Deutsche Bundesumweltstiftung Die DBU hat Ihren Sitz in Osnabrück mit  Kommunikations - Zentrum


Kakao: lecker, aber auch fair und nachhaltig?

Universität Osnabrück erforscht Lieferketten und Konsumentscheidungen – DBU fördert
Frische Kakaofrucht © Prof. Dr. Martin Franz
Beim Ernten der frischen Kakaofrüchte wird meist wenig auf Umwelt und Gesundheit der Kleinbauern geachtet. Das soll sich mit Hilfe des Projektes ändern. 
Trocknung Kakaobohnen © Prof. Dr. Martin Franz
Mit den Kleinbauern, welche die Kakaobohnen nach der Ernte trocknen, soll durch das Projekt fairer umgegangen werden.
Projektleiter © Prof. Dr. Martin Franz
Die Universität Osnabrück forscht zu fairem Kakaoanbau. Leitung der Arbeitsgruppen (von links oben): Prof. Dr. A. Lenschow, C. Budde (Ludwig Weinrich GmbH), Prof. Dr. S. Engel, Prof. Dr. M. Franz, Dr. C. Felgentreff, Prof. Dr. K. Müller.

Osnabrück. „Viele Menschen achten beim Einkaufen zunehmend darauf, dass Lebensmittel fair und umweltfreundlich hergestellt werden. Um diesem Wunsch nachzukommen, wollen auch mittelständische Unternehmen ihre Liefernetzwerke nachhaltiger gestalten und die Verpackungen ihrer Waren so kennzeichnen, dass sie den Kunden beim Einkauf Orientierung geben können“, erläutert Dr. Susanne Wiese-Willmaring, Leiterin des Referats Lebensmittel bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). In einem Projekt will die Universität Osnabrück zusammen mit dem Schokoladenhersteller Ludwig Weinrich (Herford) am Beispiel von Kakao aus Ghana Wege entwickeln, um Kaufentscheidungen zugunsten von fair und umweltfreundlich produzierter Ware zu unterstützen. Das soll die Bedingungen der Kakaobauern verbessern sowie die Umwelt in den Anbauregionen schützen. Die DBU fördert das Vorhaben mit 450.000 Euro.

Komplexe Lieferketten

Die Globalisierung habe dazu geführt, so Wiese-Willmaring, dass die räumliche und kulturelle Distanz zwischen Konsumenten und dem Herstellungsort vieler Waren immer größer werde. Wie sich Entscheidungen der Verbraucher und das Einkaufsverhalten der Unternehmen sozial und ökologisch vor Ort auswirken, sei nur noch schwer nachzuvollziehen. „Das stellt besonders kleine und mittlere Unternehmen vor große Herausforderungen“, erklärt Prof. Dr. Martin Franz, Projektleiter vom Institut für Geographie der Universität Osnabrück. „Ihre Lieferketten lassen sich nur schwer strategisch koordinieren. Außerdem gelingt es nur selten, das bereits existierende Wissen über die Produktionsbedingungen an die Kunden zu vermitteln.“ Im Vorhaben will das Forschungsteam sichtbar machen, welche Auswirkungen die Einkaufsentscheidungen der Hersteller in den Anbauregionen haben. Gleichzeitig sollen Empfehlungen vor allem für mittelständische Unternehmen entwickelt werden, wie Nachhaltigkeitsinformationen wirksam entlang der Wertkette weitergegeben werden können.

Schäden an Umwelt und Gesundheit der Bauern

Die gegenwärtige Kakaoproduktion sei in den Anbau- und Verarbeitungsländern häufig gekennzeichnet durch Kinderarbeit, Ausbeuten von Kleinbauern sowie durch Entwaldung und den Verlust der biologischen Vielfalt. Durch unzureichenden Arbeitsschutz sei zudem oftmals die Gesundheit der Bauern gefährdet. Vor diesem Hintergrund will das Team untersuchen, mit welcher Art von Lieferketteninformationen Schokoladenhersteller dazu beitragen können, das Einkaufsverhalten der Kunden in eine nachhaltigere Richtung zu bewegen.

Vielfältige Experimente geplant

Um das herauszufinden, wollen sie Konsumenten befragen sowie Experimente im Labor und im Feld durchführen. Zudem sollen Virtual Reality-Technologien eingesetzt werden, um die soziale und räumliche Distanz zwischen den Konsumenten in Deutschland und den Produzenten in Ghana zu verringern. Das Projekt weise daher neben den umweltbezogenen Aspekten auch eine erhebliche soziale und wirtschaftliche Relevanz auf und unterstütze die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Projekt stößt auf Interesse der Schokoladenbranche

„Mit den Handlungsempfehlungen wollen die Wissenschaftler die nachhaltigere Produktion von Kakao stärken. Das verbessert nicht nur die Lebensbedingungen der Kakaobauern, sondern wird auch aktiv zum Schutz der Umwelt beitragen“, so Wiese-Willmaring. Bereits jetzt stoße das Projekt in der Schokoladenbranche auf großes Interesse. Es soll durch einen Projektbeirat begleitet werden, in dem verschiedene Akteure aus Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen vertreten sind.


Waldbrandgefahr im DBU-Naturerbe Ueckermünder Heide

DBU warnt: Jeder Zigarettenstummel kann ein Brandsatz sein
Kiefernforst auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide © Maximilian Marr/Bundesforst
Schon ein weggeworfener Zigarettenstummel kann ein Brandsatz sein: Der Kiefernforst auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide ist derzeit besonders brandgefährdet.
DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide © DBU Naturerbe
Die DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide umfasst rund 9.000 Hektar und gehört zu einem der größten geschlossenen Waldgebiete Mitteleuropas.

Ueckermünde. Die im Frühjahr ungewöhnlich hohen Temperaturen und der geringe Niederschlag führen auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide zu einer erhöhten Waldbrandgefahr. Auch die aktuellen Regenfälle können die Trockenheit des Bodens bis in tiefere Schichten nicht ausgleichen. Unachtsamer Umgang mit der Natur, wie das im Wald ohnehin verbotene Entfachen von Lagerfeuern oder das unachtsame Wegwerfen eines einzigen Zigarettenstummels, können dramatische Folgen nach sich ziehen. „Wer in der Natur zündelt, muss sich klar darüber sein, dass das die Ursache für einen verheerenden Waldbrand sein kann“, betont Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe. Deshalb bittet die gemeinnützige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) alle Besucher der Naturerbefläche, Brandursachen vorzubeugen und der Natur gegenüber respektvoll zu handeln.

Bedacht sein, Brandursachen vorbeugen

Auch heiß gelaufene Autos sollten nur auf ausgewiesenen, dafür vorbereiteten Parkplätzen und nicht auf trockenem Gras abgestellt werden, da dies ein Feuer entfachen könnte. „Gerade aufgrund der momentanen Trockenheit sind Bäume und Pflanzen noch stärker brandgefährdet“, sagt Koordinator Wolf Menzel vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz. „Besucher der Naturerbefläche müssen gerade jetzt darauf achten, was sie im Wald hinterlassen. Offenes Feuer und Rauchen sind tabu. Nur wer sich daran hält, kann Waldbrände verhindern“, betont Menzel. Sollten Besucher dennoch Rauch aufsteigen sehen, ist die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 unverzüglich zu alarmieren.


Ansprechpartner bei Fragen zur DBU-Naturerbefläche Ueckermünde Heide: Wolf Menzel, Tel. 0170|7928610


Schmetterlingen im DBU Naturerbe auf der Spur

Tagfalter-Monitoring des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung erstmals in Schutzgebieten
Brombeer-Zipfelfalter © Eckhard Scheibe
Ehrenamtliche Schmetterlingsexperten haben den Brombeer-Zipfelfalter – Schmetterling des Jahres 2020 – auf der DBU-Naturerbefläche Rüthnicker Heide entdeckt.
Spiegelfleck-Dickkopffalter © Eckhard Scheibe
Schmetterlingsexperten schwärmen aus: Erstmals zählen Ehrenamtliche in diesem Jahr Tagfalter wie etwa den Spiegelfleck-Dickkopffalter auf sieben DBU-Naturerbeflächen.

Osnabrück. Drei Brombeer-Zipfelfalter, fünf Rotklee-Bläulinge: Erstmals zählen Ehrenamtliche in diesem Jahr tagaktive Falter auf ausgewählten DBU-Naturerbeflächen. „Wir freuen uns, dass wir das Tagfalter-Monitoring auf sieben DBU-Naturerbeflächen unterstützen“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe. Auch Elisabeth Kühn, Projektkoordinatorin des Tagfalter-Monitoring Deutschland vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ist erfreut über die Zusammenarbeit: „Im Rahmen der Initiative sammeln Schmetterlingsexperten schon seit 2005 Daten zum Vorkommen der Tagfalter in Deutschland. Mit den Flächen des DBU Naturerbes ist dies erstmals in geschützten Landschaften möglich.“ Denn die Flächen sind als Teil des Nationalen Naturerbesdem Naturschutz gewidmet. Teilweise überschneiden sie sich mit Naturschutzgebieten und beherbergen europaweit geschützte Lebensräume wie seltene Heiden.

Freiwillige zählen erstmals in Schutzgebieten

„Nach einem Aufruf 2019 in dem Fachmagazin Oedippus haben wir für sieben DBU-Naturerbeflächen ehrenamtliche Zähler gefunden“, erklärt Lena Fitzner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im DBU Naturerbe. Erstmals schwärmen Schmetterlingsexperten aus, um auf den DBU-Naturerbeflächen Rüthnicker Heide in Brandenburg, Oranienbaumer Heide in Sachsen-Anhalt, Hartmansdorfer Forst in Sachsen sowie FrauenholzHainbergReiterswiesen und Tennenlohe in Bayern Tagfalter entlang der Wege zu zählen. Im ersten Schritt haben sie die sogenannten Transekte festgelegt: Genormte Strecken von etwa 500 Metern Länge, eingeteilt in Abschnitte von 50 Metern. Entlang dieser markierten Routen in der Natur erfolge die Zählung in regelmäßigen Zeitabschnitten bis in den September hinein. „Uns war es wichtig, dass wir die Transekte gemeinsam mit den ortskundigen Schmetterlingskennern auswählen. Mögliche Lieblingsplätze der Zähler sollten natürlich dabei sein – beispielsweise Orte, an denen sie schon besondere Falter entdeckt haben“, so Fitzner. Die Zählabschnitte beinhalten offene Landschaften wie Heiden und Wiesen, aber auch Säume und Übergangsbereiche zum Wald.

Zählen bei optimalem Wetter

Nicht zu windig und nicht zu kalt soll es bei der Aufnahme der Daten sein. „Die Vorgaben des UFZ müssen beachtet werden“, betont Fitzner. „Unter 13 Grad Celsius darf beispielsweise nicht gezählt werden. Denn bei Wind, Regen und Kälte verstecken sich die Falter unter schützenden Blättern und Ästen.“ Wenn das Wetter mitspielt und die Genehmigungen der Naturschutzbehörden alle vorliegen, kann es losgehen: Innerhalb von fünf Minuten laufen die Ehrenamtlichen 50 Meter Strecken ab und bestimmen dabei die Schmetterlinge, die sie in zweieinhalb Metern links und rechts der Wege entdecken. Ausgerüstet mit einem speziellen Kescher und einem Glas mit eingebauter Lupe dürfen sie die Falter im Ausnahmefall auch kurzzeitig fangen. Meist können die Experten die Artzugehörigkeit jedoch schon auf Sicht bestimmen. Auch die Anzahl soll notiert werden.

Schmetterlingszählung auch in kommenden Jahren

Die Zählungen wolle das DBU Naturerbe auch in den kommenden Jahren fortführen, möglicherweise werden weitere Flächen hinzukommen. Für dieses Jahr sei jedoch die maximale Anzahl an Flächen und freiwilligen Helfern erreicht. Die DBU-Koordinatorin des Tagfalter-Monitorings freut sich auf die Ergebnisse: „Nachdem das UFZ die Daten gesammelt und ausgewertet hat, bekommen wir sie zur Verfügung gestellt. Wir sind gespannt, welche Arten die Ehrenamtlichen auf den Wiesen, Heiden, Mooren oder den Übergangsbereichen zum Wald der DBU-Naturerbeflächen finden und wie sich ihr Vorkommen entwickeln wird“, so Fitzner.


Ansprechpartner bei Fragen zum Tagfalter-Monitoring: Elisabeth Kühn, Tel. 0345|5585263


Alleskönner Mikroalge: Extrakt umweltschonender gewinnen

Wirksames Verfahren für Inhaltsstoff in Kosmetikartikeln - DBU fördert
Algen © Institut für Getreideverarbeitung
Eine bessere Ausbeute des Algenextraktes und weniger Energieverbrauch sind das Ziel des DBU-Projektes vom Institut für Getreideverarbeitung.

Brandenburg. „Mikroalgen sind absolute Alleskönner“, sagt Projektleiter Dr. Gerd Huschek vom Institut für Getreideverarbeitung (IGV, Brandenburg). „Aufgrund ihrer hochwertigen Eiweiße und wertvollen Inhaltsstoffe kann man sie als Nahrung, als Futtermittel oder in Kosmetikartikeln verwenden. Für Letztere werden die Algen speziell behandelt und zu einem Extrakt verarbeitet.“ Als nachwachsende Rohstoffe könnten sie einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung liefern. Allerdings seien der Energiebedarf und die Kosten für das Gewinnen der Algenextrakte hoch, die erzeugten Mengen jedoch eher gering, sodass die Algen mit den herkömmlichen Inhaltsstoffen kaum konkurrieren könnten. In dem Projekt, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit 400.000 Euro fördert, soll mittels Plasmatechnologie eine wirksamere und somit umweltschonendere und schnellere Extraktion der Mikroalgenbiomasse ermöglicht werden.

Alleskönner Mikroalge

Bei Mikroalgen handelt es sich um meist einzellige, wenige Mikrometer große Lebewesen. Sie werden als Hoffnungsträger unter den nachwachsenden Rohstoffen angesehen. „Das liegt zum einen daran, dass sie schnell wachsen und auf Flächen produziert werden können, die sonst nicht für die Landwirtschaft geeignet sind“; erklärt Dr. Hans-Christian Schaefer, DBU-Referatsleiter Biotechnologie. Zum anderen enthielten die Mikroalgen viele wertvolle Inhaltsstoffe, wie gesundheitsfördernde Fette, Vitamine, Eiweiße oder Farbstoffe, die sowohl für Lebensmittel-, als auch Pharma- und Chemieunternehmen interessant seien.

Hohe Kosten - wenig Ertrag

Trotz der vielen Vorteile, welche die Algen als nachwachsende Rohstoffe böten, nutze man sie heute kaum. Das liege in erster Linie daran, dass die Kosten für das Gewinnen des Extraktes hoch und die erzeugten Mengen zu gering seien, um mit den chemisch hergestellten Produkten zu konkurrieren. Ein Grund besteht darin, dass Algen ihre wertvollen Inhaltsstoffe durch extrem stabile Zellwände schützen. Aktuell liege die Ausbeute vom Extrahieren der Algenbiomasse für Kosmetik deswegen nur bei einem geringen Prozentwert. „Wenn es also möglich wäre, den Algenextrakt günstiger oder in größerer Menge zu erzeugen, dann könnte der nachwachsende Rohstoff sein volles Potenzial entfalten“, so Huschek.

Plasmatechnologie als Lösung

Um Algenextrakt für Kosmetikartikel zu erzeugen, werden Algen zunächst gezüchtet und dann eingefroren. Danach werden sie wieder aufgetaut und mit Enzymen behandelt. Einfrieren und Behandeln mit Enzymen würden die stabilen Zellwände aufbrechen und die gewünschten Inhaltsstoffe freisetzen. „Wir wollen ein umwelt- und wirkstoffschonendes Verfahren im 20-Liter-Maßstab entwickeln. Dazu nutzen wir die Plasmatechnologie, die vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie(Greifswald) entwickelt wird. Bei diesem Verfahren werden die Zellwände über Schockwellen porös gemacht. So erübrigen sich Einfrieren und Behandeln mit Enzymen“, erklärt Huschek. Gleichzeitig würden Zeit und Energie eingespart, ohne die Reinheit des Extraktes zu verringern. Statt der ursprünglich 13 Prozent Extraktionsausbeute bei diesem Verfahren sollen 20 Prozent erreicht werden. So könne der Energiebedarf einer Jahresproduktion um ein Drittel gesenkt werden. Perspektivisch soll das Verfahren auf andere Algenarten und Produkte übertragen werden.