DBU: neuer Schwerpunkt soll nachhaltige Bildung fördern

Eine Million Euro für u.a. Kommunen, Schulen, Bildungszentren, Museen – Bis 28.5. bewerben 
BNE © piclease
Innovative und modellhafte Bildungsprogramme zu Schlüsselthemen einer nachhaltigen Entwicklung nimmt die DBU mit ihrem neuen Förderschwerpunkt in den Blick.

Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) legt einen neuen Förderschwerpunkt zur Unterstützung des UNESCO-Programms Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs (kurz ESD for 2030) mit einer Million Euro auf. Der Bewerbungszeitraum reicht vom 25.3. bis zum 28.5.2020. Ziel ist es, innovative und modellhafte Bildungsprogramme zu Schlüsselthemen einer nachhaltigen Entwicklung zu erproben und in der Praxis zu implementieren. Hierbei sollen insbesondere Themen angesprochen werden, die auf aktuelle Nachhaltigkeits-Transformationen wie z. B. Mobilität, Erneuerbare Energien, Konsum, Stadtentwicklung, Landnutzung oder Biodiversitätsschutz fokussieren. Als Zielgruppen sollen insbesondere Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene berücksichtigt werden. Die Ausschreibung richtet sich an Bildungsakteure aus den Bereichen Elementarpädagogik, Schulpädagogik, non-formales und informelles Lernen, Hochschule, Berufsbildung und lebensbegleitendes Lernen. Dabei werden zivilgesellschaftliche Akteure ebenso adressiert wie kommunale Bildungseinrichtungen, Schulen, Bildungszentren, Museen sowie kleine und mittelständische Bildungsdienstleister. Mit der Ausschreibung knüpft die DBU an ihr langjähriges Engagement in der UN-Dekade (2005-2014) und im UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015-2019) an.

Kulturgüter mit Radiowellen gegen Holzfraß schützen

Forscher entwickeln chemikalienfreie Methode gegen Insektenbefall – DBU gibt 230.000 Euro
Holzschutz © UFZ und HTWK (beide Leipzig)
Der Material-Mix - etwa verwendetes Blattgold - macht eine chemikalienfreie Behandlung bei national bedeutsamen Kulturgütern aus Holz nicht so einfach. Forscher aus Leipzig entwickelten mit DBU-Förderung ein neues thermisches Verfahren.

Leipzig/Gotha. Statt mit umweltbelastenden Chemikalien können Kulturgüter aus Holz durch Erwärmen mit Radiowellen vor dem Insektenbefall geschützt werden. Das fanden Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ (Leipzig) gemeinsam mit Kollegen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur(HTWK) Leipzig in einem Vorhaben heraus, das fachlich und finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurde. Kulturgüter aus Holz, die bereits mit chlorhaltigen Holzschutzmitteln behandelt worden waren, lassen sich zudem durch ein kombiniertes Verfahren von den Chemikalien befreien. Die Schadstoffbelastung in den Ausstellungs- und Lagerräumen werde dadurch deutlich verringert. „Die neue Methode ist nicht nur besonders umwelt- und denkmalschonend, sondern auch gesünder für das Umfeld“, sagt Dr. Cornelia Soetbeer, DBU-Abteilungsleiterin Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz. Erprobt wurden die übertragbaren Verfahren an der national bedeutenden Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha.

Material-Mix der Kulturgüter erfordert spezielle Methode

Nicht nur im Eigenheim ist ein Schädlingsbefall durch so genannte „Holzwürmer“, also Bockkäfer und Nagekäfer, gefürchtet, da das Material brüchig wird. Vorsorglich seien früher Dachbalken, Holzmöbel oder auch Kunst- und Kulturgegenstände aus Holz mit einer Reihe von Holzschutzmitteln behandelt worden, die inzwischen größtenteils verboten sind, so Soetbeer. Darunter zum Beispiel Lindan, DDT und PCP – alles Insektenbekämpfungsmittel auf Basis von giftigen chlorhaltigen Kohlenwasserstoffen. Heute setze die Branche dagegen unter anderem auf chemikalienfreie Verfahren wie Heißluftbehandlung, denn spätestens bei 60 Grad würden die Insektenlarven im Inneren des Holzes sterben. „Doch bei national bedeutsamen Kulturgütern ist das nicht so einfach, weil sie oft aus einem Material-Mix bestehen und beispielsweise Blattgold anders auf Erwärmen reagiert als Holz“, erklärt Constanze Fuhrmann, DBU-Fachreferentin Umwelt und Kulturgüter. Wenn dadurch große Temperaturunterschiede entstehen, sei das für den kulturhistorischen Wert der Gegenstände aus restauratorischer Sicht auch wie Gift. Man kenne das vom Erhitzen in der Mikrowelle: Bei entsprechend großen Mengen kocht die Speise nach wenigen Minuten schon am Tellerrand, während sie innen noch kalt ist.

Methode eignet sich auch bei Textilien, Leder, Fellen und Tierpräparaten

„Bei national bedeutsamen Kunstobjekten ist ein kontrolliertes langsames und gleichmäßiges Erwärmen nicht nur ausschlaggebend für den Erfolg, sondern auch dafür, dass die Wertgegenstände keinen Schaden nehmen“, sagt Dr. Ulf Roland, Leiter des Projekts und Wissenschaftler im UFZ. Denn: „Beispielsweise kann schon ein winziger Haarriss in einer hauchdünnen Blattgoldschicht unter Umständen zu einer punktuellen Überhitzung führen. Selbst die kleinste angesengte oder verschmorte Stelle mindert den kulturhistorischen Wert.“ Nachgefertigte Modelle und Computersimulationen seien daher, zumindest in der Forschungs- und Entwicklungsphase, bei diesen Methoden notwendig, um die Machbarkeit zu prüfen, ohne das wertvolle Objekt gleich selbst zu behandeln. Bei Radiowellen seien die Risiken für die Kulturgüter deutlich geringer als beim Einsatz von Mikrowellen. Roland: „Darüber hinaus sind wir flexibler, was die zu behandelnden Materialien betrifft.“ Im Projekt seien neben Holz auch verschiedene Textilien, Leder, Felle und Teile von Tierpräparaten sowie Keramiken erwärmt und damit Jagd auf typische Schadinsekten wie Kleider- und Pelzmotten, Speck-, Pelz-, Teppich- und Kabinettkäfer gemacht worden.

Kombination mit Waschverfahren verbessert Raumluft

Da vor allem die chlorhaltigen Chemikalien jahrzehntelang nach der Behandlung noch im Objekt vorhanden sind, wurde im Projekt außerdem untersucht, ob sie sich durch die Radiowellen-Technologie ausdampfen lassen. Roland: „Durch eine Kombination mit speziellen Waschverfahren ist das möglich. Allerdings sind unter Umständen vielfache Behandlungen notwendig, um ein nahezu komplettes Entfernen zu erzielen, da die anwendbaren Temperaturen durch die Objekte begrenzt sind.“ Die Forscher empfehlen daher, Strategien zur kombinierten Behandlung zu entwickeln, bei denen ein Teil der Schadstoffe im Kern der Objekte bleiben kann, die Konzentration an der Oberfläche aber deutlich verringert wird. Hierfür haben sie Methoden für eine chemische Umwandlung der chlorhaltigen Schadstoffe untersucht und bereits erfolgreich getestet. „Ausschlaggebend ist ja das Ergebnis der Behandlung, und zwar dass der Schadstoffgehalt in der Raumluft abnimmt und dass die Gefährdung beim Umgang mit den Objekten reduziert wird“, so Roland.


Wasser ist ein knappes Gut

DBU fördert Fachdialog zum nachhaltigen Management der regionalen Wasservorkommen
Eisenhüttenstadt © Franziska Göde/piclease
Ob Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft oder Hochwasserschutz: Im ländlichen Raum werden viele Ansprüche an das natürliche Gut Wasser gestellt, die Nutzungskonflikte bergen. Die DBU unterstützt den fachlichen Austausch zwischen den Interessensgruppen. 

Osnabrück. In den letzten Wochen hat es viel geregnet, und so manche Talsperre ist wieder voll. Doch gilt das auch für die Grundwasserspeicher? Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung meldet aktuell vor allem für Ostdeutschland immer noch moderate bis extreme Dürre für Bodenschichten mit mehr als 1,80 Metern Tiefe. „Ökosysteme, Trinkwasserversorgung sowie Land- und Forstwirtschaft haben unterschiedliche Ansprüche an das im ländlichen Raum verfügbare Wasser, die in Einklang gebracht werden müssen“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zum Weltwassertag am 22. März. Gleichzeitig müsse auch der Hochwasserschutz berücksichtigt werden. Die DBU fördere mehrere regionale Projekte in Deutschland, die sich um diese Konfliktfelder drehen und Land- und Wasserwirtschaft, Naturschutz, Behörden und in Teilen auch Bergbau an einen Tisch bringen sollen – auch wenn das im Moment wegen der Corona-Krise nur sinnbildlich gemeint ist.

Dürre und Starkregen sind Auswirkungen des Klimawandels

Der Weltwassertag wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen und findet seit 1993 unter einem jährlich wechselnden Motto statt, das dieses Jahr „Wasser und Klimaschutz“ lautet. „Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ressource Wasser machen sich für die Bevölkerung natürlich vor allem dann bemerkbar, wenn sie sozusagen vor der eigenen Haustür passieren“, so Bonde. Die Klimaforschung sei bereits so weit, dass untersucht werden könne, ob beispielsweise eine regionale Trockenperiode oder ein lokaler Starkregen durch den Klimawandel wahrscheinlicher wurde oder nicht. Ist zum Beispiel davon auszugehen, dass zunehmend mit Hochwasser zu rechnen ist, würden sich daraus konkrete Anpassungsstrategien wie der Bau von Deichen ableiten lassen.

Fläche nur begrenzt verfügbar – Nutzungskonflikte

„Fläche ist aber nur begrenzt verfügbar. Insofern müssen die häufig sehr unterschiedlichen Interessen abgewogen werden. Es muss mit den jeweiligen Akteuren vereinbart werden, wie die Fläche im ländlichen Raum genutzt wird – für sauberes Trinkwasser, geschützte Lebensräume wie Moore, land- und forstwirtschaftliche Zwecke oder beispielsweise auch als Überschwemmungsgebiet“, so Bonde. Verschiedene Förderprojekte laufen dazu derzeit mit fachlicher und finanzieller Unterstützung durch die DBU. „Mit Fachdialogen wollen wir den Austausch der Projektträger unterstützen. Auch wenn wir aufgrund der Corona-Krise noch nicht beginnen konnten, planen wir weiterhin bis 2022 pro Jahr zwei mehrtägige Veranstaltungen, um dieses bundesweite Netzwerk aufzubauen“, erklärt Dr. Volker Wachendörfer, DBU-Fachreferent Naturschutz.

Einzugsgebiet Hammbach in Nordrhein-Westfalen

So ist das Einzugsgebiet des Hammbachs im Raum Dorsten-Haltern beispielsweise mit einem der größten Grundwasservorkommen Nordrhein-Westfalens verbunden. Bei Trockenheit werde der hohe Bedarf für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Feuchtlebensräume zu einer Herausforderung. In einem Projekt des Unternehmens Lippe Wassertechnik(Essen) hätten sich alle Akteure aus Land- und Wasserwirtschaft sowie Naturschutz auf ein maßgeschneidertes Konzept geeinigt. Darin sei festgelegt worden, wie Wasserkontingente zukünftig optimal verteilt, Feuchtgebiete zum Beispiel durch das Aufstauen von Regenwasser stabilisiert sowie die landwirtschaftliche Bewässerung an trockenere Perioden angepasst werden könne.

Einzugsgebiet Weschnitz in Südhessen

An der im Odenwald entspringenden und bei Biblis in den Rhein mündenden Weschnitz in Südhessen unterstütze die DBU ein Projekt des Gewässerverbandes Bergstraße. Hier gehe es um Bürgerbeteiligung und um gemeinsam mit allen Akteuren zu entwickelnde Lösungen zum Hochwasser- und Gewässerschutz. Mit dem Vorhaben sollen die Maßnahmenplanung und -umsetzung für die Öffentlichkeit verständlicher vermittelt und eine höhere Akzeptanz für europarechtliche Bestimmungen in der Bevölkerung erreicht werden. Ziel ist es, möglichen Konflikten frühzeitig durch geeignete Informations-, Dialog- und Beteiligungsmaßnahmen entgegenzuwirken.

Grundwassergebiet „Hunte Lockergestein links“ in Niedersachsen

In Niedersachsen werde ein Projekt der Universität Osnabrück durchgeführt, für das als Modellregion das Grundwassergebiet „Hunte Lockergestein links“ gewählt wurde. Mit einer Gesamtfläche von rund 1.250 Quadratkilometern durchziehe es die Kreise Cloppenburg, Vechta und Osnabrück. Um für ein nachhaltiges Wassermanagement regional alle Nutzergruppen zu berücksichtigen, habe man starke Kooperationspartner mit ins Boot geholt: den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband(Brake), die Niedersächsischen Landesforsten (Ganderkesee) sowie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen(Oldenburg).