflösen? – Diese und andere Fragen diskutieren hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Tiermedizin und Agrarbranche beim Forum „Sanfte Medizin für gesunde Tiere – Wie die Umweltbelastung durch Tierarzneimittel verringert werden kann“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 16. Oktober im DBU Zentrum für Umweltkommunikation in Osnabrück. 

Antibiotikaresistenzen als Folge zu hoher Arzneimitteleinträge in die Umwelt

Arzneimittel sind unverzichtbar für das Erkennen und Behandeln von Krankheiten bei Menschen und Tieren, betont die DBU. Arzneimittelrückstände in der Umwelt seien jedoch ein globales Problem. Sie könnten ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen und würden nachweislich die Umwelt schädigen. Rückstände von Tierarzneimitteln fänden sich vor allem in Dung und Gülle der behandelten Tiere, könnten aber auch über die Stallluft mit Staub und Bioaerosolen aus den Ställen ausgetragen werden. Mit den Wirtschaftsdüngern würden sie auf die Felder gelangen, sich im Boden anreichern und könnten von da aus auch in Oberflächen-, Grund- oder Trinkwasser verlagert werden. Die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen mache es zwingend erforderlich, den Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt durch geeignete Maßnahmen zu verringern, so die DBU. Das Themenspektrum des Forums reicht vom Vorkommen und Verbleib von Tierarzneimitteln in der Umwelt bis hin zu Handlungsoptionen und konkreten Beispielen, wie sich die Einträge von Tierarzneimitteln verringern lassen. Eine Podiumsdiskussion beleuchtet weitere Ansätze, um die Umweltbelastung durch Tierarzneimittel zu vermindern.

Anmeldung bis 8. Oktober online möglich

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Auf Wunsch wird eine schriftliche Bescheinigung über die Teilnahme ausgestellt. Um eine verbindliche Anmeldung bis spätestens 8. Oktober 2018 wird gebeten unter: https://www.dbu.de/VeranstaltungTierarzneimittel. Das Programm sowie weitere Informationen und Anmeldung gibt es hier: https://www.dbu.de/550artikel37719_2440.html.


Blau, weit, bedroht: Über die Zukunft der Ozeane

Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif referiert am 6. September um 19.30 Uhr in der DBU
Prof. Dr. Mojib Latif; Pressekonferenz UWP © DBU/Peter Himsel
Klimaforscher und Träger des Deutschen Umweltpreises 2015 der DBU: Prof. Dr. Mojib Latif begleitet mit seinem Vortrag "Die Zukunft der Ozeane" die Veranstaltungsreihe der neuen DBU-Ausstellung "MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken".

Osnabrück. Ozeane bedecken fast zwei Drittel unserer Erde – deshalb wird sie auch der „blaue Planet“ genannt. Aber durch den Klimawandel und große Mengen an Plastikmüll ist das Leben am und im Meer bedroht. Wie sieht es nun also künftig in unseren Meeren aus? Dieser Frage geht Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung (Kiel) bei seinem Vortrag "Die Zukunft der Ozeane" auf den Grund. Er nimmt die Besucher mit auf eine Reise in die Tiefen der Meere und zeigt, wie wir auch zukünftig ihren Wert erhalten können. Der Vortrag findet am Donnerstag, 6. September, um 19.30 Uhr in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) statt. Der Eintritt ist frei.

2015 erhielt Latif den Deutschen Umweltpreis der DBU

In seiner mittlerweile jahrzehntelangen Arbeit sei Latif getrieben von der persönlichen Sorge um den Zustand des Planeten, betont DBU-Pressesprecher Franz-Georg Elpers. Als einer der herausragenden Klimaforscher Deutschlands werde er nicht müde, darauf zu verweisen, dass die Erde ohne intakte Ozeane für Menschen unbewohnbar zu werden drohe. Für seine herausragende Kommunikation von Forschung und seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte in verständliche Sprache zu übersetzen, verlieh ihm die DBU 2015 ihren Deutschen Umweltpreis. Latif reiße mit, rüttele auf. Er ermuntere und ermutige Laien wie Experten, sich mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen, so Elpers weiter. 

Drei weitere Vorträge zu Themen der Ausstellung bis Ende des Jahres

Der Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die die neue DBU-Ausstellung „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“ begleitet. Dr. Astrid Schulz vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen wird die Reihe am 6. November mit ihrem Beitrag „Was bedeutet Transformation zur Nachhaltigkeit?“ fortsetzen. Am 22. November gibt Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin bei der Klima Allianz Deutschland, zum Titel „Auf dem Weg nach Katowice – Weltklimakonferenz in Polen“ einen Ausblick auf die Verhandlungen zum Weltklimavertrag Ende des Jahres. Zum Abschluss des Jahres stellt Dr. Holger Hoff vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ausführlich das Konzept der „planetaren Leitplanken“ vor. 

Führung durch die Ausstellung „MenschenWelt“

Vor dem Abendvortrag am 6. September besteht um 18.45 Uhr die Möglichkeit, die aktuelle Ausstellung „MenschenWelt“ im Rahmen einer öffentlichen Führung zu erleben. Sie ist bis Ende 2019 in der DBU zu sehen (montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr sowie nach Absprache). Für Schulklassen gibt es zielgruppengerechte pädagogische Programme. Weitere Informationen zur Ausstellung, zum pädagogischen Programm und zu den folgenden Vortragsveranstaltungen finden sich unter www.ausstellung-menschenwelt.de.

***Sperrfrist Dienstag, 28.8. 18:30 Uhr *** Kaarzer Holz soll natürlicher Entwicklung überlassen werden

DBU Naturerbe stellt Maßnahmenplanung vor – Beirat und Bevölkerung informieren sich über Naturschutz
Naturerbefläche Kaarzer Holz, Zwischenmoor © DBU/Dominik Poniatowski
Die Naturerbefläche Kaarzer Holz mit ihrer vielfältigen Landschaftskulisse und dem großen unzerschnittenen Waldgebiet ist ein bedeutsamer Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche geschützte Arten. Hinweis an die Redaktion: Ein aktuelles Bild der Veranstaltung wird gegen 18 Uhr bereitgestellt.

Sternberg. „Die Naturerbefläche Kaarzer Holz mit ihrer vielfältigen Landschaftskulisse und dem großen unzerschnittenen Waldgebiet ist ein bedeutsamer Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche geschützte Arten. Wir haben bereits die naturnahen Laubwälder ihrer natürlichen Entwicklung überlassen und betreiben Waldumbau in den Nadelbaumbeständen, um sie ebenfalls in einen naturnahen Zustand zu überführen.“ - Diesen Ausblick gab heute Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter des DBU Naturerbes, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), bei einer Informationsveranstaltung über die Naturschutzziele der DBU-Fläche. Vertreter des DBU Naturerbes und des Bundesforstes hatten in den Rathaussaal im Rathaus in Sternberg eingeladen, um interessierte Bürger direkt und ausführlich über ihr Tun zu informieren.

Einzigartige Landschaft mit hohem naturschutzfachlichem Wert

Das kompakte und unzerschnittene Waldgebiet, das eingebettet in eine einzigartige Endmoränenlandschaft mit zahllosen kleinen und großen Seen liegt, hat einen besonderen naturschutzfachlichen Wert“, beschreibt Dr. H. Otto Denstorf, Leiter Betriebsmanagament DBU Naturerbe, die Naturerbefläche Kaarzer Holz. Gut entwickelte Eichen- und Buchenwälder kämen über die gesamte Fläche verteilt vor und hätten sich über viele Jahre ungestört entwickeln können. Die Nadelwälder würden behutsam zu Mischwäldern umgebaut, da sie dem natürlichen Vorkommen in dieser Region entsprächen. 

Totholz für lebendige Vielfalt

In dem großräumigen Waldgebiet mit hohem Totholzanteil lebten viele geschützte Arten von Moosen, Flechten, Pilzen und Insekten, deren Lebensräume erhalten bleiben sollen. Daneben werde die Landschaft aber auch von offenen Landschaftsbereichen sowie Gewässern und Feuchtgebieten geprägt. So fänden sich in Randbereichen der DBU-Naturerbefläche extensiv genutzte Grünlandflächen mit alten Obstbaumbeständen. Dass interessierte Besucher weiterhin die Naturerbefläche erkunden können, stellte Matthias Weber, DBU-Koordinator und Betriebsbereichsleiter im zuständigen Bundesforstbetrieb Trave, heraus. „Dabei ist es wichtig, im Interesse des Naturschutzes, auf den gekennzeichneten Wegen zu bleiben“, ergänzt Weber.

Beirat als Bindeglied zwischen Bevölkerung und DBU-Tochter

Zum zweiten Mal hatte sich vor der Informationsveranstaltung der Beirat der DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz getroffen, um sich über naturschutzfachliche Entwicklungsziele zu informieren. „Wir freuen uns, dass die Mitglieder als Bindeglieder und Multiplikatoren zwischen der Bevölkerung und uns auftreten. Zudem können uns die Gremiumsvertreter und - vertreterinnen als Ideengeber und kritische Begleiter helfen, die DBU-Naturerbefläche zu erhalten und weiterzuentwickeln“, so Undine Kurth, stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende der DBU und Mitglied des DBU-Naturerbe-Beirats, die an der Sitzung teilnahm.

Bundesweit auf 70.000 Hektar Fläche vielfältige Lebensräume bewahren

Die DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz gehört zum Naturraum Sternberger Seenlandschaft und ist eine von 70 Liegenschaften der Stiftungstochter der DBU aus Osnabrück, die die Flächen treuhänderisch für zukünftige Generationen verwaltet und unter naturschutzfachlichen Aspekten sichert. Insgesamt hat sie rund 70.000 Hektar vor allem ehemals militärisch genutzte Flächen vom Bund übernommen. Auf den Flächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Arten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten bleiben.


Deutscher Umweltpreis an Meeresbiologin Boetius und Leipziger Abwasser-Experten

Bundespräsident überreicht Preise am 28.10. in Erfurt – Bedeutung der Meere und „Sauberes Wasser für alle“
Deutscher Umweltpreuis 2018 der DBU, Preisträger © Kerstin Rolfes/Alfred-Wegener-Institut; Sebastian Wiedling/UFZ
Die Bremer Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (l.) und ein interdisziplinäres Abwasser-Expertenteam aus Leipzig (o.v.l.: Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld, Dr. Manfred van Afferden, Dr. Mi-Yong Lee, Prof. Dr. Roland A. Müller) teilen sich in diesem Jahr je zur Hälfte den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). 
Prof. Dr. Antje Boetius © Jan Riephoff
Prof. Dr. Antje Boetius: Durch ihre Forschung die Bedeutung von Tiefsee-Bakterien für das Weltklima belegt.
Leipziger Abwasser-Experten, Träger Deutscher Umweltpreis der DBU 2018 © Andre Kuenzelmann/UFZ
Starkes Quartett für starken Umweltschutz: das Leipziger Abwasserexperten-Team mit (v.l.) Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld, Prof. Dr. Roland A. Müller, Dr. Mi-Yong Lee und Dr. Manfred van Afferden.

Osnabrück. Die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (51, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven) und ein interdisziplinäres Abwasser-Expertenteam aus Leipzig, das die ferne Vision „Sauberes Wasser für alle“ in Jordanien zu einem tatsächlich greifbaren Ziel hat werden lassen, werden 2018 je zur Hälfte mit dem mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ausgezeichnet. Die DBU betont damit die Bedeutung der Meere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung und warnt vor Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überfischung. Gleichzeitig soll auch der weiteren Forderung der Vereinten NationenNachdruck verliehen werden, bis 2030 für die Weltbevölkerung sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen und eine angemessene Sanitärversorgung für alle und damit deutlich bessere Lebensbedingungen zu gewährleisten. Den Preis wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 28. Oktober in Erfurt überreichen an Prof. Boetius und das Team aus Leipzig mit Prof. Roland A. Müller (55), Dr. Manfred van Afferden (57), Dr. Mi-Yong Lee (47, alle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) und Dipl.-Ing. Wolf-Michael Hirschfeld (70), den Initiator des Bildungs- und Demonstrationszentrums für dezentrale Abwasserbehandlung.

„Lebendige Ozeane sind ein Muss. Ohne sie können wir nicht existieren“

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde betonte heute bei der Bekanntgabe der Preisträger, Ozeane seien wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, bedeutsamster Wärmespeicher auf unserem Planeten und regulierten sein Klima. Sie hätten die Auswirkungen der Industrialisierung abgepuffert und große Mengen Kohlendioxid und Wärme aufgenommen. Sie seien die Wetterküche der Erde, weil häufig über ihnen Wind, Stürme und Niederschläge entstünden. Bonde: „Lebendige Ozeane sind ein Muss. Ohne sie können wir nicht existieren.“

Todeszonen in den Weltmeeren über 245.000 Quadratkilometer groß

Tatsächlich seien die Ozeane allerdings in einem bedenklichen Zustand. Das Schmelzen der Polkappen, die Erwärmung sowie die Industrialisierung, Überfischung und Müllmengen ungeahnten Ausmaßes gefährdeten dieses faszinierende Ökosystem immer mehr. Die Zahl der sogenannten Todeszonen in den Weltmeeren – Sauerstoffmangelgebiete, die den Bestand von Lebewesen gefährden, – sei seit 1995 um mehr als ein Drittel angewachsen auf aktuell über 400. Sie seien über 245.000 Quadratkilometer groß, was mehr als zwei Drittel der Fläche Deutschlands entspricht. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass 80 bis 90 Prozent des Abwassers in den Entwicklungsländern direkt und unbehandelt in Flüsse, Seen und Meere eingeleitet würden. In diesen Ländern einen funktionierenden, handhabbaren, wartungsarmen, kosten- und energiesparenden Abwassersektor zu schaffen, sei „bahnbrechend für eine Verbesserung der Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort und ihrer Kinder und Kindeskinder“. Gleichzeitig gebe es im Ökosystem Meer noch immer Wissenslücken, die für das Verständnis der Zusammenhänge zwischen mikrobieller Vielfalt in der Tiefsee und globalen Veränderungen wie dem Klimawandel geschlossen werden müssten. Bonde: „Nur wenn wir diese Prozesse verstehen, verstehen wir den globalen Klimakreislauf und können auf der Basis dieser Erkenntnisse handeln.“

Wissenschaftlerin mit herausragenden Talenten

Antje Boetius, die Tiefsee- und Polarforscherin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, beschrieb Bonde als „herausragende Wissenschaftlerin mit einem außerordentlichen Talent für das fachübergreifende Verständnis systemischer Prozesse in den weltweiten Ozeanen und für das Vermitteln der Zusammenhänge“. Durch ihre Forschung habe sie die Bedeutung von Tiefsee-Bakterien für das Weltklima belegt: Mikroben sind unter Ausschluss von Sauerstoff für den Abbau von Erdgas (Methan) verantwortlich, das im Ozeangrund in großen Mengen vorkommt. „Methan wirkt als Treibhausgas 25-mal stärker als Kohlendioxid. Die Bakterien sorgen dafür, dass nur ein Teil aus den Ozeanen in die Atmosphäre entweicht und verhindern somit ein schnelleres Aufheizen des Planeten“, so Bonde. Nach dem von führenden internationalen Wissenschaftlern ausgearbeiteten Konzept der „Planetaren Leitplanken“ seien aber die Konsequenzen einer globalen Erwärmung über zwei Grad nicht mehr vorhersehbar. Am deutlichsten zeigten sich die Folgen dieser Erwärmung an der stetig schwindenden arktischen Meereisdecke. Die Umweltkonsequenzen des Meereisrückgangs werden derzeit auch von Boetius erforscht.

Menschliches Handeln in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar

Die Meeresbiologin, Ökosystemforscherin und Wissenschaftskommunikatorin habe mehrfach nachgewiesen, dass menschliches Handeln in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar ist. Boetius selbst ist sich sicher, dass „der Klimawandel auch die Algen und die Mikroorganismen an der Meeresoberfläche verändert. Die sinken durch Schwerkraft herab und sind die Nahrung der Tiefseetiere. Daher haben die Änderungen, die sich oben abspielen, direkt auch eine Wirkung bis in die fernsten Tiefseegräben.“ Die Forscher ihres Institutes konnten kürzlich auch Mikroplastik im Meereis sowie in der Tiefsee nachweisen. Neben Klimawandel hat nach Boetius‘ Einschätzung bisher auch die Fischerei die Ozeane schon weltweit verändert. Der Walfang in den 30er Jahren habe beispielsweise die größten Meeressäuger bis in die heutige Zeit dezimiert. Das beeinflusse auch das Nahrungsnetz bis hinunter zu den Tiefsee-Mikroben. 

Lebensvielfalt im Meer und in Polarregionen ebenfalls wichtige Zukunftsressource

Bonde: „Als ‚Fürsprecherin des nachhaltigen Umgangs mit den Meeren und Polarregionen‘ sitzt sie auch bei Konferenzen etwa auf Einladung der Vereinten Nationen mit Vertretern der Ozeanindustrie am Verhandlungstisch.“ Ihr Ziel sei es, „deutlich zu machen, dass die noch kaum erforschte Welt der Tiefsee nicht Opfer destruktiver Verfahren des Tiefseebergbaus wird wie es durch den Abbau von Rohstoffen wie Mangan, Eisen, Kobalt und seltenen Metallen möglich wäre. Die Ozeane sollten als Teil des Planeten und des gesellschaftlichen Handelns verstanden werden, für das die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auch gelten. Die Vielfalt des Lebens im Meer und in den Polarregionen ist ebenfalls eine wichtige Zukunftsressource, für deren Schutz gesorgt werden muss.“ 

„Neutraler Anwalt für den Wasserressourcenschutz“

Das Team um die  Forschergruppe des Departments „Umwelt und Biotechnologisches Zentrum“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und den BDZ-Initiator Hirschfeld bezeichnete Bonde als „neutralen Anwalt für den Wasserressourcenschutz“, für das „Hilfe zur Selbsthilfe“ der Schlüssel zum Erfolg sei. In Jordanien, einem der drei Länder, die weltweit am stärksten von Wasserknappheit betroffen seien und dessen Bevölkerung nicht zuletzt auch durch Flüchtlinge aus Syrien von 5,6 Millionen 2006 um fast 70 Prozent auf 9,5 Millionen (2016) angestiegen sei, habe das Team „großartige Pionierarbeit“ für den Schutz der Wasserressourcen geleistet und sei „auf allen Ebenen aktiv geworden: interdisziplinär in der Wissenschaft, beratend in der Wirtschaft, vermittelnd in der Politik, informierend in der Gesellschaft und zupackend in der praktischen Umsetzung.“ 

Grenzen zwischen Forschung und Praxis überwunden

Mit ihrer Lösung der dezentralen Abwassersysteme, die flexibel angepasst werden können und bestehende Systeme ergänzen, werde das Abwasser direkt am Entstehungsort behandelt und könne zum Bewässern landwirtschaftlicher Flächen genutzt werden. Gleichzeitig werde das Grundwasser vor Abwasserverunreinigungen geschützt und somit nachhaltig als Trinkwasserressource gesichert. Alte und neue Strukturen zu verknüpfen und eine zukunftsfähige Abwasserbehandlung zu entwickeln und voranzubringen, sei nur möglich geworden durch das Überwinden der Grenzen zwischen Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften, vor allem aber zwischen Forschung und Praxis. Bonde: „Für Forschung in Deutschland ein leider zu seltener Glücksfall.“

Wassermangel entscheidende Rolle als zentrale Fluchtursache

Durch das politische Verankern und langfristige Neuausrichten des jordanischen Abwassersektors sei es jetzt realistisch, das vom jordanischen Wasserministerium gesetzte Ziel zu erreichen, bis 2025 das jährliche Volumen gereinigten Abwassers von heute 140 Millionen auf dann 235 Millionen Kubikmeter zu steigern und eine Anschlussrate von rund 80 Prozent zu verwirklichen. Dass das funktioniere, sei von zentraler Bedeutung, wenn man wisse, dass weltweit mindestens zwei Milliarden Menschen Trinkwasser nutzen, das mit Fäkalien verunreinigt ist. Neben Armut, wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und mangelnder politischer Teilhabe spielten schwierige Lebensbedingungen einschließlich des Wassermangels eine entscheidende Rolle als zentrale Fluchtursache.


Hamburger Modell für Geflüchtete nun in der „Champions-League der Integrationsprojekte“

Projekt von ZEWU und DBU abgeschlossen – 37 Personen für Umweltberufe qualifiziert und in Arbeitsmarkt integriert
Experimente Winkfraft © Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer Hamburg
Auch Experimente zum Thema Windkraft standen für die Geflüchteten auf dem Lehrplan.

Hamburg. „Wir wollten Brücken zwischen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten und dem Umwelthandwerk in Hamburg bauen. Diese Vision ist nun Realität. Mit unserer Integrationsquote in Ausbildung und Arbeit, der individualisierten Betreuung und dem ‚Kurzpassspiel‘ mit Behörden und Jobcentern spielen wir mittlerweile in der ‚Champions-League‘ der Integrationsprojekte.“ - Dieses Fazit zog Dr. Kai Hünemörder, Leiter des Zentrums für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg, heute zum Ende des Modellprojektes „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker - Kompetenzfeststellung und Weiterbildung für Flüchtlinge “ im ELBCAMPUS. Seit Juli 2016 waren 37 Geflüchtete mit technischen Vorerfahrungen für Umweltberufe qualifiziert, die Mehrzahl von ihnen schon vor Projektende in den Arbeitsmarkt für Umwelttechnik integriert worden. Jetzt stellten die Partner die Erfolgsbilanz des Projektes in Hamburg vor, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mitinitiiert sowie fachlich und finanziell unterstützt wurde.

Für fast alle Kursteilnehmer konkrete Perspektiven erarbeitet

Zum Projektstart waren 100 Interessierte zu beruflichen Perspektiven im Bereich der erneuerbaren Energien beraten worden. Daraus starteten 37 Teilnehmer aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Somalia und Eritrea in zwei fünfmonatige Förderkurse und Fachlehrgänge Umwelttechnik mit begleitendem Sprachkursus. Dazu gehörten etwa fachspezifischer Wissens-Erwerb, Methoden der Wissensaneignung, umwelttechnische Werkstattübungen und Betriebsbesuche im Themenfeld Energie und Umwelt. Hünemörder: „Übergeordnetes Ziel des Projektes war und ist es, in der Umwelttechnik ein übertragbares Modell der Kompetenz-Feststellung und mehrstufigen Weiterbildung von geflüchteten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten umzusetzen.“ Ein Schlüssel zum Erfolg sei die zielgerichtete Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, den Jobcentern sowie dem NOBI Netzwerk und den Hamburger Trägern der Flüchtlingshilfe. So hätten durch den kultursensiblen Einsatz von Projektleiter Haiko Hörnicke für fast alle Kursteilnehmer konkrete Perspektiven erarbeitet werden können.

Schon im Projektverlauf Weg in Umwelttechnik gefunden

22 Teilnehmer fanden schon im Projektverlauf ihren Weg in die Umwelttechnik, beispielsweise als Techniker Kälte- und Klimasysteme, als Leitung einer Biogasanlage oder als Fachkraft Gebäudeleittechnik. Drei von ihnen berichteten von ihren Erfolgen: Moutassem Al Attwanee kam 2016 aus Syrien, hatte dort Ingenieurwissenschaften für Maschinenbau und Elektrotechnik studiert. Seine Abschlüsse wurden in Deutschland anerkannt. Er sagte: „Mein größtes Ziel ist es, professionelle Arbeit als Maschinenbauingenieur in Deutschland zu finden.“ Im Rahmen des Projektes kam Al Attwanee zur Bärenkälte GmbH. Nach weiteren Fortbildungen stellt ihm die Firma eine Anstellung als technischer Zeichner für Kälteanlagen in Aussicht, mit der Perspektive, als Ingenieur oder Projektmanager zu arbeiten.

„Auch in Deutschland wieder in meinem erlernten Beruf arbeiten“

Salahodin Ashrafi hatte im Iran eine Ausbildung und ein Studium in Maschinenbau absolviert, sie wurden teilanerkannt. Im Projekt lernte er technisches Deutsch und orientierte sich in Richtung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Er lernt nun alles über moderne Anlagenmechanik in einer Ausbildung bei der Sager & Deus GmbH. Ashrafi: „Die Ausbildung ermöglicht es mir, auch in Deutschland wieder in meinem erlernten Beruf zu arbeiten. Darüber bin ich sehr froh.“ Saad Al Abed Al Latef, der in Syrien Energietechnik studiert hatte, machte ein Praktikum bei der FM Technik GmbH - mit sehr guten Leistungen. Er hat dort jetzt einen Arbeitsplatz als Programmierer. Sein Credo: „Wir müssen nicht mit den anderen identisch sein, um uns gut integrieren zu können.“

So können Teilnehmer schrittweise selbstbestimmt leben und arbeiten

Das Projekt „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker“ ordnet sich in das DBU-Sonderprogramm „Umwelt und Flüchtlinge“ ein. DBU-Referatsleiterin Verena Exner hob hervor: „In dem Projekt wurde das Programm-Ziel besonders gut erreicht, indem die dringend notwendige Berufsqualifizierung in umwelttechnischen Berufen mit der Integration von geflohenen Menschen im Umfeld der Energiewende verknüpft wurde. Das Projekt zeigt, wie positiv Migration für unsere Wirtschaft, aber auch in unsere Gesellschaft wirken kann. So ist es möglich, dass die Teilnehmer nun schrittweise selbstbestimmt leben und arbeiten und selbst aktiv an ihrer Integration mitwirken.“ „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker“ ist als „Projekt Nachhaltigkeit 2018“ ausgezeichnet worden. Das etablierte Qualitätssiegel wird im Herbst verliehen von den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE).

Ansprechpartnerin für Fragen zum Projekt (AZ 35001/01): Ute Kretschmann, Telefon 040|35905-227


Neue DBU-Ausstellung zeigt Wege zum Schutz des Planeten Erde auf Osnabrück - Eröffnung am 28.8., 18 Uhr – 17.15 Uhr Vorabführung Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, selbst am Rad der Zeit drehen und sehen, wie sich das Ozonloch über die Jahre verändert. Oder am Kassenband mehr darüber erfahren, was die Wahl des Kaffees für den Regenwald in Südamerika bedeutet: Die neue Ausstellung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“, macht komplexe Themen für den Einzelnen greifbar und präsentiert vielfältige Lösungen, die es bereits heute für die Probleme unserer Zeit gibt. Damit auch künftig das Erdsystem nicht überlastet wird, alle gut leben und die Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen erreicht werden können, müssen die Menschen innerhalb der „planetaren Leitplanken“ handeln und wirtschaften. Dieses Konzept wurde entwickelt von Forschern um den Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU, Prof. Dr. Johan Rockström. Es benennt neun Umweltprozesse wie Klimawandel, Biodiversität oder Ozeanversauerung, die die Intaktheit des Erdsystems beschreiben, und definiert Limits, die nicht überschritten werden dürfen. Die Ausstellung veranschaulicht, welche Rolle SDGs und „planetare Leitplanken“ in unserem Alltag spielen. Zur Eröffnung laden wir Sie herzlich ein am Dienstag, 28. August, 18 Uhr, im DBU Zentrum für Umweltkommunikation, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück. Nach der Begrüßung durch DBU-Generalsekretär Alexander Bonde wird Prof. Dr. Reinhold Leinfelder (Freie Universität Berlin) einen Vortrag zum Thema „Planetare Leitplanken als Wegweiser der MenschenWelt“ halten. Zum Abschluss schildern DBU-Referentin Ulrike Peters, Birte Kahmann (DBU Zentrum für Umweltkommunikation) und Robert Müller von der Agentur „facts and fiction“, wie die Ausstellung entstanden ist. Anschließend wird es die Gelegenheit für Interviews und Fotos geben. Bereits um 17.15 Uhr findet eine Vorabführung durch die Ausstellung statt. Kollegiale Grüße Franz-Georg Elpers, Pressesprecher


Dem überhitzten Planeten Erde durch eigenes Handeln selbst Kühlung verschaffen

MenschenWelt“-Ausstellung der DBU zu „planetaren Leitplanken“ wird am 28. August eröffnet
Sehen Sie selbst... © DBU/Münch
Um das wissenschaftlich komplexe und schwierige Konzept der "planetaren Leitplanken" für die Besucher greifbar zu machen, wartet zunächst ein großer Turm aus Holzklötzen, an dem die neun Umweltprozesse erklärt werden
Sehen Sie selbst... © DBU/Münch
Beantwortet ein Besucher fünf Fragen beim Quiz rund um Meerestiere richtig, erhält er den Titel „Goldenes Seepferdchen“.

Osnabrück. Was der Kaffee am Morgen mit dem Urwald in Südamerika zu tun hat: Beziehungen wie diese zwischen Alltagshandeln und globalen Konsequenzen verdeutlicht die neue, interaktive Ausstellung „MenschenWelt – Nachhaltige Entwicklung innerhalb planetarer Leitplanken“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Wir machen in der Ausstellung sehr komplizierte Themen für den Einzelnen greifbar und präsentieren vielfältige Lösungen, die es bereits heute für die Probleme unserer Zeit gibt“, fasst DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zusammen. Das Konzept der „planetaren Leitplanken“ definiert neun wesentliche Umweltprozesse wie Klimawandel, Verlust der Biodiversität oder Ozonloch und will für sie Grenzbereiche bestimmen, die nicht überschritten werden sollen. Ein Beispiel dafür ist das internationale Klimaziel, die globale Erwärmung auf weniger als eineinhalb bis zwei Grad zu begrenzen. Damit die negativen Auswirkungen nicht ausufern und zu großen Krisen führen. Die 11. Ausstellung der DBU wird am Dienstag, 28. August, um 18 Uhr im DBU Zentrum für Umweltkommunikation in Osnabrück eröffnet.

„Planetare Leitplanken“ zeigen sicheren Handlungsspielraum auf

Entwickelt wurde das wissenschaftliche Konzept der „planetaren Leitplanken“ von einem internationalen Forscherteam um den Wissenschaftler Prof. Dr. Johan Rockström. Bonde: „Akribisch und konstruktiv hat er gemeinsam mit namhaften Experten weltweit verfügbare Daten zum Zustand der Erde zusammengeführt, gewichtet und in einen konkreten Rahmen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft überführt. Die ‚planetaren Leitplanken‘ zeigen den sicheren Handlungsraum auf, in dem globale Entwicklung stattfinden und gedeihen kann. 2015 erhielt Rockström dafür den Deutschen Umweltpreis der DBU.“ Im selben Jahr definierten die Vereinten Nationen in ihren 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs), welche Punkte nötig sind, damit eine künftige Entwicklung nachhaltig ist und allen Menschen weltweit zu Gute kommt. Die Ausstellung veranschaulicht, welche Rolle SDGs und „planetaren Leitplanken“ in unserem Alltag spielen. 

Ein Spiel in XXL als Sinnbild für die Stabilität der Erde

„Um das wissenschaftlich komplexe und schwierige Konzept der ‚planetaren Leitplanken‘ für die Ausstellungsbesucher greifbar zu machen, wartet zunächst ein großer Turm aus Holzklötzen auf die Besucher“, sagt Ulrike Peters, die auf Seiten der DBU die „MenschenWelt“ kuratiert hat. Das Modell mache deutlich: Werde ein Stein herausgezogen, passiere noch nichts. Auch die Erde könne beispielsweise den geringen Verbrauch von natürlichen Rohstoffen noch gut ausgleichen. Aber je mehr Steine entfernt werden, desto wackeliger werde der Turm. In der Wirklichkeit bedeute das: Je mehr endliche Rohstoffquellen wir nutzen oder je mehr Treibhausgase wir ausstoßen, desto stärker verändern wir das Erdsystem, das unsere Lebensgrundlagen liefert. Peters: „Aber wir können auch Klötzchen wieder hineinschieben und das System damit stützen. Zahlreiche Ideen zum Erhalt der Stabilität des Systems Erde finden sich in der Ausstellung.“

Wer am Temperaturregler dreht, sieht direkt, was passiert

Mithilfe von Filmen, Grafiken oder einer echten Koralle wird zunächst jeder der neun zentralen Umweltprozesse für sich vorgestellt in einer der Schubladen, die im Turm versteckt sind. Jede der nachfolgenden sechs Stationen widmet sich dann einem eigenen Thema. Nach einem kurzen Animationsfilm zur Einführung sind die Besucher dran: es darf gedreht, geblättert und geraten werden. Wer es schafft, fünf Fragen beim Quiz rund um Meerestiere richtig zu beantworten, der erhält das „Goldene Seepferdchen“. Unter dem Motto „Deine Coolness und der fiebrige Planet“ kann jeder erkennen, was in der Umwelt passiert, wenn er am „Temperaturregler der Erde“ dreht: Bei einem Grad Celsius mehr drohen die Korallen weltweit auszubleichen, bei einem Temperaturanstieg von fünf Grad langjährig gefrorene Permafrostböden zu tauen und klimaschädigendes Methan freizusetzen. Eine Lösung für das Problem findet sich direkt daneben: Schon heute sind Windkraft, Solarenergie und Co. günstiger als Energieträger auf Öl-, Gas- oder Kohlebasis. Sie können helfen, den Klimawandel aufzuhalten, da sie Energie liefern, ohne Kohlenstoffdioxid an die Erdatmosphäre abzugeben. 

Ozonloch zeigt, dass gemeinschaftliches Handeln wirkt

„Wir müssen die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten, denn sie sind Voraussetzung dafür, dass auch zukünftig jeder Mensch auf der Erde in Würde leben kann. Die ‚planetaren Leitplanken‘ geben uns einen Eindruck, wo die Grenzen der Belastbarkeit liegen“, so Bonde. Da die Erdbevölkerung wächst – im Jahr 2050 könnten rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde sein – sei es geboten, rasch und konsequent zu handeln. Denn in ihren Untersuchungen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass vier der neun Belastbarkeitsgrenzen schon überschritten sind. Damit wächst nach dem Fazit der Experten die Gefahr unumkehrbarer Umweltveränderungen, die die Bewohnbarkeit der Erde für die Menschheit einschränken und eine nachhaltige Entwicklung unmöglich machen. Bonde: „Wir haben es in der Hand, denn viele Lösungen für diese Herausforderungen kennen wir bereits.“ Das schrumpfende Ozonloch sei ein gutes Beispiel für das Lösen eines solchen globalen Problems: Nach dem Verbot der ozonschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) durch das internationale Montrealer Protokoll 1987 erhole sich die Ozonschicht wieder. Bis Mitte des Jahrhunderts könne es sich nach Meinung der Forscher vollständig wieder geschlossen haben.

Ab 2020 kann die Ausstellung bundesweit gebucht werden

„MenschenWelt“ steht bis Ende 2019 in der DBU in Osnabrück, bevor sie auf ihre fünfjährige Wanderschaft durch Deutschland geht. Für Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 13 bietet das DBU Zentrum für Umweltkommunikation zielgruppengerechte pädagogische Programme zur Ausstellung an. Geöffnet ist sie montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr sowie nach vorheriger Vereinbarung. Der Besuch ist kostenlos. Weitere Informationen unter www.ausstellung-menschenwelt.de. Die Teilnahme an der Eröffnung ist nach einer Anmeldung bei Sarah Tepker (s.tepker@dbu.de, 0541 9633-921) möglich.


Kaarzer Holz: Einzigartige Natur für Zukunft gesichert

DBU Naturerbe informiert im Rathaus der Stadt Sternberg am 28.8., 18.30 Uhr
Offenland Kaarzer Holz © DBU/Tillmann
Das große Waldgebiet der DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz wird durch offene Landschaftsbereiche durchbrochen. 

Sternberg. Eingebettet in eine Endmoränenlandschaft mit zahllosen kleinen und großen Seen liegt die DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz als großes unzerschnittenes Waldgebiet. „Wir möchten dieses Naturerbe für zukünftige Generationen erhalten und unter naturschutzfachlichen Grundsätzen weiterentwickeln“, sagt Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter der Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Vertreter des DBU Naturerbes und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Sparte Bundesforst, informieren interessierte Bürger im Rathaus der Stadt Sternberg am Dienstag, 28. August, ab 18.30 Uhr, um welchen Naturschatz es sich handelt und welche Maßnahmen als nächstes auf der Fläche folgen.

Öffentliche Bürgerveranstaltung

Interessierte Bürger sind eingeladen, sich über die aktuellen Entwicklungen auf der DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz zu informieren, so Wahmhoff. Nach einer Begrüßung informieren Josef Feldmann, Prokurist DBU Naturerbe, sowie Wahmhoff über das DBU Naturerbe insgesamt und erläutern konkrete naturschutzfachliche Entwicklungsziele für die DBU-Naturerbefläche. Danach werden Dr. H. Otto Denstorf, Leiter Betriebsmanagement des DBU Naturerbes, und Mitarbeiter des Bundesforstes Auskunft über den aktuellen Flächenzustand und zum Wildmanagement geben. Anschließend wird es Zeit für Fragen und Diskussionen geben. Zu der Informationsveranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich. Veranstaltungsort ist das Rathaus der Stadt Sternberg (im Rathaussaal, Am Markt 1, 19406 Sternberg).

Bundesweit auf 70.000 Hektar Fläche vielfältige Lebensräume bewahren

Die DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz gehört zum Naturraum Sternberger Seenlandschaft und ist eine von 70 Liegenschaften der Stiftungstochter der DBU aus Osnabrück, die die Flächen als Eigentümerin treuhänderisch für zukünftige Generationen verwaltet und unter naturschutzfachlichen Aspekten sichert. Insgesamt hat sie rund 70.000 Hektar vor allem ehemals militärisch genutzte Flächen vom Bund übernommen. Auf den Flächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Arten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten bleiben.


Mit gepanzertem Traktor Trollblumenwiesen pflegen

DBU Naturerbe beauftragt Mahd einer Teilfläche am Stegskopf – Heimischer Landwirt Partner
Geschützter Traktor © Michael Buhl/Buhl Agrar GbR
Auf einer Teilfläche der DBU-Naturerbefläche Stegskopf wird versuchsweise ein Traktor mit Panzerglas und speziellem Unterbodenschutz zur Pflege der Trollblumenwiesen eingesetzt.

Daaden. Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Auf der Naturerbefläche Stegskopf wird erstmals ein geschützter Traktor eingesetzt, um selten gewordene Arten und Lebensräume zu schützen. „Wir sind verantwortlich dafür, dass auf unseren Flächen zum Beispiel artenreiche Wiesen weitgehend erhalten bleiben – und das geht häufig nur mit Pflegemaßnahmen wie der Mahd“, sagt Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter des DBU Naturerbes, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Allerdings sei aufgrund der langjährigen militärischen Vergangenheit der Stegskopf aus Sicherheitsgründen gesperrt, weil eine hohe Kampfmittelbelastung angenommen wird. Die Pflege könne nur mit speziell ausgerüsteter Technik vonstatten gehen. Das DBU Naturerbe hat nun BIOKREIS Landwirt Michael Buhl (Unternehmen Agrar Buhl, Friedewald) beauftragt, versuchsweise kleinere Teilflächen mit einem gepanzerten Traktor zu mähen. „Hierbei handelt es sich um einen Testlauf. Sobald die geplante Sondierung auf Kampfmittel abgeschlossen ist, wollen wir weitere Partner zur Offenlandpflege mit einbeziehen“, betont Wahmhoff.

Herausforderungen pragmatisch angehen, um schöne Natur zu erhalten

Michael Buhl (40) hatte die Idee und das maschinenbauliche Geschick, einen Traktor mit genormten Bauteilen wie Panzerglas und speziellem Unterbodenschutz auszustatten. „Als Landwirt bin ich es gewohnt, Herausforderungen pragmatisch anzugehen. Da ich den Stegskopf mit seiner schönen Natur seit meiner Kindheit kenne, hat es mich gereizt, eine Lösung zu finden, wie man zum Beispiel die Trollblumenwiesen erhalten kann“, so Buhl. Nachdem sich Mitarbeiter des DBU Naturerbes ein Bild vom gepanzerten Traktor gemacht hatten, wurde nun der Auftrag erteilt. Eine erste Pflegemaßnahme, in diesem Fall das Mähen der Fläche und der Abtransport des Mähguts, wird auf einer Teilfläche, auf der Kampfmittel vermutet werden, testweise durchgeführt. „Wenn wir gar nichts machen würden, würde sich nach und nach Wald entwickeln. Seltene Offenland-Arten wie die Trollblume würden verschwinden“, so Wahmhoff. Das entspreche nicht den Zielsetzungen des Nationalen Naturerbes, daher sei eine praktische Lösung des Zielkonfliktes Naturerhalt gegen Sicherheit erforderlich gewesen.

DBU-Naturerbefläche Stegskopf eine von drei Flächen in Rheinland-Pfalz

Seit 2008 wurden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben 70 Flächen des Nationalen Naturerbes in drei Übertragungswellen, den sogenannten Tranchen, an das DBU Naturerbe übertragen. Die DBU-Naturerbefläche Stegskopf, deren Besitz am 1. Oktober 2017 an das DBU Naturerbe überging, ist eine von drei Flächen in Rheinland-Pfalz und Teil der dritten Tranche. Die beiden anderen – Dudenhofen und Ebenberg – befinden sich im Süden des Landes. Die Stiftungstochter versteht sich mit Blick auf das Nationale Naturerbe als Treuhänderin für nachfolgende Generationen. Auf den insgesamt rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern sollen offene Lebensräume mit ihren oft seltenen Arten durch zielgerichtete Pflege bewahrt, naturnahe Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff zu Wildnis entwickelt, artenarme Forste in naturnahe Wälder überführt und Feuchtgebiete sowie Fließ- und Stillgewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden.

Zu groß, zu klein, zu knubbelig? Firma will Lebensmittel retten

Berliner Start-up-Unternehmen will mit Online-Plattform Verschwendung Riegel vorschieben – DBU fördert
Querfeld will Lebensmittel retten © Querfeld
Studentinnen und Studenten aus fünf Nationen von der Fachhochschule Münster verschaffen sich bei "Querfeld" in Berlin einen Eindruck von dem Start-up-Unternehmen und sammelten Inspirationen und Ideen. 

Berlin/München. Bis 2009 regelte die „Gurkenverordnung“ der Europäischen Gemeinschaft u.a., dass eine Gurke der Handelsklasse „Extra“ auf zehn Zentimeter Länge maximal zehn Millimeter gekrümmt sein darf. Als interne Normung soll sie den wichtigsten Großhändlern noch heute dienen. Das Start-up-Unternehmen „Querfeld“ (Berlin) will nun dem Verschwenden von Lebensmitteln einen Riegel vorschieben, indem schrittweise immer größer werdende Tonnagen von nicht normgerechtem Obst und Gemüse logistisch verteilt und verzehrt werden können. Mit einer neuen digitalen Online-Plattform sollen zunächst in Berlin und München Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung versorgt werden, später der Ausbau des Netzwerkes bundesweit erfolgen. Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt fachlich und finanziell mit rund 266.000 Euro fördert: „Während des Projektes sollen 200 Tonnen Obst und Gemüse gerettet werden, davon mindestens 90 Tonnen über die Plattform.“

Aussortieren führt zu enormer Ressourcenverschwendung

Schätzungen zufolge bleibe fast ein Drittel einer Obst- und Gemüseproduktion auf dem Feld liegen, obwohl es sich rein qualitativ betrachtet um einwandfreie Ware handele, so Bonde: „Zu groß, zu klein, zu knubbelig – des Aussehens wegen wird nicht normgerechtes Obst und Gemüse aussortiert und liegengelassen oder gar weggeworfen. Das Aussortieren beispielsweise nach Unter-/Übergröße, Vernarbung, Verformungen oder Hagelschäden führt zu einer enormen Ressourcenverschwendung. Qualitativ handelt es sich um einwandfreie Ware, die bisher entsorgt statt konsumiert wird.“

Wöchentlich zweieinhalb Tonnen Obst und Gemüse in Berlin und München gerettet

Bereits seit zwei Jahren bestünden bei „Querfeld“ Erfahrungen hinsichtlich des Belieferns von etwa Kantinen, Caterern und Mensen in Berlin und München, wobei die Bestellungen bisher telefonisch oder per E-Mail eingingen, erläutert Frederic Goldkorn, Mitgründer des Start-ups. Schon über 70 Tonnen nicht normgerechtes („queres“) Obst und Gemüse hätten unter Einbezug von 30 deutschen, mindestens nach dem Standard der EU-Bio-Richtlinien zertifizierten Betrieben, und 80 Kunden ausgeliefert werden können. Aktuell würden wöchentlich an den Standorten Berlin und München zusammen durchschnittlich zweieinhalb Tonnen Obst und Gemüse „gerettet“. Für diese bisherige Arbeit sei Querfeld 2016 mit dem „Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung“ des Bundesernährungsministeriums ausgezeichnet worden, erwähnt DBU-Expertin Verena Exner.

Bio-Landwirte sollen international „quere“ Produkte anbieten können

Querfeld wolle seine Arbeit durch die digitale Plattform professionalisieren und weitere Standorte gewinnen, so Goldkorn. Große Dienstleistungsunternehmen in Catering, Gastronomie und Servicemanagement, wie das zweitgrößte Catering-Unternehmen in Deutschland, Aramark (Neu-Isenburg), wollten immer mehr Betriebsrestaurants anbinden. Angestrebt sei, dass Bio-Landwirte aus ganz Deutschland sowie perspektivisch auch in Frankreich, den Niederlanden, in Italien, Österreich, Polen und Spanien ihre überschüssigen oder „queren“ Produkte in Echtzeit den Nachfragern anbieten können. Durch die bereits etablierten Netzwerke an Spediteuren sollen die Bestellungen über die Plattform innerhalb von 48 Stunden (national) bzw. 72 bis 96 Stunden (international) abgewickelt werden. Die Plattform werde zunächst für Kunden in München und Berlin freigeschaltet. Nach erfolgreicher Einführung sollen Kommunen in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie Hamburg folgen.

„Nur einwandfreie Ware wird an Kunden weiterverkauft“

Um Preisdumping entgegenzuwirken, sollen Mindestpreise festgelegt werden. Eine Qualitätskontrolle erfolge durch Logistikdienstleister nach von Querfeld definierten Anforderungen. Diese beinhalteten beispielsweise, dass jegliche Ware sauber sowie frei von Schädlingen und Fäulnis sein müsse. Das Querfeld-Team schule „seine“ Logistikdienstleister nach seinen Standards. Goldkorn: „Nur einwandfreie Ware, die unseren Kriterien entspricht, wird angenommen und an die Kunden weiterverkauft.“

„Wertschätzung von Lebensmitteln und ihren Erzeugern gestärkt“

Bonde: „Wir begrüßen, dass die Start-up-Firma als klein- und mittelständisches Unternehmen die Professionalisierung ihres zurzeit noch überwiegend analogen Geschäftsmodells zum Vermeiden von Lebensmittelverlusten durch Digitalisierung weiterentwickelt. Das Vorhaben trägt zu nachhaltigerem und ressourcenschonenderem Konsum bei. Außerdem wird die Wertschätzung von Lebensmitteln und ihren Erzeugern bei gleichzeitig neuen Marktchancen gestärkt. So könnten bei steigender Nachfrage Ansätze einer ökologischeren Landwirtschaft, die auch die Produktion von nicht normgerechtem Obst und Gemüse zulässt, gestärkt werden.“

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 33993): Frederic Goldkorn, Tel. 030 | 340603470    


DBU Naturerbe: Auch 2017 starker Anwalt für Naturschutz

„Tochter“ der DBU stellte Jahresbericht vor – Flächenkulisse um 9.000 Hektar gewachsen
Verwaltungsgebäude DBU Naturerbe © DBU/Nitsch
Das holzverkleidete Passivhaus ist der Hauptsitz der DBU Naturerbe GmbH in Osnabrück.
Jahresbericht DBU Naturerbe © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Der Jahresbericht der DBU Naturerbe GmbH steht auch zum Download zur Verfügung.

Osnabrück. „Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind für uns eine besondere Verpflichtung und eine große Herausforderung. Mit partnerschaftlichem Engagement haben wir auch 2017 geholfen, wertvolle Lebensräume zu bewahren, zu pflegen und so für zukünftige Generationen zu sichern.“ – So beschreibt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Aktivitäten der DBU-Tochtergesellschaft DBU Naturerbe im vergangenen Jahr. Weitere 23 Flächen mit 9.000 Hektar hatte das DBU Naturerbe von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übernommen und ist für nun 70 Flächen mit rund 70.000 Hektar in elf Bundesländern verantwortlich. Weitere Schwerpunkte 2017 waren außerdem das Erstellen von Entwicklungsplänen auf den Naturerbeflächen, um konkrete Naturschutzmaßnahmen zu verankern, der Rückbau verschiedener Altlasten auf den ehemaligen Militärflächen sowie eine Veranstaltung in Peenemünde zur Auseinandersetzung mit der Historie auf den Flächen.

Das Nationale Naturerbe als „Denkmäler des Friedens“ verstehen

Mit der Übernahme weiterer Flächen habe das DBU Naturerbe nicht nur naturschutzfachliche Aufgaben übernommen, sondern auch die Verantwortung, sich mit der wechselvollen Historie ihrer Liegenschaften zu befassen, sagte Bonde. Dieser Prozess wurde während einer Fachtagung im Juni 2017 im Historisch-Technischen Museum Peenemünde angestoßen. Auf der DBU-Naturerbefläche Peenemündesetzten sich Historiker, Denkmal- und Naturschützer mit dem kulturhistorischen und politischen Erbe auseinander. „Mit einem interdisziplinären Blick in die Vergangenheit können wir in der Gegenwart Impulse für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Nationalen Naturerbe diskutieren und die DBU-Naturerbeflächen aufgrund ihrer militärischen Geschichte als ‚Denkmäler des Friedens‘ erhalten“, betont Bonde.

Jahresbericht steht auch zum Download zur Verfügung

Weitere Details etwa zur Flächenkulisse, zur naturnahen Waldentwicklung oder zur Umweltbildung und Kommunikation finden Interessierte im Jahresbericht der DBU Naturerbe GmbH zum kostenlosen Download auf der Internetseite der DBU.


Digitale Lösungen für mehr Vielfalt in Agrarland

Wurzacher Becken: neue Planungsmethoden für den Erhalt der biologischen Vielfalt – DBU: 235.000 Euro
Projektvorstellung in Bad Wurzach © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Versuchen gemeinsam, in der Agrarlandschaft die Artenvielfalt wieder zu erhöhen (v.l.): Alexandra Scherer, Bürgermeisterin Bad Wurzach, Dr. Thomas Kaphegyi, Landespflege Freiburg, Horst Weisser, Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried, Alexander Bonde, Generalsekretär der DBU und Dr. Volker Wachendörfer, DBU-Referent. 

Bad Wurzach. Seit Jahren ist die Artenvielfalt im Agrarland Mitteleuropas rückläufig. Anders als zu Zeiten der traditionell bewirtschafteten Kulturlandschaften bieten heute strukturarme und vereinheitlichte Gebiete nur noch begrenzt Lebensraum für wildlebende Tier- und Pflanzenarten. Mit dem Ziel, Wege zu finden, wie in der Agrarlandschaft die Artenvielfalt wieder erhöht werden kann, wurden heute zwei von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekte in Bad Wurzach vorgestellt. „Die neuen Planungswerkzeuge zeigen, dass Digitalisierung Chancen für eine nachhaltige Entwicklung bieten kann“, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Damit die Planung aber praxisnah ist und zur Anwendung kommt, ist der vorausgehende Dialog mit den betroffenen Landnutzern und anderen Akteuren ganz entscheidend.“ Die Projekte seien unter anderem deshalb so erfolgversprechend, weil sie beides berücksichtigten. Die Fördersumme beträgt insgesamt 235.000 Euro.

Landwirtschaft hat gravierende Auswirkungen auf Artenvielfalt

Projektnehmer ist die Landespflege Freiburg, Institut für Naturschutzökologie und Landschaftsmanagement. In enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Wurzacher Ried werden sogenannte Entscheidungshilfesysteme entwickelt. „Die heutige Landwirtschaft ist prägend für große Bereiche der Kulturlandschaft und hat dadurch sehr massive Auswirkungen auf die Vielfalt der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten“, sagt Dr. Thomas Kaphegyi von der Landespflege Freiburg. Wenn etwa zu viel Nährstoffe aus landwirtschaftlichen Flächen in das Grundwasser oder angrenzende Gewässer gelangen, könne das zu gravierenden Belastungen dieser Lebensräume führen und die Artengemeinschaften empfindlich beeinträchtigen. Wichtig sei daher zu wissen, wo Nährstoffe innerhalb der Agrarlandschaft verstärkt ausgewaschen werden und wie der Austrag durch veränderte Landnutzung beeinflusst werden kann.

Stoffstrommodelle zeigen „Hotspots“ von Nährstoffansammlungen

Als Modellregion wurde das Einzugsgebiet des Wurzacher Beckens ausgewählt. Horst Weisser, Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried: „Das Wassereinzugsgebiet kann man sich als Schüssel vorstellen. Das Wasser fließt von den Rändern zum Boden hin. Und am Boden der Schüssel befindet sich unser Moorkomplex“. Im Computer werden über ein digitales Höhenmodell die einzelnen Strömungen und deren Zusammenflüsse abgebildet. Kaphegyi: „Damit können ‚neuralgische‘ Bereiche für den Stoffaustrag aus landwirtschaftlichen Flächen erkannt und Haupteintrittspforten in Gewässer und Feuchtgebiete verortet werden. Diese neuralgischen Bereiche und Eintrittspforten sind ‚Hotspots‘ für besonders effektive Maßnahmeneinsätze zur Rückhaltung von Nährstoffströmen“. Mit Hilfe zahlreicher weiterer Daten zum Beispiel zur Bodenbeschaffenheit und Informationen zur Landnutzung durch Luftbildanalysen könnten Voraussagen für die zukünftige Lebensraumentwicklung bei entsprechendem Maßnahmeneinsatz abgeleitet werden. So könnten anhand der computergestützten Entscheidungshilfesysteme Kosten-Nutzen-Analysen bereits im Vorfeld von Maßnahmen vorgenommen werden. 

Ausschlaggebend Bereitschaft der Landnutzer und Dialog

Wesentlich sei für ihn die Umsetzung in die Praxis, so Kaphegyi weiter. Das könne nur über den Dialog mit den Landwirten und den Akteuren aus Wasserwirtschaft und Naturschutz erreicht werden. Um die Bereitschaft zu gezielten Umstellungen der Flächennutzung und für einen Einsatz digitaler Planungswerkzeuge auszuloten, werden im Rahmen der Projekte umfangreiche Interviews mit Landnutzern geführt. Auch wenn die Digitalisierung immer mehr Einzug halte in landwirtschaftliche Betriebe, sei die Möglichkeit der computergestützten Planung von Naturschutzmaßnahmen auf der Ebene landwirtschaftlicher Betriebe bei uns noch eher ein Novum.

Übertragbare Entscheidungshilfesysteme, um Biodiversität zu steigern

Jetzt soll noch die erarbeitete methodische Grundlage systematisch zu einem Entscheidungshilfesystem aufgebaut werden, das auf andere Regionen übertragbar ist. Zur Qualitätssicherung und um eine hohe Transparenz zu erreichen, werden die methodischen Schritte mit einem Pannel aus Experten relevanter Fachbereiche und -institutionen rückgekoppelt.


„Aus einer honorigen Idee handfeste Institution geformt“

DBU gratuliert Gründungs-Generalsekretär Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde zum 70. Geburtstag am 23. Juli
Gründungs-General­sekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde (links) und Dr. Theo Waigel © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
"Schrittmacher" für die DBU-Erfolgsgeschichte: der langjährige Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde (l.) und der Gründungs-"Vater" der DBU, Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel.
Gründungs-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Für ihn ist die Natur Bestandteil eines erfüllten Lebens: Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Gründungs-Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), vollendet am 23. Juli sein 70. Lebensjahr.

Osnabrück. „Fritz Brickwedde hat die DBU maßgeblich geprägt. Als Gründungs-Generalsekretär ist es ihm gelungen, aus einer honorigen Idee eine handfeste Institution zu formen, die in der Förderung von Umwelttechnik, -forschung und -bildung einen Spitzenplatz in Deutschland einnimmt und Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen lebt. Und dieses Engagement setzt er heute als Kuratoriumsmitglied fort.“ – Mit diesen Worten gratuliert Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde zum 70. Geburtstag am Montag, 23. Juli.

DBU-Geschäftsstelle aufgebaut

Bonde erinnerte daran, dass Brickwedde mit seiner Berufung zum Generalsekretär am 1. März 1991 die neu gegründete DBU aufgebaut habe. 22 Jahre sei er Generalsekretär gewesen, habe mit dem DBU-Team rund 8.600 (heute über 9.600) innovative Projekte mit knapp 1,5 Milliarden Euro (heute 1,7) gefördert und das Stiftungskapital von ursprünglich einmal 1,28 Milliarden Euro auf zwei Milliarden Euro (heute 2,24) bis zu seinem Ausscheiden aus dem Hauptamt vergrößert. Auch die Gründung der gemeinnützigen DBU-„Tochter“, des DBU-Naturerbes, die inzwischen rund 70.000 Hektar für den Naturschutz besonders wertvolle Flächen langfristig schützt, habe er maßgeblich vorangetrieben.

Vision und Realismus, Einfühlsamkeit und Handlungsstärke keine Gegensätze

Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck habe es 2002 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Brandenburgischen Technischen Universität(BTU) Cottbus an Brickwedde treffend formuliert, erinnerte Bonde: „Sie sind eine jener Persönlichkeiten, in deren Denken, Fühlen und Wirken die innere Einheit Deutschlands und die Integration Europas immer schon Realität waren. An Ihrem Beispiel ist zu lernen, dass Vision und Realismus, Einfühlsamkeit und Handlungsstärke keine Gegensätze sein müssen, sondern eine äußerst produktive Verbindung eingehen können.“


DBU: Mehr Fördermittel trotz schwierigen Finanzmarktumfeldes Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellte Jahresbericht 2017 vor – 51,4 Millionen Euro für 207 Projekte PM JPK Finanzen Freuen sich über grundsolide Stiftungs-Finanzen: DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und Verwaltungschef Michael Dittrich. [Download] Osnabrück. Obwohl die Lage auf dem Finanzmarkt schwierig ist, zieht die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) für 2017 ein positives Fazit: Ihr Vermögen stieg von 2,19 auf 2,24 Milliarden Euro, 51,4 Millionen Euro (2016: 51,1) flossen in 207 Projekte (184). „Wir sind zufrieden und haben trotz des Giftcocktails für Stiftungen, der sich an den Kapitalmärkten zusammenbraut, unsere Fördermittel erhöht“, sagte DBU-Finanzchef Michael Dittrich heute in Osnabrück und spielte auf den „Mix aus weiterhin extrem niedrigen Zinsen, seitwärts treibenden oder sinkenden Aktienkursen und einer anziehenden Inflation“ an. Umso mehr sei das Resultat „sehr bemerkenswert“, lobte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde die „hohe Qualität“ der stiftungseigenen Vermögensanlage und prognostizierte: „Wir gehen davon aus, dass wir das Fördermittelniveau auch in den nächsten fünf Jahren halten werden.“ Zweitbestes Ergebnis der letzten zehn Jahre Dittrich: „Mit einem Gewinn aus der Vermögensanlage von 123,5 Millionen Euro nach 103,5 Millionen Euro im Vorjahr konnte nicht nur ein um 20 Millionen Euro verbessertes Ergebnis, sondern auch das zweitbeste Resultat der vergangenen zehn Jahre erzielt werden“. Nach Abzug der Verwaltungsaufwendungen betrug das Jahresergebnis 115,7 Millionen Euro (2016: 95,6). Das Stiftungskapital beträgt jetzt 2,24 Milliarden Euro (2016: 2,19). Der inflationsbereinigte Kapitalerhalt sei damit sichergestellt. Das Stiftungskapital heute sei also trotz der Inflationsverluste der vergangenen 26 Jahre genau so viel „wert“ wie das Kapital, das der DBU bei ihrer Gründung 1991 zur Verfügung gestellt worden war – trotz Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Durch das „sehr gute Kapitalanlageergebnis“, so Dittrich, konnte die DBU trotz der akuten Niedrigzinsphase das Fördermittelbudget von 51,4 (2017) auf 55 Millionen Euro im laufenden Jahr 2018 erhöhen. Bewegung bei nachhaltigen Kapitalanlagen Schon seit 2005 sei das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage der DBU fest verankert, so der Finanzchef weiter. Ende Mai habe jetzt die Kommission der Europäischen Union (EU) Vorschläge für eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an einer umweltfreundlichen Entwicklung der Wirtschaft vorgelegt. Danach sollen institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen oder Stiftungen künftig offen legen, inwieweit ihre Anlagen an Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet sind. Die Kommission wolle schrittweise festlegen, welche Investitionen als „nachhaltig“ zu bezeichnen sind und sich dabei auch an bestehenden Marktpraktiken orientieren. Dittrich: „Die lange Diskussion, ob Nachhaltigkeitskriterien mit den Treuhandpflichten eines Vermögensverwalters vereinbar sind, wird jetzt durch die EU endgültig im Sinne der Nachhaltigkeit entschieden.“ Auch in 2017 über 50 Millionen Euro Fördersumme 2017 gingen bei der DBU 618 Anträge und Projektskizzen ein (2016: 722). Die Bewilligungssumme stieg mit 51,4 Millionen Euro gegenüber 2016 (51,1) leicht an. 207 Projekte (2016: 184) wurden gefördert. Damit hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit im März 1991 rund 1,7 Milliarden Euro für mehr als 9.600 Projekte an Fördermitteln bewilligt und damit mehr Geld in den innovativen Umweltschutz investiert, als sie seinerzeit als Stiftungskapital erhalten hatte (1,288 Milliarden Euro).


 

BImA, DBU und Dünenschäfer erhalten Auszeichnung für UN-Dekade-Projekt in der Altwarper Binnendüne
Altwarper Binnendüne
Landschaft der Altwarper Binnendüne: Aktuelles Bild zur Verleihung des UN-Dekadepreises wird folgen

Osnabrück/Bonn/Altwarp. Wenn sich im sonst eher beschaulichen Küstenort Altwarp am Stettiner Haff Dr. Till BackhausUmweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), und Paul Johannes Fietz, Vorstandsmitglied der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), ein Stelldichein auf einer Düne geben, muss dies schon einen besonderen Grund haben. Nach rund 50 Jahren ohne Schafe auf der Altwarper Binnendüne gibt es am Standort wieder einen Schäfer. Hierfür erhielten die drei Projektpartner - das DBU Naturerbe als Flächeneigentümerin, der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz für die Steuerung vor Ort und der Landwirtschaftsbetrieb Tierproduktion Haffküste als landschaftspflegender Tierhalter - heute den begehrten Preis der UN-Dekade biologische Vielfalt.

Vorzeigeprojekt gemeinsam gestemmt

Bereits im Grußwort durch DBU-Generalsekretär Alexander Bonde wurde klar – diese Leistung war nur gemeinsam zu stemmen. Eine extensive Beweidung der Düne wurde schon seit Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet im Jahr 1990 angestrebt. So sollten die wertvollen offenen Dünenbereiche mit ihrem lockeren Bewuchs erhalten werden. Aber alle Bemühungen scheiterten; die Düne wuchs stetig weiter zu und mit den offenen Sandflächen zogen sich viele bedrohte Arten zurück, darunter die pinkblühende Kartäusernelke oder der Ziegenmelker, eine Nachtschwalbenart, deren charakteristischer Ruf nachts erklingt.

Von der Idee zur Umsetzung

„Als die Fläche dann im Rahmen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert wurde und ins Eigentum der DBU Tochtergesellschaft überging, haben wir das Thema aufgegriffen“, so Prof. Dr. Werner Wahmhoff, fachlicher Leiter des DBU Naturerbes. „Der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz plante für uns im Jahr 2016 die extensive Beweidung mit Schafen.“ Bis zur Umsetzung war es dann noch ein beschwerlicher Weg, denn in der Umgebung gab es keinen Betrieb mit Schafhaltung mehr. Es war ein großes Glück, dass der Biobetrieb Tierproduktion Haffküste mit Herden-Managerin Rita Hoffmann für das Projekt gewonnen werden konnte, sind sich Susanne Belting (DBU) und Arne Truckenbrodt vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz einig. Rita Hoffmann ist gebürtige Altwarperin und kennt den alten Dünenschäfer noch aus Kindertagen. Sie schaffte 2017 eine Herde „Rauwollige Pommersche Landschafe“ an und die Beweidung mit der alten, in der Region beheimateten Haustierrasse begann. 

Herausforderung Wolf

Eine Herausforderung stellte der Umgang mit dem Wolf dar, der das Gebiet durchstreift. Nach intensiver Beratung schützt die Herde am Tage ein Gitter-Elektrozaun. Die Nacht verbringen die Tiere in einem umgebauten Transportwagen, genannt „Sch(l)afwagen“. Der sichere Nachtpferch erhöht dabei auch den angestrebten Nährstoffentzug, da der im Wagen anfallende Mist nicht auf die Flächen zurückgeführt wird. Mittlerweile ziert den Sch(l)afwagen ein Portrait des letzten Altwarper Schäfermeisters, Fritze Krüger. Dieser hatte am Standort bis um 1970 „Pommern-Schafe“ gehütet; zum Projektstart in 2017 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Gegen den Trend

Der Bundesforst ist ein Geschäftsbereich der BImA. Deren Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz erläuterte, wie sich die Region mit dem Projekt gleich mehrfach gegen den Trend stemmt. „Der traurige Normalfall ist, dass schafhaltende Betriebe aufgeben müssen, weil sie keine wirtschaftliche Perspektive haben. Hier dagegen beginnt ein Betrieb mit der Schafhaltung. Alte Rassen, auch das rauwollige Pommersche Landschaf, stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Hier dagegen gibt es eine neue Herde“, stellte Paul Johannes Fietz klar. „Historisch gewachsene Kulturlandschaften fallen brach oder werden intensiviert. Hier dagegen werden sie erhalten, und mit ihnen eine Vielfalt von Arten und Lebensräumen.“

Zukunftsweisende Beweidung

Besonders erfreulich für alle Beteiligten ist, dass die Binnendüne „nur“ den ersten Schritt im Projekt darstellt: Gemäß Naturerbe-Entwicklungsplanung für die Ueckermünder Heide sollen weitere Magerstandorte mit Schafen extensiv beweidet werden. Ersteinrichtende Maßnahmen auf den betreffenden Flächen sind bereits erfolgt. Die Lämmer von der Düne dienen nun dem weiteren Herdenaufbau. Ab 2019 soll der Dünenschäfer weiterziehen – auf die nächste Projektfläche.

Die Preisverleihung

Till Backhaus verlieh den UN-Dekadepreis für das Projekt „Der Dünenschäfer kehrt zurück“ sichtlich zufrieden – wen wundert es ob so viel gemeinschaftlichen Engagements für Natur und Kultur in „seinem“ Bundesland. „Die Dünenschäferei trägt zum Erhalt eines faszinierenden Lebensraumes und bedrohter Arten bei“, würdigte er.  Auch der Leiter der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Dietmar Weier, und der Bürgermeister der Gemeinde Altwarp, Rolf Bauer, zeigten sich froh, dass das Beweidungsprojekt so erfolgreich angelaufen ist. Beide waren von Anfang an in das Projekt eingebunden und betonten: Das Projekt locke Touristen an, vor allem aber bedeute das Wiederaufleben der tradierten Nutzung für die Bürger ein Stück Heimat. Als Ehrengast der Veranstaltung war natürlich auch die Familie des letzten Altwarper Schäfermeisters geladen und schwelgte in Erinnerungen. Nur die Schafe ließ der Rummel auf der Fläche augenscheinlich unbeeindruckt. Während der Ehrung machten sie einfach ihren Job – kauen und verdauen. 

Naturschutz auf rund 70.000 Hektar ehemaliger Militärfläche

Die gemeinnützige DBU-Tochter versteht sich als Treuhänderin des Nationalen Naturerbes für nachfolgende Generationen. Die DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide ist eine von 70 Flächen der Gesellschaft. Sie hat die rund 6880 Hektar (ha) große Liegenschaft, die zukünftig auf 9600 ha erweitert wird, 2008 vom Bund als Teil des Nationalen Naturerbes übernommen. In enger Zusammenarbeit mit den Bundesforst-Beschäftigten vor Ort sollen auf bundesweit insgesamt rund 70.000 ha im Eigentum der Stiftungstochter – größtenteils ehemalige Militärflächen – offene Lebensräume mit seltenen Arten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden.


„Reparieridee erfährt immer mehr Akzeptanz“

Unternehmensinitiative Let’s MINT und DBU ziehen Zwischenbilanz: Reparieren statt wegwerfen kommt an
Unternehmensinitiative Let’s MINT und DBU ziehen Zwischenbilanz
Freuen sich über die positive Zwischenbilanz der Let’s MINT Reparierwerkstätten an Schulen: Schüler, Lehrer und Reparierexperten der Werkstatt an der Oberschule Bad Laer mit Franz-Josef Otte (Let’s MINT-Mitglied, Mitte hinten), Ulrike Peters (DBU), Stephanie Baalmann (Schulleiterin) und Nancy Plaßmann (Sparkassenstiftung, vorne v.r.n.l.). 

Bad Laer. Unter dem Motto "Schüler reparieren für die Zukunft“ wurde von der Unternehmerinitiative Let’s MINT mit Sitz in Hilter die „Reparierwerkstatt“ an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Bad Laer eingerichtet und in Betrieb genommen. Mit ihrem gleichnamigen Projekt möchte Let’s MINT das technische Verständnis Jugendlicher schulen, sie für technische Berufe interessieren und gleichzeitig ein Zeichen setzen gegen die Wegwerfkultur. Ermöglicht wird das Projekt durch eine fachliche und finanzielle Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Gestern zogen die Projektpartner zusammen mit der Reparierwerkstatt an der Geschwister-Scholl-Oberschule im Osnabrücker Südkreis Bad Laer eine Zwischenbilanz.

Neunt- und Zehntklässler tüfteln in der Oberschule Bad Laer

In der Let’s MINT-Reparierwerkstatt an der Oberschule Bad Laer herrscht Aufnahmestopp für defekte Geräte. „Unsere Schränke sind voll. Wir müssen jetzt erst einmal Reparaturen fertigstellen, bevor wir wieder neue Geräte annehmen können“, sagt die 16-jährige Antonia und beugt sich über eine Platine, die sie gerade mit einem Mitschüler repariert. Seit Beginn dieses Schuljahres tüfteln Neunt- und Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Oberschule in dem von der Unternehmerinitiative Let’s MINT e.V. entwickelten und durchgeführten Modellprojekt. Angeleitet werden die Jugendlichen von Fachkräften aus den beteiligten Mitgliedsunternehmen. Mit den Reparierwerkstätten möchte der Verein das technische Verständnis Jugendlicher schulen, sie für technische Berufe interessieren und gleichzeitig die Idee der Ressourcenschonung durch Reparatur möglichst weit in die Bevölkerung tragen. Und das funktioniert: „Sowohl bei den beteiligten Schülern und Unternehmen als auch in der Bevölkerung erfährt die Reparieridee immer mehr Akzeptanz“, berichten die beiden Organisatorinnen von Let’s MINT Andrea Bornhütter-Kassen und Andrea Rehder. Gemeinsam mit der DBU zog Let’s MINT gestern eine Projektzwischenbilanz in der Oberschule Bad Laer.

Schüler reparierten bereits 21 defekte Geräte erfolgreich

Zu Beginn ihres Projektes bewarben die Schüler ihre Reparierwerkstatt mit ganz unterschiedlichen Aktionen. So verteilten sie rund 600 Flyer in der Schule und Bad Laer, sowie an Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und von sechs Let’s MINT-Mitgliedsunternehmen, die sie auch persönlich ansprachen. Zudem stellten sie insgesamt sieben Annahmeboxen für defekte Geräte in den Mitgliedsfirmen und der Gemeindeverwaltung auf. Ihre Botschaft „Reparieren statt wegwerfen“ kommt an: 93 defekte Geräte und Gegenstände sind bislang in der Schülerwerkstatt abgegeben worden. 21 davon konnten die Jugendlichen erfolgreich reparieren, bei 11 Geräten war dies nicht mehr möglich. Viele Geräte seien verklebt und nicht verschraubt, berichtet Marius. Beim Öffnen würde dann das Gehäuse zerstört werden. Ein weiteres Problem seien fehlende Ersatzteile, ergänzt Niels. Sämtliche Reparaturen werden von den Schülern penibel in eigens dafür erstellten Dokumenten schriftlich festgehalten. Denn zum Projektende möchten die Let’s MINT-Tüftler der Politik eine Liste übergeben und sich stark machen für die Herstellung von reparierbaren Konsumgütern.

Förderung von Eigeninitiative, Verantwortung und Durchhaltevermögen

Gut geklappt hat die Reparatur der Stehlampe von Sonja Knappheide. Hier mussten die Schüler zwar den Dimmer entfernen, doch das stört die Bad Laererin nicht. Im Gegenteil, sie findet die Reparierwerkstatt toll: „Ich hätte die Lampe sonst weggeworfen. Jetzt leuchtet sie wieder im Kinderzimmer.“ Durch solche positiven Erfahrungen bei der Reparatur hätte sich bei den Schülern spürbar die Haltung verändert, berichtet Schulleiterin Stephanie Baalmann. „Wenn irgendwo etwas nicht funktioniert, höre ich in der Schule immer häufiger ‚Das können wir reparieren.‘“ Die Werkstatt habe aber auch noch einen ganz anderen Wert für die Schule: Eigeninitiative, Verantwortung und vor allem Durchhaltevermögen der Schüler würden ganz besonders gefördert. Stephanie Baalmann liefert auch gleich die Erklärung dafür: „Mit der Reparierwerkstatt kommt das wirkliche Leben in die Schule. Und das ist für die Schüler ein toller Ansporn.“ Das „wirkliche Leben“ sind neben den Bürgerinnen und Bürgern, die defekte Geräte abgeben, vor allem auch die Reparierexperten von Let’s MINT. Ohne ihre Fachwissen und ihre praktische Erfahrung wäre die Werkstatt in dieser Form gar nicht möglich. Für Ulrike Peters von der DBU ist dies ein besonderer Aspekt an den Let’s MINT-Reparierwerkstätten: „Der direkte Kontakt zu Reparierexperten aus den Unternehmen hier in der Region gibt den Schülerinnen und Schülern die Gewissheit einer erfahrenen handwerklichen Betreuung. Das gibt auch ein Gefühl der Sicherheit für den Fall, dass man mal beim Reparieren nicht weiter kommt. Außerdem erfahren die Schülerinnen und Schüler so aus ‚erster Hand‘, an welchen Stellen es beispielsweise auch in Unternehmen darauf ankommt, Reparaturen an Maschinen durchzuführen oder wie deren Instandhaltung organisiert wird. Denn die Reparatur von Maschinen, Produkten oder Haushaltsgegenständen hat gemeinsam, dass neben der Umweltentlastung oft auch das Portemonnaie geschont werden kann.“

Schule und beteiligte Unternehmen müssen am gleichen Strang ziehen

Neben dem Hauptförderer DBU unterstützt auch die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück die „Let’s MINT-Reparierwerkstätten“. „Mich beeindruckt bei diesem Projekt die sehr gelungene und auch außergewöhnliche Kombination von der MINT-Nachwuchskräftegewinnung mit dem Thema nachhaltiger Konsum“, sagt Nancy Plaßmann, Geschäftsführerin der Sparkassenstiftung. „Wenn diese Kombination sich auch in der Praxis bewährt, ist das natürlich sehr erfreulich.“ Zudem gebe es viele weitere Unterstützer, die mit kleineren Beiträgen oder Sachspenden zum Gelingen beitrügen, berichtet Frank Haacks, 1. Vorsitzender der Unternehmerinitiative Let’s MINT. „Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle danken.“ Besonders hebt der Geschäftsführer von NFT Automatisierungssysteme in Ibbenbüren die gute Zusammenarbeit zwischen der Oberschule Bad Laer und Let’s MINT hervor. „Damit so ein für alle Beteiligten ja noch völlig neues Projekt gut funktioniert, müssen Schule und beteiligte Unternehmen am selben Strang ziehen. Und das klappt hier in Bad Laer richtig gut“, so Haacks. „Es wäre natürlich toll, wenn unser Modellprojekt jetzt noch viele Nachahmer findet.“ Die Geschwister-Scholl-Oberschule möchte die Reparierwerkstatt auch nach Ablauf der Projektphase weiter für ihre Schüler anbieten.

 

Bierhefe als Problemlöser

Phosphor umweltverträglich aus Klärschlamm zurückgewinnen – DBU fördert mit 473.000 Euro
Bestimmung von Phosphor im Labor
Techniker Florian Schattenberg misst im Labor die Phosphorkonzentration in verschiedenen Abwasserproben. 

Leipzig. Der Abbau des lebensnotwendigen Mineralstoffs Phosphor birgt nach Ansicht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) viele Probleme: Oft liegen die Vorkommen in Ländern mit schwieriger politischer Lage, ihre Förderung belastet die Umwelt und benötigt viel Energie. Zudem ist das abgebaute Rohphosphat vielfach mit Schwermetallen belastet. Deshalb wird es immer wichtiger, den Stoff, beispielsweise aus Klärschlamm, zurückzugewinnen. Verschärfte gesetzliche Vorgaben für größere deutsche Kläranlagen werden spätestens in ein paar Jahren kommen. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ, Leipzig) verfolgt einen speziellen Weg, bei dem Bierhefe dazu beiträgt, Phosphor aus Klärschlamm wieder als Dünger zur Verfügung zu stellen. Nachdem das Verfahren in einem ersten Projekt erfolgreich im Labor getestet worden war, soll es nun in einer K läranlage desAbwasserzweckverbandes ‚Mittlere Mulde‘ (Eilenburg) erprobt werden. Beide Vorhaben werden fachlich und finanziell mit insgesamt rund 473.000 Euro von der DBU gefördert.

Klärschlamm und Hefe ergibt phosphorhaltigen Dünger

Phosphor sei beispielsweise für das Wachstum von Pflanzen zentral, weshalb große Mengen davon als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt würden, erläutert DBU-Referent für Biotechnologie, Dr. Hans-Christian Schaefer. Menschen würden Phosphor mit der Nahrung aufnehmen, später werde er ausgeschieden und gelange über das Abwasser in die Kläranlage. Ihn über den Klärschlamm wieder auf den Acker zu bringen, sei bald nicht mehr möglich, da dieser aufgrund der enthaltenen Schadstoffe nicht mehr in der Landwirtschaft verwendet werden darf. Schaefer: „Deshalb muss in Deutschland zukünftig der Phosphor aus dem Schlamm der Kläranlagen zurückgewonnen werden, wenn in ihrem Einzugsgebiet mehr als 100.000 Einwohner, später 50.000 leben. So kann der Phosphor gezielt wieder in den Kreislauf zurückgegeben werden.“ Dazu testete das UFZ sein zweistufiges, fü r kleinere Anlagen geeignetes Verfahren im ersten Projekt zunächst im Labor. Der Klärschlamm sei dabei unter Ausschluss von Luft in Wasser gegeben worden, sodass sich der Phosphor darin löste. Dieses Wasser komme dann in einen Behälter mit der Hefe, die den Phosphor aufnehme, aber nicht die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe, und anschließend als Dünger genutzt werden könne. „Außer dem Reststoff Hefe, der als Abfall in Brauereien anfällt, benötigt das Verfahren keine chemischen Zusätze, ein großer Vorteil gegenüber bisherigen Verfahren“, unterstreicht Projektleiterin Prof. Dr. Susann Müller vom UFZ. Auch sei weniger Energie erforderlich. 

Nächster Schritt: Verfahren in einer Kläranlage testen

Nachdem das Verfahren im Labor erfolgreich geprüft worden war, soll es nun im Folgeprojekt beim Projektpartner, dem Abwasserzweckverband ‚Mittlere Mulde‘ in Eilenburg, im größeren Maßstab unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden. 3.000 Liter Klärschlamm würden dann pro Durchgang bearbeitet. Dabei sollen auch die im vorangegangenen Projekt entwickelten Sensoren des Projektpartners Centec (Maintal) weiter verbessert werden. Sie messen, wie viel Phosphor sich in den einzelnen Hefeorganismen ansammelt. „Erstmals ermöglichen die Sensoren es, den Vorgang online und ohne den Einsatz von weiteren Chemikalien zu überwachen“, unterstreicht Müller. Zwar sei für das Verfahren eine Brauerei in der Nähe nötig, und der Einsatz der mit Phosphor angereicherten Hefe als Dünger werfe noch einige Fragen auf. Doch die Dringlichkeit des Themas gebiete es, umweltschonende Lösungen für das globale Problem zu finden. Und dieses Verfahren könne seinen Beitrag dazu leisten, so Schaefer.

 

Zum Hintergrund:

Phosphor ist Teil unserer Lebensgrundlage und kann nicht durch andere Stoffe ersetzt werden. Er ist beispielsweise zentral für das Wachstum von Pflanzen, weshalb große Mengen davon als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Bisher wird Phosphor in Tagebauen abgebaut. Doch das hat große Auswirkungen auf die Umwelt, findet häufig in Ländern mit schwieriger politischer Lage statt und benötigt viel Energie. Zudem ist er häufig mit Schadstoffen belastet. Über unsere Ernährung landet ein großer Teil des Phosphors schließlich im Klärschlamm. Dieser kann jedoch nicht mehr ohne weiteres in der Landwirtschaft wiederverwendet werden, da er häufig zu viele Schadstoffe enthält. Zwar gibt es alternative Rückgewinnungs-Verfahren. Sie benötigen jedoch große Mengen Chemikalien und Energie. 

So lange Phosphor nicht wiederverwendet wird, besteht die Gefahr, eine der von internationalen Experten definierten Belastungsgrenzen des Erdsystems zu überschreiten und die Chance zu verpassen, die 2015 beschlossenen globalen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen langfristig zu erreichen. Sie sollen eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene sichern.

Ansprechpartnerin:  ( AZ 32062/33960 )                          Prof. Dr. Susann Müller, Tel. 0341| 235-1318

Gleichstellung, Gesundheit und Wohlergehen bekommen ein Gesicht

Ausstellungseröffnung „Stille Heldinnen“ mit Delegation aus Tansania am 18. April, 18 Uhr, DBU
Plakat Ausstellung
Am 18. April um 18 Uhr wird in der DBU die Ausstellung "Stille Heldinnen" gemeinsam mit HelpAge eröffnet.

Osnabrück. Ein gutes Leben in Würde und ein Auskommen mit dem Einkommen – das ist nicht für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit. „Oft sind es Einzelschicksale, die bewusst machen, was ein gutes Leben wirklich ausmacht“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie hat jetzt eine Wanderausstellung des Vereins HelpAge fachlich und finanziell gefördert, bei der sechs afrikanische Frauenschicksale Begriffe wie Gleichstellung, Gesundheit und Wohlergehen lebendig werden lassen. „Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bekommen auf diese Weise ein Gesicht. Mutige Frauen, die zeigen, dass ein Umdenken notwendig ist“, so Bonde. Zusammen mit der Osnabrücker Bürgermeisterin Birgit Strangmann und HelpAge-Schirmherr Dr. Henning Scherf sowie einer tansanisc hen Delegation wird er am 18. April um 18 Uhr die Ausstellung in der DBU eröffnen. Eine Teilnahme ist nach Anmeldung möglich und kostenlos.

Herausforderungen mit überraschend einfachen Lösungen angehen

Der Verein HelpAge, der die Wanderausstellung „Stille Heldinnen – das Leben nachhaltig gestalten“ verwirklicht hat, arbeitet mit der tansanischen Organisation KwaWazee zusammen. Scherf: „Gemeinsam erleichtern wir das schwierige Leben vieler Großeltern und ihrer Familien mit Mini-Renten, Fortbildungskursen und psychosozialer Betreuung.“ Mit Selbstbewusstsein und hoher Eigenständigkeit würden die „Stillen Heldinnen“ Yustina, Clesenzia, Aurelia, Godeliva, Felister und Generoza lebendig werden lassen, was nachhaltige Entwicklung bewirken könne: ein Altern in Würde, generationsübergreifenden Zusammenhalt und zum Teil überraschend einfache Lösungen im herausfordernden Umgang mit den knappen Ressourcen Boden, Wasser und Energie. An ihrem Beispiel, angelegt an sechs der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Natione n, werde deutlich, wie dringend die Anliegen der Agenda 2030 tatsächlich sind. Und wie sich über Ländergrenzen und Kontinente hinweg die Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen aller Menschen ähneln. Strangmann weist noch auf einen anderen Aspekt hin: „Auch Kommunen können sich entwicklungspolitisch einbringen. Es kommt ihnen sogar eine besondere Schlüsselrolle durch eigenes nachhaltiges Handeln zu. Unsere strategischen Ziele legen dieses klar fest. Kommunales Know-how können wir nutzen, um es mittels Partnerschaften oder auch themen- und projektorientiert entwicklungspolitisch weltweit einzusetzen.“

Austausch mit Projektpartner KwaWazee aus Tansania möglich

Eröffnet wird die Ausstellung am 18. April um 18 Uhr im DBU Zentrum für Umweltkommunikation von Strangmann, Scherf und Bonde. Auch Mitglieder von KwaWazee aus Tansania werden anwesend sein. Interessierte sind eingeladen, Anmeldungen unter boettcher@helpage.de. Die Ausstellung wird ab dem 19. April im Naturerbe-Gebäude der DBU für vier Wochen präsentiert. Kostenlose Ausstellungsbesuche sind möglich von Montag bis Donnerstag, 8 bis 17 Uhr, und Freitag, 8 bis 13 Uhr. Nach dem 18. Mai geht sie auf Wanderschaft. Mehr unter: https://www.helpage.de/aktiv-werden/ausstellungen

Zum Hintergrund – die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen:

193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben 2015 die Agenda 2030 verabschiedet. Ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung („Sustainable Development Goals“, kurz SDGs) bilden den globalen Rahmen für die Umwelt- und Entwicklungspolitik bis 2030. So gilt es, Armut sowohl in einkommensschwachen als auch –reichen Ländern zu bekämpfen. Die ökologischen Ziele der Agenda erfordern überdies ein Umdenken im Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch jedes Einzelnen weltweit: nicht zuletzt, damit sich die Welt für künftige Generationen zum Besseren wendet.


Gemeinsame Freude über den Deutschen Umweltpreis (v.l.): Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, Johannes Oswald, Judith Rakers, Bernhard Oswald, Inge Sielmann, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Dr. Kai Frobel, Prof. Dr. Hubert Weiger, stellvertretender Ministerpräsident Niedersachsens, Stefan Wenzel, DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter, DBU-Vize-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Doreen de Brum


Den DBU-Ehrenpreis überreichte Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (l.) an Doreen de Brum, Tochter des kürzlich verstorbenen ehemaligen Außenministers der Marshall-Inseln, Tony de Brum. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche Deutschland.


"Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision", Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2017 in Braunschweig.


Steinmeier sieht Preisträger als Protagonisten ambitionierter Zukunftsvisionen unserer Welt DBU: Bundespräsident überreichte heute in Braunschweig höchstdotierten Umweltpreis Europas Sehen Sie selbst... Gemeinsame Freude über den Deutschen Umweltpreis (v.l.): Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, Johannes Oswald, Judith Rakers, Bernhard Oswald, Inge Sielmann, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Dr. Kai Frobel, Prof. Dr. Hubert Weiger, stellvertretender Ministerpräsident Niedersachsens, Stefan Wenzel, DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter, DBU-Vize-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Doreen de Brum. [Download] © DBU/ Peter Himsel Sehen Sie selbst... Den DBU-Ehrenpreis überreichte Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (l.) an Doreen de Brum, Tochter des kürzlich verstorbenen ehemaligen Außenministers der Marshall-Inseln, Tony de Brum. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche Deutschland. [Download] © DBU/Peter Himsel Sehen Sie selbst... "Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision", Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2017 in Braunschweig. [Download] © DBU/Peter Himsel Braunschweig. „Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision. All denen, die daran gar nicht mehr glauben, die mit Verunsicherung, ja mit Angst in die Zukunft schauen, können unsere heutigen Preisträger eine Ermutigung senden: Aus der Teilung Europas erwächst ein ‚Grünes Band‘, aus 197 Einzelstimmen wird ein großes Klimaschutzabkommen. Und aus lokalem Erfindergeist erwachsen Technologien, die Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen. Ja, die Zukunft mag ungewiss sein, aber unsere Preisträger zeigen: Sie ist am Ende das, was wir daraus machen.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die neuen Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Aus den Händen Steinmeiers nahmen in Braunschweig die Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald (Miltenberg) sowie die Naturschützer Inge Sielmann (München), Dr. Kai Frobel (Nürnberg) und Prof. Dr. Hubert Weiger (Fürth) den höchstdotierten, unabhängigen Umweltpreis Europas in Empfang. Den mit 10.000 Euro dotierten DBU-Ehrenpreis erhielt posthum der Ex-Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum. „Ich finde, das ist eine besonders schöne Nachwendegeschichte“ Vor rund 1.200 Festgästen – darunter Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Niedersachsens stellvertretendem Ministerpräsidenten Stefan Wenzel – erinnerte Steinmeier an den bevorstehenden Jahrestag zum Fall der Berliner Mauer. Die jahrzehntelange Teilung Deutschlands habe Narben hinterlassen – in Familien, Wirtschaft und Politik. Viele dieser Narben seien unsichtbar, manche fielen direkt ins Auge. Dazu gehörten die in der Landschaft. Mit Mauern, Stacheldraht und Patrouillenwegen sei ein breites Band der Teilung durch Europa über Felder, Berge und Wälder gelegt worden. In diesem Schatten der Geschichte jedoch sei zwischen Selbstschussanlagen und Wachtürmen ein weltweit einzigartiges Naturerbe entstanden. Zum Glück sei Frobel bereits in den 70er Jahren auf die Idee gekommen, aus diesem Band des Schreckens ein „Grünes Band“ der Hoffnung zu machen. Mit Inge Sielmann und der Sielmann-Stiftung sowie vielen anderen habe diese Idee tatkräftige Unterstützung gefunden und sei heute Realität geworden. Und dank des Engagements von Weiger sei das „Band“ bald nicht mehr nur eine deutsche, sondern eine europäische Idee geworden. Steinmeier: „Ich finde, unter den vielen Geschichten, die kursieren, ist das eine besonders schöne Nachwendegeschichte.“ „Am Ende geht es um die globale Verteilung von Lebenschancen, um die Möglichkeit einer friedlicheren Zukunft“ Veränderungen von Umwelt und Klima führten zunehmend zu Naturkatastrophen und Hungersnöten, die unzählige, Millionen Menschen in die Flucht treiben würden, so das Staatsoberhaupt weiter. Ressourcenknappheit und Umweltfragen seien längst nicht mehr nur Angelegenheit von Klimaschutz und Migrationspolitik, sondern seien inzwischen Fragen der Sicherheitspolitik geworden. Nicht nur deshalb lohne es, sich um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen weltweit zu bemühen. Steinmeier: „Am Ende geht es um die globale Verteilung von Lebenschancen, um die Möglichkeit einer friedlicheren Zukunft. Umwelt- und Klimaschutz ist praktische Arbeit an einer gerechteren Globalisierung. Und die brauchen wir.“ Pariser Folgeverhandlungen gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen Das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 habe gezeigt, dass die Weltgemeinschaft in der Lage sein könne, sich auf gemeinsame Ziele in der Umweltpolitik zu verständigen. Die Pariser Folgeverhandlungen im November in Bonn seien gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen. Ziel sei es, dass die Staatengemeinschaft auf die Bedürfnisse gerade auch der kleineren Länder eingeht, die keine Stimme haben im großen Weltkonzert. Vor allem die kleinen Inselstaaten bangten angesichts des steigenden Meeresspiegels um ihr Land. Tony de Brum, der ehemalige Außenminister der Marshall-Inseln, habe deren Interessen eine „klar vernehmbare und weltweit geachtete Stimme“ gegeben. Beispielhaft für Familienunternehmen, die Deutschland bereicherten Doch Abkommen und Gesetze könnten immer nur der erste Schritt sein. Viel wichtiger sei es am Ende, den gesetzlichen Rahmen mit guten Ideen auszufüllen. Als innovativem Mittelständler mit besonderer Expertise für Elektromotoren sei es der Firma OSWALD gelungen, einen um bis zu 50 Prozent wirkungsvolleren Antrieb für Industrieanwendungen zu entwickeln. Das sei ein beeindruckender Erfolg und verdiene großen Respekt – gerade auch für einen Familienunternehmer, der diese Entwicklung aus dem laufenden Betrieb finanzieren muss. Die Firma OSWALD stehe beispielhaft für all die kleinen und mittleren Familienunternehmen, die Deutschland bereicherten, nicht nur wirtschaftlich. Mittelständler wie die Oswalds würden sich intensiv in ihren Gemeinden engagieren. Sie übernähmen Verantwortung, nicht nur für ihre Mitarbeiter, sondern auch für die Stadt und die Region, in der sie produzieren. Jury lobte Engagement der Preisträger Als Mitglieder der Jury des Deutschen Umweltpreises, auf deren Vorschlag hin das Kuratorium der Stiftung die jeweiligen Preisträger eines Jahres auswählt, gingen Prof. Dr. Heidi Foth (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Mitglied des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen) und Dr. Andreas Bett (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE; DBU-Umweltpreisträger), auf die Leistungen der Preisträger 2017 ein. Bett würdigte die Firma Oswald als Prototyp der sehr beeindruckenden Mittelständler in Deutschland. Diese Firmen seien nicht leicht zu führen, aber sie seien es, die Innovationen vorantrieben. Dabei hätten Bernhard und Johannes Oswald mit ihrem breiten gesellschaftlichen Engagement weit mehr geleistet als reine Technikentwicklung. Foth lobte den Enthusiasmus der Naturschützer des „Grünen Bandes“, die das besondere ökologische Leben im „Todesstreifen“ früh erkannt, Mitstreiter in Ost und West gefunden und ein unglaublich kleines Zeitfenster genutzt hätten, um Dinge zu bewahren, die sonst verloren gewesen wären. Treibende Kraft einer Allianz von Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern Den Ende August verstorbenen DBU-Ehrenpreisträger Tony de Brum würdigte Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Mit großer Energie habe sich de Brum dem Kampf gegen die Erderwärmung verschrieben und für den Schutz der Umwelt eingesetzt. Er sei bei der Klimakonferenz in Paris 2015 die treibende Kraft einer Allianz von Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern gewesen, die den Staaten und Regionen eine einheitliche Stimme verliehen habe, die am stärksten von den Klimaveränderungen betroffen sein werden. De Brum „hat sich um die ganze Menschheit verdient gemacht“ Sein großes Engagement habe persönliche Gründe gehabt. Als Kind sei er Augenzeuge der verheerenden Folgen geworden, die die Zündung der Wasserstoffbombe „Bravo“ auf dem Bikini-Atoll mit sich gebracht habe. Deswegen habe sein erster Kampf der nuklearen Abrüstung gegolten, für den er zusammen mit dem Volk der Marshall-Inseln mit dem „Alternativer Nobelpreis“, dem Right Livelihood Award, ausgezeichnet worden sei. Je länger desto stärker habe ihn aber eine zweite, die Marshall-Inseln betreffende Erfahrung geprägt: die der direkten Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensumstände der Inseln im Pazifik bis hin zu ihrem drohenden Untergang im Meer. Als mahnende Stimme habe er alles in seiner Macht stehende getan, um den Klimawandel zu stoppen. Bedford-Strohm: „Wir ehren heute einen Mann, dessen Leben und Wirken mit den Fragen der Erhaltung unserer natürlichen Ressourcen, der Umwelt und des Klimas so eng verbunden ist. Der wusste, dass es dabei um alles oder nichts geht und deswegen zäh verhandeln konnte. Der aber auch wusste, dass es die eine, einfache Lösung nicht gibt. Ich verneige mich vor seiner Lebensleistung. Er hat sich um die ganze Menschheit verdient gemacht.“ Ökologie, Ökonomie und Soziales zu verbinden, „tut unserer Welt gut“ Die Preisträger selbst machten in Filmen, die während des Festaktes eingespielt wurden, und im Gespräch mit Moderatorin Judith Rakers ihre Positionen noch einmal deutlich. Johannes Oswald wies darauf hin, dass seine Motoren jährlich 1,5 Terrawattstunden Energie einsparten, was etwa dem Verbrauch von einer Million Menschen in Deutschland entspreche. Seine Vision sei es, andere Menschen davon zu überzeugen, dass es „unserer Welt guttut“, wenn Ökologie, Ökonomie und Soziales in einem guten Verhältnis zueinander stünden. Naturschutz zwischen scharf geladenen Waffen hier wie dort Weiger wies darauf hin, dass der Fall der Mauer die große Chance für einen Aufbruch des Naturschutzes in Deutschland bedeutet habe. „Wir haben die einmalige historische Chance, das schlimme Erbe unserer eigenen Geschichte als lebendiges Denkmal zu erhalten. Wir können nicht nur Grenzen niederreißen, wir können auch Grenzen positiv überwinden, und wir können erkennen, dass die Kraft Europas in der Vielfalt liegt.“ Ohne das ehrenamtliche Engagement Hunderter von Menschen wäre aber alles nicht möglich gewesen. Auch Frobel ging auf die „damals desolate Situation des Naturschutzes in Deutschland“ ein. An der „scheußlichen Grenze“ Natur zu beobachten, habe Naturschutz zwischen scharf geladenen Waffen hier wie dort bedeutet. Ein „besseres Denkmal der Überwindung der deutsch-deutschen Grenze“ als das „Grüne Band“ könne es nicht geben, unterstrich auch Inge Sielmann. Deutscher Umweltpreis mahnt, ökologische Belastungsgrenzen der Erde nicht überzustrapazieren


Natur zum Anpacken – Freiwillige in den Küstenheiden aktiv

Bergwaldprojekt und DBU Naturerbe kooperieren auf DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheide
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Über 40 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland nutzen ihre Freizeit, um sich im praktischen Naturschutz zu engagieren: In den kommenden Tagen ist der Verein Bergwaldprojekt zum vierten Mal zu Gast auf der DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheide.
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Im Wisentgehege wird eine alte Entwässerungsstruktur verbaut, um dort den Wasserspiegel auch in den Sommermonaten konstant halten zu können.
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Die freiwilligen Helfer entfernen Aufwüchse von Spätblühender Traubenkirsche und Sitka-Fichte aus Heideflächen und angrenzenden Waldrändern, um diese besonders schützenswerten Biotopstrukturen zu bewahren.
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Laut Revierleiter Henning Wehebrink leisten die Bergwaldprojektteilnehmer harte Arbeit. Arbeit, die sich lohnt: So bleiben die Lebensräume vieler, mittlerweile selten gewordener und zum Teil vom Aussterben bedrohter, Tiere und Pflanzen der Heiden und Moore erhalten.

Cuxhaven. Über 40 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland nutzen ihre Freizeit, um sich im praktischen Naturschutz zu engagieren: Vom 22.10. bis zum 4.11.2017 ist der Verein Bergwaldprojekt zum vierten Mal zu Gast auf der DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheide in der Nähe von Cuxhaven. Zwei Wochen lang leisten die Teilnehmer einen persönlichen Beitrag, um dort beispielsweise Heideflächen von Gehölzaufwuchs zu befreien und Heidemoore durch Wiedervernässung in ihrer Entwicklung zu fördern. Die rund 1450 Hektar große, ehemals militärisch genutzte Fläche gehört zum Nationalen Naturerbe und ist 2009 vom Bund an die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die DBU Naturerbe GmbH, übertragen worden.

Heideflächen und Moorgewässer im Fokus

„Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung sind hier wertvolle Lebensräume bewahrt worden und haben sich zum Teil weiterentwickelt. Wir freuen uns, dass uns die Teilnehmer des Bergwaldprojektes einmal im Jahr helfen, diesen wertvollen Naturraum zu schützen“, sagt Revierleiter Henning Wehebrink vom Bundesforstbetrieb Niedersachsen. Dieses Mal stehen Heideflächen auf Binnendünen, das Arenscher Geestkliff und ein Moorgewässer im Wisentgehege im Fokus: Die Teilnehmer aus ganz Deutschland entfernen Aufwüchse von Spätblühender Traubenkirsche und Sitka-Fichte aus Heideflächen und angrenzenden Waldrändern, um diese besonders schützenswerten Biotopstrukturen zu bewahren. Im Bereich des Wisentgeheges wird eine alte Entwässerungsstruktur verbaut, um dort den Wasserspiegel auch in den Sommermonaten konstant halten zu können, wodurch selten gewordene Moor- und Sumpfarten wie beispielweise Fieberklee, Königs-Farn und Rosmarinheide in ihrer Entwicklung gefördert werden sollen. „Die Bergwaldprojektteilnehmer leisten hier harte Arbeit“, stellt Wehebrink fest. Arbeit, die sich lohnt: So bleiben die Lebensräume vieler, mittlerweile selten gewordener und zum Teil vom Aussterben bedrohter, Tiere und Pflanzen der Heiden und Moore erhalten.

Ziel: Vielfältige Funktionen der Ökosysteme erhalten

Unter fachkundiger Leitung der Projektförster vom Bergwaldprojekt, Hendrik von Riewel und Johannes Nies, ist neben der praktischen Arbeit auch ein Exkursionsnachmittag vorgesehen, um die vielfältigen Aspekte des Projektgebietes und dessen Bedeutung für den Menschen näher zu beleuchten. „Das Bergwaldprojekt bringt mit seinen Einsatzwochen allein in Deutschland jedes Jahr über 2.000 Menschen in die Natur. 2017 finden 100 Projektwochen an 51 verschiedenen Standorten in ganz Deutschland statt“, sagt Projektförster Hendrik von Riewel. Ziel der Arbeitseinsätze ist es, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme zu erhalten, den Teilnehmern die Bedeutung und die Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und eine breite Öffentlichkeit zu einem naturverträglichen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu bewegen. Weitere Informationen unter www.bergwaldprojekt.de.

DBU Naturerbe umfasst bundesweit 70 Flächen mit 69.000 Hektar

Die DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheide ist eine von 70 Naturerbeflächen in Deutschland, die die DBU-Tochter seit 2009 vom Bund übernommen hat und als Treuhänderin für nachfolgende Generationen erhält und weiterentwickelt. Auf den insgesamt rund 69.000 Hektar sollen offene Lebensräume mit ihren oft seltenen Tier- und Pflanzenarten durch zielgerichtete Pflege bewahrt, naturnahe Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff zu Wildnis entwickelt, artenarme Forste in naturnahe Wälder überführt und Feuchtgebiete sowie Fließ- und Stillgewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Weitere Infos unter www.dbu.de/naturerbe.

Bundespräsident Steinmeier übergibt Deutschen Umweltpreis der DBU in Braunschweig

Sonntag Festakt für Elektro-Motorenentwickler Oswald und Naturschützer Sielmann, Frobel und Weiger – Ehrenpreis für verstorbenen de Brum
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird den Deutschen Umweltpreis 2017 der DBU am 29. Oktober übergeben. 
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In diesem Jahr findet die Verleihung des Deutschen Umweltpreises der DBU in der Stadthalle Braunschweig statt. 

Braunschweig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt am Sonntag in Braunschweig den 25. Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die mit 500.000 Euro höchstdotierte unabhängige Umweltauszeichnung Europas teilen sich 2017 die Initiatoren des „Grünen Bandes“, Inge Sielmann, Dr. Kai Frobel und Prof. Dr. Hubert Weiger, mit den Unternehmern Bernhard und Johannes Oswald. Die DBU würdigt damit den Einsatz für das gesamtdeutsche Naturschutzprojekt sowie die Entwicklung eines besonders sparsamen Elektromotors. Der Ehrenpreis mit 10.000 Euro geht posthum an den Ex-Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum, für seinen Einsatz im Klimaschutz. „Die zukunftsweisenden Ideen der Preisträger zeigen, wie wir den großen Herausforderungen unserer Zeit begegnen und so unseren Kindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen können“, betonte der stellvertretende Generalsekretär der DBU, Prof. Dr. Werner Wahmhoff.

Feierlicher Festakt mit 1.200 Gästen

Zu dem feierlichen Festakt am Sonntag in der Stadthalle Braunschweig werden über 1.200 geladene Gäste erwartet – darunter Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, der Physik-Nobelpreisträger Prof. Dr. Georg Bednorz, der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, sowie die früheren DBU-Umweltpreisträger Prof. Dr. Klaus Töpfer und Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker. Durch die Veranstaltung führt die TV-Moderatorin Judith Rakers (NDR).

Stimmgewaltige Untermalung durch a capella-Quartett

Musikalisch wird das deutsch-französische Quartett Les Brünettes die Preisverleihung begleiten. Ob mit einer Hommage an ihre musischen Heldinnen aus den 70er und 80er Jahren oder die „Beatles“ wollen die vier Frauen ihr Publikum dabei allein mit ihrer Stimmgewalt begeistern.

Preisträger spiegeln Bandbreite der Herausforderungen wider

Alle Umweltpreisträger beeinflussen nach Darstellung der DBU die großen Herausforderungen unserer Zeit mit ihren Ideen und versuchen so, unsere Lebensweise nachhaltiger zu gestalten. Als „Wegbereiter des ‚Grünen Bandes‘ als erstes und größtes gesamtdeutsches Naturschutzprojekt“ würdigt die DBU Inge Sielmann, Ehren-Vorsitzende der Heinz Sielmann Stiftung, Dr. Kai Frobel, Koordinator des Projektbüros Grünes Band des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Mit dem durch den Todesstreifen entlang der 1.400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze entstandenen „Grünen Band“ habe ein einmaliger Rückzugsort für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden können. Daraus habe sich eine europäische Initiative entwickelt, die als Symbol der Überwindung des Kalten Krieges gelte.

Energiesparende Revolution bei Industrieantrieben

Der Geschäftsführer des Miltenberger Familienunternehmens OSWALD Elektromotoren, Johannes Oswald und sein Vater Bernhard Oswald, werden für die Entwicklung energieeffizienter Elektromotoren, insbesondere für Industrieanlagen, ausgezeichnet. Diese Torque-Motoren bedeuten eine Revolution in der Antriebstechnik: So könne der Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent verringert werden, der Einsatz von Getriebeöl falle weg, die Maschinen würden leichter, benötigten weniger Platz, produzierten geringere Betriebskosten und seien leiser.

Ein Leben für den Klimaschutz

Der kürzlich verstorbene Ex-Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum, erhält posthum den DBU-Ehrenpreis. Seinem persönlichen Engagement und diplomatischen Geschick als engagiertem Vertreter der pazifischen Inselstaaten sei es maßgeblich zu verdanken, dass es 2015 zum Pariser Klimaschutzabkommen kam. Mit seinem Einsatz verlieh er vor allem den Staaten eine Stimme, die voraussichtlich am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht sein werden.

Gesamte Veranstaltung im Live-Stream

Die gesamte Veranstaltung kann über einen Live-Stream zwischen 11 und 12:30 Uhr auf www.dbu.de verfolgt werden. Die Preisträger werden zudem in einer „spezial“-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „nano“ bereits am Freitagabend um 18.30 Uhr auf 3sat porträtiert.

Symposium zu nachhaltigem Umgang mit Ressourcen am Vortag

Begleitend zum Festakt findet auch dieses Jahr wieder ein Symposium am Vortag der Verleihung statt. Zum Thema „Effizienz – Suffizienz – Kreislaufwirtschaft: Zukünftige Ressourcenstrategie“ diskutieren die Umweltpreisträger des vergangenen Jahres, die Recyclingexperten Prof. Dr. Angelika Mettke und Walter Feeß sowie Fairphone-Gründer Bas van Abel, gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über mögliche Strategien im nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Moderiert wird das Symposium durch Volker Angres, Leiter der Redaktion Umwelt des ZDF. Es kann ebenfalls über einen Live-Stream zwischen 13 und 17 Uhr auf www.dbu.de verfolgt werden.

Höchstdotierter Umweltpreis Europas

Mit dem Deutschen Umweltpreis der DBU – dem unabhängigen, mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas – werden Leistungen von Personen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden. Es können Projekte, Maßnahmen oder Lebensleistungen prämiert werden. Kandidaten für den Deutschen Umweltpreis werden der DBU vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind Wirtschaftsverbände, Forschungseinrichtungen, Branchenverbände und Gewerkschaften, das Handwerk, Umwelt- und Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen, Medien und Kirchen. Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury, besetzt mit unabhängigen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen, empfiehlt dem DBU-Kuratorium die Preisträger für das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die Entscheidung.


Natur zum Anpacken – Freiwillige im Peenemünder Haken aktiv

Bergwaldprojekt und DBU Naturerbe kooperieren auf DBU-Naturerbefläche Peenemünde
Bergwaldprojekt Peenemünde 2017
Traditionell mit Sense wurde die Große Strandwiese auf der DBU-Naturerbefläche Peenemünde gemäht - damit die wertvollen Orchideenwiesen erhalten bleiben und nicht verbuschen.
Bergwaldprojekt Peenemünde 2017
Die Bergwaldprojektteilnehmer leisten harte Arbeit. Insgesamt bringt das Projekt in Deutschland jedes Jahr über 2.000 Menschen in die Natur.

Peenemünde. 24 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland nutzten ihre Freizeit, um sich im praktischen Naturschutz zu engagieren: Bereits zum siebten Mal war der Verein Bergwaldprojekt jetzt zu Gast auf der DBU-Naturerbefläche Peenemünde in der Nähe von Wolgast. Eine Woche lang leisteten die Teilnehmer einen persönlichen Beitrag, indem sie dort beispielsweise Orchideenwiesen pflegten, Müll am Ostseestrand einsammelten oder alte Zäune zurückbauten. Die rund 1.700 Hektar große, ehemals militärisch genutzte Fläche gehört zum Nationalen Naturerbe und ist 2009 vom Bund an die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, übertragen worden.

Wertvolle Orchideenwiesen werden frei gehalten

„Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung haben sich hier wertvolle Lebensräume entwickelt. Wir freuen uns, dass uns die Teilnehmer des Bergwaldprojektes einmal im Jahr helfen, diesen bedeutenden Naturraum zu schützen“, sagt Revierleiter Uwe Wobser vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz. Dieses Mal stand die Große Strandwiese im Naturschutzgebiet (NSG) Peenemünder Haken im Fokus: Die Teilnehmer aus ganz Deutschland mähten dort, noch ganz traditionell mit der Sense, zwei vorhandene, wertvolle Orchideenwiesen frei und sammelten Müll im Uferbereich ein. „Die Bergwaldprojektteilnehmer leisteten hier harte Arbeit“, stellt Wobser fest. Arbeit, die sich lohnt: So bleibe der Lebensraum für „Ruthes Knabenkraut“, eine nur noch hier vorkommende Pflanzenart erhalten.

Ziel: Vielfältige Funktionen der Ökosysteme erhalten

Unter fachkundiger Leitung des Projektförsters vom Bergwaldprojekt, Jonathan Schüppel, war neben der praktischen Arbeit auch ein Exkursionsnachmittag vorgesehen, um die vielfältigen Aspekte des Projektgebietes und dessen Bedeutung für den Menschen näher zu beleuchten. „Das Bergwaldprojekt bringt mit seinen Einsatzwochen allein in Deutschland jedes Jahr über 2.000 Menschen in die Natur. 2017 finden 100 Projektwochen an 51 verschiedenen Standorten in ganz Deutschland statt“, sagt Jonathan Schüppel. Insgesamt sieben Projektwochen finden in diesem Jahr auf DBU-Naturerbeflächen statt. Ziel der Arbeitseinsätze ist es, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme zu erhalten, den Teilnehmern die Bedeutung und die Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und eine breite Öffentlichkeit zu einem naturverträglichen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu bewegen. Weitere Informationen unter www.bergwaldprojekt.de.

DBU Naturerbe umfasst bundesweit 70 Flächen mit 69.000 Hektar

Die DBU-Naturerbefläche Peenemünde ist eine von 70 Naturerbeflächen in Deutschland, die die DBU-Tochter seit 2009 vom Bund übernommen hat und als Treuhänderin für nachfolgende Generationen erhält und weiterentwickelt. Auf den insgesamt rund 69.000 Hektar sollen offene Lebensräume mit ihren oft seltenen Arten durch zielgerichtete Pflege bewahrt, naturnahe Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff zu Wildnis entwickelt, artenarme Forste in naturnahe Wälder überführt und Feuchtgebiete sowie Fließ- und Stillgewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Weitere Infos unter www.dbu.de/naturerbe.


Erstmals Schwerpunkt im Westen: Schlüssel zu mehr Lebensvielfalt

Besitzübergabe von weiteren 23 ehemaligen Militärflächen des Bundes an das DBU Naturerbe
Übergabe Borkenberge
Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe werden Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender DBU-Generalsekretär und Prokurist beim DBU Naturerbe, von Gunther Brinkmann, Leiter des Geschäftsbereichs bei der BImA, weitere 23 Flächen des Nationalen Naturerbes übergeben.
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Besitzübergabe Borkenberge
An der DBU-Naturerbefläche Borkenberge auf den Gemarkungen Haltern am See und Lüdinghausen weisen neue Infotafeln auf Geschichte, Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten hin. V.l.: Bodo Klimpel, Haltern a.S.; Dr. Heinrich Bottermann, Umweltministerium NRW; Prof. Dr. Werner Wahmhoff, DBU; Richard Borgmann, Lüdinghausen; Gunther Brinkmann, BImA.
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Deutschlandweit übernimmt das DBU Naturerbe die Verantwortung für 70 Flächen des Nationalen Naturerbes mit rund 69.000 Hektar.
Infotafel Borkenberge
Zu jeder einzelnen Fläche werden Leitbilder, Steckbriefe, Infotafeln und Naturerbeentwicklungspläne erstellt. Viele der Infotafeln, wie hier die für die DBU-Naturerbefläche Borkenberge, wurden in den vergangenen Wochen auf den Flächen der 3. Tranche aufgestellt. 
Umrisskarte Borkenberge
Die DBU-Naturerbefläche Borkenberge umfasst rund 1570 Hektar.

Haltern am See. Ein Meilenstein für den deutschen Naturschutz nimmt zunehmend Gestalt an: Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe im Schloss Sythen werden der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) weitere 23 Flächen des Nationalen Naturerbes mit rund 9.000 Hektar übergeben. Insgesamt ist das DBU Naturerbe dann verantwortlich für den Erhalt und die Entwicklung von 70 vor allem ehemaligen Militärflächen mit rund 69.000 Hektar. „Mit der DBU als größtem Flächenempfänger im Nationalen Naturerbe werden diese Inseln der biologischen Vielfalt durch kompetentes Management weiterhin erhalten und dauerhaft bewahrt. Eine große Herausforderung, die auf langjährige Erfahrung trifft“, betonte der Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Heinrich Bottermann. Als ehemaliger DBU-Generalsekretär war er maßgeblich an den Verhandlungen zur Übertragung der 3. Tranche beteiligt.

Vielfältige Aufgaben auf 70 Flächen mit verlässlichen Partnern vor Ort

„Wir übernehmen mit den Naturerbeflächen einen Schatz, der seinesgleichen sucht“, stellte Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender Generalsekretär der DBU, dar. „Durch den geringen Nährstoffeintrag und aufgrund der speziellen Militärnutzungen haben sich oft kleinräumige, vielfältige Lebensräume etablieren können, die eine besondere Bedeutung für den Naturschutz haben.“ Um den Schutz zu gewährleisten, erstelle das Team des DBU Naturerbes zu jeder einzelnen Fläche Leitbilder, Steckbriefe, Infotafeln und Naturerbeentwicklungspläne. „Die Aufgaben sind vielfältig und reichen von Sondierungen über Kartierungen und Planungen bis hin zum Management – bei insgesamt 70 Flächen im ganzen Bundesgebiet ist das nur mit verlässlichen Partnern vor Ort möglich“, sagte Wahmhoff. Er schätze die langjährige Kooperation mit der BImA, deren Försterinnen und Förster aus dem Geschäftsbereich Bundesforst vor Ort das DBU Naturerbe betreuen.

Bundesforst flächendeckend Ansprechpartner für DBU Naturerbe

Auch Gunther Brinkmann, Leiter des Bundesforstes, hob diese erfolgreiche Kooperation hervor: „Wir bieten wohl als einzige Dienstleisterin einen bundesweit einheitlichen Standard in der Betreuung, Pflege und Entwicklung von Naturerbeflächen.“ Die BImA mit ihrem Geschäftsbereich Bundesforst sei nicht nur in Nordrhein-Westfalen als Dienstleister im Naturerbe gefragt. Bundesweit betreue sie nunmehr 69.000 Hektar Fläche im Auftrag des DBU Naturerbes und rund 20.000 weitere im Auftrag der Länder und Verbände sowie deren Stiftungen. Hinzu kämen weitere 32.000 Hektar Naturerbeflächen, die als Bundeslösung im Eigentum des Bundes verblieben sind und durch den Bundesforst nach den Vorgaben des Nationalen Naturerbes betreut werden. In dicht besiedelten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen habe auch die Bevölkerung ein spezielles Interesse an den Flächen des Nationalen Naturerbes als Naherholungsgebiete. Hier sei es besonders wichtig, mit Ansprechpartnern vor Ort in den Dialog zu treten. Sie können Interssierte zum Naturerleben einerseits und über die Sicherheitsaspekte andererseits informieren. So öffne das Naturerbe Türen zu Landschaften, die oft jahrzehntelang für die Öffentlichkeit gesperrt waren – sofern ein Betreten der Fläche nicht weiterhin ausgeschlossen ist.

Mittelfristig Betretungsmöglichkeiten für DBU-Naturerbefläche Borkenberge

Die DBU-Naturerbefläche Borkenberge zum Beispiel, die auf den Gemarkungen der Städte Haltern am See und Lüdinghausen liegt, kann aus Sicherheitsgründen noch nicht zugänglich gemacht werden. „Wir haben die Zusicherung, dass mittelfristig dort, wo es naturschutzfachlich möglich ist und es die militärischen Altlasten sicherheitstechnisch zulassen, Betretungsmöglichkeiten angeboten werden“, so Lüdinghausens Bürgermeister Richard Borgmann. Auch Halterns Repräsentant Bodo Klimpel machte deutlich: „Ich bin mir sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird, die Naturschutzziele der DBU und die regionalen Interessen in vertrauensvoller Zusammenarbeit in Einklang zu bringen.“ Informationstafeln, die maßgeblich in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Coesfeld sowie den Biologischen Stationen Recklinghausen und Zwillbrock entwickelt wurden und über Historie, landschaftliche Besonderheiten sowie Tier- und Pflanzenwelt Auskunft geben, wurden an begehbaren Wegen der Naturerbefläche Borkenberge bereits aufgestellt.

Übertragungspaket mit Naturschutzschwerpunkt im Westen Deutschlands

Über die vergangenen zehn Jahre hinweg ist es dem Bund gelungen, rund 156.000 Hektar dauerhaft für den Naturschutz zu sichern. Nachdem in einem ersten und zweiten Übertragungspaket vor allem Flächen im Osten Deutschlands in den Besitz der DBU übergingen, konnte nun mit der Übertragung der sogenannten 3. Tranche ein Naturschutzschwerpunkt im Westen Deutschlands realisiert werden. Darunter befinden sich zehn Flächen in Nordrhein-Westfalen, fünf in Niedersachsen, zwei in Rheinland-Pfalz, zwei in Bayern, drei Flächen in Thüringen und eine in Mecklenburg-Vorpommern (siehe Liste). Auf den DBU-Naturerbeflächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Damit leistet die DBU-Tochter einen wichtigen Beitrag, um die Ziele der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ zu erreichen. Darin formuliert der Bund beispielsweise das Ziel, fünf Prozent der deutschen Waldfläche bis 2020 einer natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Auf drei Flächen wird noch militärisch geübt

Mit ihren Unterschriften besiegelten am 28.10.2016 im Schloss Sythen Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn, Cajus Caesar als damaliger Vorsitzender des DBU-Naturerbe-Beirates sowie Dr. Heinrich Bottermann als damaliger DBU-Generalsekretär die Übertragung der 23 Flächen. Im aktuellen Rahmenvertrag der 3. Tranche sind drei Flächen benannt, die derzeit noch militärisch genutzt werden. Es handelt sich um die Übungsplätze Schwanewede(Niedersachsen/Bremen), Dudenhofen (Rheinland-Pfalz) und Paderborn-Lieth(Nordrhein-Westfalen). Nach Aufgabe der militärischen Nutzung werden diese naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen umgehend an die DBU-Tochter übergeben werden, wie es im Haushaltsausschuss des Bundestages festgelegt wurde.


Für 500 Gramm dreimal um die Welt

Bienenexperte Dr. Werner Mühlen referiert am 5. Oktober um 18.30 Uhr in der DBU
DBU-Projekt
Mit nachhaltiger Schulimkerei können Schüler für das ökologische Wirtschaften mit Bienenvölkern interessiert werden.

Osnabrück. „Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung der Honig- und Wildbienen liegt bei rund 2 Milliarden Euro, das ist 10- bis 15-mal mehr als durch die Honigproduktion“, sagt Bienenexperte Dr. Werner Mühlen, ehemaliger Leiter des Bieneninstitutes der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Kirsche, Pflaume, Kürbis, oder Apfel: Das sind nur einige der Früchte, die wir ohne die fleißigen Bestäuber – die Bienen – gar nicht ernten könnten. Honigbienen und ihre wilden Verwandten bringen viele Acker-, Obst- und Gemüsekulturen zur Frucht. „Von ihrem Wert für den Erhalt der Biodiversität ganz zu schweigen“, so der Bienenexperte. Mühlen referiert am Donnerstag, dem 5. Oktober, um 18.30 Uhr in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zum Thema „Imkerei zwischen Ökonomie und Ökologie“.

Imkerei bei uns eher Hobby – Billighonig aus Übersee gefährdet den Markt

Der Honigbiene verdanken wir neben der Bestäubung vieler Nutzpflanzen Honig, Bienenwachs und Gelee Royale. Das ist der Futtersaft für die Königin, dem gesundheitsförderliche Wirkung beim Menschen zugeschrieben wird. Wir Deutschen sind mit einem Kilogramm Honig pro Jahr Spitzenreiter im Verzehr der süßen, klebrigen Masse. „Für 500 Gramm Honig fliegt eine Biene theoretisch etwa dreimal um die Erde“, so Mühlen, „den sollten wir uns förmlich auf der Zunge zergehen lassen“.

Billighonig aus Übersee gefährdet den heimischen Honigmarkt

Hobby, Liebhaberei, Faszination oder auch gesundheitliche Aspekte ihrer Produkte führen die Menschen zu den Bienen. Rund 800.000 Bienenvölker schwirren in Deutschland herum, gehalten von etwa 115.000 Imkern. Doch die Zahl der Bienenvölker pro Imker nimmt ab. „Immer weniger Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt mit der Bienenhaltung. Imkerei wird hierzulande oft eher im Kleinen als Hobby betrieben. Billighonig, importiert aus Übersee, gefährdet den heimischen Honigmarkt“, gibt der Bienenexperte zu bedenken. „Wir Imker fühlen uns dafür verantwortlich, die Bienenhaltung zu fördern und zu verbreiten, damit durch die Bestäubungstätigkeit der Honigbiene an Wild- und Kulturpflanzen eine artenreiche Natur erhalten bleibt“, verdeutlicht Mühlen. Auch die DBU leistet hier ihren Beitrag. „Wir fördern derzeit 32 Schulimkereien und führen somit vor allem junge Menschen an das Thema heran. Als besonders attraktiv und motivierend für diese Zielgruppe wird sich sicherlich die gemeinsam mit dem Deutschen Imkerbund in der Entwicklung befindliche App zur Begleitung von Jungimkern etablieren“, sagt Dr. Alexander Bittner, Referent bei der DBU und Hobbyimker.

Biodiversität erhalten als globale Herausforderung

Biodiversität zu erhalten, gehört sowohl zu den aktuellen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen als auch zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Es ist eine globale Herausforderung, zu der auch die DBU ihren Beitrag leisten möchte. Denn eine große genetische Vielfalt bei den Honig- und Wildbienen trägt über ihre Bestäubungsleistung dazu bei, eine möglichst große Vielfalt bei den Pflanzen zu erhalten. 

Führung durch die Ausstellung „ÜberLebensmittel“

Vor dem Abendvortrag besteht um 17.45 Uhr die Möglichkeit, die aktuelle Ausstellung im Rahmen einer öffentlichen Führung zu erleben. Sie ist bis zum 9. Februar 2018 in der DBU zu sehen (montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr). Für Schülerinnen und Schüler gibt es zielgruppengerechte pädagogische Programme. Weitere Informationen zur Ausstellung, zum pädagogischen Programm und zu weiteren Vortragsveranstaltungen finden sich unter www.ausstellung-ueberlebensmittel.de.

 


Fledermausschutz im Leitbild verankert

Rückbauarbeiten auf der DBU-Naturerbefläche Dammer Berge werden fortgesetzt – Austausch mit Partnern vor Ort wichtig
Sehen Sie selbst...
Alte, einsturzgefährdete Gebäude werden auf der DBU-Naturerbefläche Dammer Berge abgerissen. 
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Mit Fachwissen und kontinuierlichem Dialog den Artenschutz und die Verkehrsicherheit im Blick: Gemeinsam begutachten Carsten Dense, Dense & Lorenz GbR; Michael Beckermann, Ingenieurbüro Frilling und Rolfs; Wolfgang Hartmann, Revierleiter Bundesforst; Claudia von Döllen, Landkreis Vechta, und H.-Otto Denstorf, DBU Naturerbe (v.l.) die Rückbaumaßnahmen auf der DBU-Naturerbefläche Dammer Berge.

Damme. Alte, einsturzgefährdete Militärgebäude werden auf der Naturerbefläche Dammer Berge abgerissen. Gleichzeitig bleiben die darunter liegenden Keller für den Fledermausschutz erhalten. Die Abbruchmaßnahmen müssen nach Angaben der Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, noch vor Beginn der Überwinterungsphase der Tiere umgesetzt werden. „Als Flächeneigentümer müssen wir der Verkehrssicherungspflicht nachkommen und baufällige Gebäude vom Gelände entfernen. Andererseits haben die Fläche sowie manche Gebäude und Keller eine sehr hohe Bedeutung für verschiedene Fledermausarten, für deren Schutz wir ebenso verantwortlich sind“, sagte Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender DBU-Generalsekretär und Fachlicher Leiter des DBU Naturerbes. Im engen Austausch mit Partnern und Experten wurden Maßnahmen vereinbart, die Fledermausschutz und Verkehrssicherung auf der Naturerbefläche Dammer Berge miteinander vereinbaren.

Rückbauarbeiten zum Schutz der Fledermäuse zwischenzeitlich eingestellt

Artenschutz und Verkehrssicherung lassen sich mit dem entsprechenden Fachwissen und kontinuierlichen Dialog oft vereinbaren. „Wir haben bereits im Dezember mit dem Rückbau begonnen. Der muss allerdings schrittweise erfolgen. Wir richten uns nach den Vorgaben der Fledermausschutzexperten, die die Maßnahmen fachlich begleiten“, erklärt Wolfgang Hartmann, Revierleiter beim Bundesforstbetrieb Niedersachsen und Ansprechpartner vor Ort für das DBU Naturerbe. „Zeitlich werden die Arbeiten so durchgeführt, dass Beeinträchtigungen der vorhandenen Fledermaus-Sommer- und Winterquartiere ausgeschlossen werden können“, so Hartmann. Bereits vor etwa 20 Jahren schuf der ortsansässige Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit dem Bundesforst dort Versteckmöglichkeiten für Fledermäuse. Dadurch haben sich die Keller inzwischen zu wertvollen Winterquartieren für Fledermäuse entwickelt.

Sommer- und Winterquartiere bleiben erhalten

Die heimischen Fledermausarten und deren Quartiere stehen europaweit unter Schutz. Im Leitbild der Naturerbefläche gehört ihre Bestandssicherung zum erklärten Entwicklungsziel. Zur fachlichen Beurteilung und zur Begleitung der Maßnahmenplanung wurde das Büro für angewandte Ökologie und Landschaftsplanung Dense und Lorenz beauftragt. „Wir haben eine genaue Bestandsaufnahme gemacht und Sommerquartiere Großer Mausohren sowie von Zwergfledermäusen und Braunen Langohren nachgewiesen. Mindestens drei weitere streng geschützte Fledermausarten nutzten die Keller als Winterquartier“, so Biologe und Fledermausexperte Carsten Dense. Die Sommer- und Winterquartiere bleiben zum größten Teil für die Fledermäuse erhalten, werden bei Bedarf gesichert, um ein Einstürzen zu vermeiden, und gegebenenfalls mit entsprechenden Einflugöffnungen optimiert. Als Ersatz werden eine als Fledermausquartier hergerichtete Halle und Fledermauskästen angeboten und später kontrolliert, ob sie angenommen werden. „Durch dieses Maßnahmenpaket wird gewährleistet, dass sich die Quartiersituation für die Fledermäuse auf der Naturerbefläche Dammer Berge nicht verschlechtert und die Artenschutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes eingehalten werden“, so Dense.

Kontinuierlicher Austausch mit Partnern vor Ort wichtig

Auch Vertreter der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta sowie des Ingenieurbüros Frilling und Rolfs aus Vechta, das die Abbrucharbeiten unter Aspekten des Bauwesens und der Umwelttechnik vor Ort begleitet, wurden in die Maßnahmenplanungen einbezogen. „Dieser kontinuierliche fachliche Austausch mit Partnern vor Ort ist uns sehr wichtig, um die verschiedenen Ziele passgenau für jede einzelne Fläche unter einen Hut zu bekommen“, so Wahmhoff. Die 143 Hektar große DBU-Naturerbefläche Dammer Berge ist eine von 70 Liegenschaften des DBU-Naturerbes. Der Kostenumfang des Abrisses und des fledermausgerechten Umbaus wird für insgesamt zwölf Objekte rund 130.000 Euro betragen. Die zum Teil einsturzgefährdeten Gebäude stammen noch aus dem Zweiten Weltkrieg und wurden von der Bundeswehr bis in die 90er Jahre als Gerätelager und Depot genutzt. Mit dem Entfernen werde wertvoller Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse frei. Außerdem sei mittelfristig geplant, das Gelände für interessierte Besucher zu öffnen, die aktuell aus Sicherheitsgründen das Gebiet nicht betreten können.

DBU Naturerbe: 69.000 Hektar ehemals militärische Flächen übernommen

Insgesamt hat das DBU Naturerbe als Treuhänder für kommende Generationen 69.000 Hektar vor allem ehemals militärisch genutzte Flächen vom Bund übernommen. Auf den Flächen sollen offene Lebensräume mit seltenen Arten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden.


Ausstieg aus Kohle-Investitionen auch ökonomisch sinnvoll DBU-Finanzchef bei UN PRI Jahreskonferenz: Ausstieg ist wichtiger Beitrag zur Einhaltung der Klimaziele Sehen Sie selbst... Berlin. „Das Pariser Klimaabkommen und die UN-Nachhaltigkeitsziele haben eine neue Ära der internationalen Kooperation und Verständigung eingeleitet. Die Unterzeichner müssen jetzt die konkrete Umsetzung einleiten. Für Deutschland wird dabei der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung ein wichtiger Beitrag zur Einhaltung der Klimaziele sein. Für langfristig ausgerichtete Investoren ist ein Ausstieg aus der Kohlewirtschaft daher sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll“, sagte Michael Dittrich, Finanzchef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), heute auf einer Veranstaltung im Rahmen der Jahreskonferenz der United Nations Principles for Responsible Investment (UN PRI). Auf der dreitägigen Konferenz in Berlin treffen sich fast 1.000 Unterzeichner der UN PRI aus mehr als 30 Ländern um über Fragen verantwortlichen Investierens zu beraten. 1.400 Kapitalanleger mit Vermögen von fast 60 Billionen Euro Die UN PRI-Initiative wurde 2006 durch den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufen. Um ihre Ziele zu erreichen, erfolgt ein Ideenaustausch der Mitglieder über besonders gelungene und anschauliche Beispiele sowohl im Rahmen von Netzwerktreffen als auch über eine Internetplattform. Weltweit haben bislang mehr als 1.400 Kapitalanleger aus 50 Ländern mit einem verwalteten Vermögen von fast 60 Billionen Dollar die UN PRI-Grundsätze unterzeichnet. Die DBU hat sich 2012 als erste gemeinnützige Organisation in Deutschland der UN PRI angeschlossen. DBU baute seit 2015 rund 90 Prozent der Anlagen im Bereich Kohle ab Bereits Ende 2015 hatte die DBU beschlossen, keine Neuinvestments mehr im Bereich Kohle vorzunehmen und bestehende Engagements zu reduzieren. Inzwischen sind rund 90 Prozent dieser Anlagen abgebaut.


Referierten bei der Internationalen Sommerakademie der DBU zum Thema Luftschadstoffe (v.l.): stellvertretender DBU-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Prof. Dr. Claudia Hornberg, Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Christoph Erdmenger, Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Elisabetta Vignati, Joint Research Center der Europäischen Kommission, Gesa Schöneberg, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen.

Luftverschmutzung: Impulse für integrative Lösungen setzen Experten diskutierten bei DBU-Sommerakademie Wege aus Gesundheitsgefahren – Sorgfältige Analyse folgt Experten Sommerakademie 2017 Referierten bei der Internationalen Sommerakademie der DBU zum Thema Luftschadstoffe (v.l.): stellvertretender DBU-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Prof. Dr. Claudia Hornberg, Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Christoph Erdmenger, Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Elisabetta Vignati, Joint Research Center der Europäischen Kommission, Gesa Schöneberg, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Volkenroda. Dass mehr Engagement für eine bessere Luftqualität dringend nötig ist, ist unstrittig: 47.000 vorzeitige Todesfälle jährlich in Deutschland führt das Umweltbundesamt auf den Ausstoß von Schadstoffen im Straßenverkehr, in der Industrie und durch Baumaschinen in städtischen Ballungsräumen zurück, in denen 35 Prozent aller Menschen leben. Und es sind gerade einkommensschwächere Bevölkerungsschichten, die oft keine andere Möglichkeit haben, als in der Nähe von Industrie- und Verkehrszentren zu wohnen. Die Folge: erhöhte Anfälligkeiten vor allem für Atemwegserkrankungen. Wie die Situation verbessert werden kann, stand jetzt im Blickpunkt der Internationalen Sommerakademie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Volkenroda, bei der Vertreter von Kommunen, aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft diskutierten. Die Ergebnisse sollen nach sorgfältiger Analyse in Handlungsansätze und integrative Lösungsstrategien einfließen und Impulse setzen für ein Umsteuern. Für Umwelt und Klima erhebliche Risiken „Saubere Luft zum Atmen ist überlebenswichtig, aber nicht selbstverständlich. Die Weltgesundheitsorganisation sieht in der Luftverschmutzung das weltweit größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko. Aber auch für Umwelt und Klima sind damit zum Teil erhebliche Risiken verbunden“, begründet der stellvertretende DBU-Generalsekretär Prof. Dr. Werner Wahmhoff das Engagement der Stiftung für das Thema. Die Verbesserung der Luftqualität sei ein zentrales Ziel nachhaltiger Entwicklung und gründe sich auf den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Minderungsstrategien für Luftschadstoffe in städtischen, ländlichen und Innenräumen im Blick Nach einer Einführung in die besonders relevanten Zusammenhänge des Themas betrachteten die Teilnehmer in parallelen Arbeitskreisen Ursachen, Herausforderungen und Minderungsstrategien für Luftschadstoffe in der Stadt, auf dem Land und in Innenräumen. Dabei orientierten sie sich unter anderem an folgenden Fragen: Welche Zielkonflikte und Synergien bestehen? Wie kommt man vom Wissen zum Handeln? Zu den Experten gehörten unter anderem Prof. Dr. Claudia Hornberg, Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Elisabetta Vignati, Leiterin der Abteilung Luft und Klima des Joint Research Centers der Europäischen Kommission, Christoph Erdmenger, Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Leiter der Abteilung Nachhaltige Mobilität, und Gesa Schöneberg, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Bemühungen der Automobilindustrie? Mehr Erdgasmodelle notwendig Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen um die Automobilindustrie betonte Wahmhoff, es müssten mehr Modelle etwa mit auf Erdgas ausgerichteten Motoren auf den Markt kommen, solange die auf Ökostrom ausgerichtete Elektromobilität noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehe. Dabei sei es nicht damit getan, Benziner auf Erdgas umzurüsten, weil dabei sehr viel Potenzial ungenutzt bleibe. Viel effektiver sei es, die Motoren speziell auf den Kraftstoff Erdgas abzustimmen. Innovativer Erdgasmotor bringt weniger Stickoxid- und Rußpartikel-Ausstoß Dass das funktionieren könne, habe ein DBU-gefördertes Projekt bewiesen. Wahmhoff: „Mit einem innovativen Erdgasmotor wurde gezeigt, dass durch eine entsprechende Weiterentwicklung gegenüber dem Diesel nicht nur vergleichbar geringe Kohlendioxidemissionen darstellbar sind, sondern Stickoxid- und Rußpartikel-Ausstoß deutlich reduziert werden können.“ Auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge Gasmotoren geeignet Gasmotoren seien aber auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge geeignet, wie jüngst in einem DBU-geförderten Forschungsvorhaben gezeigt wurde: Sowohl Anforderungen bezüglich Schadstoffausstoß als auch Leistungscharakteristik würden erfüllt. Wahmhoff: „Damit bietet der Gasmotor das Potenzial, auch schärfere Abgasgrenzwerte einhalten zu können und einen deutlichen Beitrag zur Umweltentlastung zu leisten.“ DBU-Einsatz für emissionsarme Verbrennungstechniken in Kaminöfen Und um die strengeren Grenzwerte der Bundes-Immissionsschutzverordnung einhalten zu können, unterstützte die DBU emissionsarme Verbrennungstechniken: Der Kaminofen „NEKO“ habe in einem Vergleichswettbewerb in den USA einen der besten Wirkungsgrade erzielt und in den Testläufen einen der niedrigsten Emissionswerte von Feinstaub und Kohlenstoffmonoxid. Und ein um Titandioxid angereicherter Beton sorgte am Zentralen Omnibusbahnhof in Detmold dafür, dass die gesundheitsgefährdenden Stickoxide verringert werden konnten. Auch Stipendiaten der DBU hätten sich etwa befasst mit Themen wie der Senkung des Schadstoffausstoßes in der Luftfahrt, dem Einfluss industrieller Luftverschmutzung auf den Waldzustand oder den Auswirkungen von Luftschadstoffen aus dem Straßenverkehr auf die Bausteine von Gebäuden.


© Guido Gerding Osnabrück.

Alte Haustierrassen wie das Bentheimer Landschwein sind oft anpassungsfähiger und robuster als Hochleistungszüchtungen - ein Vorteil bei zukünftigen Herausforderungen im Zuge des Klimawandels und anderen Umweltveränderung

Klimaanpassungen: Alte Nutztierrassen robuster als Hochleistungstiere Prof. Dr. Dr. Frölich, Arche Warder, am 14. September um 18.30 Uhr in der DBU – Eintritt frei!Bentheimer Landschweine Alte Haustierrassen wie das Bentheimer Landschwein sind oft anpassungsfähiger und robuster als Hochleistungszüchtungen - ein Vorteil bei zukünftigen Herausforderungen im Zuge des Klimawandels und anderen Umweltveränderungen.                Das Hausschwein, eines der ältesten Nutztiere des Menschen, ist heute Deutschlands wichtigster Fleischlieferant. Doch die wenigen sehr spezialisierten Hochleistungsrassen, die dafür gezüchtet werden, haben auch Nachteile. „Sich verändernde Umweltbedingungen erfordern eine höhere Anpassungsfähigkeit. Die schon lange vorwiegend auf Fleischleistung bezogene Züchtung führt zu einem Verlust anderer vererbter Eigenschaften“, sagt Prof. Dr. Dr. Kai Frölich, Direktor der Arche Warder, Europas größtem Zentrum für seltene Haus- und Nutztierrassen. „Alte Nutztierrassen sind widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und aufgrund ihrer genetischen Vielfalt sehr viel anpassungsfähiger und robuster“, so Frölich. Er referiert am Donnerstag, dem 14. September 2017 um 18.30 Uhr im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zum Thema „Die Bedeutung von Haustierparks für die Erhaltung der Agrobiodiversität“. Vom Wildschwein zum Hausschwein Unsere heutigen Nutztierrassen lassen sich auf einzelne Wildtierarten zurückführen. So wurde zum Beispiel um 10.000 vor Christus aus der Bezoarziege die Hausziege gezüchtet, aus dem asiatischen Mufflon das Hausschaf, 1.000 Jahre später aus dem Europäischen Wildschwein das Hausschwein. Eine koordinierte Züchtung gab es damals nicht, deshalb entwickelten sich ganz unterschiedliche Rassen, angepasst an Klima, Haltung und landschaftliche Besonderheiten. Die Domestikation von Nutztieren hat die kulturelle Entwicklung des Menschen entscheidend verändert. „Seit der Industrialisierung geht die Zahl der Nutztierrassen zurück“, so Frölich. Laut Welternährungsorganisation sind 17 Prozent vom Aussterben bedroht. Heute stünden bei der Züchtung von Nutztieren deren Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die Erzeugung tierischer Lebensmittel, Gesundheit und zunehmend auch Langlebigkeit im Vordergrund. Die genetis