Alles dreht sich um den Planeten

Woche der Umwelt am 10. und 11. Juni
Sharepic Schloss © Foto: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Sechste Auflage: In bewährter Partnerschaft laden Bundespräsidialamt und Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 10. und 11. Juni zur „Woche der Umwelt“ (WdU) ein, die dieses Jahr wegen Corona im hybriden Format stattfindet. Das Motto „So geht Zukunft!“ soll Mutmacher sein und Lust auf den Schutz der Erde machen – mit hochkarätigen Gästen im Hauptbühnenprogramm und in digitalen Fachforen sowie mehr als 150 Ausstellenden, die sich auf der WdU-Webseite präsentieren. 
Sharepic Porträts Woche der Umwelt © Foto: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Globale Aufgabe Klima- und Umweltschutz: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie der US-Sonderbeauftragte für Klimaschutz und frühere US-Außenminister John Kerry nehmen an der Woche der Umwelt teil, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 10. und 11. Juni einladen. Die Begrüßung übernehmen DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter sowie DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Die spannenden Debatten im Hauptbühnenprogramm und in einer Fülle von digitalen Fachforen kann man hautnah im Livestream verfolgen.

Osnabrück. Von einem hochkarätig besetzten Hauptbühnenprogramm über eine Fülle an Fachforen bis hin zu weit mehr als 150 Ausstellenden mit digitalen Präsentationen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) laden zur sechsten Auflage der Woche der Umwelt(WdU) ein. Sie findet unter der Devise „So geht Zukunft!“ am 10. und 11. Juni wegen der Corona-Pandemie im hybriden Format teils in Präsenz im Park von Schloss Bellevue, teils als Online-Variante statt. Wie sehr es um Wohl und Wehe des Planeten geht, zeigt die Teilnahme von zwei Politik-Persönlichkeiten: Mit dabei sind auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie der US-Klimaschutzbeauftragte John Kerry. Per Livestream ist alles hautnah zu verfolgen; alle Infos finden sich hier: https://www.woche-der-umwelt.de/.

Nach Eröffnung durch den Bundespräsidenten sowie der Begrüßung durch DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter und DBU-Generalsekretär Alexander Bonde folgt der Start der WdU 2021 am Donnerstag, 10. Juni, kurz vor 12 Uhr. Ein erstes Podium unter Moderation von Georg Ehring vom Deutschlandfunk widmet sich der Frage: Wie gestalten wir gemeinsam den Wandel? Diskutierende sind unter anderem Kerstin Andreae aus der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft sowie Prof. Dr. Antje Boetius, die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das mit seinem Forschungsschiff Polarstern im Nordpolarmeer mit der größten Arktisexpedition aller Zeiten Geschichte geschrieben hat.

„Umweltschützendes Verhalten belohnen“

Zur Art einer notwendigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft sagt etwa Boetius: Wichtig seien einerseits technisch die Bereiche, in denen schnell und effektiv viel Kohlendioxid (CO2) einzusparen sei. „Und ökologisch müssen wir der Vielfalt des Lebens, die unter erheblichem Druck steht, Raum zu Erholung und Schutz bieten.“ Auch sozioökonomische Innovation sei notwendig, so die Meeres- und Polarforscherin. Boetius: „Die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass umweltschützendes Verhalten belohnt und zerstörerisches Verhalten bestraft wird, ohne geringe Einkommen überproportional zu belasten.“ Wenn etwa Subventionen statt in fossile Energiequellen in die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien flössen, „wäre schon sehr viel gewonnen“.

Lebenswerte Erde für die nächsten Generationen erhalten

Aufschlussreich dürfte auch ein öffentliches Video-Gespräch zwischen dem Bundespräsidenten und jungen Leuten zu Erwartungen an eine nachhaltige Gesellschaft werden. Dazu DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Wann immer wir uns mit Umwelt-, Klima-, Ressourcen- und Artenschutz beschäftigen, geht es stets darum, einen lebenswerten Planeten für die kommenden Generationen zu erhalten. Wir brauchen Innovationen, aber wir brauchen auch die Menschen, die dabei mitmachen. Und das schafft Deutschland nicht allein, sondern das ist eine globale Aufgabe.“

UBA-Präsident: Schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien

Eine dieser Herausforderungen dürfte die Mobilität der Zukunft sein – ebenfalls ein WdU-Thema. Prof. Dr. Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), sagt, notwendig sei „eine gerechte Bepreisung des Verkehrs“. Messner: „Alle umweltschädlichen Subventionen wie das Diesel- und Dienstwagenprivileg und die Entfernungspauschale müssen so schnell wie möglich abgeschafft werden. Im Verkehrsbereich kosten diese die deutschen Steuerzahlenden jedes Jahr mehr als 15 Milliarden Euro.“ Ein Wandel sei unumgänglich. Der elektrische Antrieb sei die „beste Wahl“, zumal alle Pkw bis spätestens 2050 vollständig klimaneutral fahren müssten. Aber: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Rohstoffe für die Batterien in globalen Wertschöpfungsketten unter Einhaltung von anspruchsvollen Umwelt- und Sozialstandards gewonnen und diese effizient verarbeitet sowie durch Recycling im Kreislauf geführt werden.“ Ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien sei unabdingbar, „damit der Strom für E-Autos möglichst schnell klimaverträglich bereitgestellt wird“.

Diskussion mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer

Messners Prognose für das Jahr 2050: „In 30 Jahren sind wir noch so mobil wie heute, aber mit viel weniger Verkehr.“ Das Rückgrat der Mobilität stelle der öffentliche Verkehr dar, ergänzt durch Fuß- und Radverkehr sowie verschiedene Formen des Teilens. „Die Autos, die es dann noch gibt, sind klein, geteilt und elektrisch.“ Das zunehmende Arbeiten im Homeoffice spare Pendelwege ein. Welche Ideen der UBA-Präsident sonst hat, kann man am Freitag, 11. Juni, auf dem vierten Podium erfahren. Zum Thema „Deutschland 2050 – Visionen für unser Leben der Zukunft“ diskutiert er unter Moderation von Wissenschaftsjournalist Dr. Eckart von Hirschhausen unter anderem mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer und Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl.                                      Quelle: PM: DBU 2021


„Wiederaufforstung verträgt sich nicht mit Wildnis“

Susanne Belting appelliert auf 35. Deutschen Naturschutztag: Rahmenbedingungen schaffen, um waldeigene Dynamik zuzulassen
Naturnaher Wald auf DBU-Naturerbefläche Authausener Wald © Michelle Liedtke/DBU Naturerbe
In seinen Wäldern setzt das DBU Naturerbe auf Naturverjüngung – junge Gehölze erwachsen aus den Samen der umliegenden Bäume.
Heidefläche im DBU Naturerbe © Lisa-Marie Hille/DBU Naturerbe
Geschützte Lebensräume wie trockene, europäische Heiden möchte das DBU Naturerbe erhalten und pflegen – in manchen Bundesländern stoßen die Naturschützer dabei auf gesetzliche Hürden. 

Wiesbaden. Große Lebensraum- und Artenvielfalt, weitestgehend unzerschnitten von Siedlungen oder Industrie: Das Nationale Naturerbe bringt eine große Chance für den Naturschutz in Deutschland, aber auch Schwierigkeiten und gesetzliche Hürden. Auf dem 35. Deutschen Naturschutztag empfiehlt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU): Mehr schützenswerten Naturraum ins Eigentum von Naturschutzakteuren überführen sowie keine Wiederaufforstungsverpflichtung nach Borkenkäferbefall, Dürre- und Sturmschäden in Wäldern des Nationalen Naturerbes. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde unterstützt den Appell: „Das Nationale Naturerbe steht in Sachen Wald dafür, eine neue Wildnis entstehen zu lassen – der Dynamik der Natur sollten wir ihre Zeit geben.“

Nationales Naturerbe im Eigentum des Naturschutzes als große Chance

Belting spricht in einem Forum des bundesweit größten Naturschutz-Fachkongresses über die Chancen und Herausforderungen im Nationalen Naturerbe. Es umfasst eine besondere Flächenkulisse – historisch sowie naturschutzfachlich: 69 der 71 DBU-Naturerbeflächen sind ehemalige Militärflächen, die eine große Lebensraum- und Artenvielfalt aufweisen. „Im Zuge der militärischen Nutzung blieben beispielsweise wertvolle Offenlandlebensräume erhalten und wurden teilweise nie intensiv landwirtschaftlich genutzt. Solche mageren, also nicht gedüngten Standorte, finden sich nur noch selten in Deutschland“, erklärt Belting. Das Ziel der Naturschützer ist es, diese langfristig zu pflegen und zu bewahren. „Die Naturerbeflächen hat der Bund ins Eigentum von Naturschutzakteuren übergeben. Das sehe ich als eine der größten Chancen des Nationalen Naturerbes“, so die Fachliche Leiterin. Rund 63 Prozent der Flächenkulisse des DBU Naturerbes gehören zum europäischen Natura-2000 Schutzgebietsnetz. Die Bundesländer haben die Pflicht, die geschützten Lebensräume zu erhalten. Das DBU Naturerbe unterstützt dabei als Flächeneigentümerin. Da die Gebiete nicht bei verschiedenen Privateigentümern liegen, können die erforderlichen Naturschutzmaßnahmen wesentlich einfacher geplant und umgesetzt werden. Daher Beltings klare Forderung: „Um die Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Lebensräumen zu wahren, sollte möglichst viel Naturraum ins Eigentum des Naturschutzes überführt werden!“

Keine Aufforstungsverpflichtung nach Stürmen und Borkenkäferbefall - Walddynamik zulassen

Praktischer Naturschutz stößt in manchen Bundesländern auf gesetzliche Hürden. Als ein Beispiel nennt Belting in ihrem Vortrag die Wiederaufforstungsverpflichtung. Die vergangenen Dürrejahre haben deutliche Spuren in den Wäldern hinterlassen. Allein im DBU Naturerbe starben vor allem Nadelbäume auf rund vier Prozent der Waldfläche ab, Borkenkäfer hatten ein leichtes Spiel oder Stürme warfen großflächig Waldabschnitte um. Bislang seien Waldbesitzer in den meisten Bundesländern verpflichtet, innerhalb einer Frist von etwa drei Jahren ihre Bestände durch neu anzupflanzen, falls junge Bäume nicht von alleine nachwachsen. „Das Nationale Naturerbe bietet die Chance, in den Wäldern wieder Wildnis und ihre eigene Dynamik zuzulassen. Eine Wiederaufforstungsverpflichtung konterkariert diese seltene Möglichkeit“, sagt Belting. „Nach Borkenkäferbefall, Stürmen oder Bränden sollten Waldbesitzer von Forstbehörden mehr Zeit erhalten, damit sich ihre Bestände natürlich erholen.“

Natur geduldiger Zeit geben

Zum Hintergrund: Ein Großteil der rund 55.000 ha Wald im DBU Naturerbe soll sich perspektivisch naturnah entwickeln und dann ganz ohne menschliche Eingriffe sich selbst überlassen werden. Merkmale dieser Bestände sind Bäume aller Altersgruppen, Baumarten und reichlich Totholz. Die Naturschützer im DBU Naturerbe setzen auf Naturverjüngung – junge Gehölze erwachsen aus den Samen im Boden und der Bäume in der Umgebung. „Die Aussaat mit den besten Aussichten auf Erfolg kommt oft aus dem Wald selbst.“ Denn Sämlinge seien im Vergleich zu vorgezogenen Setzlingen angepasst an die Bedingungen vor Ort und widerstandsfähiger.

Nicht sinnvoll: eine Umweltverträglichkeitsprüfung für eine Naturschutzmaßnahme

Eine weitere Barriere: Auf DBU-Naturerbeflächen in Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen Heiden mit europäischem Schutzstatus, die bereits so stark zugewachsen sind, dass sie von den Behörden als Wald eingestuft wurden. Vor diesem Hintergrund sind in den Schutzgebietsverordnungen und Managementplänen entsprechende Pflegemaßnahmen vorgegeben. „Ehe wir diese umsetzen, das heißt, ehe wir hier Bäume fällen, den ursprünglichen Offenlandstatus wieder herstellen und sie zur langfristigen Pflege beweiden lassen können, muss nach Ansicht der zuständigen Behörden jedoch zwingend eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Diese kostet Geld und Zeit“, erklärt Belting. Die naturschutzfachlich und rechtlich erforderliche Schutzmaßnahme wird dadurch verzögert, der Erhaltungszustand des Lebensraums verschlechtert sich. Die Behörden sehen die Problematik und seien dementsprechend bemüht, eine Beweidung über andere rechtliche Wege zu ermöglichen. Um das Problem dauerhaft zu lösen, biete sich laut DBU Naturerbe beispielsweise eine Änderung im Sinne einer Präzisierung des Gesetzes an.

Veträglichkeitsprüfung grundsätzlich wichtiges Instrument

Die Fachliche Leiterin möchte nicht falsch verstanden werden: Umweltverträglichkeitsprüfungen seien in anderem Kontext sehr wichtig und sinnvoll, etwa vor dem Beginn eines Straßen- oder Siedlungsbaus. „Wir sind der Meinung, dass eine Umwelt- oder FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht erforderlich sein sollte, wenn die Maßnahme einzig der Pflege und Erhaltung eines Natura 2000-Gebiets dient und auf eine Gebietsverordnung oder einen Managementplan zurückgeht“, empfiehlt Belting.

Geerbte Verantwortung – DBU Naturerbe hat 71 Flächen vom Bund übernommen

Das Nationale Naturerbe umfasst 156.000 Hektar (ha) wertvollen Naturraum, den der Bund seit 2008 in die Hände von Naturschutzorganisationen, Bundesländern und Stiftungen übergeben hat. Das DBU Naturerbe übernahm davon rund 70.000 ha vor allem ehemals militärische Übungsflächen und kümmert sich seither um den Naturschutz auf den 71 Flächen in zehn Bundesländern. Das DBU Naturerbe ist Teil eines engagierten Netzwerks der Flächenempfänger und Hauptakteure im Nationalen Naturerbe, die sich gemeinsam als Naturerbe-Rat den Herausforderungen stellen.